Jeanne d'Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna

Berufung, Triumph und Leiden

Walter Braunfels (1882 – 1954)

Dichtung nach den Prozessakten; Text und Musik von Walter Braunfels; Szenische Uraufführung am 27. April 2008 an der Deutschen Oper Berlin

In deutscher Sprache mit Übertiteln

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Musikalische Leitung Matthias Foremny
Idee, Konzeption Christoph Schlingensief
Regieteam nach Aufzeichnungen von Christoph Schlingensief Carl Hegemann
Anna-Sophie Mahler
Søren Schuhmacher
Bühne, Konzeption Thomas Goerge
Thekla von Mülheim
Kostüme Aino Laberenz
Ausstattung Mitarbeit Bernd Damovsky
Film / Video Kathrin Krottenthaler
Videotechnik Konstantin Hapke
Chöre William Spaulding
Kinderchor Christian Lindhorst
St. Michael Paul McNamara
St. Catharina Kim-Lillian Strebel
St. Margarete Annie Rosen
Karl von Valois, König Clemens Bieber
Erzbischof von Reims James J. Kee
Cauchon, Bischof von Beauvais Peter Maus
Vicar Inquisitor ZhengZhong Zhou
Johanna Mary Mills
Jacobus von Arc Tobias Kehrer
Colin Paul Kaufmann
Gilles de Rais Simon Neal
Herzog de la Trémouille Lenus Carlson
Herzog von Alencon Jörg Schörner
Ritter Baudricourt Seth Carico
Lison Rachel Hauge
Bertrand de Poulengy Yosep Kang
Florent d'Illiers James J. Kee
Page Paula Marzejon
Salisbury James J. Kee
Hohepriesterin Birgit Köhne
Tänzer Marcos Abranches
Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin
Kinderchor der Deutschen Oper Berlin
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin
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Walter Braunfels’ Oper entstand in den Jahren 1938 – 1942, die der Komponist – von den Nazis mit Berufsverbot belegt und verfemt – in der inneren Emigration in Überlingen am Bodensee verbrachte. Nach Fronterlebnissen im 1. Weltkrieg war er vom Protestantismus zum Katholizismus konvertiert. Seitdem spielte sein Glaube auch in seinen Kompositionen eine zentrale Rolle. Die deutsche Veröffentlichung der Prozessakten der Jeanne d’Arc, in deren Leidensweg er Parallelen zu seinem eigenen Schicksal sah, inspirierte ihn zu einer Oper, deren Libretto er auch selbst schrieb.

Schlingensiefs Version der Johanna-Oper ist eine Reduktion und gleichzeitig eine Erweiterung. Johanna ist nicht nur die jungfräuliche Kriegerin in Männerkleidung, die Stimmen der Heiligen hört, ihrem Vaterland Frankreich im Krieg gegen englische Besatzer zum Sieg verhilft und später als Ketzerin und Hexe verbrannt wird, sie ist auch ein Mensch wie alle, der arbeitet und leidet, liebt und stirbt. An ihre Seite stellt Braunfels Gilles de Rais und konfrontiert die Jungfrau mit dem späteren Kinderschänder und -mörder. Es ist ein schmaler Grat zwischen Gut und Böse: Nicht Heilsgewissheit und Erlösung, sondern Ungewissheit und Unsicherheit bestimmen die Handlung. Es scheint nur eine Zukunft zu geben, wenn sie ungewiss ist. Der Ausruf des Gilles de Rais „Satan, du hast gesiegt!“, steht am Ende unvermittelt gegen das Wunder: „Johannas Herz verbrannte nicht!“ Die Oper von Walter Braunfels ist eine Passion der Ambiguität.

Auf seiner Nepalreise konnte Christoph Schlingensief erleben, dass Menschen – unmittelbar nach ihrem Tod – in aller Öffentlichkeit und Selbstverständlichkeit nach einem genau festgelegten Ritual verbrannt werden. Unter diesem Eindruck entstand die Idee, die Geschichte der Heiligen Johanna, die in Braunfels’ Oper auch starke liturgische Elemente aufweist, in einem solchen Ambiente als ritualisierten Leidensweg vom Hospiz zur öffentlichen Totenverbrennung zu spielen. So bringt man sie – wie besonders ihr Schicksal auch ist – in die Nähe des gewöhnlichen Lebens und Sterbens der Menschen. Profaner Alltag und sakrale Handlung fließen dabei ineinander.

Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.
Präsentiert von taz.die tageszeitung

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Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts