Rienzi, der Letzte der Tribunen


Richard Wagner (1813 – 1883)

Große tragische Oper in fünf Akten; Dichtung von Richard Wagner nach dem Roman Rienzi, or The Last of the Tribunes von Edward George Bulwer-Lytton; Uraufführung am 20. Oktober 1842 in Dresden; Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 24. Januar 2010

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Rom wird beherrscht von den Partikularinteressen und Clan-Kämpfen verfeindeter Adelsfamilien. An der Spitze der Bürgerpartei kämpft der charismatische Idealist Rienzi für Freiheit und Gerechtigkeit, Größe und Frieden. Er genießt das Vertrauen der Kirche und des Volkes. Die Königswürde lehnt er zwar ab, übernimmt aber mit „großen Gedanken im Kopf und im Herzen“ (Wagner) das Amt des Volkstribuns. Rom, das er liebt wie eine Braut, will er den inneren Frieden und seine einstige Größe zurückgeben. Unterstützt und eingesetzt von der Heiligen Kirche verspricht er, an der Seite eines gesetzgebenden Senats die Rechte des Volkes zu schützen. Doch der Adel hat sich dem neuen politischen System und seinem Vertreter nur zum Schein untergeordnet. Ein erster Attentatsversuch der Nobili scheitert, den Attentätern droht die Todesstrafe. Adriano, Sohn eines der Verschwörer und der Geliebte der Schwester Rienzis, gerät zwischen die Fronten. Er bittet Rienzi um Gnade für den Vater. Der wirbt schließlich beim Volk dafür, seine Entscheidung, die Attentäter am Leben zu lassen, mitzutragen und wendet so die Todesstrafe ab. Doch der Frieden hält nur kurz. Den Treueschwur, den Rienzi den begnadigten Nobili abverlangt, brechen sie und zetteln neue Unruhen an, die diesmal nur mit hohem Blutzoll auf beiden Seiten niedergeschlagen werden können. Die Loyalität des Volkes zu seinem Tribun bröckelt. Als Rienzi den Machtanspruch Roms über die Grenzen der Stadt hinaus ausweiten will, wendet sich die Kirche von ihm ab. Damit ist der Damm gebrochen, der Retter wird zum Sündenbock. Das Volk ruft zur Steinigung und Verbrennung ihres einstigen Hoffnungsträgers auf. Vor seinem Tod verflucht Rienzi Rom und droht, es mit sich in den Untergang zu reißen.

Mit RIENZI, seiner vierten Oper, war Wagner der Durchbruch gelungen. Lange ein geradezu populäres Werk, verschwand RIENZI nach dem Zweiten Weltkrieg beinahe völlig von den Spielplänen. Hitler selber hatte in der Gestalt des Titelhelden enge Bezüge zu seiner eigenen bereits gelebten, aber auch der geplanten Biografie ausgemacht und eine von ihm 1906 (oder 1907) in Linz besuchte Aufführung geradezu als Initialzündung für künftiges Wirken gedeutet. Die Nachwelt distanzierte sich von diesem Werk, da auch sie nicht umhin konnte, diese Parallelen zu erkennen, die sich allerdings weniger in biografischen Details manifestieren als in gemeinsamen sprachlichen Topoi, einem umfangreichen Macht- und Erlösungsanspruch und einem Gewaltpotential, das schnell in einen grenzenlosen Zerstörungswillen umzuschlagen droht.

Wagner, der seinen Stoff im Roman Edward Bulwer-Lyttons „Rienzi, or The Last of the Tribunes“, fand, fußt mit RIENZI musikalisch und thematisch noch in der Tradition der französischen Grand opéra, die er allerdings sowohl klanglich als auch inhaltlich übertreffen und überwinden möchte. Die romantische Vorstellung des einsamen, übermenschlichen Helden, der am Unverständnis der Welt zugrunde geht, ist in RIENZI bereits angelegt. Sie bildet die Keimzelle für den von Wagner in seinem späteren Werk entfalteten, am Menschen geschulten, dann mythisch überhöhten Kosmos.

„Hüte dich, ich beschwöre dich, die herrliche Erscheinung deines Ruhms mit eigenen Händen zu vernichten. Kein Mensch außer dir allein vermag die Fundamente deiner Taten einzureißen; du kannst vernichten, da du den Grund gelegt hast – der Baumeister ist immer der beste Zerstörer der eigenen Werke. Du weißt, auf welchen Wegen du zum Ruhm emporgestiegen bist; auf denselben Wegen steigt man von dort wieder herab, und natürlicherweise geht der Abstieg leichter …
Daran denke, solange es Zeit ist, immer wieder, wie der Jüngling bei Terenz sagt. Erwäge bitte mit höchstem Eifer, was du tust, prüfe dich selbst ganz genau, bedenke, und täusche dich nicht, wer du bist, wer du gewesen bist, woher du kommst, wohin du gehst, wie weit man gehen kann, ohne die Freiheit zu verletzen, welche Stellung und welches Amt du angenommen hast, welche Hoffnung man auf dich gesetzt hat und was du versprochen hast: dann wirst du dich nicht als Herrn der Republik, sondern als deren Diener sehen.“ (Petrarca an Rienzo, Genua 1347)

Mit freundlicher Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.

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Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts