Audiodeskription

Die Zeichnung einer jungen Frau mit Kopfhörern
 

In Berlin leben nach Schätzungen des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin etwa 6.000 blinde und 20.000 sehbehinderte Menschen. Wie im Durchschnitt der Bevölkerung dürfte ein Zehntel von ihnen kulturinteressiert sein. Diesen Gästen hilft die Live-Audiodeskription, auch das visuelle Bühnengeschehen intensiv erleben zu können. Im Fernsehen gibt es Filme mit Hörkanal, wo ein Sprecher für Menschen mit Sehbehinderung das Geschehen beschreibt. Das gleiche bieten wir nun Opernfreunden an, nur dass es nicht produziert ist, sondern live gesprochen wird. Dafür hat Förderband e.V., Kulturinitiative Berlin extra Sprecherinnen und Sprecher ausgebildet. Die Kommentare sprechen sie in einer schallisolierten Kabine am Saalende, per Funk werden sie übertragen. Um sie zu hören, leiht man sich im Foyer ein Gerät und empfängt während der Aufführung die Audiokommentare per Knopf im Ohr.

Der Berliner Spielplan «Audiodeskription» wurde durch Förderband e.V. im Jahr 2019 als Pilotprojekt ins Leben gerufen und ist im Jahr 2026 in die Trägerschaft der Kulturinitiative Förderband GmbH (theaterhaus berlin) übergegangen. Die Finanzierung erfolgt über den Berliner Landeshaushalt, durch die LOTTO Stiftung Berlin und die Herbert Funke Stiftung.

Mehr über den Spielplan erfahren Sie unter blog.theaterhoeren-berlin.de.

Tastführungen vor der Vorstellung machen mit Requisiten, Kostümen und der Bühnensituation vertraut. Hier betastet eine blinde Frau den langen weißen Schweif des Drachens aus Die Zauberflöte
Tastführungen machen mit Requisiten, Kostümen und der Bühnensituation vertraut © Marcus Lieberenz

«Auch Blinde wollen wissen, was auf der Bühne vor sich geht. Das ermöglichen wir mit dem Projekt Berliner Spielplan Audiodeskription. Wir erarbeiten Beschreibungen dessen, was visuell auf der Bühne passiert: Wie bewegen sich die Leute? Wie sieht die Bühne aus? Das ist ein mehrstufiger Prozess: Erst schreibt ein Autor ein Skript auf Basis der Inszenierung. Dann prüfen je ein sehender und ein blinder Autor den Text. Die Audiodeskription wird live gesprochen, die Zuschauer hören sie auf Kopfhörern. Für Streams werden sie aufgezeichnet. Dazu gehören auch Tastführungen mit Bühnenbegehung und Requisitenbetastung. Für mich ist Audiodeskription mehr als ein Service: Sie ist eine eigene Kunstform, sie macht ein Stück zu einem anderen Stück.» – Lavinia Knop-Walling

Was passiert bei einer Tastführung?

Die Tastführung richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen, um ihnen für das spätere Erleben der Vorstellung einen plastischeren Eindruck des Bühnengeschehens zu geben. In der Regel beginnen die einstündigen Führungen zwei Stunden vor der Vorstellung. Je nach Möglichkeit wird der Bühnenraum erkundet, Requisiten, Kostüme und Maskenelemente können ertastet werden. Künstler*innen und Mitarbeiter*innen der verschiedenen Gewerke beschreiben ihre Arbeit an der jeweiligen Produktion. Verschiedene Elemente der jeweiligen Inszenierung werden so dialogisch und taktil vorgestellt zur Wahrnehmung von Kunst durch mehrere Sinne.