Verdi Requiem

Messa da Requiem

Giuseppe Verdi (1813 – 1901)

Uraufführung am 22. Mai 1874 in Mailand; Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 3. November 2001

In lateinischer Sprache

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Besetzung

Musikalische Leitung William Spaulding
Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht Achim Freyer
Lichtgestaltung Ulrich Niepel
Chöre William Spaulding
Sopran (Der Weiße Engel) Evelina Dobraceva
Mezzosopran (Der Tod-ist-die-Frau) Clémentine Margaine
Tenor (Einsam) Yosep Kang
Bass (Der Beladene) Marko Mimica
Choreografie Freyer-Ensemble
Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin
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Giuseppe Verdi bezeichnete den Tod einmal als »die größte Katastrophe des menschlichen Lebens«. Wie in seinen Opernwerken stellt er auch in seiner MESSA DA REQUIEM den Menschen und seine innere Wirklichkeit in den Mittelpunkt. Seine Totenmesse ist nicht für den Kirchenraum bestimmt, sondern für die Welt – Verdi gibt dem Text der lateinischen Liturgie eine menschliche Antwort. Mit jener musikalischen Dramatik, die man aus seinen Opern kennt, beschwört er die Schreckensbilder von Tod, Endzeit und Verdammnis durch ein gigantisches Tableau intensiver Gefühle: Angst, Zorn, Schmerz, Trauer und Sehnsucht nach Erlösung. Verdi rührt an Geheimnisse unserer Existenz. Seine Musik lässt uns ahnen, dass es für Trost keine Gewissheit, für Hoffnung keinen anderen Grund gibt als uns selbst.

Achim Freyer, der poetische Theatermacher, ist dieser musikalischen Dramatik begegnet mit einem großartigen Entwurf epischen Musiktheaters. Das bedeutet für den Zuschauer parallel zum Erleben von Verdis emotional aufgeladener und in der Klangstruktur zugleich beinahe karger Musik die Beobachtung eines Reigens der Lebenden und der Toten, eines „Totentanzes des Lebens“, wie er es formuliert. Wie in einem mobilen Fries ziehen die fantastisch kostümierten Spieler seines Freyer-Ensembles wieder und wieder über die Bühne, wie in einer Unendlichkeit, in der die Zeit abläuft.

Was macht – gestern wie heute – die Faszination dieses Werkes aus? Vielleicht ist es der Dramatiker Verdi, der mit greifbarem Realismus das verborgene Szenische dieser Texte erfasst und sich dem größten Geheimnis des menschlichen Daseins annähert: dem Tod. Der Umfang, den das Dies irae und das Totengebet Libera me einnehmen, zeigt, welche Teile der Totenmesse Verdi am stärksten beschäftigt haben. Im Zentrum steht der Schrecken des Todes – ein Schrecken für die Lebenden, der keine Vision eines gnädigen Gottes verspricht.

Auch Freyer nähert sich von dieser Seite dem Werk. »Ich würde die Inszenierung gern allen Opfern ideologischer Gewalttaten aller Jahrhunderte widmen«, sagt er und fragt: „Was können wir als Künstler für die jetzigen, für die künftigen Opfer tun?“ Eine Antwort ist die Abkehr vom Sentimentalen, denn in unreflektierter Sentimentalität sieht er die Gefahr eines Abgleitens ins Ideologische. Freyer will keine Illusionen verbreiten, sondern den Menschen die Möglichkeit produktiven Umgangs zeigen mit dem, „was ist“. Und da gibt es ein großes Potenzial: eine eigene Utopie, „die wir nicht ererbt, nicht durch Erziehung übernommen haben, sondern die explizit im Menschen existiert, in seiner Seele: eine Utopie, die mit der Fähigkeit zu denken beginnt.“

„Ein Trauriger weiß, dass so eine Art Theater stärker ist, als etwa auf diesen Krieg einzugehen“, hatte Achim Freyer bereits vor zehn Jahren erklärt, als die Gewalt den Balkan erreichte. Freyers Bilder sind stark und eindrucksvoll, er selbst ein Mann, der zwischen Sentimentalität und Empfindsamkeit zu unterscheiden weiß. Der die Sensibilität von Kraft kennt und Gewalt als etwas Furchtbares verabscheut.

„Wie schon mit Händels Messias und Bachs h-Moll-Messe hat der Szenenmaler Achim Freyer das Wagnis unternommen, entlang der Musik auf drei Ebenen (Unterwelt, Erde, Himmel) eine Prozession von Liedern und Tänzen des Todes anzuordnen, die jedes Kinderherz angenehm erschauern lassen. Von Breughel bis Picabia und de Chiricos „beunruhigenden Musen“ reicht der figurale Zitatenschatz für dieses Bilderbuch-Oratorium vom Jüngsten Gericht. Es ist die perfekte szenische Illustration einer kirchenfernen, musikalisch machtvoll aufbegehrenden Gesangbuch-Liturgie – ein phantasievoll kostümierter Danse macabre …“ (Günter Engelhard, Rheinischer Merkur()

Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin

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Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts