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Sechs Fragen an ...

Sir Simon Keenlyside

Sir Simon Keenlyside singt in Wagners TANNHÄUSER den Wolfram, einen Dichter, der Enthaltsamkeit lobt. Hier erzählt der Bariton, wie die große Liebe gelingt – und warum kein Sänger wie Wolfram sein kann

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Romantische Oper von Richard Wagner
Musikalische Leitung: Stefan Blunier
Inszenierung: Kirsten Harms
Mit Albert Pesendorfer, Stephen Gould, Simon Keenlyside, Emma Bell u. a.
5., 11. Mai 2019

Wolfram preist das Ideal der reinen Liebe, Tannhäuser die Lust. Wozu sich zwischen beiden entscheiden?
Die Oper präsentiert klare Umrisse. Wenn wir im Theater sitzen, denken wir über unsere Existenz nach – und wenn wir es verlassen, leben wir weiter, als wäre nichts geschehen. Praktisch, nicht?

Wem nützt überhaupt Enthaltsamkeit?
Da fragen Sie den Falschen. Wolfram hat keinen Erfolg mit Elisabeth, also gelobt er ein Leben in Enthaltsamkeit. Stellen Sie sich vor, Elisabeth hätte ihn genommen! Meinen Sie, er hätte weiterhin Enthaltsamkeit propagiert? Ich glaube nicht. Oper ist wie Schattentheater. Hier steht eine simple Figur mit scharfen Kanten, ihr gegenüber steht eine andere klar umrissene Figur. Wolfram von Eschenbach repräsentiert diese Einfachheit, um sich von Tannhäuser abzuheben.

Braucht nicht jede große Liebe immer auch große Barrieren?
Jede Liebe hat ihre Herausforderungen und an jeder Liebesbeziehung muss gearbeitet werden, genauso, wie Gebäude gewartet und geputzt werden müssen. Als ich jünger war, hatte ich Beziehungen, an denen ich hätte arbeiten müssen. Habe ich aber nicht. Also sind sie gescheitert.

Was ist mächtiger: Liebe oder Kunst?
Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Liebe natürlich. Als mein zweites Kind geboren wurde hatte ich solche Angst, dass ich nicht genug Liebe für beide in mir haben würde. Aber Liebe ist endlos. Kunst ist erbärmlich im Vergleich zur Liebe.

Ihr persönlicher Wolfram-Moment?
Wolfram hat eine besondere Funktion für mich: Ich brauche Rollen in meinem Repertoire, die mich nicht umbringen. Sonst gehe ich jedes Mal an meine Grenzen, wenn ich zur Arbeit gehe. Und das ist nicht gesund. Ich habe Wolfram sehr oft gesungen, aber seit vielen Jahren nicht mehr. Ich freue mich auf ihn. Er erschöpft mich nicht völlig und es ist gut für meine Stimme, etwas Sanfteres zu singen. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht an ihm interessiert bin, im Gegenteil! Wolfram ist zwar nicht unglaublich interessant zu singen, aber es ist wundervoll, ein Teil dieser Oper zu sein. Für meine Stimme gibt es sonst nichts bei Wagner.

Hand aufs Herz: Sind Sie eher Wolfram? Oder Tannhäuser?
Kennen Sie irgendjemanden, der wie Wolfram ist? Ich nicht. Vor allem kenne ich keinen einzigen Sänger, der wie Wolfram ist. Jeder, der auf die Bühne geht, riskiert zu scheitern. Wolframs Persönlichkeit steht im Widerspruch zur Freude, der Leidenschaft und dem Risiko, diese unmögliche Sache zu wagen, die wir singen nennen. Ich wäre aber auch nicht gern wie Tannhäuser. Der ist wie ein Typ, der einen riesigen Berg ohne Sicherungsseil erklimmt. Den verstehe ich auch nicht, ich verstehe nicht mal, wie man diese Rolle singen kann. Tannhäuser zu singen ist wie einen Achttausender zu besteigen.