Cavalleria rusticana / Der Bajazzo


Pietro Mascagni (1863 – 1945) / Ruggero Leoncavallo (1857 – 1919)

„Cavalleria Rusticana“
Melodramma in einem Akt von Pietro Mascagni
Libretto von Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci nach Giovanni Verga
Uraufführung am 17. Mai 1890 in Rom
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 23. April 2005

„Der Bajazzo“
[„Pagliacci“]
Drama in zwei Akten von Ruggero Leoncavallo
Libretto: Ruggero Leoncavallo
Uraufführung am 21.Mai 1892 in Mailand
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 23. April 2005

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

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Besetzung

Musikalische Leitung Cornelius Meister
Inszenierung David Pountney
Bühne, Kostüme Robert Innes Hopkins
Choreographische Mitarbeit Silke Sense
Chöre William Spaulding
Cavalleria rusticana
Santuzza Waltraud Meier
Turiddu Maxim Aksenov
George Oniani (18.03.2014)
Lucia Ronnita Miller
Alfio Ivan Inverardi
Lola Katarina Bradic
Zwei Bauern Frank Wentzel
Robert Klöpper (18.03.2014 | 26.03.2014)
Zwei Bauern Max Stieren
Tomasz Rakocz (18.03.2014 | 26.03.2014)
Der Bajazzo
Canio Stephen Gould
Nedda Inva Mula
Tonio Ivan Inverardi
Beppo Álvaro Zambrano
Silvio Etienne Dupuis
Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin
Chöre Kinderchor der Deutschen Oper Berlin
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin
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Es kann beruhigend sein zu wissen, dass die Tränen, die auf der Bühne vergossen werden, falsch sind, dass die Gefühle nur gespielt sind und die Schmerzen von den Darstellern nicht wirklich durchlitten werden. Beruhigung aber ist nicht die Sache der jungen italienischen Komponisten an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, im Gegenteil: aufrütteln wollten sie die Zuschauer, sie hineinziehen in den Strudel der Gefühle, sie überrumpeln mit den komischen und tragischen Wendungen, die ihre dem Leben abgeschauten Geschichten nehmen.

In der literarischen Bewegung des ‚verismo’ [abgeleitet aus ‚il vero’ = das Wahre/die Wahrheit] fanden sie ihr Anliegen vorgeformt, und es ist nur konsequent, dass Pietro Mascagni als Vorlage für seinen Erstling eine Novelle von deren Hauptvertreter Giovanni Verga auswählte. Cavalleria rusticana [der deutsche Titel ist: Sizilianische Bauernehre] hatte seine Bühnentauglichkeit schon in einer Dramatisierung unter Beweis gestellt, die auch in Mascagnis Heimatstadt Livorno gezeigt wurde. 1880 war die Erzählung erschienen in der Sammlung Vita dei campi, was eigentlich Leben auf dem Lande heißt, wegen der Herkunft des Autors in der deutschen Übersetzung jedoch meist Sizilianische Dorfgeschichten genannt wird.

Mühelos gewann Mascagni mit seinem Erstling den Kompositionswettbewerb, den der Verleger Sonzogno 1888/89 für Operneinakter ausgeschrieben hatte. Die überaus erfolgreiche Uraufführung im römischen Teatro Costanzi am 17. Mai 1890 darf als Geburtsstunde des musikalischen ‚verismo’ gelten.

Zwei Jahre später erst schrieb Ruggero Leoncavallo die Kurzoper PAGLIACCI mit dem berühmten Prolog. Der deutsche Titel DER BAJAZZO setzt richtigerweise die Hauptfigur in die Einzahl, die Mehrzahl im italienischen Original wurde von dem berühmten Sänger Victor Maurel erzwungen, der als Tonio den Prolog zu singen hatte und dessen Rolle sonst im Titel des Werks nicht erschienen wäre.

Der gesungene Prolog enthalt das Credo des ‚verismo’: „Der Künstler ist ein Mensch und muss für Menschen schreiben. [...] Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut und wir atmen genauso wie Ihr den Hauch dieser verlorenen Welt.“ Der dialektische Kunstgriff Leoncavallos ist, dass in seiner den „Vermischten Meldungen“ einer Zeitung ähnelnden Geschichte die Tragödie sich gerade deshalb zuspitzt, weil der Darsteller des Bajazzo Spiel und Ernst nicht mehr zu trennen vermag.

Die Kombination dieser beiden Kulminationspunkte des musikalischen „verismo“ zum Doppelabend, im Englischen mit dem Kürzel CAV & PAG versehen, hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingebürgert. Wie Zwillinge gleichen sie sich und konnten doch nicht unterschiedlicher sein: die Ouvertüre wird durch Gesang unterbrochen, ein Zwischenspiel verbindet die beiden Akte [ja, natürlich ist CAVALLERIA RUSTICANA auch ein Zweiakter, nur die Wettbewerbsbedingungen forderten, dass auf dem Titelblatt ‚in einem Akt’ steht!], süditalienisches Ambiente in der Gegenwart der Autoren, Genreszenen der Chöre mit Beschreibung von Orangenduft oder Kirchenglocken. Sonst aber: spätes Aufblühen von Belcanto bei Mascagni, Leitmotive und vielfältige Orchestereffekte bei Leoncavallo, Dominanz der Kirche und der engstirnigen Moral fast wie bei Garcia Lorca hier und pralles Leben mit Lust auf Zerstreuung dort.

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Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts