Peter Maus (1948 – 2022)

Peter Maus (1948 – 2022)

Nachruf
Im Gedenken an den Berliner Kammersänger Peter Maus
24. März 1948 – 17. Juni 2022

In einem Gespräch, das 2013 aus Anlass seiner letzten Auftritte als Mime im RHEINGOLD entstand, verriet Peter Maus die Devise seines Sängerlebens: „Überschätze dich nicht, dann werden dich andere schätzen“, lautet dieser Satz, und aus ihm sprechen gleichermaßen Bescheidenheit und die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion. Im Laufe seiner staunenswert langen Karriere ist Peter Maus diesem Satz nicht nur treu geblieben, sondern hat auch erleben dürfen, dass sich dessen zweiter Teil einlöste. Mehr noch: Peter Maus wurde von den Kollegen wie vom Publikum nicht nur geschätzt, er wurde von allen als ein kaum wegzudenkender Teil der Deutschen Oper Berlin empfunden. Warum das so war, zeigt schon ein Blick auf die Vielzahl der Partien, die der Tenor im Laufe von vierzig Jahren an seinem Haus verkörperte. An die 100 Partien in über 70 Bühnenwerken wurden es, seit er am 26. Februar 1974 hier im Alter von 25 Jahren in Verdis IL TROVATORE debütiert hatte. Mosaiksteinartig setzt sich das Bild der Künstlerpersönlichkeit so aus vielen Facetten zusammen: Große Partien sind darunter wie Belmonte in Mozarts DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL und Mime im RHEINGOLD, kleinere Rollen, die gleichwohl starke darstellerische und sängerische Präsenz fordern wie der Narr in Mussorgskys BORIS GODUNOW und der Monsieur Triquet in Tschaikowskys EUGEN ONEGIN, aber auch jene Kleinstrollen, die ein Sänger nur glaubwürdig ausfüllen kann, wenn er jede Eitelkeit beiseitelässt. Vielleicht lag ihm als gebürtigem Bayreuther Wagner besonders am Herzen: Zwanzig Jahre lang, von 1982 bis 2002, sang er regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen. Noch sein letzter Auftritt an der Deutschen Oper Berlin am 8. Dezember 2019 fand in einer seiner Paraderollen statt, dem Hirten in Wagners TRISTAN UND ISOLDE. Doch charakteristisch für Maus‘ Zugang zum Gesang ist vor allem die Neugier, mit der er auf jede neue Partie zuging und sie sich zu eigen machte – kein Wunder, dass unter seinen Rollen überdurchschnittlich viele Auftritte in Werken zeitgenössischer Komponisten stehen: Maus stand in Werken von Aribert Reimann und Bernd Alois Zimmermann, Wolfgang Rihm, Mauricio Kagel und Hans Werner Henze auf der Bühne und eine seiner letzten Partien am Haus war die Uraufführung einer Kinderoper in der Tischlerei.
Der Stadt Berlin ist Peter Maus, dem 2001 der Titel eines „Berliner Kammersängers“ verliehen wurde, nicht nur durch sein jahrzehntelanges Wirken im Ensemble der Deutschen Oper Berlin verbunden: Seine Kombination aus Offenheit, Kollegialität und vorurteilsloser Beurteilungsfähigkeit machten ihn bald zu einem gesuchten Lehrer, seit 1995 auch als Honorarprofessor an der Berliner Universität der Künste.
Nun ist Peter Maus nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Die Deutsche Oper Berlin trauert um einen prägenden Sängerdarsteller und wunderbaren Kollegen.

Biografie
Der Tenor war von 1974 bis 2013 Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, debütierte hier als Isèpo / LA GIOCONDA und hat Partien wie Belmonte und Pedrillo / DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL, Ferrando / COSI FAN TUTTE, Jaquino / FIDELIO, Steuermann / DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, Beppe / PAGLIACCI, Remendado / CARMEN, Brighella / ARIADNE AUF NAXOS, Wenzel / DIE VERKAUFTE BRAUT, 1. Priester / DIE ZAUBERFLÖTE, Don Curzio / DIE HOCHZEIT DES FIGARO, Abbé / ANDREA CHENIER, Hirt / TRISTAN UND ISOLDE, Alcindoro / LA BOHEME und Erster Philister / SAMSON UND DALILA sowie Mime / DAS RHEINGOLD u. v. a. m. gestaltet.

Er gibt Konzert- und Operngastspiele im In- und Ausland und war von 1982 bis 2002 Solist bei den Bayreuther Festspielen. 1995 wurde er zum Honorarprofessor an der Universität der Künste Berlin berufen und am 2. Juli 2001 zum Berliner Kammersänger ernannt.

Bis heute ist er als ein Publikumsliebling an der Deutschen Oper Berlin u. a. als Altoum / TURANDOT, Triquet / EUGEN ONEGIN und Alcindoro / LA BOHEME sowie an der Staatsoper Unter den Linden als Don Curzio / LE NOZZE DI FIGARO zu erleben.

Spielplan

Videos

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Giacomo Puccini: La Bohème (2017)

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