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Pressebereich

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21.06.2022

Nachwuchsförderung wird beim Förderkreis der Deutschen Oper Berlin jetzt noch größer geschrieben

Seit über zwanzig Jahren ist der Götz-Friedrich-Preis eine der wichtigsten Einrichtungen zur Förderung herausragender Begabungen im Bereich der Musiktheaterregie – Preisträger wie Stefan Herheim, Nadja Loschky und Sebastian Baumgarten seien hier stellvertretend genannt. Auch für die Spiel-zeit 2022/23 werden wieder der mit 5.000 Euro dotierte Regiepreis für die beste Inszenierungsarbeit sowie ein mit 2.500 Euro dotierter Studiopreis vergeben. Nachdem der Götz-Friedrich-Preis in den vergangenen Jahren durch die Deutschsprachige Opernkonferenz ausgerichtet wurde, kehrt er nun zurück an die Deutsche Oper Berlin, die Hauptwirkungsstätte seines Widmungsträgers. Der Förderkreis der Deutschen Oper Berlin unterstützt ab jetzt organisatorisch die Ausrichtung des Preises. 

Teilnahmeberechtigt sind Opernregisseurinnen und -regisseure im Alter bis 35 Jahren. Dabei gilt der Zeitpunkt der Premiere. Wesentliches Kriterium für die Auswahl ist, dass die Arbeit deutlich selbstständige innovative Akzente setzt. Die Ausschreibung finden Sie als angefügtes PDF.

Damit übernimmt der Förderkreis eine weitere Aufgabe im Feld der Nachwuchsförderung. Schon seit Jahren ermöglichen dessen finanzielle Zuwendungen jungen Sängerinnen und Sängern den Karrierestart und helfen der Deutschen Oper Berlin dabei, ihr erstklassiges Ensemble zu pflegen. Mit dem neu gegründeten Projekt Talent-Circle will der Förderkreis darüber hinaus einen Unterstützerkreis aufbauen, der den musikalischen Nachwuchs nicht nur finanziell unterstützt, sondern zu einem Kreis von persönlichen Paten wird. Neben Sängerinnen und Sängern erweitert sich die Nachwuchsförderung ab jetzt auch auf eine Korrepetitorenstelle sowie Instrumentalistinnen und Instrumentalisten.

In seiner letzten Mitgliederversammlung hat der Vorstand mit der Wahl von Dr. Kilian Jay von Seldeneck zum Vorsitzenden einen Generationswechsel vollzogen: Der bisherige Vorstandsvorsitzende André Schmitz hat, zusammen mit Margarita Broich, die Stellvertretung übernommen. Künftig wird der Vorstand zudem durch Dr. Heike Maria von Joest verstärkt.


21.06.2022

Ausschreibung des Götz-Friedrich-Preises der Deutschen Oper Berlin für Regiearbeiten der Spielzeit 2022/23

Seit über zwanzig Jahren ist der Götz-Friedrich-Preis eine der wichtigsten Einrichtungen zur Förderung herausragender Begabungen im Bereich der Musiktheaterregie und vergibt auch für die Spielzeit 2022/23 wieder den mit 5.000 Euro dotierten Regiepreis für die beste Inszenierungsarbeit sowie einen mit 2.500 Euro dotierten Studiopreis. Nachdem der Götz-Friedrich-Preis in den vergangenen Jahren durch die Deutschsprachige Opernkonferenz ausgerichtet wurde, kehrt er nun zurück an die Deutsche Oper Berlin, die Hauptwirkungsstätte seines Widmungsträgers.

Teilnahmeberechtigt sind Opernregisseurinnen und -regisseure im Alter bis 35 Jahren. Dabei gilt der Zeitpunkt der Premiere. In begründeten Ausnahme-fällen werden auch ältere Teilnehmer*innen zugelassen. 

Prämiert werden Musiktheater-Inszenierungen, die als Neuproduktionen an einem deutschsprachigen öffentlichen oder privaten Theater in der Spielzeit 22/23 Premiere haben und von den Juroren besucht werden können.

Um ein möglichst vollständiges Bild über die Produktionen zu gewinnen, die für eine Bewerbung in Frage kommen, bitten wir deshalb alle Theater, bis zum 31. August 2022 ihre Neuproduktionen der Spielzeit 2022/23 zu benennen, die von Regisseur*innen im Alter bis 35 Jahren verantwortet werden.
Eine Bewerbung kann erfolgen, sobald absehbar ist, ob die Produktion qualitativ für eine Auszeichnung in Frage kommen könnte. Die Bewerbung sollte den Lebenslauf der Regisseurin bzw. des Regisseurs, die Benennung des inszenierten Werkes, die Termine der Aufführungen sowie eine kurze Darstellung des Konzepts der Produktion enthalten. Bewerben können sich die ausrichtenden Theater, aber auch die Regieführenden.

 

Jury

Der Jury gehören an:
Dietmar Schwarz, Intendant Deutsche Oper Berlin (Vorsitzender)
Martin G. Berger, Operndirektor Mecklenburgisches Landestheater Schwerin
Ina Karr, Intendantin Luzerner Theater
Andrea Moses, Operndirektorin Deutsches Nationaltheater Weimar 
Viktor Schoner, Intendant Staatsoper Stuttgart
Jörg Königsdorf, Chefdramaturg Deutsche Oper Berlin

Die Jury entscheidet nach eigenem Ermessen, welche Produktionen sie in die Auswahl aufnimmt. Wesentliches Kriterium für diese Auswahl ist, dass die Arbeit im Bereich des Musiktheaters deutlich selbstständige innovative Akzente setzt. 

Bewerbungen sind per Email zu richten an gfpreis@deutscheoperberlin.de


30.05.2022

Oper in drei Aufzügen >>> Libretto vom Komponisten >>> In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> Dauer: 5 ½ Stunden (inkl. zweier Pausen) >>> Premiere: 12. Juni 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 18., 26. und 29. Juni sowie 2. und 9. Juli 2022

Populär wie kaum ein anderes Bühnenwerk Richard Wagners sind DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG geliebt und gehasst zugleich. Das Stück verbindet eine heiter-fassliche Komödienhandlung mit sommernachts-trunkenem Spiel um Wahn und Wirklichkeit der Liebe, erhebt aber zugleich den Anspruch eines Gründungsmanifests deutschnationaler Kunst und ist damit in seiner Rezeption historisch belastet wie kaum ein anderes Werk Richard Wagners. Zugleich und an allererster Stelle sind DIE MEISTERSINGER jedoch ein Stück über die Musik und das Musikmachen.

Die Musik ist der zentrale Lebensinhalt für nahezu alle Figuren des Stückes. Ihr zu dienen und sie zu pflegen ist der Zweck der „Meistersingerzunft“, die sich hierzu ein strenges wie anspruchsvolles Regelwerk gegeben hat. Der Dienst an der Musik bestimmt damit auch das Leben von David und Magdalena, der Lehrbuben und Mädchen und ganz besonders das von Eva, der Tochter des reichen Veit Pogner. Dieser stellt ihr die Wahl des Bräutigams frei – unter einer Bedingung: „ein Meister muss es sein“, der Sieger eines öffentlichen Wettsingens. Und so lässt sich auch, aus Liebe zu Eva, mit Walther von Stolzing der einzige, wenngleich musisch hochbegabte „Nichtmusiker“ des Bühnenpersonals auf ebendieses ein. Er findet Hilfe ausgerechnet bei Hans Sachs. Der ist „Meister“ und zugleich Reformer jener Kunstwelt – und ebenfalls verliebt in Eva.

DIE MEISTERSINGER in einer Welt zu erzählen, die sich der Musik verschrieben hat, ist auch der Ausgangspunkt für die Regiekonzeption von Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito. Darin erzählen sie von den Regeln wie erstarrten Dogmen, die diese Welt bestimmen und die damit Beispiel für zahlreiche Lebenszusammenhänge werden, in denen Menschen sich Regeln setzen, sich unterordnen und bei ihnen Zuflucht finden oder aber ausbrechen und entkommen wollen. Sie bringen ein Stück auf die Bühne, in dem zudem Sänger*innen Sänger*innen spielen, um singend eine Geschichte über das Singen zu erzählen. Und sie zeigen Figuren wie die des Hans Sachs, der als alternder Mann zugunsten eines Jüngeren auf seine Liebe zu Eva verzichtet und zugleich das System reformieren will, dabei aber auch vor Demagogie und Populismus nicht zurückschreckt – während ab und an der Atem der Geschichte die Geister der Meistersinger-Vergangenheit hereinweht.

Seit 1994 inszenieren Jossi Wieler und Sergio Morabito gemeinsam Musiktheater. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten ihre Arbeiten: Ihre Inszenierung von ARIADNE AUF NAXOS bei den Salzburger Festspielen 2001 wurde zur „Aufführung des Jahres“ gekürt. 2002 und 2012 wurde das Duo zum „Regieteam des Jahres“ gewählt, 2006 erhielten sie für DOKTOR FAUST und 2012 für DIE GLÜCKLICHE HAND / SCHICKSAL den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Beste Opernregie“. Die Inszenierungen entstanden in den oft überraschenden, subversiven und surreal-realistischen Räumen der Ausstatterin Anna Viebrock, die mit Jossi Wieler und Sergio Morabito seit 1994 eine kongeniale künstlerische Partnerschaft verbindet. An der Deutschen Oper Berlin kam 2019 ihre Stuttgarter Erfolgsinszenierung von Bellinis LA SONNAMBULA als Neueinstudierung zur Premiere. 

Die Partie des Hans Sachs übernimmt der Däne Johan Reuter, der an der Deutschen Oper Berlin bereits als Nabucco, Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN und als Bergs Wozzeck zu erleben war. 

Als Walther von Stolzing kehrt Klaus Florian Vogt zurück an die Bismarckstraße. Seit seinem triumphalen Debüt in den MEISTERSINGERN 2007 bei den Bayreuther Festspielen ist er einer der herausragenden und weltweit gefragten Wagner-Tenöre und gilt als der Stolzing und Lohengrin schlechthin. 

Die US-Amerikanerin Heidi Stober, an der Deutschen Oper Berlin gefeiert u. a. als Susanna, Micaëla, Adina und in Turnages GREEK, gibt ihr Rollendebüt als Eva. Ebenfalls mit einem Rollendebüt präsentieren sich Ya-Chung Huang als David, zuletzt mit riesigem Erfolg als Mime in der RING-Neuinszenierung zu erleben, und der junge Bariton Philipp Jekal, Ensemblemitglied seit 2018, als Beckmesser. Albert Pesendorfer kehrt – nach seinem Hagen im neuen RING, „der bei seiner Bösartigkeit aus den Vollen schöpft“ (bachtrack) – nun als Veit Pogner zurück an die Deutsche Oper Berlin.

Da Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles leider wegen einer akuten Schultererkrankung ärztlichem Rat folgen und strikte Ruhe halten muss, kann er kurzfristig die musikalische Leitung der MEISTERSINGER nicht wie geplant übernehmen. Wir freuen uns, dass mit Markus Stenz ein geschätzter und mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin gut vertrauter Dirigent einspringen kann. Der langjährige Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Kapellmeister des Gürzenich-Orchesters (2004 bis 2014) war außerdem von 2012 bis 2019 Chefdirigent des Radio Filharmonisch Orkest (des Niederländischen Rundfunk-Orchesters). Er gastierte an den wichtigsten internationalen Opernhäusern wie z.B. am Teatro alla Scala in Mailand, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, an der English National Opera, der Lyric Opera Chicago, der San Francisco Opera, der LA Opera, an der Bayerischen Staatsoper und an der Hamburgischen Staatsoper. Darüber hinaus war er beim Festival in Glyndebourne, beim Edinburgh International Festival, bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen zu erleben. Zuletzt leitete er an der Deutschen Oper Berlin die Wiederaufnahmen von Benjamin Brittens DEATH IN VENICE und in der Saison 2021/22 Brittens A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM. 

Am 2. Juli ab 16 Uhr wird DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG live aus der Deutschen Oper Berlin auf rbbKultur Radio übertragen.

 


09.05.2022

Premiere DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG am 12. Juni >>> Sir Donald Runnicles / Jossi Wieler / Anna Viebrock / Sergio Morabito >>> Besetzungs-Highlights TOSCA, LES VÊPRES SICILIENNES und LES CONTES D’HOFFMANN >>> Jazz-Festival in der Tischlerei vom 12. bis 19. Juni

Wir freuen uns sehr, Sie am 12. Juni zur Neuinszenierung von Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito einladen zu können.

Bereits in den 1840er Jahren skizzierte Richard Wagner die ersten Ideen für eine heitere Oper, die sich inhaltlich an das Künstlerdrama des 1845 uraufgeführten TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG anschließen sollte: Der künstlerische Wettstreit ist Ausgangspunkt für ein Ideendrama über den Antagonismus von Alt und Neu, Stillstand und Fortschritt, Beharrung und Innovation. Erst 20 Jahre später war das Gegenstück zum TANNHÄUSER beendet, und die Partitur der MEISTERSINGER geriet zu einer der vielschichtigsten Kompositionen der Opernliteratur. In der gewaltigen Anlage von viereinhalb Stunden reiner Spieldauer greift Wagner zurück auf polyphone „altmeisterliche“ Techniken, verbindet Lieder und Choräle mit komplexer motivischer Arbeit und kreiert so einen ganz neuen Meistersinger-Ton. Der präsentiert sich schon im Vorspiel in strahlendem C-Dur und endet ebenso mit maximaler Klangpracht auf der finalen Festwiese. Am Schluss steht die Wiederherstellung des Bewährten, die „heile“ reine Welt, die Welt der Kunst und der „Kunstkenner“. Die Welt der Meistersinger erweist sich als ein geschlossenes System, nicht nur in der von Wagner ironisierten, in ihrer Kunst pedantischen und regelkonformen Zunft der Meistersinger, sondern ebenso in der gesamten Stadtgesellschaft Nürnbergs: Das Neue – in Gestalt des Fremden Walther von Stolzing – kann keine revolutionäre Kraft entfalten, sondern wird in das System aufgenommen.

Für ihre Neuinszenierung suchen Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito den Fragen nach den Mechanismen einer solchen hermetischen Kunstgesellschaft auf den Grund zu gehen. Kann die Kunst in einem konservativen, dogmatischen Umfeld ihre künstlerische Freiheit behaupten und welches systemsprengende Potential vermag sie dann zu entfalten?

Die Partie des Hans Sachs übernimmt der dänische Bariton Johan Reuter, der an der Deutschen Oper Berlin bereits als Nabucco, Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN und als Bergs Wozzeck zu erleben war.

Als Walther von Stolzing kehrt Klaus Florian Vogt zurück an die Bismarckstraße. Seit seinem triumphalen Debüt in den MEISTERSINGERN 2007 bei den Bayreuther Festspielen ist er einer der herausragenden und weltweit gefragten Wagner-Tenöre und gilt als der Stolzing und Lohengrin schlechthin.

Die US-Amerikanerin Heidi Stober, an der Deutschen Oper Berlin gefeiert u. a. als Susanna, Micaëla, Adina und in Turnages GREEK, gibt ihr Rollendebüt als Eva. Ebenfalls mit einem Rollendebüt präsentieren sich Ya-Chung Huang als David, zuletzt mit riesigem Erfolg als Mime in der RING-Neuinszenierung zu erleben, und der junge Bariton Philipp Jekal, Ensemblemitglied seit 2018, als Beckmesser. Albert Pesendorfer kehrt – nach seinem Hagen, „der bei seiner Bösartigkeit aus den Vollen schöpft“ (bachtrack) – nun als Veit Pogner zurück an die Deutsche Oper Berlin.

 

Besetzungs-Highlights TOSCA, LES VÊPRES SICILIENNES und LES CONTES D’HOFFMANN

In den TOSCA-Vorstellungen am 2. und 5. Juni freuen wir uns auf Saioa Hernández in der Titelpartie sowie Brian Jagde als Cavaradossi und Roman Burdenko als Scarpia.

LES VÊPRES SICILIENNES wird in der zweiten Vorstellungsserie (am 16., 19. und 25. Juni) mit einer teils neuen Besetzung zu erleben sein: Michael Volle übernimmt die Partie des Guy de Montfort, der junge ukrainische Tenor Valentyn Dytiuk singt Henri, Patrick Guetti Jean de Procida – neben Hulkar Sabirova als Hélène, die bereits in der Premiere gefeiert wurde.

Am 27. Juni kehrt Laurent Pellys poetische Inszenierung von Offenbachs LES CONTES D’HOFFMANN zurück auf den Spielplan (auch am 30. Juni, 3. und 7. Juli): Neben Robert Watson in der Titelpartie stehen Heather Engebretson als Olympia, Antonia und Giulietta sowie Erwin Schrott in der Rolle der Bösewichter und Jana Kurocová als Muse und Nicklausse auf der Bühne.

 

Jazz-Festival in der Tischlerei vom 12. bis 19. Juni

Die BigBand der Deutschen Oper Berlin präsentiert in der Tischlerei sechs Jazzkonzerte der besonderen Art: Die Konzerte werden jeweils mit Lesung, Tanz, Film oder Schauspiel kombiniert.

Den Anfang macht am 12. Juni um 15 und 18 Uhr das Familienkonzert „Mit Jazz ins Finale“. Der Dirigent gibt den Anpfiff, die Musik rollt, die Spannung steigt! Wie in einer Fußballmannschaft geht auch in einer BigBand nichts ohne ein perfektes Zusammenspiel - eine humorvolle Reise in die Welt der Jazzmusik, moderiert von Britta Steffenhagen.

Am 16. Juni präsentieren Worthy Davis (Vocals) und eine Rhythm-and-Brass-Combo der Deutschen Oper mit Special Guest Konstantin Reinfeld an der Harmonika die größten Hits der Funk-, Soul- und R&B-Legende Stevie Wonder in neuen, funkigen Arrangements.

Und zum Abschluss wird am 19. Juni der UFA-Stummfilmklassiker von 1924, Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“, von der BigBand mit Neu-Komposition von Manfred Honetschläger begleitet. Das vollständige Programm auf www.deutscheoperberlin.de.


01.05.2022

Musiktheater von Bernhard Gander >>> Text von Serhij Zhadan in einer Übersetzung von Claudia Dathe >>> In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> 100 Minuten >>> Eine Koproduktion der Münchener Biennale mit der Deutschen Oper Berlin >>> Kompositionsauftrag der Münchener Biennale und des Ensemble Modern >>> Uraufführung am 7. Mai 2022 in München >>> Berliner Premiere am 21. Mai 2022 >>> Weitere Vorstellung: 22., 24., 25. und 26. Mai 2022

Die Koproduktionen mit der Münchener Biennale sind zur geschätzten Tradition geworden, für die diesjährige Ausgabe des Festivals ist es die vierte. Bereits vor drei Jahren wurde ein Musiktheater von Bernhard Gander mit einem Text des ukrainischen Schriftstellers Serhij Zhadan in Auftrag gegeben. Zhadan, der sich derzeit in Charkiw aufhält, ist zu einer der exponiertesten literarischen Stimmen im aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geworden. Schon seit Beginn des kriegerischen Konflikts im Donbass im Jahr 2014 hat er sich in seinen Romanen und Gedichten verstärkt mit den Themen Krieg und Auflösung auseinandergesetzt und in Auftritten mit seiner Band Sobaki v kosmosi (Hunde im Weltraum) seinen Landsleuten Mut zugesprochen. Seine Schilderungen des auseinanderbrechenden Alltags inmitten der umkämpften Ostukraine finden in dem 2018 bei Suhrkamp erschienenen Roman „Internat“ ihren vorläufigen Höhepunkt.

Das Libretto zu LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR ist Zhadans erstes Werk für die Bühne. Dazu nimmt er die existenziellen Herausforderungen des russisch-ukrainischen Verhältnisses als Ausgangspunkt und entwirft exemplarische Flucht- und Vertreibungserfahrungen in einem Zusammenspiel von chorischen Passagen und Dialogen. In pointierten lyrischen Sprachbildern schildert sein Text den Zusammenbruch von Ordnung sowie den Ausfall gesellschaftlicher Regeln und Normen im Krieg: Im Passkontrollbereich eines osteuropäischen Landes wartet eine Gruppe von Menschen auf den Grenzübertritt, zwei Männer in einer Gefängniszelle auf ihre Abschiebung ins Heimatland. Das Erleben von Spaltung bestimmt alle Momentaufnahmen von Warten und Aufbruch ins Ungewisse. Die auftretenden Figuren sehen sich mit der Frage konfrontiert, ob Entscheidungen überhaupt noch selbst getroffen werden können, wenn die Kommunikation versagt und das Ringen um die eigene Biografie zum Scheitern verurteilt ist. Der österreichische Komponist Bernhard Gander hat Zhadans Text für fünf Musiker des Ensemble Modern in kraftvolle, treibende Musik übersetzt; Alize Zandwijks poetische Regiesprache und nuancierte Personenführung schaffen Bilder von höchster Ausdruckskraft.

Bernhard Gander ist ein etablierter Komponist der Neuen Musik und ent-zieht sich zugleich klaren Genrezuschreibungen. Er erschafft durch die Verbindung von Neuer Musik und Heavy Metal auf formaler, klanglicher, gestischer und energetischer Ebene Werke von größter Plastizität. Ganders Werke wurden unter anderen im Wiener Konzerthaus, bei den Wiener Festwochen, beim Steirischen Herbst, den Klangspuren, Transart Bozen, bei den Donaueschinger Musiktagen, Wien modern, Musica Strasbourg, den Wittener Tagen für neue Kammermusik oder der Biennale München aufgeführt. Er ist Träger des Musikförderungspreises der Stadt Wien für Komposition 2004, des Erste-Bank-Kompositionspreises 2005, des SKE Publicity Preises 2009 und erhielt das Staatsstipendium für Komposition. Für „melting pot“, uraufgeführt bei den Wiener Festwochen 2012, erhielt Bernhard Gander den Ernst-Křenek-Preis. 

Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw. Er gilt als eine der bekanntesten Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur. „Internat“, sein letzter Roman, zeigt den Krieg in dichten atmosphärischen Szenen als Ausnahmezustand, der keinerlei Sinn stiftet, gerade deshalb aber das ganze Leben in Frage stellt. Für „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet (zusammen mit Juri Durkot und Sabine Stöhr). Die BBC kürte das Werk zum „Buch des Jahrzehnts“. Seine Werke werden bei Suhrkamp verlegt. 

Die Schauspielregisseurin Alize Zandwijk bildete ab 1998 mit Guy Cassiers die künstlerische Leitung des Rotterdamer Ro Theaters. Seit 2003 inszeniert sie regelmäßig in Deutschland, u. a. am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. Am Theater Bremen gab sie in der Spielzeit 2012/13 ihr Debüt mit Dea Lohers „Das Leben auf der Praça Roosevelt“, es folgten u. a. Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und Arne Sierens „Mädchen und Jungen“. Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie leitende Regisseurin im Schauspiel am Theater Bremen und inszenierte u. a. Hauptmanns „Die Ratten“ und Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“. Im März 2022 feierte ihre Inszenierung des spartenübergreifenden Abends „Erbarmen“ nach Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion Premiere.


20.04.2022

Oper in einem Vorspiel, vier Akten und einem Nachspiel >>> Text vom Komponisten >>> In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> Dauer: 2 Stunden 45 Minuten >>> Premiere: 1. Mai 2022 >>> Weitere Vorstellung: 6., 10., 14. Mai sowie 4. und 11. Juni 2022

Bereits zwei Mal hat Regisseur Christof Loy wenig bekannten Opern des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin zu einem erfolgreichen Comeback verholfen: Nach Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE und Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI folgt nun ein weiterer, lange vergessener Opernschatz: Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER, eine der wichtigsten Opern der 20er Jahre. Schon die Uraufführung 1920 in Frankfurt geriet zum Sensationserfolg, und es sollten in den nächsten fünf Jahren nicht weniger als 44 Inszenierungen an verschiedenen Häusern folgen. Doch schon kurz darauf wurde es still um das beliebte Werk: Schrekers Opern schienen nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen, mit dem Aufführungsverbot der Nationalsozialisten verschwanden die Partituren endgültig in den Schubladen. Nach 1945 dauerte es lange, bis eine Schreker-Renaissance einsetzte. DER SCHATZGRÄBER jedoch hat es bis heute schwer. Genau 100 Jahre nach der letzten Berliner Neuinszenierung an der Staatsoper im Jahr 1922 bringen Marc Albrecht und Christof Loy dieses Meisterwerk der 20er Jahre nun zurück nach Berlin.

Wie fast alle Libretti Schrekers stellt auch die Geschichte um Els und Elis die Frage nach dem Verhältnis von Fantasie und Realität, von Kunst und Leben: Als einsame „Kinder von Traumkönigs Gnaden“ seelenverwandt, jagen Els und Elis doch ganz unterschiedlichen Schätzen nach. Elis, der fahrende Sänger, spürt mit seiner Kunst in Gestalt einer magischen Laute Gold und Edelsteine auf, um die Menschheit zu beschenken. Die Kneipentochter Els hingegen, mutterlos aufgewachsen in einer brutalen Männerwelt, wird für ihr Ziel zur Lügnerin, Diebin und Mörderin. Doch selbst der Besitz allen Goldgeschmeides stillt beider Verlangen nicht.

Und so geht es auch in dieser Schreker-Oper einmal mehr um das Sehnen selbst, das der Komponist als den eigentlichen „Schatz“ bezeichnet: „einen Traum von Glück und Erlösung“. Elis und Els verlieren sich in diesen Träumen, Erinnerungen und Ahnungen, in Liedern, in Musik. Ihre Geschichten geraten zum Traumspiel in einer Welt voller Gier und emotionaler Haltlosigkeit. „Die Frage nach dem Glück war in den Jahren nach dem Krieg ein wichtiger Aspekt. Schreker bedient das nicht sentimental, sondern geht mit uns auf die Suche danach. Auf die Suche nach den vielen Sehnsüchten und Realitäten, die in den Menschen gleichzeitig gespiegelt werden können – ein solches Traumspiel interessiert mich auch für die Inszenierung.“ (Christof Loy) 

Für Franz Schreker konnte immer auch die Kunst selbst die Erlösung bieten. In diesem Sinne gleicht das Orchester selbst einer „riesigen Zauberharfe mit faszinierenden, schillernden, rauschhaften Farbmischungen und maximalem Suchtpotential“ (Marc Albrecht), und die Partitur selbst zeugt von Entgrenzung und Flucht in andere Welten.

Christof Loy zählt zu den international gefragtesten Opern- und Schauspielregisseuren seiner Generation. Mit DER SCHATZGRÄBER setzt Loy seine Auseinandersetzung mit starken Frauenfiguren in unbekannten Werken des 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin fort: 2018 wurde seine Inszenierung von Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE unter musikalischer Leitung von Marc Albrecht als „Wiederentdeckung des Jahres 2018“ („Opernwelt“) ausgezeichnet und in der Aufzeichnung des Labels Naxos als beste DVD-Aufnahme mit dem OPUS KLASSIK gewürdigt. Im März 2021 folgte die wenig bekannte Oper FRANCESCA DA RIMINI von Riccardo Zandonai als Streaming-Premiere.

Marc Albrecht und die Deutsche Oper Berlin sind einander lange verbunden, nach spektakulären Produktionen wie Messiaëns SAINT FRANҪOIS D‘ASSISE und Janáčeks DIE SACHE MAKROPULOS schlägt er mit DAS WUNDER DER HELIANE und nun DER SCHATZGRÄBER neue Kapitel in der Zusammenarbeit auf. Auf seine Zeit als Erster Gastdirigent von 2001 bis 2014 an diesem Haus folgte eine weltweite Karriere, die ihn an die internationalen Opernhäuser von Mailand, Zürich, Bayreuth bis Amsterdam führte. Mehrfach arbeitete er dabei mit Christof Loy zusammen, u. a. 2008 für DIE BASSARIDEN (München), 2009 für DER PRINZ VON HOMBURG (Theater an der Wien), 2014 für ARABELLA und 2019 für TANNHÄUSER in Amsterdam.

Alle weiteren Informationen zu Besetzung, Werk, Terminen [hier]


06.04.2022

Premiere: Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER am 1. Mai >>> Uraufführung: LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR am 21. Mai in der Tischlerei >>> Besetzungs-Highlights NABUCCO, TANNHÄUSER, LOHENGRIN und MADAMA BUTTEFLY 

Wir freuen uns, Sie im Mai zu zwei sehr speziellen Premieren einladen zu können: Gleich am 1. Mai feiert Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER unter musikalischer Leitung von Marc Albrecht Premiere, Regie führt Christof Loy, der damit seine Reihe an wiederzuentdeckenden Raritäten der Zehner- und Zwanzigerjahre fortsetzt. Auf Korngolds monumentale Mysterien-Oper DAS WUNDER DER HELIANE und Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI (bisher nur im Stream oder als DVD erlebbar) folgt nun DER SCHATZGRÄBER, ein Werk, in dem die Musik in den prächtigsten Farben flirrt und schillert zu einer bizarren Geschichte, die von Gier, Mord und emotionaler Haltlosigkeit erzählt. Im Zentrum stehen die schwedische Sopranistin Elisabet Strid (Els), die gerade im Leipziger RING als Sieglinde brillierte, Daniel Johansson (Elis), der an der Deutschen Oper Berlin u. a. als Hoffmann und Lohengrin zu erleben war, Thomas Johannes Mayer (Der Vogt), der in vielfältigen Strauss- und Wagnerpartien gern gesehener Gast an der Bismarckstraße ist, sowie Michael Laurenz 
(Der Narr), der sein Hausdebüt gibt. 

 

LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR

Die Koproduktion mit der Münchener Biennale ist zur geschätzten Tradition geworden, für die diesjährige Ausgabe des Festivals wurde bereits vor drei Jahren ein Musiktheater von Bernhard Gander mit einem Text von Serhij Zhadan in Auftrag gegeben. Dass Zhadan zu einer der exponiertesten literarischen Stimmen im aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine werden würde, hat damals so keiner kommen sehen, auch wenn er in seinen Gedichten, Romanen und Erzählungen das Lebensgefühl in der seit 2014 umkämpften Ostukraine immer wieder in eindrücklichen Bildern beschrieben hat. Sein Roman „Internat“, erschienen bei Suhrkamp, hat Maßstäbe gesetzt. Mit LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR hat Zhadan seinen ersten Text für die Bühne geschrieben.

In ihrer Uraufführung beschäftigen sich Gander und Zhadan mit den äußerst komplizierten Grenz- und Freundschaftslinien, die zwischen ehemals fest verbundenen Staaten verlaufen. Zhadan nimmt die existenziellen Herausforderungen des russisch-ukrainischen Verhältnisses als Ausgangspunkt seines Librettos und entwirft in einem steten Wechsel zwischen chorischen Passagen und Dialogsequenzen eine geradezu exemplarische Grenzpostensituation inmitten eines kriegerischen Konflikts. In einer Gefängniszelle warten zwei Männer auf ihre Abschiebung: Beide erwartet ein Gerichtsverfahren im Heimatland. Am Tag der Abschiebung wird ihnen klar, dass es keinen Unterschied macht, ob sie in die Fremde aufbrechen oder in die Heimat zurückkehren – niemand erwartet sie. 

Bernhard Gander erschafft durch die Verbindung von Neuer Musik und Heavy Metal auf formaler, klanglicher, gestischer und energetischer Ebene Werke von größter Plastizität und Ausdruckskraft. Seine Werke wurden u.a. bei den Wiener Festwochen, beim Steirischen Herbst, Transart Bozen, bei den Donaueschinger Musiktagen, Wien modern und Musica Strasbourg aufgeführt. Regie führt Alize Zandwijk, die leitende Regisseurin am Theater Bremen ist und auch am Thalia Theater Hamburg sowie am Deutschen Theater Berlin inszeniert. Die Uraufführung findet am 7. Mai in München statt, die Premiere in Berlin am 21. Mai in der Tischlerei.

 

Besetzungs-Highlights NABUCCO, TANNHÄUSER, LOHENGRIN und  MADAMA BUTTERFLY 

Für die NABUCCO-Wiederaufnahme am 7., 20. und 27. Mai freuen wir uns auf den herausragenden mongolischen Bariton Amartuvshin Enkhbat in der Titelpartie, María José Siri als Abigaille und Marko Mimica als Zaccaria – mit Carlo Montanaro am Pult. 

Stephen Gould gilt seit Jahren als einer der profiliertesten Tannhäuser-Interpreten weltweit – in den Vorstellungen am 8. und 26. Mai wird er das wieder unter Beweis stellen, an der Seite von Elisabeth Teige als Venus und Elisabeth, Günther Groissböck als Landgraf Hermann und Thomas Johannes Mayer als Wolfram von Eschenbach.

Ähnlich unangefochten gilt Klaus Florian Vogt seit mindestens 12 Jahren als DER Lohengrin schlechthin – er ist in den Vorstellungen am 15. und 20. Mai in seiner Paradepartie zu erleben. Camilla Nylund als Elsa, Anna Smirnova als Ortrud, Günther Groissböck als Heinrich der Vogler und Martin Gantner als Telramund runden die exzellente Besetzung ab. Beide Wagner-Produktionen werden von Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles musikalisch geleitet. 

Die junge russische Sopranistin Elena Guseva kehrt für die MADAMA BUTTERFLY-Vorstellungen am 21., 25. und 29. Mai zurück an die Deutsche Oper Berlin, wo sie bereits 2019 das Publikum begeisterte. Brian Jagde, zuletzt in Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE gefeiert, übernimmt die Partie des Pinkerton und Irene Roberts Suzuki.


06.04.2022

Eine Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper München, dem Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, der Greek National Opera und der Opéra national de Paris >>> Berliner Premiere: 8. April 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 10. April um 15 und 19 Uhr

Zusehen und Mitleiden erwünscht: Der Tod der Hauptdarstellerin ist der Höhepunkt vieler großer Opern und Anlass zu den ergreifendsten Arien der Musikgeschichte. Daher musste auch Maria Callas in ihrer Karriere unzählige Male dramatisch auf der Bühne sterben. Die Aktions-Künstlerin Marina Abramović ist seit ihrer Jugend von der Primadonna assoluta fasziniert. Wie Maria Callas ist auch Marina Abramović eine Künstlerin, bei der Kunst, Öffentlichkeit und Privatleben untrennbar miteinander verwoben sind und bei der eigener Schmerz Thema der künstlerischen Auseinanderset-zung ist. 

Die seit den 70er-Jahren aktive Performance-Künstlerin widmet der Opernikone Callas ein eigenes Projekt: In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS beleuch-tet Marina Abramović exemplarisch sieben Partien der Callas und reduziert sie auf ihren musikdramatischen Kern sowie die spezielle Art des Sterbens der Protagonistinnen. In sieben Videos durchlebt sie, mit dem US-amerikanischen Schauspieler Willem Dafoe an ihrer Seite, die unterschiedlichen Tode als Analogie zu Maria Callas, die – so Abramović – letztendlich an gebrochenem Herzen starb. Ein Schmerz, den ihre große Liebe Aristoteles Onassis ihr immer wieder zufügte und von dem sie sich nie erholte. 

In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS dekonstruiert Marina Abramović die Oper und fügt sie zusammen mit Elementen ihrer eigenen Performance-Kunst – als Hommage an eine der größten Opernsängerinnen aller Zeiten und an ein Leben für die Kunst, das eine Trennung zwischen Privatleben und Profession verweigert. 

Die im damaligen Jugoslawien geborene Marina Abramović hat die internati-onale Kunstszene und vor allem die Performance-Kunst seit den 1970er Jahren maßgeblich geprägt. Ihre Werke wurden u. a. aufgeführt im Centre Georges Pompidou in Paris, der Neuen Nationalgalerie in Berlin, dem Museum of Modern Art New York, dem Guggenheim Museum und bei der Documenta. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter für ihr Werk „Balkan Baroque“ den Goldenen Löwen als beste Künstlerin der 47. Biennale di Venezia. Ihre Retrospektive „The Cleaner“ war von 2017 bis Januar 2020 in zahlreichen europäischen Metropolen zu sehen. 

In den Videos des Abends ist an Abramovićs Seite der US-amerikanische Filmschauspieler Willem Dafoe zu sehen, u. a. bekannt für seine Darstellung von Vincent van Gogh in „At Eternity’s Gate“ und seine langjährige Mitgliedschaft in der Whooster Group. Bei der Berlinale 2020 war er im Wettbewerbsfilm „Siberia“ zu erleben.

Die bekannten Arien werden ergänzt durch Neukompositionen des jungen serbischen Komponisten Marko Nikodijević. Sein Kompositionsstudium in Belgrad und Stuttgart ergänzte er durch Stipendien und Meisterkurse in u. a. Apeldoorn, Visby, Weimar, Amsterdam und Baden-Baden. 2013 erhielt er einen der Förderpreise für Komponisten der Ernst von Siemens Musikstiftung. 2014 wurde er mit dem Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Nachwuchsförderung ausgezeichnet. In der Saison 2019/20 war er Composer in Residence beim RSB.

Die musikalische Leitung übernimmt Yoel Gamzou, der im Januar 2020 sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin mit TOSCA gab. Seit der Saison 2017/18 ist er Generalmusikdirektor am Theater Bremen. Er ist künstlerischer Leiter und Chefdirigent beim 2006 gegründeten International Mahler Orchestra (IMO). Er ist Preisträger des ECHO Klassik Award 2017 in der Kategorie Nach-wuchskünstler des Jahres „Dirigent“ sowie des „ECF Princess Margriet Award for Culture“ der European Cultural Foundation.

Aktuelle Informationen zu Werk und Besetzung

 


25.03.2022

Den komplizierten Planungsmodalitäten der vergangenen zwei Pandemie-Jahre ist es geschuldet, dass Sie für die kommende Saison manche Premiere angekündigt finden, die wir schon einmal hofften, herausbringen zu können. Dazu gehören mit Beethovens FIDELIO (Sir Donald Runnicles / David Hermann) am 25. November 2022 und Bachs MATTHÄUS-PASSION (Alessandro De Marchi / Benedikt von Peter) am 5. Mai 2023 zwei ikonische Werke der europäischen Musikgeschichte. Aber auch Verdis SIMON BOCCANEGRA (Jader Bignamini / Vasiliy Barkhatov) erlebt am 29. Januar 2023 endlich seine Premiere, ein Werk, in dem Verdi die exemplarische und gerade heute höchst drängende Frage thematisiert, wie politische Macht auf ihre Repräsentanten rückwirkt. Ohnehin geht es in unseren Neuproduktionen fast durchweg um große, gewichtige Themen: um Freiheit und die Frage, wie Macht korrumpieren kann, aber auch darum, wie wir als Menschen unser Ver-hältnis zueinander definieren, auf welche Werte wir aufbauen wollen. 

Wir freuen uns sehr, dass sich die mit Zemlinskys DER ZWERG begonnene, sehr glückhafte Zusammenarbeit von Tobias Kratzer und Sir Donald Runnicles in einem auf drei Spielzeiten angelegten Zyklus fortsetzt: Am 18. März 2023 beginnt das Team mit ARABELLA seinen Richard-Strauss-Werkzyklus, der unter dem Motto „Szenen einer Ehe“ mit INTERMEZZO und DIE FRAU OHNE SCHATTEN in den kommenden Jahren vervollständigt wird. 

Wenn am 19. Mai 2023 Christof Loys Inszenierung von Zandonais FRANCESCA DA RIMINI ihre Publikumspremiere feiert, werden Sie Gelegenheit gehabt haben, innerhalb eines Jahres alle drei Opern des Zyklus mit Werken der Zwanzigerjahre zu erleben, denn DER SCHATZGRÄBER feiert am 1. Mai 2022 Premiere und DAS WUNDER DER HELIANE eine Wiederaufnahme am 2. März 2023. 

Dem zeitgenössischen Musiktheater immer wieder Spielräume zu eröffnen, steht im Fokus unseres Interesses. Jede Saison finden ca. vier Uraufführungen in der Tischlerei statt – am 29. Oktober 2022 macht NEGAR den Anfang, ein neues Musiktheater von Keyran Chemirani und Marie-Ève Signeyrole, die sich mit der Premiere von BABY DOLL auf der großen Bühne bereits einen Namen an der Deutschen Oper Berlin gemacht hat. 

Außerdem stehen KARAOPER für Kinder ab 8, NEUE SZENEN VI und BÄR*IN auf dem Programm. 
Aber auch und vor allem auf der großen Bühne sind Uraufführungen unabdingbar: Am 9. Juni 2023 erleben Sie erstmals Giorgio Battistellis Musiktheater IL TEOREMA DI PASOLINI. Zum 100. Geburtstag des großen italienischen Filmemachers und Regisseurs komponierte der vielleicht bekannteste lebende Komponist Italiens eine Oper für 6 Stimmen und Orchester. Außerdem freuen wir uns auf die Wiederaufnahme der „Uraufführung des Jahres 2019“ OCEANE von Detlev Glanert, die sich unter den 25 Repertoirewerken im Spielplan ab 2. November 2022 findet.

Erst dann, im November 2022, erlauben uns die Bauarbeiten am Orchestergraben die Rückkehr auf die große Bühne an der Bismarckstraße. Bis dahin finden Sie uns im Konzerthaus (EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE), in der Philharmonie (Mahlers Zweite und „Epitaph“ von Charles Mingus), im Haus der Berliner Festspiele (SEMIRAMIDE) und im Tempodrom. Dort präsentieren wir das Stuttgarter Ballett mit seiner dreiteiligen Neuproduktion „Pure Bliss“, die Ende Februar 2022 Premiere feierte und musikalisch den Bogen von Keith Jarrett bis Pjotr I. Tschaikowskij spannt. Aber auch das Parkdeck werden wir Ende August/September bespielen und unter anderem die hochgelobte Produktion GREEK wiederaufnehmen.

Das vollständige Programm dieser Monate „out of home“ veröffentlichen wir in einer gesonderten Ausgabe des „Libretto“. 

Wir freuen uns über Ihr Interesse – detailliertere Infos anbei! 
Der Vorverkauf für die Saison 2022/23 startet am 6. April.


25.03.2022

Großes Haus

Premiere: 25. November 2022
Ludwig van Beethoven
FIDELIO
Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung: David Hermann

Premiere: 29. Januar 2023
Giuseppe Verdi
SIMON BOCCANEGRA
Musikalische Leitung: Jader Bignamini
Inszenierung: Vasily Barkhatov

Premiere: 18. März 2023
Richard Strauss
ARABELLA
Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles 
Inszenierung: Tobias Kratzer

Premiere: 5. Mai 2023
Johann Sebastian Bach
MATTHÄUS-PASSION
Musikalische Leitung: Alessandro De Marchi
Inszenierung: Benedikt von Peter

Publikumspremiere: 19. Mai 2023
Riccardo Zandonai
FRANCESCA DA RIMINI 
Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Christof Loy

Uraufführung: 9. Juni 2023
Giorgio Battistelli
IL TEOREMA DI PASOLINI
Musikalische Leitung: Daniel Cohen
Inszenierung: Dead Centre

Konzertante Premiere: 15. Juni 2023
Jules Massenet
HÉRODIADE
Musikalische Leitung: Enrique Mazzola

 

Tischlerei

Uraufführung: 29. Oktober 2022 in der Tischlerei
NEGAR
Musiktheater von Marie-Ève Signeyrole und Keyvan Chemirani (Musik)
Inszenierung: Marie-Ève Signeyrole
Koproduktion mit Opéra Orchestre National de Montpellier Occitaine

Uraufführung: 3. März 2023 in der Tischlerei
KARAOPER
Eine Karaoke-Opernfilm-Performance für Kinder und Jugendliche 
ab 8 Jahren von Chez Company
Künstlerische Leitung: Gesine Danckwart, Fabian Kühlein, Sabrina Zwach
Komposition: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel

Uraufführung: 21. April 2023 in der Tischlerei
NEUE SZENEN VI: Ein Kammeropern-Triptychon
Musiktheater in drei Teilen von Juta Pranulytė, Sina Fani Sani und Germán Alonso
Libretti von Giulia Fornasier, Franziska vom Heede, Fabrizio Funari
Musikalische Leitung: Manuel Nawri
Inszenierung: Studierende des Studiengangs Regie der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin
Auftragswerke der Deutschen Oper Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

Uraufführung: 21. Juni 2023 in der Tischlerei
Bär*in
Musiktheater von Franziska Angerer und Arne Gieshoff (Musik)
Inszenierung: Franziska Angerer

 


25.03.2022

Oper in zwei Aufzügen. Libretto von Josef Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke >>> Premiere: 25. November 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 30. November; 3., 18. Dezember 2022; 7., 14. Januar sowie 22. und 26. Februar 2023

Es ist wohl bezeichnend, dass der Nonkonformist Ludwig van Beethoven für seine einzige Oper FIDELIO einen Stoff aus dem Umfeld der französischen Revolutions- und Rettungsopern gewählt hat. Das Libretto „Léonore, ou L’amour conjugal“ von Jean Nicolas Bouilly war Vorlage für sein Freiheitsplädoyer, das er insgesamt dreimal überarbeitete und das ihn gut 10 Jahre beschäftigte. 

Was wurde und was wird Beethoven und seiner einzigen Oper nicht alles vorgeworfen: Ein schauerliches Libretto, ein ungeformter Stilmix, eine zerfasernde Dramaturgie, eine teilweise unsingbare Musik, vollkommen verschobene Dimensionen etc. Und es stimmt – Beethoven scherte sich wenig um klassische Form und Ebenmaß, doch sollte man daraus nicht sofort mangelndes Können ablesen. Stoff und dramaturgische Anlage der Oper wurzeln – wie das in großen Teilen wörtlich aus dem französischen übersetzte Libretto – in der Tradition der französischen Rettungsoper. Nicht unbedingt eine dramaturgische Plausibilität steht im Vordergrund, sondern stark kontrastierende Momente der Überraschung. Gleichzeitig finden sich Hinweise auf das bürgerliche Rührstück, ja gar die Wienerische Maskerade: Die als Mann verkleidete Leonore, die im Umfeld der kleinbürgerlichen Familie von Rocco und Marzelline sogleich zum Schwiegersohn in spe auserkoren wird, könnte auch Ausgangspunkt für einen Schwank sein, doch wirkt Leonore/Fidelio mit ihrem heroischen Impetus nach und nach wie ein Fremdkörper. Ähnlich wie Leonore sich das Vertrauen Roccos verdienen muss und letztlich in die versteckten Tiefen des Gefängnisses vordringt, wo sie ihren verschollenen Gatten Florestan vermutet, schält sich der Kern der Oper erst nach und nach heraus: Im Angesicht der politischen und gesellschaftlichen Umformungen des frühen 19. Jahrhunderts appelliert Beethoven an einen allgemeingültigen Humanismus. Das heroisch-verklärende Ende mit seinem oratorischen Ausmaß ist nicht etwa dem Unvermögen des Sinfonikers Beethovens geschuldet, ein vernünftiges Opernende zu schreiben – vielmehr verlässt Beethoven hier die klassische Dramenstruktur und komponiert ein Statement, einen politischen Aufruf. Über die zwei Jahrhunderte seit ihrer Uraufführung wurde FIDELIO zur Befreiungs-, Feier- und Gedenkoper stilisiert – doch das Werk entzieht sich mit seiner Uneindeutigkeit solchen Vereinnahmungen.

Generalmusikdirektor Donald Runnicles, der die musikalische Leitung bei dieser Neuproduktion innehat, verweist auf die Radikalität und die Hellsichtigkeit von Beethovens einziger Oper: „In FIDELIO stecken ganze Welten. Hier wurden Ideen entwickelt, Wege angelegt, entlang derer sich später Komponisten, Karrieren und ganze Genres ausformulierten. Der Einfluss Beethovens auf das Jahrhundert nach ihm ist so umfassend, dass er nicht zu messen ist.“

Mit FIDELIO arbeiten Regisseur David Hermann und Bühnen- und Kostümbildner Johannes Schütz nach Leoš Janáčeks AUS EINEM TOTENHAUS an der Oper Frankfurt zum zweiten Mal an einer „Gefängnisoper“. Das Nachdenken über Innen und Außen, Freiheit und Gefangensein, Macht und Ohnmacht setzen sie nun gemeinsam mit Beethovens einziger Oper an der Deutschen Oper Berlin fort. Für FIDELIO haben sie einen poetisch-surrealen Bühnenraum kreiert, der seine eigenen Regeln etabliert, die Charaktere der Oper formt und während des Spiels Spuren hinterlässt. Kann Freiheit heute überhaupt gänzlich errungen werden – ohne Kollateralschäden und ohne sich dabei selbst schuldig zu machen?

David Hermann ist dem Haus seit dem Intendanzbeginn von Dietmar Schwarz im Jahr 2012 sehr verbunden – dabei hat er auch abseits der großen Bühnen mit ungewöhnlichen Raumlösungen und seiner sensiblen, psychologischen Personenführung für Aufsehen gesorgt. 

Johannes Schütz arbeitet zum ersten Mal an der Deutschen Oper Berlin – seine starken bühnenbildnerischen Entwürfe prägen seit Jahren die deutsche Theaterlandschaft. Dabei zeichnet er sich vor allem durch seine Stilvielfalt aus. 

In der Titelpartie kehrt Ingela Brimberg, nach ihrem Erfolg als Senta in Christian Spucks Inszenierung von Richard Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, zurück an die Deutsche Oper Berlin. Ihr zur Seite steht neben bewährten Ensemblekräften wie Tobias Kehrer und Thomas Lehman auch
Robert Watson als Florestan, der zuletzt als Don Carlo das Publikum begeisterte.

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: David Hermann
Bühne, Kostüme: Johannes Schütz 
Licht: Ulrich Niepel 
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Carolin Müller-Dohle

Don Fernando: Thomas Lehman / Philipp Jekal 
Don Pizarro: Markus Brück / Jordan Shanahan
Florestan: Robert Watson / Klaus Florian Vogt
Leonore: Ingela Brimberg / Flurina Stucki
Rocco: Tobias Kehrer / Ante Jerkunica
Marzelline: Elisa Verzier / Meechot Marrero

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin


25.03.2022

Oper in einem Prolog und drei Akten >>> Libretto von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito >>> Premiere: 29. Januar 2023 >>> Weitere Vorstellungen: 1., 4., 9., 17., 19. und 25. Februar 2023

Es ist „düster, weil es düster sein muss, aber es ist fesselnd“: Als Verdi 1881 mit diesen Worten seinen SIMON BOCCANEGRA beschrieb, war dieses Stück so etwas wie das Sorgenkind des Komponisten. Über zwanzig Jahre waren seit der erfolglosen Uraufführung am Teatro La Fenice vergangen und auch alle weiteren Versuche Verdis, das Werk im Repertoire der italienischen Opernhäuser zu etablieren, waren ohne Erfolg geblieben. Nun aber bot sich erneut die Möglichkeit, die Oper auf die Bühne zu bringen, dieses Mal an der Mailänder Scala. Hierfür überarbeitete Verdi das Stück jedoch zusammen mit dem Librettisten Arrigo Boito, parallel zur gemeinsamen Arbeit an Verdis spätem Meisterwerk OTELLO, so grundlegend wie keine seiner anderen Opern. Verdi komponierte größere Abschnitte neu und Boito schrieb das ursprüngliche Libretto des inzwischen verstorbenen Francesco Maria Piave weitgehend um. Die Grundstruktur der Handlung wurde jedoch beibehalten ebenso wie die zentrale Thematik mit der Frage, welche Opfer ein Politiker im Privatleben als Preis für die Macht zu zahlen habe.

Ausgangspunkt der Handlung ist der Konflikt zweier Männer, die sich als Vertreter verfeindeter politischer Lager gegenüberstehen und zugleich familiär schicksalshaft aneinander gebunden sind. Fiesco ist einer der Anführer der Adelspartei in Genua, der Korsar Simon Boccanegra hingegen kommt aus einfachen Verhältnissen, hat sich aber Dank seiner militärischen Erfolge großes Ansehen erworben und wird von der Volkspartei als Kandidat bei der anstehenden Wahl des Dogen unterstützt. Zugleich ist Simon jedoch mit Fiescos Tochter Maria liiert und hat mit dieser bereits eine uneheliche Tochter. Fiesco verweigert den beiden jedoch die Heirat und schließt seine Tochter in seinem Palast ein, wo sie kurz darauf verstirbt. Erst nach seiner Wahl zum Dogen findet Simon dort seine tote Geliebte. Die gemeinsame Tochter, Fiescos Enkelin, bleibt jedoch verschwunden. Erst 25 Jahre später taucht sie wieder auf und gerät in den immer noch tobenden Machtkampf der Parteien. Liebt sie doch den mit Simon verfeindeten Adeligen Gabriele Adorno, während auch Simons Parteigänger Paolo sie begehrt und mit einer heimtückischen Intrige versucht, den Nebenbuhler auszuschalten und zugleich seine Macht zu sichern.

Verdis düsterer Politthriller wird von dem russische Regisseur Vasily Barkhatov inszeniert. Nach viel beachteten Regiearbeiten zunächst am Moskauer Bolschoi-Theater sowie ab 2006 am Mariinsky-Theater in St. Petersburg übernahm er zwischen 2011 und 2014 die künstlerische Leitung des zum Mariinsky-Theater gehörigen Michailowsky-Theaters. Zugleich machte er mit einer Reihe von Inszenierungen außerhalb Russlands auf sich aufmerksam und arbeitete zuletzt am Theater Basel, am Saarländischen Staatstheater, am Staatstheater Wiesbaden, an der litauischen Nationaloper und an der Staatsoper Hannover. Mit Umberto Giordanos SIBERIA gibt er im Sommer 2022 sein Debüt bei den Bregenzer Festspielen. Seine erste Regiearbeit an der Deutschen Oper Berlin im Herbst 2017, die Uraufführungsinszenierung von Aribert Reimanns L’INVISIBLE, wurde von Presse und Publikum begeistert aufgenommen. Mit SIMON BOCCANEGRA kehrt er nun an das Haus an der Bismarckstraße zurück. 

Die musikalische Leitung übernimmt Jader Bignamini. Der aus dem italienischen Crema stammende Dirigent hat sich in den letzten Jahren international einen Namen gemacht als Spezialist für das italienische Repertoire. Gastengagements führten ihn unter anderem an die Metropolitan Opera in New York, die Wiener Staatsoper, das Teatro dell’Opera in Rom, die Oper Frankfurt, das Bolschoi-Theater, das Teatro la Fenice in Venedig und das Teatro Filarmonico di Verona. Jader Bignamini ist Resident Conductor des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi und ist ab der Spielzeit 2021/2022 Musical Director des Detroit Symphony Orchestra. Mit SIMON BOCCANEGRA gibt er sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin. 

Musikalische Leitung: Jader Bignamini
Inszenierung: Vasily Barkhatov
Bühne: Zinovy Margolin 
Kostüme: Olga Shaishmelashvili 
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Sebastian Hanusa

Simon Boccanegra: George Petean / Dong-Hwan Lee 
Gabriele Adorno: Attilio Glaser / Jorge Puerta
Jacopo Fiesco: Liang Li / Patrick Guetti / Ante Jerkunica
Maria Boccanegra / Amelia Grimaldi: Angel Blue / Flurina Stucki
Paolo Albiani: Michael Bachtadze / Samuel Dale Johnson
u. a.

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin


25.02.2022

Lyrische Komödie in drei Aufzügen >>> Dichtung von Hugo von Hofmannsthal >>> Premiere: 18. März 2023 >>> Weitere Vorstellung: 23., 26. und 30. März sowie 1. und 6. April 2023

Auf den ersten Blick ist das Libretto „Arabella’’ von Hofmannsthal eine Verwechslungskomödie, die, wäre sie von Rossini komponiert worden, durchaus eine schmissige Buffo-Oper hätte werden können. Aber durch die Musik von Richard Strauss, der alle Register seiner Orchesterkunst zieht, vom spätromantischen Rauschklang bis zu modernster Disharmonik, entsteht ein subtiles, farbiges Panorama von einer Gesellschaft im Umbruch, deren spätbürgerliche Werte zerfallen. Eigene Identität und zwischenmenschliche Beziehungen müssen ganz neu erprobt werden. Zentral ist – noch mehr als die zwischen Romantik und Rebellion schwankende Titelfigur – Arabellas jüngere Schwester Zdenka. Sie, die von den Eltern aus Mangel an Geld für standesgemäße Mädchenkleider als Mann verkleidet wird, hat umso verzweifelter mit ihrer/seiner Außenseiterrolle zu kämpfen und hinterfragt damit konventionelle Geschlechterbilder ebenso wie ihre Schwester Arabella, die keinen von den Eltern ausgesuchten Bräutigam akzeptieren will.

Für Regisseur Tobias Kratzer und sein Team sind die Ambivalenzen der handelnden Personen bis hin zur letzten schrulligen Nebenfigur willkommene Inspirationsquelle, über historische Rollenbilder und moderne Identität nachzudenken. Der Abschied von den alten Werten bringt nicht nur melancholische Nostalgie, sondern faszinierend aktuelle Thesen zu Geschlechterrollen und zwischenmenschlichen Bindungen hervor. Dadurch wird der Kontrast zwischen Historismus und Gegenwart anschaulich erlebbar. Außerdem wird das Besondere an der Komposition von Richard Strauss, nämlich der verzweifelte Kampf des Individuums um Selbstverwirklichung in einer auf äußeren Schein fixierten Gesellschaft, besonders hervorgehoben. Für die ästhetisch herausfordernden Perspektivwechsel vom sozialen Ganzen auf das individuelle Erleben und wieder zurück setzt Tobias Kratzer zusammen mit dem Bühnenbildner Rainer Sellmaier und dem Videokünstler Manuel Braun verschiedene Spielarten filmischer Sequenzen ein. Dem Zuschauer mag die detailreiche Inszenierung, bei der die reale Spielhandlung immer wieder mit filmischer Virtualität kontrastiert, ergänzt und kommentiert wird, die Möglichkeit geben, den musikalischen Reichtum mit oft überraschendem Wechsel zwischen privatem Gefühlschaos und gesellschaftlicher Norm zu erleben.

Nach seinem großen Erfolg mit Zemlinskys DER ZWERG kehrt Tobias Kratzer jetzt an die Deutsche Oper Berlin zurück und setzt mit dem Auftakt seines Strauss-Zyklus auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit Sir Donald Runnicles fort. In den kommenden Spielzeiten folgen INTERMEZZO und FRAU OHNE SCHATTEN.

Die Titelpartie gestaltet Rachel Willis-Sørensen, die bereits als Elsa (LOHENGRIN) und Rosalinde (DIE FLEDERMAUS) das Publikum der Deutschen Oper Berlin begeisterte. In den weiteren Partien freuen wir uns auf Interpretinnen und Interpreten, die dem Haus schon lange eng verbunden sind. Albert Pesendorfer, zuletzt für seinen Hagen in der Neuinszenierung des RING bejubelt, ist als Graf Waldner zu erleben und Thomas Blondelle, der einen grandiosen Loge sang und spielte, als Graf Elemer. Ihre Prinzessin Clara in DER ZWERG, Corinna in IL VIAGGIO A REIMS und La Traviata werden in ihrer klaren, anrührenden Gestaltung jedem in Erinnerung bleiben, der sie erlebt hat: In ARABELLA übernimmt Elena Tsallagova die Partie der Zdenka. Russell Braun wird als Mandryka und Robert Watson als Matteo auf der Bühne stehen.

Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne, Kostüme: Rainer Sellmaier
Licht: Stefan Woinke
Video: Manuel Braun, Jonas Dahl
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Bettina Bartz, Jörg Königsdorf 

Graf Waldner: Albert Pesendorfer
Adelaide: Doris Soffel
Arabella: Rachel Willis-Sørensen
Zdenka: Elena Tsallagova
Mandryka: Russell Braun
Matteo: Robert Watson
Graf Elemer: Thomas Blondelle
u. a.

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin


25.03.2022

Berliner Premiere: 5. Mai 2023 >>> Weitere Vorstellung: 13., 18. und 21. Mai 2023

Bachs Matthäus-Passion von 1729 hatte ihren ursprünglichen Sitz in der Leipziger Thomaskirche als religiöses Ritual für die gläubige Gemeinde während der Karfreitagsliturgie. Mit Bachs Tod jedoch verschwand die monumentale dramatisch-epische Komposition aus dem jährlichen Kirchenkalender. Erst durch Felix Mendelssohn-Bartholdys legendäre Berliner „Wiederentdeckung“ mit der neugegründeten „Sing-Akademie zu Berlin“ begann 100 Jahre später eine breite Rezeptionsgeschichte und auch ein Stück Berliner Kulturgeschichte: Das gemeinsame Singen der Passion und damit auch die Feier der „Passions-Werte“ trafen in jenen Jahren um 1829 auf die National-bewegung in Deutschland. So erscheint die Herausbildung einer bürgerlich-autonomen Kunstreligion in Berlin eng verknüpft mit den Aufführungen der Matthäus-Passion und bis heute gehören Bachs Passionen zum zentralen Repertoire großer Chöre und Chorvereine. 

Für eine szenische Version der Matthäus-Passion interessiert Regisseur Benedikt von Peter die Frage nach der Bedeutung des Passionsgedankens für eine diverse Gesellschaft, in der die christliche Religion zunehmend an Relevanz verliert. Wie kann man heute das zentrale Passionsmotiv des Leidens verstehen? Wieviel Distanz entsteht bei einer Aufführung im säkularen Rahmen eines Opernhauses? Und welche Art von Gemeinschaft kann es geben?

Benedikt von Peter hat mit seinen Regiearbeiten in den letzten Jahren vor allem mit ungewöhnlichen Raumlösungen im Musiktheater auf sich aufmerksam gemacht und fokussiert in seinen Inszenierungen auf die jeweilige „Architektur eines Stückes“, die er aus der Komposition auf Bühne und Zuschauerraum zu übertragen sucht. Die schon von Bach doppelchörig angelegte Matthäus-Passion wird in diesem Sinne auf das gesamte Auditorium und die Hauptbühne ausgeweitet. Vier Orchester, mehrere Gruppen des Hauschores und Berliner Singvereine sind auf den gesamten Raum verteilt. Das Publikum sitzt sich gegenüber – im Zuschauerraum und auf einer Tribüne auf der Hauptbühne – und ist eingeladen, aktiv zu partizipieren und mitzusingen. Im säkularen Opernhaus wird so über eine performative Anordnung die Idee von Gemeinschaft als soziale Plastik erfahrbar. 

Inmitten dieser Gemeinde findet das szenische Spiel des Evangeliumstextes statt: Kinder und Jugendliche übernehmen die Narration und tragen die Darstellung von Schmerz, Leid und Tod. Nah am Publikum und eingebettet in die musikalische Interpretation der Solist*innen. Die Zentralperspektive des Guckkastens wird so aufgehoben zugunsten eines gemeinsamen Rituals von Erwachsenen und Kindern, Laienchören und professionellen Künstler*innen mit je eigenen Perspektiven auf einen 2000 Jahre alten Text und dessen Wirkungsgeschichte. 

Regisseur Benedikt von Peter hat in den letzten Jahren zahlreiche außergewöhnliche und mit Preisen ausgezeichnete Inszenierungen erarbeitet, u.a. am Theater Basel LES DIALOGUES DES CARMELITES und PARSIFAL, an der Staatsoper Hannover Luigi Nonos INTOLLERANZA 1960, LA TRAVIATA und DON GIOVANNI, an der Oper Frankfurt Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN, am Theater Luzern u.a. Nonos PROMETEO. Von 2012 bis 2015 war er als Leitender Regisseur Musiktheater in Bremen engagiert. Ab 2016 leitete er als Intendant das Luzerner Theater. Seit 2020 ist er Intendant des Theater Basel. 

Alessandro De Marchi gilt als einer der profiliertesten Aufführungspraxisspezialisten auf historischen und modernen Instrumenten. Sein Repertoire reicht von der Spätrenaissance bis zur modernen und zeitgenössischen Musik mit Schwerpunkt Barock, Wiener Klassik und Belcanto. Als leidenschaftlicher Verfechter von unbekannteren Werken hat sich  Alessandro De Marchi für die Aufführung zahlreicher Kompositionen eingesetzt, etwa Carl Heinrich Grauns CESARE E CLEOPATRA, Johann Adolf Hasses CLEOFIDE oder Giovanni Battista Pergolesis L’OLIMPIADE. Seit 2009 ist er Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Alessandro De Marchi dirigiert regelmäßig an den wichtigsten Opernhäusern Europas. An der Deutschen Oper Berlin ist er mit der Matthäus-Passion zum ersten Mal zu erleben. 

Musikalische Leitung: Alessandro de Marchi
Inszenierung: Benedikt von Peter
Bühne: Natascha von Steiger
Kostüme: Lene Schwind
Video: Bert Zander
Licht: Roland Edrich
Chöre: Jeremy Bines
Kinderchor: Christian Lindhorst
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

Evangelist: Sebastian Kohlhepp
Jesus: Padraic Rowan
Petrus: Hohepriester: Michael Bachtadze
Pilatus: Dean Murphy
Sopran: Elbenita Kajtazi
Alt: Annika Schlicht
Tenor: Kieran Carrel
Bass: Joel Allison          

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin


25.03.2022

Libretto von Tito Ricordi >>> Publikumspremiere: 19. Mai 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 26. und 29. Mai sowie 1. und 3. Juni 2022 

Nach der Inszenierung von Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE, gewählt zur Wiederentdeckung des Jahres 2018 („Opernwelt“), setzt Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin seine Auseinandersetzung mit unbekannteren Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts fort. Im Mai 2022 folgt die Premiere von Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER. Bereits 2021 nahm Loy sich eine weitere Rarität vor: Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI, die im Lockdown ihre Premiere als Live-Stream erlebte. Nun holen wir die Premiere mit Publikum nach. Für die Titelpartie kehrt Sara Jakubiak nach dem großen Erfolg der HELIANE für eine weitere Zusammenarbeit mit Christof Loy an die Deutsche Oper Berlin zurück. 

Der 1883 geborene Riccardo Zandonai war Schüler Mascagnis und galt um 1910 als neuer Stern am italienischen Opernhimmel. Sein Verleger Tito Ricordi plante mit ihm eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie eine Generation früher sein Vater Giulio Ricordi mit dem jungen Puccini. Dafür scheute Ricordi keine Kosten und Mühen und erwarb für die neue Oper Zandonais die exorbitant teuren Rechte an einem der Skandalstücke der Zeit: Gabriele d’Annunzios fünfaktiges Drama „Francesca da Rimini“, uraufgeführt 1901 in Rom mit Eleonora Duse in der Titelrolle. Gabriele d’Annunzio hatte mit „Francesca da Rimini“ auf einen Stoff aus Dantes „Göttlicher Komödie“ zurückgegriffen, der im 19. Jahrhundert zum Lieblingsthema der Romantik gehörte. Grausame Leidenschaften, blutige Szenen in Bürgerkriegszeiten, ein in flagranti erwischtes ehebrecherisches Paar und seine todessehnsüchtige Liebe, schließlich finaler Doppelmord aus Eifersucht: Publikum und Presse waren gespalten, für die Künstler der Zeit wurde D’Annunzios „Poem aus Blut und Wollust“ jedoch mit seiner Ästhetik des Fin de Siècle zur Attraktion. 

Der 31-jährige Riccardo Zandonai sah in dem Drama nun die Chance zu einer großdimensionierten Oper, für grelle Farbwechsel und eine musikalische Sprache, die unterschiedlichste Stile und Zeiten amalgamiert: Zwischen italienischer Belcanto-Tradition, Reminiszenzen an die Madrigale der Renaissance, der Härte des Verismo, präfaschistischen Marschrhythmen, Wagners TRISTAN als Vorbild und dem französischem Impressionismus eines Debussy findet Zandonai einen ganz eigenen Weg eines europäischen Musiktheaters. 

Im Zentrum der Handlung stehen gleich drei Brüder, die sich in dieselbe Frau verlieben: Francesca aus dem Haus der Polenta in Ravenna wird von ihrer Familie aus strategischen Gründen an das Haus Malatesta in Rimini verheirtet. Doch der auserkorene Bräutigam Giovanni, alt und unansehnlich, wagt die Brautwerbung nicht selbst und schickt seinen attraktiven Bruder Paolo vor. Francesca verliebt sich in Paolo und unterschreibt den Ehevertrag. Im Haus Malatesta lebt sie fortan an der Seite eines ungeliebten Mannes und stürzt sich in eine leidenschaftliche Beziehung zu Paolo. Francesca erscheint als Opfer und Täterin zugleich, als todessehnsüchtig Liebende und machtvolle Verführerin, der auch noch der dritte Bruder des Hauses erliegt. Das gesamte Potential dieser Frauenfigur entfaltet sich als widersprüchlicher und komplexer Charakter „zwischen Rosen und Gewaltfantasien“ (Loy), zwischen Hingabe und zerstörerischen erotischen Kräften in einer grausamen und intriganten Männerwelt.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Ivan Repušić, Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters und der Deutschen Oper Berlin als Erster ständiger Gastdirigent eng verbunden. Gastverpflichtungen führten ihn darüber hinaus nach Essen, Hamburg, Oslo, Dresden, Tokio und alle wichtigen Or-chester und Opernensembles in Kroatien. 

Christof Loy zählt zu den international bedeutendsten Opern- und Schauspielregisseuren und arbeitet für FRANCESCA DA RIMINI zum fünften Mal an der Deutschen Oper Berlin. Er inszenierte hier Verdis FALSTAFF und die Uraufführung von Andrea Lorenzo Scartazzinis EDWARD II. Die Regiearbeit von Janáčeks JENŮFA aus dem Jahr 2012 gewann als DVD-Aufnahme den 2. Platz in der Kategorie „Best Opera Recording“ bei den Grammy Awards. 2018 folgte mit Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE eine weitere von Publikum und Presse gefeierte Produktion, die inzwischen bei NAXOS auch als DVD vorliegt. 

Von ihrem Stammhaus Oper Frankfurt aus eroberte Sara Jakubiak in den letzten Jahren die großen europäischen Bühnen. Sie gastierte als Eva in DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG bei den Opernfestspielen der Bayerischen Staatsoper in München, als Marietta (DIE TOTE STADT) in Hamburg und an der Komischen Oper Berlin, Marie (WOZZECK) an der English Natio-nal Oper in London, Agathe in Dresden und Polina aus Prokofjews DER SPIELER in Amsterdam. 

Musikalische Leitung: Ivan Repušić
Inszenierung: Christof Loy
Bühne: Johannes Leiacker 
Kostüme: Klaus Bruns
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Dorothea Hartmann

Francesca: Sara Jakubiak
Giovanni lo Sciancato: Ivan Inverardi
Paolo il Bello: Jonathan Tetelman
Malatestino dall’Occhio: Charles Workman

Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin


25.03.2022

Libretto von Giorgio Battistelli frei nach dem gleichnamigen Film von Pier Paolo Pasolini >>> Uraufführung: 9. Juni 2023 >>> Weitere Vorstellung: 16. und 21. Juni 2023

Unter den Intellektuellen und Künstlern, die Ende der Sechzigerjahre die bür-gerliche Gesellschaft in Frage stellten, war der 1922 geborene Pier Paolo Pasolini sicherlich einer der radikalsten. In „Teorema“, das er 1968 sowohl als abendfüllenden Spielfilm wie in Romanform veröffentlichte, macht er seine Generalabrechnung mit der Bourgeoisie und zeigt eine großbürgerliche Familie, deren Alltag nur noch von erstarrten Konventionen beherrscht wird. Diese Ordnung wird durch einen Fremden zum Einsturz gebracht, dessen Gegenwart bei allen Mitgliedern der Familie ein Bedürfnis nach Liebe auslöst und dadurch einen Prozess der Selbstbefreiung in Gang setzt, der das familiäre Gerüst zum Einsturz bringt. Doch nur, wenn sie alle bürgerlichen Bindungen hinter sich lassen – so der Lehrsatz, das „Teorem“ Pasolinis – werden diese Menschen zu einer neuen Freiheit finden.

Als Film gehörte „Teorema“ schnell zu Pasolinis bekanntesten Werken und wurde bereits 1992 als Musiktheater im Rahmen der Münchener Biennale auf die Bühne gebracht. Der Komponist dieses Bühnenwerks, in dem die Sänger nur stumm agierten, hieß Giorgio Battistelli und zählt heute mit Opern wie RICHARD III. und zuletzt JULIUS CAESAR zu den bekanntesten italienischen Komponisten. Nun, 30 Jahre später, gestaltet Battistelli, der Pasolini noch selbst kannte, den Stoff als IL TEOREMA DI PASOLINI zur abendfüllen-den Oper.

„Im Musiktheater sieht Giorgio Battistelli die Möglichkeit, die verschiedenen Wirklichkeitsdimensionen künstlerisch zur Darstellung zu bringen, wie bruchstückhaft auch immer. Die große Unruhe und Unsicherheit unserer Zeit, sagt er, rühre daher, dass es uns nicht gelungen sei, die vielen unterschiedlichen Realitäten miteinander zu verbinden, und dass wir stattdessen ein Durcheinander geschaffen hätten, in dem eine Harmonie unmöglich geworden sei. Die Suche nach einer künstlerischen Darstellungsweise dieser Wirklichkeiten führte Battistelli zwangsläufig zur Einsicht: Das Konzept der Moderne ist eine Polyphonie. Sie ist nicht monodisch, sondern ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Mit Eklektizismus oder postmoderner Beliebigkeit hat das nichts zu tun. Die Aufgabe des Künstlers besteht für Battistelli darin, sich Rechenschaft abzulegen über die vielen Dinge, die passieren, und er folgert: Es gibt nicht nur eine Art – es gibt viele Arten, musikalisch zu denken. So wie es viele Arten gibt, unsere Welt zu sehen.“ (Max Nyffeler, Musikpublizist)

Für die Regie von IL TEOREMA DI PASOLINI zeichnet das britisch-irische Theaterkollektiv „Dead Centre“ verantwortlich, das in den letzten Jahren vor allem mit seinen Arbeiten im Schauspiel – so für die Schaubühne Berlin und das Wiener Burgtheater – Aufsehen erregt hat. Nach ihrem Operndebüt bei der Ruhrtriennale mit einer gefeierten Inszenierung von Olga Neuwirths BÄHLAMMS FEST arbeiten „Dead Centre“ nun erstmals an einem Opernhaus.

Als Vorbereitung auf IL TEOREMA DI PASOLINI präsentiert die Deutsche Oper Berlin zu Beginn der Spielzeit im Haus der Berliner Festspiele das Werk, mit dem der 1953 geborene Battistelli Anfang der Achtzigerjahre international bekannt wurde: Die Musik zur einstündigen „Experimentaloper“ EXPERIMENTUM MUNDI wird fast ausschließlich von 16 Handwerkern geliefert, die auf der Bühne ihren Berufen wie Maurer, Schuster und Bäcker nachgehen.

Musikalische Leitung: Daniel Cohen
Inszenierung: Dead Centre
Bühne, Kostüme: Nina Wetzel
Video: Sebastian Dupouey
Dramaturgie: Jörg Königsdorf 

Lucia: Barbara Frittoli
Paolo: Davide Damiani
Emilia: Monica Bacelli
Ospite: Samuel Dale Johnson
Odetta: Meechot Marrero
Pietro: Andrei Danilov

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Komponiert für die Deutsche Oper Berlin, gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung


25.03.2022

Musiktheater von Marie-Ève Signeyrole und Keyvan Chemirani (Musik) >>> Uraufführung: 29. Oktober 2022 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellung: 31. Oktober; 1., 2. 3., 5. und 6. November 2022

Im Iran steht auf Homosexualität bis heute die Todesstrafe. Frauen müssen in der Öffentlichkeit ihr Haar verschleiern. Der Genuss von Alkohol ist gesetzlich untersagt und kann mit hohen Strafen geahndet werden. Nach der Islamischen Revolution 1980 wurde jede Musik, die als westlich galt, verboten. Auch wenn dies im Laufe der Jahre gelockert wurde, sind erzwungene Veranstaltungsabsagen und Auftrittsverbote bis heute an der Tagesordnung. Den Repressionen zum Trotz hat sich besonders über die letzten Jahre in der Hauptstadt Teheran eine vielschichtige Subkultur entwickelt. Das Nachtleben der Millionenmetropole spielt sich in einer Parallelwelt ab, in der man ständig dem Risiko ausgesetzt ist, den Missmut der Behörden auf sich zu ziehen.

Das Musiktheater NEGAR erzählt von Individuen, die mit den harten Regeln dieser widersprüchlichen Welt in Konflikt geraten: Die Französin Shirin reist nach Teheran und begegnet dort in einem Nachtclub der Sängerin Negar und deren Bruder Aziz, mit denen sie sich anfreundet. Dazwischen Shirin und Negar ein intimeres Verhältnis entsteht, sehen sie sich bald mit der unerbittlichen Gewalt des Staatsapparats konfrontiert. Um der Bedrohung zu entkommen, müssen sie alles hinter sich lassen.

Die französische Regisseurin Marie-Ève Signeyrole und der iranisch-französische Komponist Keyvan Chemirani schreiben mit NEGAR ein Musiktheater, das von der Liebe zwischen zwei Menschen als lebensbedrohlichem Politikum handelt und in dem Musik und Kunst zum Mittel der Rebellion werden. Für die Komposition verbindet Keyvan Chemirani verschiedene Kulturen und Stile: Musiker*innen mit traditionellen persischen Instrumenten spielen gemeinsam mit Orchestermitgliedern der Deutschen Oper Berlin. Sänger*innen des Opernensembles treffen auf Gäste wie die in Teheran aufgewachsene Künstlerin Golnar Shahyar, die die Musik ihrer persischen Heimat kombiniert mit Jazz und improvisiertem Gesang. 

Die Regisseurin Marie-Ève Signeyrole arbeitete zunächst als Filmregisseurin und für das Schauspiel, ehe sie 2012 mit Janáčeks DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN ihre erste Operninszenierung auf die Bühne der Opéra Orchestre National Montpellier brachte. Ihr Deutschland-Debüt erfolgte 2019 mit der Inszenierung von LA DAMNATION DE FAUST an der Staatsoper Hannover, die für den FAUST-Preis nominiert wurde. Daneben entwickelte und realisierte sie eigene Musikprojekte, wie das partizipative Stück LA SOUPE POP und das sinfonische Projekt BABY DOLL, das von sieben französischen Orchestern zum Beethoven-Jahr 2020 in Auftrag gegeben wurde und im September 2020 an der Deutschen Oper Berlin mit großem Erfolg seine Premiere feierte. Zuletzt inszenierte sie an der Oper Dortmund die Deutsche Erstaufführung von Camille Saint-Saëns’ FRÉDÉGONDE, an der Semperoper Dresden TURANDOT, an der Opéra national du Rhin SAMSON ET DALILA und an der Bayerischen Staatsoper Haydns L’INFEDELTÀ DELUSA. 

Keyvan Chemirani wurde in Paris geboren und wuchs in Manosque in den französischen Alpen auf. Schon als Kind wurde er von seinem Vater Djamchid Chemirani auf der Zarb unterrichtet; zusammen mit ihm und seinem Bruder Bijan Chemirani bildet er das Trio Chemirani, das weltweit mit persischer Percussionmusik konzertiert. Sein besonderes Anliegen, unterschiedliche Musikstile zu verbinden, ließ ihn Konzerte geben u. a. mit Hassan Tabbar, dem Ensemble Kudsi Erguner, Ken Zuckerman (Sarod), Socratis Sinopoulous (Kemenche), Stelios Petrakis (Lyra), Henri Tournier (Bansuri), Ross Daly, mit der mongolischen Sängerin Urna, Ali Reza Ghorbani und Dorsaf Hamdani, dem Trio Eric Marchand, mit Thierry Robin, Françoise Atlan, Juan Carmona und David Hykes. Inzwischen arbeitet Keyvan Chemirani zunehmend auch mit Jazzmusikern wie Sylvain Luc, Didier Lockwood, Renaud Garcia Fons und Louis Sclavis sowie mit Ensembles für Alte Musik wie dem Gilles Binchois Ensemble, La Chapelle Rhénane und der Cappella Mediterranea zusammen. Er hat zahlreiche Aufnahmen eingespielt, u. a. die Alben „Le Rythme de la parole“ (2004), „Le Rythme de la parole II“ (2005), „Battements au cœur de l’Orient“ gemeinsam mit Pandit Anindo Chatterjee (2007), „Melos“ (2012) und „Avaz“ (2014). Mit dem Ensemble La Chapelle Rhénane nahm er Heinrich Schütz’ „Psalmen Davids“ auf und mit der Cappella Mediterranea spielte er Falvettis „Il diluvio universale“ auf CD ein. Mit dem Louis Sclavis Quartet veröffentlichte Keyvan Chemirani das Album „Silk and Salt Melodies“ (2014).

Musik: Keyvan Chemirani
Inszenierung: Marie-Ève Signeyrole
Dramaturgische Beratung: Sonia Hossein-Pour
Bühne: Fabien Teigné
Kostüme: Yashi
Video: Laurent La Rosa
Dramaturgie: Dorothea Hartmann, Konstantin Parnian 

Mit Katarina Bradic, Arianna Manganello, Dean Murphy, Golnar Shahyar, Julian Arsenault, Keyvan Chemirani & Ensemble „The Modal Experience“

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Koproduktion mit Opéra Orchestre National Montpellier 


25.03.2022

Eine Karaoke-Opernfilm-Performance für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren von Chez Company >>> Uraufführung: 3. März 2023 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 6., 9., 10.,11. [2x], 13., 14., 15.,16. März 2023 

Warum nicht einfach mal das interaktive Element von Karaoke mit dem Medium Film mixen? Mit Kindern als Autor*innen und als Darsteller*innen? Und das an und mit einem Opernhaus, das mit seinen schier unerschöpflichen Möglichkeiten und vielen kreativen Mitarbeitenden weit die Türen öffnet? Die Theatermacher*innen von Chez Company entwickeln mit KARAOPER ihr erstes partizipatives Projekt und laden Kinder dazu ein, mit ihnen über die Zukunft zu träumen. Die KARAOPER ist ein Opernfilm, der federführend von Kindern gemacht wird und durch die Interaktionen des jungen Publikums im Moment der Aufführung erst seine Richtung bekommt.

Über mehrere Monate werden die teilnehmenden Kinder in verschiedenen Workshop-Phasen Themen und Visionen zum Thema Zukunft entwickeln und diese mithilfe des Produktionsteams sowie den Komponisten Thomas Kürstner und Sebastian Vogel in Musik, Text und Bewegung übersetzen. Wie soll unsere Zukunft aussehen? Welche Formen des Zusammenlebens sind zukünftig möglich? Aus dem gesammelten Material soll schließlich ein Film entstehen, bei dem die Jugendlichen federführend in der Erstellung des Drehbuchs, bei den Aufnahmen und beim Schnitt mitwirken. Das Opernhaus steht für die Dreharbeiten als großes Spielfeld zur Verfügung; von der Kostümabteilung über die Verwaltung bis zur Orchesterprobe.

Der Film, der im März 2023 in der Tischlerei zur Uraufführung kommt, wird in Kombination mit Live-Musiker*innen und Sänger*innen zu einem hybriden Opernerlebnis, bei dem das Publikum via Abstimmung über den jeweiligen Verlauf des Abends entscheiden kann. Angelehnt an die Praxis von Computerspielen bestimmt der Gedanke der Partizipation so auch während der Aufführungen das Spiel. Nach den Aufführungen in der Tischlerei soll das Projekt für Schulen adaptiert werden, so dass KARAOPER direkt ins Klassenzimmer kommt.

Nach THE MAKING OF BLOND realisieren die Theatermacher*innen von Chez Company ihr zweites Projekt an der Deutschen Oper Berlin: KARAOPER entwickeln Chez Company (Gesine Danckwart, Fabian Kühlein und Sabrina Zwach), die Komponisten Thomas Kürstner und Sebastian Vogel sowie die Bühnenbildnerin Julia Hansen zusammen mit Mitglieder des Sänger*innenensembles und des Orchesters der Deutschen Oper Berlin und vielen Kindern.

Gesine Danckwart entwickelt als Autorin, Regisseurin und Kuratorin Theater-, Film- und Kunstprojekte an Theaterhäusern und in freien internationalen Kontexten. Sie studierte in Berlin Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und gründete Anfang der 90er Jahre die freie Spielstätte Theaterdock, dort entstanden erste Performanceprojekte. Sie arbeitete u. a. am Burgtheater, Schauspielhaus Wien, Thalia Theater und Schauspielhaus Hamburg, Sophiensaele, HAU, Volksbühne, Maxim-Gorki-Theater, Schauspielhaus Köln und am Nationaltheater Mannheim. „UmdeinLeben“ hatte auf dem Filmfest München Premiere, von diversen Texten wurden Hörspiele realisiert. In China entstand „Ping Tang Tales“, das auch auf der Expo Shanghai gezeigt wurde. Weitere Arbeiten führten Gesine Dankckwart nach Südafrika, São Paulo und Ägypten. Ihre Texte sind in mehr als 15 Sprachen übersetzt.

Sabrina Zwach studierte Kulturwissenschaft und ästhetische Praxis in Hildesheim. Für „Weimar 99 – Kulturstadt Europas“ kuratierte sie eine Programmsparte. Sie leitete das „5. Festival Politik im Freien Theater“ in Berlin. Als Dramaturgin arbeitete sie u. a. mit Herbert Fritsch, Robert Borgmann, Mateja Koleznik, Simon Stone, Antu Nunes, Ersan Mondtag, capriconnection oder Anne Lenk. Sie war in verschiedenen Theaterleitungen tätig, so an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, am Berliner Ensemble oder am Burgtheater Wien. Sabrina Zwach schreibt für Theater und Film.

Die beiden Musiker, Komponisten und Performer Thomas Kürstner, 1972 in Weimar geboren, und Sebastian Vogel, 1971 in Magdeburg geboren, verbin-det eine enge Arbeitsbeziehung und Freundschaft. Sie studierten Musikwis-senschaft, Komposition und Germanistik in Halle, Dresden, Wien und Berlin. Theaterengagements führten sie nach Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Zürich und Wien. Von 2001 – 2003 waren sie als musikalische Leiter am TAT in Frankfurt tätig, bevor sie als Hauskomponisten ans Wiener Burgtheater wechselten. Gemeinsam mit dem Regisseur Nicolas Stemann entwickelten sie das Kunstformat „Gefahr-Bar“: Prinzip ist, Veranstaltungen zu präsentieren, deren musikalisches und literarisches Material erst am Tag der Aufführung entsteht und deren Dauer möglichst die Probenzeit übersteigt. Sie erarbeiten auch Film- und Tanzmusiken sowie Lesungen, Hörbücher, Romanvertonungen, Kammer- und Vokalmusiken. 

Künstlerische Leitung: Gesine Danckwart, Fabian Kühlein, Sabrina Zwach
Komponisten / Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Ausstattung / Set: Julia Hansen
Kamera / Schnitt: Henrik Aleith
Dramaturgie: Carolin Müller-Dohle, Evi Nakou

Gefördert im Programm JUPITER der Kulturstiftung des Bundes


25.03.2022

Musiktheater von Franziska Angerer und Arne Gieshoff (Musik) >>> Uraufführung: 21. Juni 2023 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 22., 24., 26., 28., 30. Juni und 1. Juli 2023

„Der Bär ist seit ein paar Stunden weg, und seitdem warte ich, ich warte darauf, dass der Nebel sich auflöst. Die Steppe ist rot, die Hände sind rot, das geschwollene, zerrissene Gesicht gleicht sich nicht mehr. Wie in den Zeiten des Mythos herrscht die Ununterschiedenheit, ich bin diese undeutliche Form, deren Züge in den offenen Breschen des mit Blut und Sekreten verschmierten Gesichts verschwunden sind – es ist eine Geburt, da es ganz offensichtlich kein Tod ist.“ (Nastassja Martin, „An das Wilde glauben“) 

Die französische Anthropologin Nastassja Martin begegnet auf einer ihrer Forschungsreisen in der Vulkanregion Kamtschatka einem Bären, der sie ins Gesicht beißt und schwer verwundet. Was sie als Anthropologin als langjährige Beobachterin und Begleiterin des indigenen Volkes der Ewenen zu dokumentieren und zu begreifen versucht, die animistische Verflechtung von Mensch, Tier und Umgebung, erlebt sie nun am eigenen Leib. Sie überlebt den Vorfall, doch sie wird fortan nicht mehr dieselbe sein. Für die Ewenen ist sie jetzt „matucha“, halb Frau, halb Bär. Doch neben dem Bären schreiben sich auch Andere in Martins Körper ein, eine schmerzhafte Genesungsprozedur führt sie in russische und französische Krankenhäuser. Ihr Körper ist in einer nicht enden wollenden Abfolge von Operationen einem ständigen Wandel unterzogen, ist kein geschlossenes System mehr, sondern zu einem „hybriden Knotenpunkt“ geworden. 

Es ist dieser Begriff der Verwandlung, den Franziska Angerer und Arne Gieshoff zum Ausgangspunkt für ihr neues Musiktheater BÄR*IN nehmen. Entlang der autobiografischen Erzählung von Nastassja Martin erkunden sie mit einem Ensemble aus Musiker*innen, Sänger*innen, einem Performer und einer Schauspielerin Praktiken der Metamorphose und suchen nach einer Überwindung anthropozentrischer Denkweisen, in denen nur der Mensch aktiver Handlungsträger ist. Durch einen immersiven Zugang wird das Verhältnis zwischen Darsteller*innen und Publikum neu ausgelotet. 

Im Rahmen dieser gemeinschaftlichen Praxis werden auch die Geschichten von Bären beschworen, deren Biografien eng mit der Stadt Berlin verwoben sind. Urs, Lotte, Vreni, Jette, Nante u.v.m.: Als lebende Verkörperung des Berliner Wappens wurden ab 1939 fünf Generationen von Bären in einem Zwinger am Köllnischen Park gehalten. Mit dem Tod von Schnute im Jahr 2015 endete die Tradition und der Bärenzwinger wurde zum Museum umfunktioniert. Nach einer umfassenden Recherche werden die Geschichten der Bären in Songtexten hörbar gemacht und so ihre Perspektive auf Berlin gezeigt. Die Stadtbären werden verkörpert von einer dreiköpfigen Band, die mit ihren Songs eine Reise durch die Berliner Geschichte populärer Musik – von der Ankunft des ersten Bären 1939 über den Tod des letzten Berliner Bären 2015 bis in die Gegenwart – beschreibt. Chanson, Neue Welle, Pop und Techno treffen auf die vielschichtige, von einem fünfköpfigen Ensem-ble gespielte Komposition von Arne Gieshoff. 

Nach gemeinsamen Arbeiten am Staatstheater Darmstadt und am Landestheater Tübingen setzen Franziska Angerer und Arne Gieshoff mit BÄR*IN ihre enge Kooperation fort.

Franziska Angerer ist eine interdisziplinär arbeitende Musiktheater- und Schauspielregisseurin. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit Themen wie dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur, dem Ende des Anthropozäns, Zukunftswelten und postkolonialen Kontinuitäten. Neben performativen Arbei-ten hat sie bereits Opern- und Sprechtheaterregie geführt (u.a. IL FARNACE am Stadttheater Aschaffenburg und „Der gute Gott von Manhattan“ am Landestheater Tübingen) sowie Installationen konzipiert (zuletzt im Rahmen des SPIELART Festivals). Eindrücklich verbindet sie eine konzentrierte Sprachbehandlung mit Fragmenten des zeitgenössischen und klassischen Musiktheaterrepertoires und Tanz. Mit „Dichterliebe“ inszenierte sie am Staatstheater Darmstadt während der Corona-Pandemie ein filmisches Musiktheater und wurde dafür u.a. mit dem Dr. Otto-Kasten-Preis 2021 ausgezeichnet.

Die Werke des Komponisten Arne Gieshoff wurden von Ensembles wie dem DSO Berlin, dem Philharmonia Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra und dem Collegium Novum Zürich aufgeführt. Sein Schaffen reicht von instrumentalen Kompositionen für verschiedene Besetzungen bis zu installativen Projekten, die mit spezifischen Orten interagieren und Feldaufnahmen, interaktive Live-Elektronik sowie von Sänger*innen und Musiker*innen live erzeugte Klänge einbeziehen. Arne Gieshoffs Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet: Er war ein „London Philharmonic Orchestra Young Composer“ und wurde als Stipendiat der Mendelssohn Stiftung sowie für das Tanglewood Music Center ausgewählt. Darüber hinaus erhielt er den Royal Philharmonic Society Composition Prize sowie ein Europäisches Musikautorenstipendium der GEMA. Zum Ende seines Studiums wurde er mit dem President’s Award des Royal College of Music ausgezeichnet. Von 2015 bis 2017 war er Stipendiat der Hans Werner Henze-Stiftung. 2021 erhielt er den Darmstädter Musikpreis.

Komposition: Arne Gieshoff 
Inszenierung: Franziska Angerer
Bühne, Kostüme: Valentina Pino Reyes
Dramaturgie: Carolin Müller-Dohle


07.03.2022

Oper in fünf Akten von Giuseppe Verdi >>> Libretto von Eugène Scribe und Charles Duveyrier >>> In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> 3 Stunden 45 Minuten, eine Pause >>>  Premiere: 20. März 2022 >>> Weitere Vorstellung: 26., 31. März und 3. April sowie 16., 19. und 25. Juni 2022

Unter den Opern aus Verdis Reifezeit ist die 1855 in Paris uraufgeführte LES VÊPRES SICILIENNES bis heute die am seltensten aufgeführte und steht im Schatten der zuvor geschriebenen „Trilogia popolare“ ebenso wie der späteren Werke. Erst in letzter Zeit wurden die besonderen Qualitäten des Werks wieder stärker gewürdigt: Denn Verdis erster Versuch, eine Grand Opéra in französischer Sprache zu schreiben, kennzeichnet eine Umorientierung von den romantischen Stoffen wie RIGOLETTO und IL TROVATORE hin zu den großen Historiendramen, die bis zur AIDA im Zentrum seines Schaffens stehen sollten. Für LES VÊPRES SICILIENNES stand ihm dabei mit Eugène Scribe der Autor zur Seite, der in den Jahrzehnten zuvor in Zusammenarbeit mit Komponisten wie Meyerbeer und Auber die Kunstform Grand Opéra maßgeblich entwickelt hatte. Und wie für Meyerbeer, dessen LE PROPHÈTE 1849 als Kommentar zur unmittelbar vorausgegangenen Revolution gelesen wurde, versorgte Scribe auch Verdi mit einem Stoff, der hinter seiner historischen Fassade einen Kommentar zu einem zentralen Thema französischer Machtpolitik verbarg: der seit 1830 betriebenen und immer wieder von blutigen Widerstandskämpfen und Erhebungen geprägten Eroberung Algeriens.

In LES VÊPRES SICILIENNES erzählen Verdi und Scribe in freier Anlehnung an die historischen Fakten die Geschichte eines Aufstands, der im 13. Jahrhundert die politische Landkarte des Mittelmeerraums schlagartig veränderte. Der Aufstand der Sizilianer gegen ihre französischen Besatzer im Jahr 1282 machte die Großmachtambitionen des Franzosen Charles d’Anjou zunichte und etablierte die Herrschaft des Hauses Aragon auf der Insel. 

An der Deutschen Oper Berlin legt Olivier Py den tagesaktuellen Bezug Verdis und Scribes hinter dem historischen Stoff frei, indem er LES VÊPRES SICILIENNES in das Umfeld des algerischen Unabhängigkeitskampfes versetzt. Für Py hat Scribes Libretto als einzige künstlerische Stellungnahme eines französischen Intellektuellen dieser Zeit zum brutalen Vorgehen der Franzosen in Algerien einen besonderen Wert – konsequenterweise wird LES VÊPRES SICILIENNES an der Deutschen Oper Berlin in der französischen Urfassung und nicht in der lange vorherrschenden italienischen Version gespielt.

Mit LES VÊPRES SICILIENNES setzt auch der erste Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin und Musikchef der Lyric Opera of Chicago, Enrique Mazzola, seine erfolgreiche Erkundung der Grand Opéra fort, in deren Rahmen er bereits Meyerbeers VASCO DA GAMA und LE PROPHÈTE erarbeitet hatte. 

Alle aktuellen Informationen zu Werk und Besetzung finden Sie hier.


01.03.2022

Marina Abramović: 7 DEATHS OF MARIA CALLAS, Premiere 8. April >>> Besetzungs-Highlights: PARSIFAL, UN BALLO IN MASCHERA und ELEKTRA >>> The Roaring Twenties: Konzert des Orchesters und der BigBand, Stargast: Ute Lemper am 1. April >>> Jahres-Pressekonferenz am 25. März 2022 um 10 Uhr

 

Wir freuen uns, Sie am 8. April endlich zur Berliner Premiere von Marina Abramovićs 7 DEATHS OF MARIA CALLAS einladen zu können, eine Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper, deren für April 2020 geplante Uraufführung nach mehrfachen Verschiebungen am 1. September 2020 vor 200 Zuschauer*innen stattfand. Nun endlich kommt die Arbeit am 8. und 10. April (an diesem Tag (Doppelvorstellung!) nach Berlin. 

Der Tod der Hauptdarstellerin ist der Höhepunkt vieler großer Opern und Anlass zu den ergreifendsten Arien der Musikgeschichte. Daher musste auch Maria Callas in ihrer Karriere unzählige Male dramatisch auf der Bühne sterben. Die Aktionskünstlerin Marina Abramović ist seit ihrer Jugend von der Primadonna assoluta fasziniert. Wie Maria Callas ist auch Marina Abramović eine Künstlerin, bei der Kunst, Öffentlichkeit und Privatleben untrennbar miteinander verwoben sind und bei der der eigene Schmerz Thema der künstlerischen Auseinandersetzung ist. 

Die seit den 70er Jahren aktive Performance-Künstlerin widmet der Opernikone ein eigenes Projekt: In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS beleuchtet Marina Abramović exemplarisch sieben Partien der Callas: in LUCIA DI LAMMERMOOR, TOSCA, CARMEN, MADAMA BUTTERFLY, NORMA, LA TRAVIATA und OTELLO. In sieben Videos durchlebt sie, mit Hollywood-Star Willem Dafoe an ihrer Seite, die unterschiedlichen Tode als Analogie zu Maria Callas, die – so Abramović – letztendlich an gebrochenem Herzen starb. Ein Schmerz, den ihre große Liebe Aristoteles Onassis ihr zufügte und von dem sie sich nie erholte. 

In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS dekonstruiert Marina Abramović die Oper und fügt sie zusammen mit Elementen ihrer eigenen Performance-Kunst – als Hommage an eine der größten Sängerinnen aller Zeiten und an ein Leben für die Kunst.

Unter musikalischer Leitung von Yoel Gamzou singen Irene Roberts, Chiara Isotton, Mané Galoyan, Adela Zaharia, Flurina Stucki, Antonia Ahyoung Kim und Valeriia Savinskaia.

Eine Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper München, dem Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, der Greek National Opera und der Opéra national de Paris. 

 

Besetzungs-Highlights: PARSIFAL, UN BALLO IN MASCHERA und ELEKTRA

In den PARSIFAL-Vorstellungen am 2. und 6. April interpretiert Thomas Blondelle den Titelhelden, Anja Harteros Kundry, Stephen Milling Gurnemanz und Noel Bouley bzw. Thomas Johannes Mayer (6.4.) Amfortas. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein. 

In UN BALLO IN MASCHERA, seiner Oper über das Attentat auf den schwedischen König Gustaf III., lotet Verdi eines seiner zentralen Themen aus: die Wechselwirkungen privater Leidenschaften und öffentlichen Handelns. Götz Friedrichs Inszenierung von 1993 verzichtet auf historisierende Opulenz und erzählt die Geschichte mit strenger Fokussierung auf die Hauptfiguren des Dramas, am 15. und 17. April zum letzten Mal auf dem Spielplan. Unter Leitung von Yi-Chen Lin am Pult sind u. a. Thomas Lehman (Graf René Anckarström), Anna Pirozzi (Amelia) und Meechot Marrero (Oscar) zu erleben. 

Es dürfte derzeit wohl kaum eine überzeugendere Elektra geben als Catherine Foster. Am 21. und 24. April steht sie in ihrer Paraderolle neben Allison Oakes als Chrysothemis, Violeta Urmana als Klytämnestra und Tobias Kehrer als Orest auf der Bühne. Am Pult ist Ulf Schirmer zu erleben.

 

The Roaring Twenties: Konzert des Orchesters und der BigBand der Deutschen Oper Berlin, Stargast: Ute Lemper 

Zum Thema der Musik der Zwanzigerjahre tun sich in diesem Konzert am 1. April das Orchester der Deutschen Oper Berlin und die BigBand zusammen, um Werke von Walter Braunfels, Eduard Künneke, Duke Ellington u. a. er-klingen zu lassen. Wir freuen uns, an diesem Abend als Special Guest die unvergleichliche Ute Lemper auf der Bühne begrüßen zu dürfen. Die musikalische Leitung hat Ernst Theis.

 

Jahres-Pressekonferenz am 25. März 2022

Zur Präsentation der Pläne für die Saison 2022/23 laden wir Sie herzlich für Freitag, den 25. März, um 10 Uhr ins Rangfoyer der Deutschen Oper Berlin ein!


24.02.2022

4. Tischlereikonzert am 21. März um 20 Uhr Tischlerei >>> Gedenkkonzert für Alfons Hirsch, Max Nelken, Kurt Oppenheimer und Ernst Silberstein

 

In der Kammerkonzertreihe „Wider das Vergessen“ erinnern Mitglieder des Orchesters der Deutschen Oper Berlin an Musiker, die in Zeiten des National­sozialismus mit Berufsverboten belegt wurden, emigrieren mussten oder in den Vernichtungslagern getötet wurden. Der Abend erzählt deren Leben und Geschichten anhand von Musikstücken und persönlichen Dokumenten. Es liest die Schauspielerin Margarita Broich, Moderation: Benedikt Leithner, Solo-Pauker im Orchester.

 

Am 13. Januar 2019 wurde in einem ersten Konzert bereits Wladyslaw Waghalter, Max Rosenthal, Werner Lywen und Hans Kraus gedacht, am 21. März um 20 Uhr steht das Leben und musikalische Wirken von Alfons Hirsch, Max Nelken, Kurt Oppenheimer und Ernst Silberstein im Zentrum des Abends. Wir laden Sie schon heute herzlich dazu ein!

 

Alphons Hirsch 06.10.1892 – 12.03.1990

Alphons Hirsch war seit 1921 Mitglied der Bratschengruppe des Orchesters. Seine 1933 ausgesprochene Entlassung verzögerte sich, da er unter die zunächst geltende „Frontkämpferregelung“ für ehemalige Soldaten des Ersten Weltkriegs fiel. Da seine Frau Eva Hirsch schweizerische Staatsangehörige war, gelang beiden 1938 die Flucht nach Genf. Dort spielte Alfons Hirsch bis 1958 im „Orchestre de la Suisse Romande“.

 

Max Nelken 08.02.1881 – deportiert am 14.11.1941 nach Minsk

Max Nelken hatte seit der Gründung des Opernhauses im Jahre 1912 eine Stelle als zweiter Geiger. Er war auch als Geigenlehrer am Sternchen Konservatorium tätig. Mit seiner Ehefrau Edith Nelken wurde er am 14.11.1941 nach Minsk deportiert. Dort wurde er wahrscheinlich entweder bei Massentötungen im Juli 1942 ermordet oder starb bereits vorher infolge der schlechten Lebensbedingungen.

 

Kurt Oppenheimer 01.01.1890 – April 1945

Kurt Oppenheimer war seit 1912 Mitglied der ersten Geigen. Während seines Studiums an der Königlichen Hochschule für Musik Berlin war er Preisträger der renommierten Joseph-Joachim-Stiftung. Auch seine Entlassung verzögerte sich aufgrund der „Frontkämpferregelung“. Ab 1937 arbeitete er zunächst als Geigenlehrer an der Jüdischen Musikschule Holländer. Im Juni 1941 emigrierte er nach Uruguay. Dort wurde er Mitglied im Sinfonieorchester in Montevideo, mit dem er auch als Solist auftrat. Nach schwerer Krankheit starb er im April 1945.

 

Ernst Silberstein 15.10.1900 – 26.09.1985

Ernst Silberstein wurde 1923 stellvertretender und 1925 erster Solo-Cellist des Orchesters. Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker war er ab 1929 Cellist im berühmten Streichquartett von Karl Klingler. Nach seiner Entlassung aus der Oper 1933 war es Ernst Silberstein dank der Fürsprache von Karl Klingler noch bis Anfang 1936 möglich, in Kammerkonzerten mit dem Quartett aufzutreten. Als ihm auch das untersagt wurde, emigrierte Silberstein im April 1936 nach New York. Dort war er ab 1937 im NBC-Sinfonieorchester unter der Leitung von Arturo Toscanini und an der Metropolitan Opera tätig, bevor ihn George Szell 1947 als Solo-Cellisten zum Cleveland Orchestra holte. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung 1967 und übte darüber hinaus bis 1975 sehr erfolgreich eine Lehrtätigkeit am Cleveland Instiute of Music aus.


10.01.2022

Rued Langgaard; ANTIKRIST >>> Oper in zwei Akten (in einem Prolog und sechs Bildern) >>> Libretto vom Komponisten. Revidierte Fassung, BVN 192 (1930) >>> Premiere: 30. Januar 2022 >>> Weitere Vorstellung: 5., 9. und 18. Februar 2022

Mit Rued Langgaards ANTIKRIST setzt die Deutsche Oper Berlin ihre Beschäftigung mit weniger bekannten, wiederzuentdeckenden Opern der 1920er Jahre fort. Nach DAS WUNDER DER HELIANE und DER ZWERG gilt es, mit dem einzigen Bühnenwerk des dänischen Einzelgängers Langgaard eine echte Rarität zu heben. Langgaard arbeitete fast die gesamten 1920er Jahre an seiner Oper, die er nach einer ersten, von der Oper in Kopenhagen abgelehnten Fassung grundlegend überarbeitete. Diese Zweitfassung ist mit ihrem hochsymbolistischen Text, ihrer zwischen Spätromantik und Moderne changierenden Musik und auswuchernden Kraft eines der schillerndsten Opern-Experimente der 1920er Jahre.

 

Ohne echte Dialoge, vielmehr in monologischen Bildern erzählt Langgaard von der Ankunft des Antichristen: Im Prolog stellt Luzifer den Metaphern für den „wahren Christus“ Bilder des „Gegen­christus“, des Antichristen, gegenüber. Auf Geheiß der „Stimme Gottes“ werden diese phantas­­magorischen Figuren auf die Menschheit losgelassen: In sechs Bildern, überschrieben mit „Das Unwegsamkeitlicht“, „Die Hoffart“, „Die Hoffnungslosigkeit“, „Die Begierde“, „Streit aller gegen alle“ und „Die Verdammnis“, offenbaren sich diese Versionen des Antichristen als: Mund, der große Worte spricht, Missmut, Große Hure, Lüge und Hass. Am Ende zerschlägt Gottes Stimme alle diese Antichristen und gibt der Menschheit das Ewige Licht zurück.

 

Langgaard war es mit seinem apokalyptischen Libretto durchaus Ernst: Er sah sich als Außenseiter in einer gottlosen Welt, voller Heuchelei, falscher Propheten und Antireligiosität. Für ihn waren Kunst und vor allem Musik tatsächlich die Lösung für eine neue und echte Verbindung zum Göttlichen. Dieser Kunstanspruch in der Nachfolge Wagners schlägt sich auch in der Musik nieder: Spätroman­tisch-satt scheut Langgaard nicht vor Pathos und großer Geste zurück. Dabei darf man die durchaus hör­baren Anklänge an Wagner und Strauss nicht als Epigonentum abtun, vielmehr weist Langgaards farben­reiche Partitur – die zu ca. fünfzig Prozent aus rein orchestralen Passagen besteht – mit expressionistischen Akzenten und konsequenten Radikalismen über ihre Zeit hinaus.

 

Ersan Mondtag gibt mit ANTIKRIST sein Berliner Operndebüt, das bereits im März 2020 hätte stattfinden sollen und pandemiebedingt verschoben werden musste. Mit Schrekers DER SCHMIED VON GENT sowie Weills DER SILBERSEE an der Oper Flandern, Antwerpen, hat Mondtag seine vielbeachteten ersten Musiktheaterinszenierungen gezeigt. Seine sinnliche Theatersprache, die starken Texten – wie u. a. Brechts BAAL am Berliner Ensemble – hochindividuelle Bildwelten entgegensetzt, korrespondiert auf ganz besondere Weise mit Langgaards überbordender Musiksprache. Gemeinsam mit Choreograf Rob Fordeyn, Solist*innen, einem Tanzensemble und dem Chor versucht er vor allem die Musik auf die Bühne umzusetzen. Neben Ensemblesolistinnen und -solisten wie Clemens Bieber, Flurina Stucki, Thomas Lehman, Irene Roberts und Andrew Dickinson sind Jordan Shanahan als „Hass“ und AJ Glueckert als „Tier in Scharlach“ zu erleben.

 

Informationen zu Werk, Inszenierung, Besetzung und Karten

 


10.01.2022

Sechs Begegnungen mit Jani Christous „Project Files“ von Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Younghi Pagh-Paan, Samir Odeh-Tamimi und Christian Wolff >>> Uraufführung: 23. Januar 2022 in der Tischlerei

 

Eine Frau in Schwarz, ein Klangkontinuum, unterbrochen durch eine Explosion, Menschenmassen, die die Bühne stürmen, Verkehrsampeln, der ohrenbetäubende Gesang der Zikaden auf Chios in der Mittagshitze, das Spiel im Ensemble als Chiffre gesellschaftlicher Konstellationen, die Beschwörung des metaphysisch Anderen, Komponieren als Versuch eines Bruchs mit der musikalischen Syntax oder auch als „leichter Druck gegen die Sinngrenze“: Der Kosmos des griechischen Komponisten Jani Christou ist labyrinthisch verzweigt im Reichtum seiner suggestiven Bilder und Entwürfe. Er überschreitet das rein Musikalische hin zu einer Integration von Szene, Text und Bild und verlässt zugleich die Räume der Kunst, versteht das Politische und Soziale ebenso als kompositorisches Material wie er Kompositionen für konkrete Naturlandschaften und Kulturräume entwirft. Und er bleibt letztlich prophetischer Entwurf, ONCE TO BE REALISED:

 

Christou entwarf in seinen letzten Lebensjahren in knapp 130 einzelnen Skizzen eine Reihe noch zu komponierender Stücke. Nur wenige davon hat er jedoch vor seinem plötzlichen Tod bei einem Autounfall, 1970, an seinem 44. Geburtstag, ausarbeiten können. Der Großteil dieser visionären Entwürfe wurde in den knapp 50 Jahre seit seinem Tod nicht realisiert und erst jetzt werden sie zur Grundlage eines neuen Musiktheaters: Zusammen mit dem renommierten griechischen Regisseur Michail Marmarinos konfrontieren sich sechs Komponist*innen, die zu den profiliertesten Schöpfer*innen aktuellen Musiktheaters zählen, mit Christous Entwürfen. Sie begegnen ihnen mit ihrer eigenen Musiksprache, setzen sich ihnen aus und lassen sich inspirieren, um mit ihren eigenen Mitteln und ihrer eigenen Idee in die Zukunft fort- und weiterzuschreiben. Dabei entsteht ein Musiktheater, das archaisches Drama ebenso ist wie soziale Skulptur, das die Mächte des Mythos beschwört, um von einer musikalischen Praxis den Sprung in eine „Metapraxis“, im Sinne Christous, in ein metaphysisch Anderes zu schaffen. Es ist „Ausbruch aus der Syntax“, ein Anschlag auf die Logik im Verhältnis des Ausführenden zu seinen eigenen besonderen Ausdrucksmitteln.

 

Alle Informationen zu Werk, Inszenierung, den Mitwirkenden und Karten


15.12.2021

Internationaler Kompositionswettbewerb in Kooperation mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

 

Die Deutsche Oper Berlin gratuliert den Gewinnern des Internationalen Kompositionswettbewerbs NEUE SZENEN, den sie zum sechsten Mal in Kooperation mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler ausgeschrieben hatte und dessen Ergebnisse im April 2023 in der Tischlerei, der experimentellen Spielstätte der Deutschen Oper Berlin, uraufgeführt werden.

 

Die Gewinner*inner (Biografien s. u.) sind


Juta Pranulytė (Komposition)


Sina Fani Sani (Komposition)


Gérman Alonso (Komposition) / Fabrizio Funari (Libretto)

 

In diesem Jahr waren erstmals sowohl Komponist*innen allein als auch Teams aus Komponist*in und Autor*in aufgefordert, sich für die NEUEN SZENEN zu bewerben. Hierzu waren sie gebeten, mindestens ein aussagekräftiges Werk einzureichen, auf dessen Grundlage die Auswahl für die Aufträge für insgesamt drei Musiktheaterwerke vergeben wurden. Als dreiteiliger Musiktheaterabend werden sie im April 2023 in der Tischlerei zur Uraufführung kommen, inszeniert, gesungen und gespielt von Studierenden der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

 

Bis zum 28. Oktober 2021 gingen 119 gültige Bewerbungen ein, davon mehr als die Hälfte aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland. In mehreren Schritten ermittelten die Mitglieder der Jury – Prof. Gordon Kampe (Komponist), Robyn Schulkowsky (Perkussionistin und Komponistin), Gerhild Steinbuch (Autorin), Sebastian Hanusa (Dramaturg, Deutsche Oper Berlin) und Prof. Claus Unzen (Regisseur, Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin) die interessantesten und aussichtsreichsten unter den eingesandten Einsendungen.

 

 

Biografien:

 

Die aus Litauen stammende Komponistin Juta Pranulytė begann ihre Ausbildung an der Hochschule „Versm“ in Vilnius und setzte dieses an der Hochschule für Chorgesang „Liepaites“ in Vilnius sowie an der Newman High School in Wisconsin fort. Im Anschluss studierte sie Komposition an der Litauischen Akademie für Musik und Theater, am Royal Conservatoire of Scotland und am Victorian College of the Arts der University of Melbourne/ Australien, bevor sie an die Kunstuniversität Graz wechselte, wo sie aktuell einen Master in Computermusik macht. Zudem studierte sie Kunstgeschichte an der Kunstakademie Vilnius. Juta Pranulytė besuchte die Darmstädter Ferienkurse und Meisterklassen bei ReMusik in Moskau und erhielt Stipendien unter anderem bei Voix Nouvelles Royaumont, für die Hallnäs Konstkoloni in Schweden, für Paroles & musique an der Opéra Orchestre National Montpellier, für die IMPULS. Academy for Contemporary Music und die Young Women Opera Makers Residency der Aix en Provence Academy.

 

Als größere Projekte entstanden in den letzten Jahren das audiovisuelle Werk „WATERS“ als site-specific Komposition für einen verlassenen Wasserspeicher in Vilnius (2018), „SWEET SWEAT“ für Blechbläser und Video (2019), entstanden für das Festival „Jauna Muzika” Vilnius und „7 days“ für 16 Stimmen und Kontrabass (2019), das durch das Ensemble Les Metaboles auf dem Festival Royaumont uraufgeführt wurde. Weitere musiktheatrale Arbeiten sind die Kammeroper „DIRT“ sowie Schauspielmusiken zu „King Lear“ und „Macbeth“ sowie zu „Kadujo.Genesis“, das in der Regie von Vlodimir Bochiarov in Vilnius und Kaliningrad zur Aufführung kam. Juta Pranulytės Musik ist auf mehreren Labels veröffentlich, unter anderem auf Anthologien des Music Information Centre Lithuania, bei der Lithuanian Composers' Union und zuletzt mit „LADA“ auf der CD „New Lithuanian Identities“ des Trios Agora.

 

Weitere Informationen: www.jutapranulyte.com

 

 

Der iranische Komponist Sina Fani Sani (*1990) wurde in Esfahan geboren und studierte zunächst klassische Gitarre sowie Komposition bei Golfam Khayam und Mehrdad Pakbaz an der Universität der Künste in Teheran. Von 2017 bis 2020 studierte er Komposition mit Claus Kühnl und Annesley Black am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt am Main, aktuell macht er seinen Master in Komposition bei Gordon Kampe an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Er nahm erfolgreich im Iran an der Bundesuniversitätsaufnahmeprüfung „concours“ teil, war Teilnehmer der finalrunde beim Tehran Youth Festival 2015 und ist Mitglied der iranischen „National Elites Foundation“. Sina Fani Sani war Stipendiat des Patronatsvereins vom Dr. Hoch’s Konservatorium und ist Stipendiat des DAAD für das PROMOS Stipendienprogramm. Mit seiner Komposition „The Sodomites“ für drei Sopranstimmen und Elektronik wurde er für das 11. Musikfest in Livorno ausgewählt, mit den beiden Musiktheaterwerken „Die kluge Else“ und „Farewell Rituals“ nahm er 2021 an der Hamburger „akademie kontemporär“ teil.

 

 

Germán Alonso wurde 1984 in Madrid geboren und studierte Komposition am Real Conservatorio Superior de Música de Madrid, wo er mit Auszeichnung abschloss. Parallel dazu studierte er elektroakustische Komposition bei Alberto Bernal. Er setzte seine Studien fort am Strasbourg Conservatoire bei Mark André, im Rahmen eines Masters in Mixed Composition an der HEM in Genf bei Michael Jarrell, Luis Naon und Eric Daubresse sowie am IRCAM bei Mauro Lanza. Zudem hat er einen Master in Musikwissenschaften der Universität Paris VIII. Er besuchte Meisterklassen und Workshops bei unter anderem Alberto Posadas, Hèctor Parra, José María Sánchez-Verdú, Aureliano Cattaneo, Brian Ferneyhough und Yan Maresz und wurde für Domaine Forget’s „Musique Nouvelle“ in Quebec, das Programm „Voix Nouvelles“ der Fondation Royaumont in Paris, die „International Composer Pyramid“ in Canterbury und den European Musical Creation Workshop in Madrid ausgewählt.

 

Germán Alonsos Stücke wurden in Europa und Amerika unter anderem von Proyecto OCNOS, Le Nouvel Ensemble Moderne, Xasax, CrossingLines, Vertixe Sonora und den Ensembles Contrechamps, Vortex, Asko| Schönberg, der Grup Instrumental de València und dem Sigma Project gespielt. Er ist Preisträger des neunten Kompositionswettbewerbs „Città di Udine“, des Seminario Permanente de Composición de Valencia, des Kompositionswettbewerbs „Carmelo Bernaola“ und Finalist des Gaudeamus Preises 2013. Er erhielt Aufträge von der Ernst von Siemens Musikstiftung / dem Ensemble CrossingLines, dem Festival Archipel Genève, Vertixe Sonora, dem Institut Valencià de la Música und dne Encontre Internacional de Compositors of Mallorca.

 

Zuletzt brachte er zwei Musiktheaterwerke zur Uraufführung. Als Auftrag des Teatro Real und des Teatro de La Abadía in Madrid entstand MARIE, geschrieben auf ein Libretto von Lola Blasco und inszeniert von Rafael R. Villalobos, das im Januar 2021 seine Premiere feierte. Bereits im Mai 2019 kam die Oper THE SINS OF THE CITY OF THE PLAIN auf ein Libretto von Fabrizio Funari zur Uraufführung. Dieses fand im Espacio Turina in Sevilla statt mit dem Ensemble Proyecto OCNOS und dem Sänger Niño de Elche. Germán unterrichtet seit 2016 Orchestration am Conservatorio Superior de Castilla-La Mancha. Seine Partituren sind seit 2011 bei BabelScore verlegt.

 

Weitere Informationen: www.german-alonso.com

 

 

Der in Rom geborene Librettist, Drehbuch- und Theaterautor Fabrizio Funari studierte, fasziniert von den Strukturen und Regeln sprachlicher Kommunikation, Linguistik und orientalische Sprachen mit einem Schwerpunkt auf der Sprachphilosophie, bevor er seine akademische Ausbildung in London am University College of London und an der Goldsmiths University sowie in Peking, Madrid und Sevilla fortsetzte. Er beschäftigte sich dabei mit antinormativen darstellenden Künsten und Erzählungen und schrieb Libretti und Theaterstücke auf Englisch, Spanisch und Italienisch. Fabrizio Funari arbeitete mit Komponist*innen wie Germán Alonso, Niño de Elche, Martin Gaughan, Alessandro De Rosa, Kieron Smith und Marco Benetti und mit Festivals und Institutionen wie der Biennale di Venezia und den Akademien der Oper von Verona und La Treccani zusammen. Im Jahr 2021 macht er seinen Abschluss an der Renoir Cinema Academy, wo er bei einigen der renommiertesten Drehbuchautoren Europas studierte, darunter Mario Martone und Ugo Chiti.

 

Zu seinen aktuellen Arbeiten für das Musiktheater zählen „Tredici Secondi o Un Bipede Implume ma con Unghie Piatte“, produziert und uraufgeführt 2019 bei der Biennale di Musica di Venezia 2019, „The Overcoat“, basierend auf Nikolai Gogols Novelle „Der Mantel“, „Decameron Privato“, basierend auf dem Kapitel „Pietro da’ Vinciolo“ aus Giovanni Boccacios „Decamerone“, „Tancredi“, ein Opernvideo über Gender und häusliche Gewalt sowie „The Sins of the Cities of the Plain“, das als Auftrag des Istituto de las Artes y Culturas de Sevilla (ICAS) entstand und bei dem es sich um den ersten Operntext überhaupt handelt, der in Polari geschrieben ist, einer Geheimsprache der homosexuellen Community im viktorianischen Großbritannien, die insbesondere in London gesprochen wurde. Für das Theater entstanden darüber hinaus die Stücke „La Sfinge“ über die Beziehung zwischen einem älteren Mann und einem jungen männlichen Prostituierten, „Familia“ über die Dynamik innerhalb einer dysfunktionalen Familie und mit „Escargot“ ein Monolog über Liebe und Homosexualität. Im Jahr 2021 wurde mit „Si Esto Fuera Cine Sería un Drama“ Fabrizio Funaris erstes Musical über eine Gruppe von Drag-Queens „on the road“, im Teatro Central in Sevilla anlässlich von „Togayther“ uraufgeführt, im Jahr 2021 gewann sein Kurzfilm „BOOM“ den Preis der Jury und den für das beste Drehbuch beim Ettore Scola Festival. Zudem ist Funari künstlerischer Leiter von „The Librettist“, einer Vereinigung zur Förderung zeitgenössischer Librettist*innen, Komponist*innen und Opern sowie Autor und Koordinator von Opera Factor, einem neuen internationalen Opernnetzwerk, das von der Opernakademie Verona gefördert wird.

 

Weitere Informationen: www.fabriziofunari.com

 


02.12.2021

Premiere: ANTIKRIST, Regie: Ersan Mondtag, am 30. Januar >>> Uraufführung: ONCE TO BE REALISED am 23. Januar, Tischlerei >>> Wiederaufnahmen: DER ZWERG und AIDA >>> RING-Zyklus 3: am 4., 5., 7. und 9. Januar

 

Die Premiere von Rued Langgaards ANTIKRIST musste im März 2020 pandemiebedingt kurzfristig abgesagt werden, nun hoffen wir, sie am 30. Januar 2022 nachholen zu können. Am Pult steht der Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover, Stephan Zilias, Regie führt Ersan Mondtag, dessen Schauspielinszenierungen schon mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden und der mit Schrekers DER SCHMIED VON GENT sowie Weills DER SILBERSEE an der Oper Flandern zwei ebenfalls gefeierte Ausflüge ins Opernfach absolviert hat. Wir freuen uns auf sein deutsches Operndebüt, zu dem wir Sie schon heute herzlich einladen!

 

Langgaards monolithisches Werk entwirft ein endzeitliches Mysterienspiel, das dem Fin de Siècle huldigt mit einer Musik, die an Strauss und Wagner erinnert, aber auch Hindemith und Schönberg nicht verleugnet. Mit dabei die Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble Irene Roberts, Flurina Stucki, Valeriia Savinskaia, Clemens Bieber, Thomas Lehman u. a.

 

Außerdem laden wir am 13. Januar unter dem Motto Zwischen Apokalypse und Utopie – Rued Langgaard und die 1920er Jahre zu einem Gespräch mit dem dänischen Langgaard-Spezialisten Bendt Viinholt Nielsen, Stephan Zilias und Dramaturgin Carolin Müller-Dohle ein. Abgerundet wird der Abend durch die Präsentation von Kammermusik-werken des Komponisten.

 

Uraufführung: ONCE TO BE REALISED am 23. Januar, Tischlerei

 

Ebenfalls eine Produktion, deren Uraufführung schon mehrfach verschoben werden musste, ist die Koproduktion mit der Münchener Biennale ONCE TO BE REALISED, die nun für den 23. Januar in der Tischlerei geplant ist. Dabei handelt es sich um Sechs Begegnungen mit Jani Christous „Project files“ von Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Younghi Pagh-Paan, Samir Odeh-Tamimi und Christian Wolff in der Regie von Michail Marmarinos.

 

Der Kosmos des griechischen Komponisten Jani Christou ist labyrinthisch verzweigt im Reichtum seiner suggestiven Bilder und Entwürfe. Politisches und Soziales sind ihm ebenso kompositorisches Material wie er Musik für Naturlandschaften und Kulturräume entwirft. Sechs renommierte Komponist*innen waren eingeladen, sich mit Christous „Project files“ auseinanderzusetzen und ihre Sichten darauf zu realisieren.

 

Wiederaufnahme DER ZWERG und AIDA

 

Die Premiere von Zemlinskys DER ZWERG geriet im März 2019 zu einem Triumph für Dirigent Donald Runnicles und Regisseur Tobias Kratzer, in deren Produktion Tenor David Butt Philip und Schauspieler Mick Morris Mehnert in der aufgespaltenen Titelpartie glänzen konnten, ebenso wie Elena Tsallagova als Donna Clara und Emily Magee als Ghita. Die bei Naxos vorliegende DVD wurde für den Grammy 2020 nominiert – und jetzt kehrt die Produktion wieder zurück auf den Spielplan. Neu an der gegenwärtigen Besetzung ist die am Haus hoch geschätzte Heidi Stober – zuletzt begeisterte sie in Pınar Karabuluts Inszenierung von GREEK auf dem Parkdeck. Wir freuen uns auf ihr Debüt als Donna Clara, Vorstellungen am 15., 21. und 28. Januar.

 

Nachdem wir im Frühjahr 2020 einige Vorstellungen, die mit Audiodeskription eingerichtet und geplant waren, absagen mussten – bzw. später nur digital stattfanden –, können wir die ZWERG-Aufführungen am 21. und 28. Januar mit Audiodeskription – Live-Beschreibung über Funk-Kopfhörer – für Zuschauer*innen mit Sehbehinderung anbieten! Auch DIE ZAUBERFLÖTE am 16. Januar ist audiodeskriptiv zu erleben.

 

Verdis AIDA kehrt am 22. Januar zurück auf den Spielplan der Deutschen Oper Berlin, unter musikalischer Leitung von Leonardo Siri (22.1.) bzw. Giampaolo Bisanti (24., 29.1. sowie 4.2.) sind Guanqun Yu als Aida, Stefano la Colla als Radamès und Anna Smirnova als Amneris zu hören.

 

RING-Zyklus 3: am 4., 5., 7. und 9. Januar

 

Beginnen werden wir das neue Jahr vom 4. bis 9. Januar mit dem dritten kompletten RING-Zyklus unter Leitung von Sir Donald Runnicles, nachdem der zweite November-Zyklus sowohl auf rbbKultur ausgestrahlt
wurde – und in der Mediathek noch bis zum 15. Dezember nachgehört werden kann – als auch von Naxos in Zusammenarbeit mit dem rbb, unter Mitwirkung von NRK und Marquee TV, filmisch aufgezeichnet wurde.

 


09.11.2021

Liederabend: Doris Soffel am 2. Dezember >>> - Sinfoniekonzert: Richard Wagner mit Anja Harteros am 4. Dezember >>> Besetzungs-Highlights: Giuseppe Verdis DON CARLO und UN BALLO IN MASCHERA sowie IL BARBIERE DI SIVIGLIA

Die große Mezzosopranistin Doris Soffel, die zuletzt an der Deutschen Oper Berlin in der preisgekrönten Uraufführung von Detlev Glanerts OCEANE begeisterte, gibt am 2. Dezember im Foyer einen Konzertabend mit Liedern von Gustav Mahler bis Kurt Weill.

 

Und schon zwei Tage später, am 4. Dezember, folgt eine weitere herausragende Solistin auf der großen Bühne, wenn Anja Harteros zusammen mit dem Orchester unter Leitung des Slowaken Juraj Valcuha ein ausgewähltes Wagner-Programm präsentiert. Erst im Sommer 2021 gab Anja Harteros an der Bayerischen Staatsoper ihr Debüt als Isolde und kehrt mit dem Finale dieser Partie, mit „Isoldes Liebestod“, nun an die Bismarckstraße zurück. Außerdem interpretiert sie Wagners „Wesendonck-Lieder“.

 

 

Besetzungs-Highlights DON CARLO, UN BALLO IN MASCHERA und IL BARBIERE DI SIVIGLIA

 

Im Dezember stehen endlich zwei der großen Verdi-Opern wieder auf dem Spielplan: DON CARLO und UN BALLO IN MASCHERA, beide in herausragenden Besetzungen. Regisseur Marcuro Arturo Marelli erzählt Verdis Drama um Macht, Inquisition und einen tragischen Vater-Sohn-Konflikt innerhalb eines Mauerlabyrinths, das vom Escorial inspiriert ist. In der Partie des Philipp steht Alex Esposito auf der Bühne, als Don Carlo Robert Watson, als Rodrigo Etienne Dupuis und als Großinquisitor Albert PesendorferNicole Car gestaltet Elisabeth von Valois und Yulia Matochkina Prinzessin Eboli. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von James Gaffigan. Vorstellungen am 5., 9., 15. und Dezember.

 

Und am 20., 22. und 29. Dezember kehrt Götz Friedrichs Inszenierung UN BALLO IN MASCHERA aus dem Jahr 1993 zurück auf den Spielplan, unter Leitung von Michelangelo Mazza. Wir freuen uns auf Yusif Eyvazov, der in der Partie des Gustav III. debütiert, Carlos Álvarez (Graf René Anckarström), Angela Meade (Amelia), Judit Kutasi (Ulrika), Meechot Marrero (Oscar) u. a.

  

Im Rahmen der Aufführung am 20. Dezember wird Kammersängerin Julia Varady die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Oper Berlin verliehen. Julia Varady stand selbst zum Saisonauftakt 1994/95 als Amelia in Götz Friedrichs Inszenierung auf der Bühne und wurde für ihre überzeugende Verkörperung von Presse und Publikum gefeiert. Ihre hohen Verdienste an diesem Haus werden nun mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft noch einmal gewürdigt.

 

Eine weitere herausragende Besetzung darf das Publikum mit Aigul Akhmetshina in Rossinis IL BARBIERE DI SIVIGLIA erwarten – die junge russische Mezzosopranistin hat bereits als Carmen das Publikum der Deutschen Oper Berlin begeistert. Vorstellungen finden am 30. Dezember und 2. Januar statt.

 

Und außerdem freuen wir uns sehr, dass das Ensemblemitglied Mané Galoyan gerade den 2. Platz beim Operalia Wettbewerb 2021 am Moskauer Bolshoi Theater gewonnen hat. Wir gratulieren herzlich!


26.10.2021

Mit seinem welterklärenden Anspruch sowie durch seine schiere zeitliche Ausdehnung ist DER RING DES NIBELUNGEN die größte Herausforderung für jedes Produktionsteam. An der Deutschen Oper Berlin haben sich jetzt Sir Donald Runnicles und Stefan Herheim dieser Aufgabe gestellt, die Gedankenwelt von Wagners Tetralogie ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. Getreu Schillers Diktum, der Mensch sei nur dort ganz Mensch, wo er spiele, entwickelt Herheim den Beginn der Tetralogie aus dem Akt des Spielens. Durch den spielerischen Vollzug des Mythos findet die Gesellschaft zu sich selbst und ihren Werten, die freilich nur solange gültig sind, wie das Spiel dauert, und deshalb immer wieder neu gefunden werden müssen. Folgerichtig mündet die Auffassung von Wagners Mythos in der GÖTTERDÄMMERUNG im Hier und Jetzt, weitet sich der Fokus von der Entwicklung einzelner Figuren hin auf die Gesellschaft als Ganze.

 

Für ihre Neuinterpretation des RING stehen Stefan Herheim und Sir Donald Runnicles herausragende Sängerdarsteller zur Verfügung: „Nina Stemmes Brünnhilde! Wenn der irrlichthaft funkelnde neue ‚Ring des Nibelungen‘ an Berlins Deutscher Oper dereinst Geschichte geworden ist, könnte diese Leistung immer noch nachglühen und als eine, die sich über alle Tageszufälle zu reiner, in tiefer Verletzlichkeit wie leuchtendem Widerstehen ergreifender Humanität erhebt. Im Durchleben einer ersten und einzigen großen Liebe findet die Sängerin Töne stolz befreiter wie zart einhüllender Wärme, erotisch und mütterlich in einem.“ – so die FAZ nach der Premiere der GÖTTERDÄMMERUNG. Neben Nina Stemme als wohl profiliertester Wagner-Sängerin der Gegenwart sind Clay Hilley als Siegfried, Elisabeth Teige als Sieglinde, Brandon Jovanovich als Siegmund, Thomas Blondelle als Loge, Markus Brück (DAS RHEINGOLD) und Jordan Shanahan als Alberich, Derek Welton (DAS RHEINGOLD) und Iain Paterson als Wotan / Der Wanderer, Annika Schlicht als Fricka, Ya-Chung Huang als Mime, Albert Pesendorfer als Hagen u. a. zu erleben.

 

Vielfach preisgekrönt, ist der Norweger Stefan Herheim einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart: In seinen Arbeiten macht er immer wieder auch die ideengeschichtlichen Zusammenhänge und die Wirkungsgeschichte der jeweiligen Opern deutlich. Mit Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles steht ein ausgewiesener Wagner-Kenner am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, der seine RING-Interpretationen an den Opernhäusern von Hamburg, Berlin, Wien, San Francisco, bei den BBC Proms in London, beim Edinburgh International Festival und an der MET New York nun mit einer Neueinstudierung an seinem Stammhaus fortsetzt.

 

Audiovisuelle Aufzeichnung und live-Hörfunkübertragung auf rbbKultur

Im Rahmen ihrer bereits mehrfach erfolgreichen Zusammenarbeit zeichnen die Deutsche Oper Berlin und Naxos als Produzent die beiden zyklischen Aufführungen des RING DES NIBELUNGEN im November 2021 audiovisuell auf. Neben der Deutschen Oper Berlin und Naxos sind als weitere Produktionspartner das Norwegische Fernsehen NRK, die Online Plattform MarqueeTV und der Rundfunk Berlin-Brandenburg beteiligt, der den zweiten Zyklus auch live im Hörfunk übertragen wird. 

 

Nach Postproduktion der Aufzeichnung wird der RING DES NIBELUNGEN im Frühjahr 2022 in Deutschland in der ARD Mediathek und international auf MarqueeTV abrufbar sein sowie im norwegischen Fernsehen ausgestrahlt werden.  

 

Im Herbst 2022 wird Naxos den RING-Zyklus in einer DVD bzw. Blu-ray Box veröffentlichen. 

 

Naxos Audiovisual und die Deutsche Oper Berlin setzen mit diesem Großprojekt ihre   Zusammenarbeit fort, in deren Rahmen bisher die Produktionen FRANCESCA DA RIMINI, HEART CHAMBER, die mit dem renommierten Opus Klassik ausgezeichnete Oper DAS WUNDER DER HELIANE sowie die für den GRAMMY Award 2021 nominierte Aufnahme von DER ZWERG entstanden sind.

 

Eine Produktion der Deutschen Oper Berlin und Naxos in Zusammenarbeit mit dem RBB, unter Mitwirkung von NRK und MarqueeTV. 


28.09.2021

am 27. November 2021 in der Deutschen Oper Berlin

Nachdem im vergangenen Jahr die festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, freuen wir uns, diese Tradition der wohl schillerndsten Benefizveranstaltung im Berliner Kulturleben nun wieder aufnehmen zu können – wenn auch in einer veränderten Form. Das Galakonzert für die Deutsche AIDS-Stiftung versammelt am 27. November 2021 internationale Opernstars für einen guten Zweck in der Deutschen Oper Berlin. Die glamouröse Party nach dem Konzert kann in diesem Jahr zwar noch nicht wieder stattfinden; die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler werden das Publikum jedoch wie jedes Jahr begeistern und ein mitreißendes Programm präsentieren, moderiert von Max Raabe.

 

Auf Einladung des künstlerischen Leiters Alard von Rohr haben sich unter anderem Asmik Grigorian, wohl eine der begehrtesten Sopranistinnen auf europäischen Opernfestivals, die gerade als Senta in Bayreuth brillierte, sowie Pretty Yende, deren strahlender Sopran schon mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet wurde, zum Konzert angesagt. Mit Nicole Car und Etienne Dupuis steht ein Sängerpaar auf der Bühne, das in der Deutschen Oper Berlin schon mehrfach das Publikum begeisterte, so zuletzt in EUGEN ONEGIN. Jonathan Tetelman überzeugte in der viel gerühmten Streaming-Premiere von FRANCESCA DA RIMINI im März 2021 an der Seite von Sara Jakubiak und macht ein Wiedersehen umso erfreulicher. Und mit Alex Esposito steht ein Bass auf der Bühne, der u. a. als Leporello in DON GIOVANNI und als Titelheld in Massenets DON QUICHOTTE das Publikum zu viel Applaus hinriss.

Am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin steht die junge Dirigentin Keri-Lynn Wilson, die sich bereits an so renommierten Opernhäusern wie dem Royal Opera House Covent Garden, der Bayerischen Staatsoper, dem Bolschoi-Theater und der Wiener Staatsoper profiliert hat.

 

Aus den Erlösen des Gala-Konzerts fördert die Deutsche AIDS-Stiftung Projekte in Berlin, Deutschland und Südafrika. In Berlin unterstützt die Deutsche AIDS-Stiftung unter anderem ein Wohn-Pflegeprojekt in der Reichenberger Straße. Bundesweit werden Projekte zur Gesundheitsförderung und -information bezuschusst. In Südafrika berät der regionale Kooperationspartner HOPE Cape Town Familien zu HIV und AIDS. Er wendet sich vor allem an die Bewohner*innen der Townships rings um Kapstadt.

 

„Wir freuen uns sehr, dass 2021 wieder eine Benefizveranstaltung für die Deutsche AIDS-Stiftung in der Deutschen Oper Berlin stattfinden kann. Die Gala verbindet einen Abend wundervoller Musik mit einem guten Zweck. Unsere Stiftung benötigt die Erlöse dringend für die Förderung kommender Projekte. Außerdem bietet die Gala eine gute Plattform, erneut öffentlich über HIV und AIDS zu informieren. Information ist wichtig, um sich vor HIV zu schützen und Vorurteile zu überwinden,“ sagt Kristel Degener, die Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung.

 

„Ich freue mich, dass wir die Tradition der Galakonzerte zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung nach der letztjährigen Pause wiederaufnehmen und die Deutsche Oper Berlin damit ihren Beitrag für diese nach wie vor elementar wichtige Arbeit leisten kann. Und natürlich bin ich dankbar für die Möglichkeit, in einem vollen Haus das Publikum für den Reichtum des Opernrepertoires begeistern zu können – zumal das Erlebnis in diesem Fall einem guten zivilgesellschaftlichen Zweck dient. Machen Sie von diesem Angebot unbedingt Gebrauch!“ (Dietmar Schwarz, Intendant Deutsche Oper Berlin)

 

Bitte lassen Sie uns Ihre Pressekartenwünsche unter den angegebenen Kontakten wissen.


08.09.2021

Premiere GÖTTERDÄMMERUNG am 17. Oktober >>> RING-Zyklen am 9., 10., 12., 14. sowie am 16., 17., 19., 21. November >>> mit Premiere SIEGFRIED im 1. Zyklus (am 12. November) >>> Einzelvorstellungen DAS RHEINGOLD und DIE WALKÜRE

Wir freuen uns sehr, für den 17. Oktober 2021 die Premiere GÖTTERDÄMMERUNG unter Leitung von Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles und in der Regie von Stefan Herheim ankündigen zu können. Damit schließt sich der Zyklus, auch wenn die Premiere SIEGFRIED leider pandemiebedingt im April 2021 nicht vor Publikum stattfinden konnte und nun im Rahmen des 1. RING-Zyklus am 12. November nachgeholt wird.

 

Auch in der GÖTTERDÄMMERUNG steht mit Nina Stemme als Brünnhilde die wohl profilierteste Wagnersängerin der Gegenwart auf der Bühne. Als Siegfried ist der Neuseeländer Simon O’Neill zu erleben, als Hagen der Brite Gidon Saks, der an der Deutschen Oper Berlin zuletzt als Claggart in Brittens BILLY BUDD einen großen Erfolg feiern konnte.

 

Bereits in DAS RHEINHGOLD hat Stefan Herheim die zentrale Idee seiner Neuinszenierung des RING DES NIBELUNGEN bildkräftig etabliert: Getreu Schillers Diktum, der Mensch sei nur dort ganz Mensch, wo er spiele, entwickelt Herheim den Beginn der Tetralogie aus dem Akt des Spielens. Durch den spielerischen Vollzug des Mythos findet die Gesellschaft zu sich selbst und ihren Werten, die freilich nur solange gültig sind, wie das Spiel dauert, und deshalb immer wieder neu gefunden werden müssen. Folgerichtig mündet die Auffassung von Wagners Mythos als Basis eines immer wieder er-neuerten Spiels in der GÖTTERDÄMMERUNG im Hier und Jetzt.

 

Für die Erweiterung des bislang ganz auf die Entwicklung einzelner Figuren ausgerichteten Fokus auf die Gesellschaft zitiert die Bühne einen Ort, der zugleich eine Spiel-Stätte wie gesellschaftlicher Treffpunkt ist: Das Foyer der Deutschen Oper Berlin mit der eindrucksvollen Wolkenskulptur des amerikanischen Künstlers George Baker: „Alunos Discus“. Hier finden auch die Spielelemente ihren Platz, die in allen Teilen des RING immer wieder an die Grundvoraussetzung der Erzählung erinnern: der Konzertflügel als Ort der künstlerischen Inspiration, die Koffer als Symbol einer Flucht, die nur durch die Kunst aufgehalten wird, und das Seidentuch als einfachstes Zeichen für die Leichtigkeit und Magie des Spiels an sich.

 

Nachdem die fertig geprobte Neuinszenierung des SIEGFRIED im April nicht gezeigt werden konnte, kommt nun mit der GÖTTERDÄMMERUNG der letzte Teil von Wagners Bühnenfestspiel zur Premiere. Weitere Einzelvorstellungen finden am 24. und 31. Oktober statt.

 

Bevor die Zyklen im November starten, gibt es am 22. Oktober auch eine Vorstellung von DAS RHEINGOLD mit dem in der Premierenserie bereits höchst gepriesenen Trio Thomas Blondelle als Loge, Markus Brück als Alberich und Derek Welton als Wotan. Als Fricka glänzte Annika Schlicht.

 

Und auch DIE WALKÜRE ist am 29. Oktober noch einmal in einer Einzelvorstellung zu erleben – mit Elisabeth Teige als Sieglinde neben Brandon Jovanovich als Siegmund, John Lundgren als Wotan, Nina Stemme als Brünnhilde, Annika Schlicht als Fricka u. a.

 

Die beiden Zyklen finden am 9., 10., 12. und 14. sowie am 16., 17., 19. und 21. November statt. Innerhalb des 1. Zyklus kommt am 12. November SIEGFRIED zur Premiere mit Clay Hilley in der Titelpartie, Nina Stemme als Brünnhilde, Ya-Chung Huang als Mime, Iain Paterson als Der Wanderer u. a.

 

Zur Pressekartenbestellung:

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Pressekarten den berichtenden Kolleginnen und Kollegen vorbehalten sind. Für die Einzelvorstellungen bieten wir Ihnen – nach Verfügbarkeit – die Buchung einer Begleitkarte zum Vollpreis an. Für die Zyklen bitten wir Sie im Interesse unserer vielen treuen Besucher*innen und regionalen wie internationalen Gäste, dass Sie ggfs. Ihre Begleitkarten freundlicherweise selbst buchen. Der Vorverkauf beginnt am 23. September um 9 Uhr online und im telefonischen Kartenservice, um 12 Uhr an der Tageskasse in der Bismarckstraße. Für Inhaber*innen der Deutsche Oper Card startet der exklusive Vorverkauf bereits am 22. September.

 

Bitte lassen Sie uns Ihre Pressekartenwünsche per Mail oder telefonisch unter 030-34384207/208 wissen. Wir freuen uns, Sie bei uns begrüßen zu dürfen,

Kirsten Hehmeyer
Ltg. des Pressebüros
Deutsche Oper Berlin
hehmeyer@deutscheoperberlin.de
Tel. *49(0)30-34384 207

 

Gemäß den geltenden Vorschriften des Landes Berlin sind unsere Veranstaltungen für Publikum, das negativ getestet, geimpft oder genesen ist, zugänglich. Eine medizinische oder FFP2-Maske ist bitte ab Betreten des Veranstaltungsorts und bis zum Verlassen zu tragen. Wir erfassen die Besucherdaten aller Gäste beim Betreten des Gebäudes mit Hilfe von Corona-Warn-App, Luca-App oder Ausfüllen unseres Kontaktformulars.


23.06.2021

Vorschau

Den Erfahrungen der letzten Monate geschuldet, haben wir unseren Saisonstart 2021/22 open air auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin geplant und laden bereits am 27. August zur Premiere von Mark-Anthony Turnages GREEK ein. Regie führt Pınar Karabulut, die seit 2020 als Hausregisseurin zum Leitungsteam der Münchener Kammerspiele gehört, und die musikalische Leitung liegt in den Händen von Yi-Chen Lin, seit der Saison 2020/21 als Kapellmeisterin am Haus tätig.

 

Für die erste Münchener Biennale beauftragte Hans Werner Henze 1988 den damals unbekannten, 28jährige Mark-Anthony Turnage, der durch seine kraftvolle Musiksprache aufgefallen war und bei Miles Davis wie bei Janáček oder Strawinsky Inspiration suchte, mit einer Uraufführung.

 

Eines seiner bekanntesten Stücke ist bis heute GREEK – eine Bearbeitung und Überschreibung des Ödipus-Mythos. Ödipus wird darin zu Eddy, der in einer Arbeiterfamilie im heruntergekommenen Londoner East End aufwächst und von einer sozial tief gespaltenen Gesellschaft geprägt ist.

 

Die durch die Pandemie eigenwillige Premierenreihenfolge des RING DES NIBELUNGEN lässt auf das gerade viel gerühmte RHEINGOLD am 17. Oktober die Premiere von GÖTTERDÄMMERUNG folgen, bevor sich – im Rahmen des ersten Zyklus – am 12. November SIEGFRIED anschließt. Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Stefan Herheim, dem für seinen Einfalls- und Bilderreichtum vielfach Bewunderung gezollt wurde, haben auf jeden Fall starke Nerven bewiesen, unter den außergewöhnlichen Umständen den Marathonlauf unbeirrt fortzusetzen. Im November stehen zwei komplette Zyklen an und ein dritter im Januar.

 

Zwei Produktionen aus dem Jahr 2020 gilt es nun nachzuholen: zum einen, mit Premiere am 30. Januar, Rued Langgaards ANTIKRIST, ein Werk das sich allen Zuordnungen entzieht und zwischen Oper, Oratorium und szenischer Sinfonie changiert, zum anderen Marina Abramovićs 7 DEATHS OF MARIA CALLAS, eine internationale Koproduktion, die bislang nur an der Bayerischen Staatsoper vor extrem reduziertem Publikum in wenigen Vorstellungen gezeigt werden konnte. Am 8. und 10. April folgen nun endlich die Berliner Aufführungen mit Marina Abramović, einer erstrangigen Sängerinnenbesetzung und Willem Defoe im Film.

 

Für ANTIKRIST konnte der junge Regisseur Ersan Mondtag gewonnen werden, dessen hochindividuelle Bildwelten mit der überbordenden Musiksprache Langgaards korrespondieren dürften. Die musikalische Leitung hat der Generalmusikdirektor der Oper Hannover, Stephan Zilias.

 

Als fünfte Premiere im großen Haus folgt am 20. März LES VÊPRES SICILIENNES, Verdis erste für Paris geschriebene Grand Opéra, die hier in der französischen Urfassung erklingt. Die Interpretation dieses großen historischen Stoffes obliegt dem Team um Enrique Mazzola am Pult und Regisseur Olivier Py, die bereits bei Meyerbeers Grand Opéra LE PROPHÈTE gemeinsam einen packenden Zugriff gefunden haben. Mit Saioa Hernández als Hélène, Piero Pretti als Henri, Roberto Tagliavini als Procida und Thomas Lehman als Montfort dürfte eine exzellente Sängerbesetzung bereitstehen.

 

Christof Loy setzt mit Schrekers DER SCHATZGRÄBER seine Beschäftigung mit fast vergessenen Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts fort und widmet sich außerdem mit der Kneipentochter Els einer weiteren ambivalenten und komplexen Frauenfigur – wie bereits in Korngolds WUNDER DER HELIANE und Zandonais FRANCESCA DA RIMINI. Für diese Produktion können Christof Loy und Marc Albrecht ihre fruchtbare Zusammenarbeit fortführen, die Partie der Els übernimmt Elisabet Strid und Daniel Johansson den Elis. Premiere ist am 1. Mai.

 

Und zum Ende der Saison, am 12. Juni, werden Jossi Wieler und Sergio Morabito ihre erste Neuproduktion für die Deutsche Oper Berlin vorstellen, mit Sir Donald Runnicles am Pult: Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Als Hans Sachs ist Johan Reuter zu erleben, als Walther von Stolzing Klaus Florian Vogt und in den Partie der Eva und des Beckmesser debütieren Rachel Harnisch sowie Philipp Jekal.

 

In der Tischlerei, dem Raum für experimentelles Musiktheater, starten wir gleich zu Beginn der Saison, am 24. September, mit der Uraufführung DIE VORÜBERLAUFENEN mit Musik von Andrej Koroliov und in der Regie von Theresa von Halle. Basierend auf dem gleichnamigen Prosastück Franz Kafkas beschäftigt sich die Produktion mit dem Thema Zivilcourage.

 

Das von Fritz Bornemann großartig entworfene Gebäude der Deutschen Oper Berlin feiert an diesem Tag sein 60. Jubiläum. Nicht nur der Zuschauerraum ermöglicht beste Sicht- und Klangerlebnisse, sondern auch die weiträumigen Foyers bieten ebenso dem Publikum Raum zur Zusammenkunft wie der Bildenden Kunst Präsentationsorte, sodass wir den Geburtstag mit einer Ausstellung der Künstlerin Ina Weber begehen wollen. Auf die Vernissage am 18. September folgen eine Reihe an Veranstaltungen, die sich der Besonderheit der Architektur im Kontext ihrer Zeit und ihrer Wirksamkeit bis in die Gegenwart widmen.

 


23.06.2021

Open-Air auf dem Parkdeck

 

Premiere: 27. August 2021
Mark-Anthony Turnage
GREEK
Musikalische Leitung: Yi-Chen Lin
Inszenierung: Pınar Karabulut

 

 

Großes Haus

 

Premiere: 17. Oktober 2021
Richard Wagner
GÖTTERDÄMMERUNG
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Stefan Herheim

 

Premiere: 12. November 2021
Richard Wagner
SIEGFRIED
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Stefan Herheim

 

Premiere: 30. Januar 2022
Rued Langgaard
ANTIKRIST
Musikalische Leitung: Stephan Zilias
Inszenierung: Ersan Mondtag

 

Premiere: 20. März 2022
Giuseppe Verdi
LES VÊPRES SICILIENNES
Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Inszenierung: Olivier Py

 

Premiere: 8. April 2021
7 DEATHS OF MARIA CALLAS
Ein Opernprojekt von Marina Abramović
Musik von Marko Nikodijević sowie Szenen aus Werken
von Bellini, Bizet, Donizetti, Puccini und Verdi
Inszenierung: Marina Abramović
Musikalische Leitung: Yoel Gamzou
Koproduktion mit Bayerischer Staatsoper, Maggio Musicale Fiorentino, Greek National Opera, Opéra national de Paris

 

Premiere: 1. Mai 2022
Franz Schreker
DER SCHATZGRÄBER
Musikalische Leitung: Marc Albrecht
Inszenierung: Christof Loy

 

Premiere: 12. Juni 2022
Richard Wagner
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Inszenierung: Jossi Wieler und Sergio Morabito

 

 

Tischlerei

 

Uraufführung: 24. September 2021 in der Tischlerei
DIE VORÜBERLAUFENDEN
Musiktheater von Andrej Koroliov auf einen Text von Gerhild Steinbuch
Musikalische Leitung: Vicente Larrañaga
Inszenierung: Theresa von Halle

 

Uraufführung: 6. November 2021 in der Tischlerei
NEUE SZENEN V: 3 SCHEITERHAUFEN
Musiktheater in drei Teilen von Sara Glojnarić, Sergey Kim und Lorenzo Troiani
Libretti von Dorian Brunz, Peter Neugschwentner und Lea Mantel
Musikalische Leitung: Manuel Nawri
Inszenierung: Nora Krahl, Ana Cuéllar Velasco, Andrea Tortosa Baquero
Auftragswerke der Deutschen Oper Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler

 

Uraufführung: 23. Januar 2022 in der Tischlerei
ONCE TO BE REALISED
Sechs Begegnungen mit Jani Christous „Project Files“ von Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Younghi Pagh-Paan, Samir Odeh-Tamimi und Christian Wolff
Musikalische Leitung: Cordula Bürgi
Inszenierung: Michail Marmarinos
Koproduktion der Münchener Biennale mit der Deutschen Oper Berlin und dem Onassis Cultural Center Athen

 

Berliner Premiere: 21. Mai 2022 in der Tischlerei
LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR
Musiktheater von Bernhard Gander
Libretto von Serhij Zhadan 
Inszenierung: Alize Zandwijk
Koproduktion der Münchener Biennale mit der Deutschen Oper Berlin


23.06.2021

GREEK >>> Mark-Anthony Turnage (*1960) >>> Oper in zwei Akten. Libretto von Mark-Anthony Turnage und Jonathan Moore nach Steven Berkoffs gleichnamiger Verstragöde (1980), basierend auf der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles >>> Premiere: 27. August 2021 Open-Air auf dem Parkdeck >>> Weitere Vorstellungen: 28. August, 3., 4., 5., 7. und 8. September 2021

Mit Mark-Anthony Turnages GREEK kommt der große antike Mythos von König Ödipus in der Gegenwart an. Zur Spielzeiteröffnung zeigt die Deutsche Oper Berlin das groteske, tragikomische Musiktheater als Open-Air-Spektakel auf dem Parkdeck, inszeniert von Pınar Karabulut, einer der aufregendsten Regisseurinnen der jüngeren Generation.

 

Für die erste Münchener Biennale beauftragte Hans Werner Henze 1988 einen damals unbekannten, jungen Komponisten mit einer Uraufführung: den 28-jährigen Mark-Anthony Turnage, der vor allem durch eine eigenwillige und kraftvolle Musiksprache aufgefallen war. Turnage jonglierte in seinen Instrumentalwerken mit unterschiedlichsten Farben und Stilen, suchte Inspiration ebenso bei Miles Davis wie bei Leoš Janáček oder Igor Strawinsky. Für seine erste Opernarbeit griff Turnage zu einem Text des umstrittenen Autors und Regisseurs Steven Berkoff. Der hatte sich in den 60er Jahren der britischen Dramatiker-Bewegung der „angry young men“ angeschlossen, schrieb über den Klassenkampf in der englischen Gesellschaft und brachte mit lautstarken und rohen Texten und einer schmutzigen, derben Sprache die sozialen Spannungen der Zeit auf die Bühnen der Londoner Fringe-Theater.

 

Eines seiner bekanntesten Stücke ist bis heute GREEK – eine Bearbeitung und Überschreibung des Ödipus-Mythos. Ödipus wird in GREEK zu Eddy, der in einer Arbeiterfamilie im heruntergekommenen Londoner East End aufwächst. Die Gesellschaft zeigt sich als eine sozial tief gespaltene: Rassismus, Gewalt und Massenarbeitslosigkeit prägen das Land und bilden den Hintergrund für die Geschichte von Eddys Suche nach sich selbst, nach der Freiheit und der Möglichkeit, aus seinem scheinbar schicksalhaft vorgezeichneten Leben auszubrechen. Dem antiken Ödipus bleibt nach dem Mord an seinem Vater und der Heirat der eigenen Mutter nur die Annahme dieses von den Göttern vorhergesagten Schicksals und das Eingeständnis seiner Schuld. Berkoffs Eddy hingegen setzt sich über Mythos, Schicksal und Moral hinweg: Hymnisch feiert er als „motherfucker“ die freie sexuelle Liebe mit seiner Frau und Mutter.

 

Der junge Mark-Anthony Turnage fand in dieser ebenso gesellschaftskritischen wie antibürgerlichen Ödipus-Bearbeitung die ideale Vorlage für seine eigenen unkonventionellen Vorstellungen von Oper. Berkoffs drastische Sprache, einer wilden Mischung von pathetischer Hochsprache und ordinärem Cockney-Slang, wurde zum Ausgangspunkt für eine ebenso kraftvolle und stilistisch disparate Partitur, die Elemente aus Jazz, Hiphop und sogar Fußball-Gesänge integriert.

 

Die Deutsche Oper Berlin wechselt für GREEK einmal mehr die Spielstätte: Das Parkdeck im Innenhof der Deutschen Oper hat sich als Aufführungsort mit einer hervorragenden Akustik etabliert. Nach den Produktionen ORESTEIA (2014) und DAS RHEINGOLD AUF DEM PARKDECK (2020) wird die raue Hinterhof-Architektur auch im Sommer 2021 für ein sommerliches Outdoor-Opernspektakel genutzt.

 

Mit Pınar Karabulut gibt eine der gefragtesten jüngeren Schauspielregisseurinnen ihr Debüt im Musiktheater. Mehrfach wurden ihre Arbeiten zum Festival Radikal Jung eingeladen; für ihre Inszenierung „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ von Dirk Laucke erhielt sie den NachSpielPreis des Heidelberger Stückemarktes. Sie machte mit Inszenierungen u. a. am Schauspiel Köln, Volkstheater Wien und an der Volksbühne Berlin auf sich aufmerksam und gehört seit 2020 als Hausregisseurin zum Leitungsteam der Münchener Kammerspiele.

 

Die Musikalische Leitung liegt in den Händen der jungen Dirigentin Yi-Chen Lin, die ihr Dirigierdebüt mit dem Radio Symphonie Orchester Wien gab und nach Gastengagements beim Rossini Festival Pesaro sowie in den Opernhäusern von Lissabon und Bologna seit 2020 als Kapellmeisterin und Assistentin des Generalmusikdirektors an der Deutschen Oper Berlin wirkt.

 

Die Partie des Eddy übernimmt der Bariton Dean Murphy. In weiteren, wechselnden Rollen sind Heidi Stober, Irene Roberts und Seth Carico zu erleben, die dem Haus als Ensemblemitglieder oder regelmäßige Gäste eng verbunden sind.

 

Weitere Informationen zu Werk und Besetzung

 


23.06.2021

DIE VORÜBERLAUFENDEN >>> Musiktheater von Andrej Koroliov auf einen Text von Gerhild Steinbuch. Nach einer Idee von Theresa von Halle basierend auf Franz Kafkas gleichnamigem Prosastück >>> Uraufführung: 24. September 2021 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 26., 28., 30. September sowie 2., 3., 5. und 7. Oktober 2021

DIE VORÜBERLAUFENDEN >>> Musiktheater von Andrej Koroliov auf einen Text von Gerhild Steinbuch. Nach einer Idee von Theresa von Halle basierend auf Franz Kafkas gleichnamigem Prosastück >>> Uraufführung: 24. September 2021 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 26., 28., 30. September sowie 2., 3., 5. und 7. Oktober 2021

Nachts kommt einem in einer Gasse ein Mann entgegengelaufen. Doch soll man ihn ansprechen, benötigt er Hilfe? In seinem kurzen Prosastück „Die Vorüberlaufenden“ beschreibt Franz Kafka eine Situation, die einen herausfordert zu überlegen, ob man eingreift – und für den Fall, dass man dies nicht tut, zumindest nach Rechtfertigungen hierfür verlangt. Denn auch wenn der Mann von einem zweiten verfolgt wird, „vielleicht haben diese zwei die Hetze zu ihrer Unterhaltung veranstaltet“, „vielleicht sind es Nachtwandler“ oder gar: „Vielleicht hat der erste Waffen?“ Aber sind das nicht alles nur Ausreden, um die eigene Komfortzone nicht verlassen zu müssen? Und kann man nicht ohnehin einmal fragen: „Dürfen wir nicht müde sein?“

 


Kafkas Text wirft in konzentriertester Form grundlegende Fragen auf zu Zivilcourage, Mitmenschlichkeit und zivilem Ungehorsam und ist hiermit Ausgangspunkt für das Musiktheater DIE VORÜBERLAUFENDEN. Für dieses hat Gerhild Steinbuch, fußend auf Kafkas Text, ein Libretto geschrieben, das einen mitnimmt in drei alltäglich vertraute Situationen: an einem Aussichtspunkt, einer Bushaltestelle und den Blick aus einer fahrenden Bahn werfend. Scheinbar Banales geschieht hier einschließlich kleiner, selbstverständlicher Gesten der Hilfsbereitschaft. Doch zunehmend spitzen sich die Situationen zu und in der Wiederholung und Permutation der Szenen wird das Harmlos-Banale zur existenziellen Herausforderung. Beobachter werden zu Beteiligten und die sich hinter Alltagsgesten verbergenden Maximen fordern Konsequenz des Handelns bis in einen Bereich des Politischen hinein, in dem er nicht mehr hilft, jener, wie Gerhild Steinbuch schreibt, „flauschige Mantel der Müdigkeit“.

 


DIE VORÜBERLAUFENDEN entstanden ausgehend von einer Idee der Regisseurin Theresa von Halle, die mit der Produktion ihr Debüt an der Deutschen Oper Berlin gibt und deren Arbeiten sich durch eine ganz eigene Verbindung von erzählerischen und bildstarken rauminstallativen Elementen auszeichnen. Ihr zur Seite steht der Komponist Andrej Koroliov. Er ist Mitbegründer sowie Pianist und Keyboarder des Hamburger Ensembles decoder und verbindet in seinen Stücken Klänge, die so wuchtig-brachial wie fein und klangsinnlich ausgehört sind, zu Texturen von hoher Plastizität und theatraler Wirkungsmacht. Und dies in Kompositionen, die sich mit Vehemenz und Scharfblick zur Welt verhalten, aus politischer, gesellschaftlicher oder auch individuell-existenzieller Perspektive.

 


Weitere Informationen zu Werk und Besetzung


23.06.2021

NEUE SZENEN V: 3 SCHEITERHAUFEN >>> Musiktheater in drei Teilen von Sara Glojnarić, Sergey Kim und Lorenzo Troiani >>> Libretti von Dorian Brunz, Peter Neugschwentner und Lea Mantel >>> Uraufführung: 6. November 2021 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 7., 8. und 11. November 2021 >>> In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

Der Hexenwahn ist der große Sündenfall der frühen Neuzeit, als quer durch Europa die Scheiterhaufen brannten und in Zeiten eines erschütterten Weltbildes und einer tiefen kulturellen und religiösen Krise vornehmlich Frauen als „Teufelsbuhlen“ auf grausame Art hingerichtet wurden. Die Zeiten sind vorbei. Doch auch heute noch erleben Frauen ihren persönlichen „Scheiterhaufen“, wenn die Abweichung von einer vermeintlichen Normalität Ausgrenzung und gesellschaftliche Sanktionen begründet.

 

Auf unterschiedlichste Art erzählen die drei Uraufführungen der NEUEN SZENEN von Frauen, die zu „Hexen“ werden oder als solche geächtet werden. So handelt Kein Mythos von einer lesbischen Jugendliebe in den letzten Jahren der DDR. Die beiden wurden von der Mutter der noch minderjährigen Karin entdeckt und die Liebe endete für Hannah mit einer Gefängnisstrafe. In Haut geht es um die Emanzipation einer Frau, die sich von männlichen Projektionen, Wünschen und Körperbildern befreit, indem sie im wörtlichen Sinne ihre Haut abwirft – oder dies zumindest in ihrem Inneren durchlebt. Und unser Vater | Vater unser zeigt zwei junge Frauen, die den Teufel beschwören, um sich aus dem repressiven System ihres letztlich von ihnen ermordeten Vaters zu befreien.

 

Entstanden sind die drei Stücke in Zusammenarbeit dreier junger Librettist*innen mit drei Komponist*innen, die im Rahmen eines Wettbewerbs im Sommer 2019 ausgewählt wurden und mit dem die Deutsche Oper Berlin zusammen mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler ihr Projekt NEUE SZENEN fortsetzt. Zum inzwischen fünften Mal entsteht dabei junges und aktuelles Musiktheater, das das Genre auf seine Gegenwärtigkeit hin befragt und in dem Studierenden der Regie-, Gesangs- und Instrumental-klassen der Hochschule für Musik Hanns Eisler ermöglicht wird, sich im Rahmen einer professionellen Musiktheaterproduktion in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin zu präsentieren.

 

Auftragswerke der Deutschen Oper Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

 

Weitere Informationen zu Werk und Besetzung


23.06.2021

Richard Wagner: DER RING DES NIBELUNGEN >>> GÖTTERDÄMMERUNG >>> Premiere: 17. Oktober 2021, weitere Vorstellungen: 24. und 31. Oktober >>> SIEGFRIED >>> Premiere: 12. November (im Rahmen des Zyklus 1) >>> Zyklus 1: 9., 10., 12. und 14. November 2021 >>> Zyklus 2: 16., 17., 19. und 21. November 2021 >>> Zyklus 3: 4., 5., 7. und 9. Januar 2022

Auf den Anfang folgt nun das Finale. Nachdem gerade erst DAS RHEINGOLD seine verspätete Premiere feiern konnte, setzen Stefan Herheim und Sir Donald Runnicles den neuen RING DES NIBELUNGEN der Deutschen Oper Berlin in der neuen Spielzeit mit dem letzten Teil der Tetralogie, der GÖTTERDÄMMERUNG fort. Eine Reihenfolge, die nicht durch die Kunst, sondern durch Corona diktiert wurde: Im April 2020 wurde klar, dass weder die Proben noch die für Juni geplante Premiere von DAS RHEINGOLD realisierbar waren. (Da Proben unter freiem Himmel möglich waren, wurde am ursprünglichen Premierentermin eine halb-szenische Kurzfassung des Stücks auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin aufgeführt.)

 

Im September 2020 konnte als erstes RING-Teilstück DIE WALKÜRE ihre Premiere feiern. Die für Januar 2021 angesetzte Premiere des SIEGFRIED konnte weder zu diesem Zeitpunkt noch zum Ersatztermin im April 2021 stattfinden. Das Stück wurde jedoch bis zur Vorstellungsreife geprobt und soll nun seine Premiere im Rahmen der ersten Aufführung des Zyklus im November 2021 erleben. Im Juni 2021 erlebte mit genau einem Jahr Verspätung DAS RHEINGOLD seine begeistert aufgenommene Premiere.

 

Die Reaktionen auf die Premiere des RHEINGOLD zeigen, wie wichtig die Abfolge der einzelnen Werke für die Gesamtkonzeption von Stefan Herheim ist. Denn hier, im „Vorabend des Bühnenfestspiels“, führt der in Berlin beheimatete Regisseur die zentralen Elemente ein, die seine Sicht auf das Werk immer wieder vergegenwärtigen: Den Konzertflügel als Geburtsort der künstlerischen Inspiration, das Tuch, das als einfachstes aller Spielmittel fortwährend für Verwandlungen und Stimmungswechsel sorgt, und die Schar von Flüchtlingen, die durch das Spiel versuchen, ihre Identität zu finden.

 

Wagners Ziel, einen neuen Mythos zu schaffen, in dem die Menschen sich durch fortwährende Interpretation immer wieder selbst erkennen können, wird vom „Universalhistoriker am Regiepult der Fantasie“ (SZ) ganz direkt zum Thema gemacht und wird auch seine Sicht der beiden letzten Teile der Tetralogie prägen – des „heroischen Lustspiels“ SIEGFRIED, in dem Komik und Tragik, Märchenhaftes und Tiefenpsychologisches auf atemberaubende Weise miteinander verschmolzen werden, und der GÖTTERDÄMMERUNG, in der das Spiel im Hier und Jetzt anlangen wird.

 

Mit dem neuen RING schließt sich auch für den Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, Sir Donald Runnicles, ein Kreis. Denn der RING stand nicht nur am Beginn der Weltkarriere des 66-jährigen Schotten, sondern auch am Beginn seiner Beziehung zur Deutschen Oper Berlin: Sein erstes Dirigat am Haus 2007 galt dem RING und führte zwei Jahre darauf zu seiner Ernennung zum Generalmusikdirektor.

 

SIEGFRIED: Weitere Informationen zu Werk und Besetzung

GÖTTERDÄMMERUNG: Weitere Informationen zu Werk und Besetzung


23.06.2021

ONCE TO BE REALISED >>> Sechs Begegnungen mit Jani Christous „Project Files“ von Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Younghi Pagh-Paan, Samir Odeh-Tamimi und Christian Wolff >>> Uraufführung: 23. Januar 2022 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 25., 26. und 27. Januar 2022 >>> Premiere im Rahmen der Münchener Biennale: 7. März 2022 >>> Premiere in Athen: 15. April 2022 im Onassis Culture Centre

Eine Frau in Schwarz, ein Klangkontinuum, unterbrochen durch eine Explosion, Menschenmassen, die die Bühne stürmen, Verkehrsampeln, der ohrenbetäubende Gesang der Zikaden auf Chios in der Mittagshitze, das Spiel im Ensemble als Chiffre gesellschaftlicher Konstellationen, die Beschwörung des metaphysisch Anderen, Komponieren als Versuch eines Bruchs mit der musikalischen Syntax oder auch als „leichter Druck gegen die Sinngrenze“: Der Kosmos des griechischen Komponisten Jani Christou ist labyrinthisch verzweigt im Reichtum seiner suggestiven Bilder und Entwürfe. Er überschreitet das rein Musikalische hin zu einer Integration von Szene, Text und Bild und verlässt zugleich die Räume der Kunst, versteht das Politische und Soziale ebenso als kompositorisches Material wie er Kompositionen für konkrete Naturlandschaften und Kulturräume entwirft. Und er bleibt letztlich prophetischer Entwurf, ONCE TO BE REALISED:

 

Christou entwarf in seinen letzten Lebensjahren in knapp 130 einzelnen Skizzen eine Reihe noch zu komponierender Stücke. Nur wenige davon hat er jedoch vor seinem plötzlichen Tod bei einem Autounfall, 1970, an seinem 44. Geburtstag, ausarbeiten können. Der Großteil dieser visionären Entwürfe wurde in den knapp 50 Jahre seit seinem Tod nicht realisiert und erst jetzt werden sie zur Grundlage eines neuen Musiktheaters: Zusammen mit dem renommierten griechischen Regisseur Michail Marmarinos konfrontieren sich sechs Komponist*innen, die zu den profiliertesten Schöpfer*innen aktuellen Musik-theaters zählen, mit Christous Entwürfen. Sie begegnen ihnen mit ihrer eigenen Musiksprache, setzen sich ihnen aus und lassen sich inspirieren, um mit ihren eigenen Mitteln und ihrer eigenen Idee in die Zukunft fort- und weiterzuschreiben. Dabei entsteht ein Musiktheater, das archaisches Drama ebenso ist wie soziale Skulptur, das die Mächte des Mythos beschwört, um von einer musikalischen Praxis hin den Sprung in, im Sinne Christous, eine „Metapraxis“, in ein metaphysisch Anderes zu schaffen — und ist „Ausbruch aus der Syntax“, Anschlag auf die Logik im Verhältnis des Ausführenden zu seinen eigenen besonderen Ausdrucksmitteln.

 

Kompositionsaufträge der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale Koproduktion der Münchener Biennale mit der Deutschen Oper Berlin und dem Onassis Cultural Center Athen

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

Kompositionsaufträge an Olga Neuwirth, Samir Odeh-Tamimi, Younghi Pagh-Paan und Christian Wolff finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung

Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

 

Weitere Informationen zu Werk und Besetzung


23.06.2021

Rued Langgaard: ANTIKRIST >>> Oper in zwei Akten (in einem Prolog und sechs Bildern) >>> Libretto vom Komponisten. Revidierte Fassung, BVN 192 (1930) >>> Premiere: 30. Januar 2022 >>> Weitere Vorstellung: 5., 9. und 18. Februar 2022

Mit Rued Langgaards ANTIKRIST setzt die Deutsche Oper Berlin ihre Beschäftigung mit weniger bekannten, wiederzuentdeckenden Opern der 1920er Jahre fort. Nach DAS WUNDER DER HELIANE und DER ZWERG gilt es, mit dem einzigen Bühnenwerk des dänischen Einzelgängers Langgaard eine echte Rarität zu heben. Langgaard arbeitete fast die gesamten 1920er Jahre an seiner Oper, die er nach einer ersten, von der Oper in Kopenhagen abgelehnten Fassung grundlegend überarbeitete. Diese Zweitfassung ist mit ihrem hochsymbolistischen Text, ihrer spätromantischen, changierenden Musik und auswuchernden Kraft eines der schillerndsten Opern-Experimente der 1920er Jahre.

 

Ohne echte Dialoge, vielmehr in monologischen Bildern erzählt Langgaard von der Ankunft des Antichristen: Im Prolog stellt Luzifer den Metaphern für den „wahren Christus“ Bilder des „Gegenchristus“, des Antichristen, gegenüber. Auf Geheiß der „Stimme Gottes“ werden diese phantasmagorischen Figuren auf die Menschheit losgelassen: In sechs Bildern, überschrieben mit „Das Unwegsamkeitlicht“, „Die Hoffart“, „Die Hoffnungslosigkeit“, „Die Begierde“, „Streit aller gegen alle“ und „Die Verdammnis“, offenbaren sich diese Versionen des Antichristen als: Mund, der große Worte spricht, Missmut, Große Hure, Lüge und Hass. Am Ende zerschlägt Gottes Stimme alle diese Antichristen und gibt der Menschheit das Ewige Licht zurück.

 

Langgaard war es mit seinem apokalyptischen Libretto durchaus Ernst: Er sah sich als Außenseiter in einer gottlosen Welt, voller Heucheleien, falscher Propheten und Antireligiosität. Für ihn waren Kunst und vor allem Musik tatsächlich die Lösung für eine neue und echte Verbindung zum Göttlichen. Dieser Kunstanspruch in der Nachfolge Wagners schlägt sich auch in der Musik nieder: Spätromantisch-satt scheut Langgaard nicht mit Pathos und großer Geste. Dabei darf man die durchaus hörbaren Anklänge an Wagner und Strauss nicht als Epigonentum abtun, vielmehr zeugt die farbenreiche Partitur – die zu ca. 50% aus rein orchestralen Passagen besteht – von einer selten zu findenden Wandlungsfähigkeit.

 

Ersan Mondtag gibt mit ANTIKRIST sein Berliner Operndebüt, das bereits im März 2020 hätte stattfinden sollen und pandemiebedingt verschoben werden musste. Mit Schrekers DER SCHMIED VON GENT in Antwerpen hat Mondtag seine vielbeachtete erste Musiktheaterregie gezeigt. Seine sinnliche Theatersprache, die starken Texten – wie u. a. Brechts BAAL am Berliner Ensemble – hochindividuelle Bildwelten entgegensetzt, korrespondiert auf ganz besondere Weise mit Langgaards überbordender Musiksprache. Gemeinsam mit Choreograf Rob Fordeyn, Solist*innen, einem Tanzensemble und dem Chor versucht er vor allem die Musik auf die Bühne umzusetzen. Neben Ensemblesolist*innen wie Thomas Blondelle, Flurina Stucki, Thomas Lehman, Irene Roberts und Seth Carico ist Michael König als „Tier in Scharlach“ zu erleben.

 

Die musikalische Leitung übernimmt Stephan Zilias, der seit der Spielzeit 2020/21 Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover ist.

 

Weitere Informationen zu Werk und Besetzung


23.06.2021

Giuseppe Verdi: LES VÊPRES SICILIENNES >>> Oper in fünf Akten >>> Libretto von Eugène Scribe und Charles Duveyrier >>> Premiere: 20. März 2022 >>> Weitere Vorstellung: 26., 31. März sowie 3., 16., 19. und 25. April 2022

„Einen großartigen, leidenschaftlichen und originellen Stoff“ verlangte Verdi für die erste Oper, die er für die Pariser Opéra schreiben sollte. Was ihm der Starautor Eugène Scribe schließlich lieferte, war darüber hinaus ein Libretto von ähnlicher politischer Brisanz wie die Texte der Grand Opéras Giacomo Meyerbeers, mit dem Scribe zuvor für LES HUGUENOTS und LE PROPHETE zusammengearbeitet hatte. Denn wie diese behandelte LES VÊPRES SICILIENNES ein Thema, das zwar vordergründig historisch, zugleich aber auch hochaktuell war. Der unter dem Titel „Sizilianische Vesper“ bekannte Aufstand der Sizilianer gegen ihre französischen Besatzer 1282 ließ sich ohne weiteres mit dem prominentesten Expansionsprojekt Frankreichs um die Mitte des 19. Jahrhunderts kurzschließen: der 1830 begonnenen Eroberung und Kolonisierung Algeriens, die gleichfalls von kontinuierlichen, blutig niedergeschlagenen Aufständen begleitet war.

 

Dieser Bezug bildet auch den Ansatz für die Inszenierung des französischen Regisseurs Olivier Py, der an der Deutschen Oper Berlin bereits sein Gespür für den Umgang der Grand Opéra mit politischen Stoffen an Meyerbeers LE PROPHETE gezeigt hat: Die französische Besetzung Algeriens von der Zeit Verdis bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahr-hunderts bilden den Rahmen für seine Erzählung dieser Geschichte, mit der Verdi nach LA TRAVIATA und RIGOLETTO wieder den Fokus seiner Musikdramen erweitert: Nicht mehr nur um das Schicksal des Einzelnen, sondern um seinen Bezug zum Wohl und Weh ganzer Völker geht es in LES VÊPRES SICILIENNES, bedingungsloser Hass, Versöhnungswille und der Zwiespalt zwischen diesen Extremen bestimmt das Handeln der Hauptfiguren ebenso wie die Aktionen der Besatzer und der Unterdrückten.

 

An der Deutschen Oper Berlin wird das Werk, das lange im Schatten der anderen großen Verdi-Opern stand, nicht in der lange Zeit üblichen italienischen Adaption, sondern in der französischen Urfassung von 1855 aufgeführt. Am Pult steht der Erste Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin, Enrique Mazzola, der bereits für seine Dirigate von Meyerbeers LE PROPHETE, VASCO DA GAMA und DINORAH enthusiastisch gefeiert wurde.

 

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23.06.2021

Marina Abramović: 7 Deaths of Maria Callas >>> Eine Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper München, dem Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, der Greek National Opera und der Opéra national de Paris >>> Berliner Erstaufführung: 8. April 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 10. April 15.00 und 19.00 Uhr 2022 >>> Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds

Zusehen und Mitleiden erwünscht: Der Tod der Hauptdarstellerin ist der Höhe-punkt vieler großer Opern und Anlass zu den ergreifendsten Arien der Musikgeschichte. Daher musste auch Maria Callas in ihrer Karriere unzählige Male dramatisch auf der Bühne sterben. Die Aktions-Künstlerin Marina Abramović ist seit ihrer Jugend von der Primadonna assoluta fasziniert. Wie Maria Callas ist auch Marina Abramović eine Künstlerin, bei der Kunst, Öffentlichkeit und Privatleben untrennbar miteinander verwoben sind und bei der eigener Schmerz Thema der künstlerischen Auseinandersetzung ist.

 

Die seit den 70er Jahren aktive Performance-Künstlerin widmet der Opernikone Callas nun ein eigenes Projekt: In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS beleuchtet Marina Abramović exemplarisch sieben Partien der Callas und reduziert sie auf ihren musikdramatischen Kern sowie die spezielle Art des Sterbens der Protagonistinnen. In sieben Videos durchlebt sie, mit dem US-amerikanischen Schauspieler Willem Dafoe an ihrer Seite, die unterschiedlichen Tode als Analogie zu Maria Callas, die – so Abramović – letztendlich an gebrochenem Herzen starb. Ein Schmerz, den ihre große Liebe Aristoteles Onassis ihr immer wieder zufügte und von dem sie sich nie erholte.

 

In 7 DEATHS OF MARIA CALLAS dekonstruiert Marina Abramović die Oper und fügt sie zusammen mit Elementen ihrer eigenen Performance-Kunst – als Hommage an eine der größten Opernsängerinnen aller Zeiten und an ein Leben für die Kunst, das eine Trennung zwischen Privatleben und Profession verweigert.

 

Die im ehemaligen Jugoslawien geborene Marina Abramović hat die internationale Kunstszene und vor allem die Performance-Kunst seit den 1970er Jahren maßgeblich geprägt. Ihre Werke wurden u. a. aufgeführt im Centre Georges Pompidou in Paris, der Neuen Nationalgalerie in Berlin, dem Museum of Modern Art in New York, dem Guggenheim Museum und bei der Documenta. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter für ihr Werk „Balkan Baroque“ den Goldenen Löwen als beste Künstlerin der 47. Biennale di Venezia. Ihre Retrospektive „The Cleaner“ war von 2017 bis Januar 2020 in zahlreichen europäischen Metropolen zu sehen.

 

In den Videos des Abends ist an Abramovićs Seite der US-amerikanische Filmschauspieler Willem Dafoe zu sehen, u. a. bekannt für seine Darstellung von Vincent van Gogh in „At Eternity’s Gate“ und seine langjährige Mitgliedschaft in der Whooster Group. Bei der Berlinale 2020 war er im Wettbewerbs-film „Siberia“ zu erleben.

 

Die bekannten Arien werden ergänzt durch Neukompositionen des jungen serbischen Komponisten Marko Nikodijević. Sein Kompositionsstudium in Belgrad und Stuttgart ergänzte er durch Stipendien und Meisterkurse in u. a. Apeldoorn, Visby, Weimar, Amsterdam und Baden-Baden. 2013 erhielt er einen der Förderpreise für Komponisten der Ernst von Siemens Musikstiftung. 2014 wurde er mit dem Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Nachwuchsförderung ausgezeichnet. In der Saison 2019/20 war er Composer in Residence beim RSB.

 

Die musikalische Leitung übernimmt Yoel Gamzou, der im Januar 2020 sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin mit TOSCA gab. Seit der Saison 2017/18 ist er Generalmusikdirektor am Theater Bremen. Er ist künstlerischer Leiter und Chefdirigent beim 2006 gegründeten International Mahler Orchestra (IMO). Er ist Preisträger des ECHO Klassik Award 2017 in der Kategorie Nach-wuchskünstler des Jahres „Dirigent“ sowie des „ECF Princess Margriet Award for Culture“ der European Cultural Foundation.

 

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23.06.2021

Franz Schreker: DER SCHATZGRÄBER >>> Oper in einem Vorspiel, vier Akten und einem Nachspiel >>> Text vom Komponisten >>> Premiere: 1. Mai 2022 >>> Weitere Vorstellung: 6., 10., 14. Mai sowie 4. und 11. Juni 2022

Bereits zwei Mal hat Regisseur Christof Loy wenig bekannten Opern des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin zu einem erfolgreichen Comeback verholfen: Nach Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE und Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI folgt nun ein weiterer, lange vergessener Opernschatz: Franz Schrekers DER SCHATZGRÄBER, eine der wichtigsten Opern der 20er Jahre. Schon die Uraufführung 1920 in Frankfurt geriet zum Sensationserfolg, und es folgten allein in den nächsten fünf Jahren nicht weniger als 44 Inszenierungen an verschiedenen Häusern. Doch dann wurde es still um das beliebte Werk. Schrekers Opern schienen nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen, mit dem Aufführungsverbot der Nationalsozialisten verschwanden die Partituren endgültig in den Schubladen. Und auch nach 1945 dauerte es lange, bis eine Schreker-Renaissance einsetzte – DER SCHATZGRÄBER jedoch hat es bis heute schwer.

 

Wie fast alle Libretti Schrekers stellt auch die Geschichte um Els und Elis die Frage nach dem Verhältnis von Fantasie und Realität, von Kunst und Leben: Seelenverwandt als einsame „Kinder von Traumkönigs Gnaden“ jagen Els und Elis unterschiedlichen Schätzen nach. Elis, der fahrende Sänger, spürt mit seiner Kunst in Gestalt einer magischen Laute Gold und Edelsteine auf, um die Menschheit zu beschenken. Die Kneipentochter Els hingegen, mutterlos aufgewachsen in einer brutalen Männerwelt, wird für ihr Ziel zur Lügnerin, Diebin und Mörderin: Sie schickt ihre Freier aus, um den Schmuck der Königin zu stehlen. Die ungeliebten Männer lässt sie sodann nach erfolgreicher Übergabe des Diebesguts skrupellos ermorden. Doch selbst der Besitz allen Goldgeschmeides stillt beider Verlangen nicht.

 

Und so geht es auch in dieser Schreker-Oper einmal mehr um das Sehnen selbst, das der Komponist als den eigentlichen „Schatz“ bezeichnet: „einen Traum von Glück und Erlösung“. Elis und Els verlieren sich in diesen Träumen, Erinnerungen und Ahnungen, in Liedern, in Musik. Ihre Geschichten geraten zum Traumspiel in einer Welt voller Gier, Mord und emotionaler Haltlosigkeit. Für Franz Schreker konnte nur die Kunst selbst die Erlösung bieten. In den Kriegswirren ab 1914 komponiert, ist die Partitur des SCHATZGRÄBER so auch Schrekers persönliches künstlerisches Credo in prächtigen spätromantischen Farben.

 

Christof Loy arbeitet für DER SCHATZGRÄBER zum sechsten Mal an der Deutschen Oper Berlin. Er inszenierte Verdis FALSTAFF und die Uraufführung von Andrea Lorenzo Scartazzinis EDWARD II. und die DVD-Aufnahme seiner JENŮFA gewann den 2. Platz in der Kategorie „Best Opera Recording“ bei den Grammy Awards. Mit DER SCHATZGRÄBER setzt Christof Loy seine Auseinandersetzung mit starken Frauenfiguren in unbekannten Werken des 20. Jahrhunderts fort: 2018 wurde seine Inszenierung von Erich Wolfgang Korn-golds DAS WUNDER DER HELIANE unter musikalischer Leitung von Marc Albrecht als „Wiederentdeckung des Jahres 2018“ von der Zeitschrift „Opernwelt“ ausgezeichnet und als beste DVD-Aufnahme (Label Naxos) mit dem OPUS KLASSIK gewürdigt. Im März 2021 folgte die wenig bekannte Oper FRANCESCA DA RIMINI von Riccardo Zandonai als Online-Premiere im Haus an der Bismarckstraße.

 

Marc Albrecht und die Deutsche Oper Berlin sind einander lange verbunden, nach spektakulären Produktionen wie Messiaëns SAINT FRANҪOIS D’ASSISE und Janáčeks DIE SACHE MAKROPULOS (2005) schlägt er mit DAS WUNDER DER HELIANE und nun DER SCHATZGRÄBER neue Kapitel in der Zusammenarbeit auf. Auf seine Zeit als Erster Gastdirigent am Haus von 2001 bis 2014 folgte eine weltweite Karriere, die ihn an die Opernhäuser von Mailand, Zürich, Bayreuth bis Amsterdam führte. Mehrfach arbeitete er dabei mit Christof Loy zusammen, u. a. 2008 für DIE BASSARIDEN (München), 2009 DER PRINZ VON HOMBURG (Theater an der Wien), 2014 ARABELLA und 2019 für TANNHÄUSER in Amsterdam.

 

Elisabet Strid gibt mit der Els ihr Debüt an der Deutschen Oper Berlin. Seit die Schwedin als Elisabeth (TANNHÄUSER) in Oslo auf sich aufmerksam machte, gehört sie zu den neuen internationalen Sopranstimmen im deutschen Fach. Zuletzt war sie als Sieglinde am Teatro Real Madrid, der Royal Opera Stockholm, GötenborgsOperan, Rheinoper Düsseldorf-Duisburg, Norske Opera Oslo und der Lyric Opera Chicago erfolgreich.

 

Als Schatzgräber und fahrender Sänger Elis kehrt Daniel Johansson an die Deutsche Oper Berlin zurück. Der Schwede zählt zu den führenden Tenören seiner Generation, Partien umfassen u. a. Cavaradossi (TOSCA), Rodolfo (LA BOHEME), Pinkerton (MADAMA BUTTERFLY), Lohengrin oder Narraboth (SALOME).

 

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23.06.2021

LIEDER VON VERTREIBUNG UND NIMMERWIEDERKEHR >>> Musiktheater von Bernhard Gander >>> Libretto von Serhij Zhadan >>> Berliner Premiere: 21. Mai 2022 in der Tischlerei >>> Weitere Vorstellungen: 22., 24., 25. und 26. Mai 2022 >>> Uraufführung im Rahmen der Münchener Biennale: 7. Mai 2022

Für die bereits vierte Koproduktion der Deutschen Oper Berlin mit der Münchener Biennale vertont der österreichische Komponist Bernhard Gander ein Libretto des ukrainischen Schriftstellers Serhij Zhadan und entwickelt in gemeinsamer Arbeit mit der Regisseurin Alize Zandwijk sowie Solist*innen des Ensemble Modern und der Deutschen Oper Berlin eine neue Oper. Als Auftragswerk der Münchner Biennale orientiert sich Ganders und Zhadans Musiktheater inhaltlich an der Thematik der kommenden Festivalausgabe: dem Freundschaftsbegriff.

 

In der Freundschaft begegnen sich „Gleichgesinnte freiwillig auf Augenhöhe“. Die Erwartungen, die sich mit Freundschaft verbinden, machen sie aber auch anfällig für große Enttäuschungen und Verletzung. Besonders kritisch wird es, wenn man von „Freundschaften“ unter so abstrakten Gebilden wie Staaten, Nationen oder Völkern spricht. Waren es in den letzten zweihundert Jahren das Alte Europa, die USA und die Sowjetunion, die auf „Freundschaft“ mit ihren Nachbarn bestanden, so verpflichtet sich neuerdings China mit vielfältigen Aktivitäten diverser Staaten in Afrika – und entlang der Grenzen Russlands gibt es eine ganze Reihe neuer alter Konflikte mit und um benachbarte „Freunde und Verwandte“.

 

In ihrer Uraufführung beschäftigen sich Gander und Zhadan mit den äußerst komplizierten Grenz- und Freundschaftslinien, die zwischen ehemals fest verbundenen Staaten verlaufen. Zhadan nimmt dazu die existenziellen Herausforderungen des russisch-ukrainischen Verhältnisses als Ausgangspunkt seines Librettos und entwirft darin eine geradezu exemplarische Grenzpostensituation inmitten eines kriegerischen Konflikts. Die dort auftretenden Figuren sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie man sich für eine Sache entscheiden soll, wenn die kulturellen, historischen, politischen und individuell-biografischen Verhältnisse zu komplex und in sich widersprüchlich sind, als dass eine „richtige“ Entscheidung überhaupt noch gelingen kann.

 

Bernhard Gander ist ein etablierter Komponist der Neuen Musik und entzieht sich zugleich klaren Genrezuschreibungen. Er sprengt Gattungsgrenzen und erschafft durch die Verbindung von Neuer Musik und Heavy Metal auf formaler, klanglicher, gestischer und energetischer Ebene Werke von größter Plastizität und Ausdruckskraft. Ganders Werke wurden unter anderen im Wiener Konzerthaus, bei den Wiener Festwochen, beim Steirischen Herbst, den Klangspuren, Transart Bozen, bei den Donaueschinger Musiktagen, Wien modern, Musica Strasbourg, den Wittener Tagen für neue Kammermusik oder der Biennale München aufgeführt. Er ist Träger des Musikförderungspreises der Stadt Wien für Komposition 2004, des Erste-Bank-Kompositionspreises 2005, des SKE Publicity Preises 2009 und erhielt das Staatsstipendium für Komposition. Für „melting pot“, uraufgeführt bei den Wiener Festwochen 2012, erhielt Bernhard Gander den Ernst-Křenek-Preis.

 

Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw. Er debütierte als 17-Jähriger und publizierte zwölf Gedichtbände und sieben Prosawerke. Für „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet (zusammen mit Juri Durkot und Sabine Stöhr). Die BBC kürte das Werk zum „Buch des Jahrzehnts“. Zhadan lebt in Charkiw. Seine Werke werden bei Suhrkamp verlegt.

 

Die Schauspielregisseurin Alize Zandwijk bildete ab 1998 mit Guy Cassiers die künstlerische Leitung des Rotterdamer Ro Theater. Seit 2003 inszeniert sie regelmäßig in Deutschland, u. a. am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin. Am Theater Bremen gab sie in der Spielzeit 2012/13 ihr Debüt mit Dea Lohers „Das Leben auf der Praça Roosevelt“, es folgten u. a. Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und Arne Sierens „Mädchen und Jungen“. Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie leitende Regisseurin im Schauspiel am Theater Bremen und inszenierte u. a. Hauptmanns „Die Ratten“, Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“, den spartenübergreifenden Tanzabend „Golden Heart“ und „Amour“, Tom Lanoyes „Gas – Plädoyer einer verurteilten Mutter“, Tolstojs „Auferstehung“ oder „Mütter – Geschichten von Bremer Frauen aus aller Welt“.

 

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23.06.2021

Richard Wagner >>> DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG >>> Oper in drei Aufzügen >>> Libretto vom Komponisten >>> Premiere: 12. Juni 2022 >>> Weitere Vorstellungen: 18., 26., 29. Juni sowie 2. und 9. Juli 2022

Vor knapp 30 Jahren erlebte die Deutsche Oper Berlin zuletzt eine Premiere von Richard Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Nun kehrt die monumentale Oper zurück an das Wagner-Haus an der Bismarckstraße in einer Neuinszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito, unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles.

 

Bereits in den 1840er Jahren skizzierte Richard Wagner die ersten Ideen für eine heitere Oper, die sich inhaltlich an das Künstlerdrama des 1845 uraufgeführten TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG an-schließen sollte: Der künstlerische Wettstreit ist Ausgangspunkt für ein Ideendrama über den Antagonismus von Alt und Neu, Stillstand und Fortschritt, Beharrung und Innovation. Erst 20 Jahre später jedoch war das Gegenstück zum TANNHÄUSER beendet, und die Partitur der MEISTERSINGER geriet zu einer der vielschichtigsten Kompositionen der Opernliteratur. In der gewaltigen Anlage von viereinhalb Stunden reiner Spieldauer greift Wagner zurück auf polyphone „altmeisterliche“ Techniken, verbindet Lieder und Choräle mit komplexer motivischer Arbeit und kreiert so einen ganz neuen Meistersinger-Ton. Der präsentiert sich schon im Vorspiel in strahlendem C-Dur und endet ebenso mit maximaler Klangpracht auf der finalen Festwiese. Am Schluss steht die Wiederherstellung des Bewährten, die „heile“ reine Welt, die Welt der Kunst und der „Kunstkenner“. Die Welt der MEISTERSINGER erweist sich als ein geschlossenes System, nicht nur in der von Wagner ironisierten, in ihrer Kunst pedantischen und regelkonformen Zunft der Meistersinger, sondern ebenso in der gesamten Stadtgesellschaft Nürnbergs: Das Neue – in Gestalt des Fremden Walther von Stolzing – kann keine revolutionäre Kraft entfalten, sondern wird in das System aufgenommen.

 

Für ihre Neuinszenierung suchen Jossi Wieler und Sergio Morabito, den Fragen nach den Mechanismen einer solchen hermetischen Kunstgesellschaft auf den Grund zu gehen. Kann die Kunst in einem konservativen, dogmatischen Umfeld ihre künstlerische Freiheit behaupten und welches system-sprengende Potential vermag sie dann zu entfalten?

 

Seit 1994 inszenieren Jossi Wieler und Sergio Morabito gemeinsam Musiktheater. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten ihre Arbeiten: Ihre Inszenierung von ARIADNE AUF NAXOS bei den Salzburger Festspielen 2001 wurde zur „Aufführung des Jahres“ gekürt. 2002 und 2012 wurde das Duo zum „Regieteam des Jahres gewählt“, 2006 erhielten sie für DOKTOR FAUST und 2012 für DIE GLÜCKLICHE HAND / SCHICKSAL den Deutschen Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie „Beste Opernregie“, und ihre Produktion BERENIKE, KÖNIGIN VON ARMENIEN von Nicolo Jommelli wurde 2014 als „Ausgrabung des Jahres“ gefeiert. Die Inszenierungen entstanden in den oft überraschenden, subversiven und surreal-realistische Räumen der Ausstatterin Anna Viebrock, die seit 1994 mit Jossi Wieler und Sergio Morabito eine kongeniale künstlerische Partnerschaft verbindet. An der Deutschen Oper Berlin kam 2019 ihre Stuttgarter Erfolgsinszenierung von Bellinis LA SONNAMBULA als Neueinstudierung zur Premiere.

 

Die Partie des Hans Sachs übernimmt der dänische Bariton Johan Reuter, einer der profiliertesten Sänger an allen großen Bühnen weltweit. An der Deutschen Oper Berlin war er ebenfalls in zentralen Partien seines Fachs zu erleben, wie Verdis Nabucco, Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN und der Titelpartie in Bergs WOZZECK. Im Herbst 2020 übernahm er kurzfristig die Partie des Wotan in der Neuproduktion DIE WALKÜRE.

 

Als Walther von Stolzing kehrt Klaus Florian Vogt an die Deutsche Oper Berlin zurück. Seit seinem triumphalen Debüt mit den MEISTERSINGERN 2007 bei den Bayreuther Festspielen ist er einer der herausragenden und weltweit gefragten Wagner-Tenöre.

 

Die Schweizer Sopranistin Rachel Harnisch, an der Deutschen Oper Berlin zuletzt in Aribert Reimanns L’INVISIBLE gefeiert, gibt als Eva ihr Rollendebüt. Ebenfalls mit einem Rollendebüt präsentiert sich als Beckmesser der junge Bariton Philipp Jekal, Ensemblemitglied seit 2018.

 

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23.06.2021

Rückblick: Spielzeit 2020/21

 

Die Corona-Lockerungen der ersten Monate der Spielzeit 2020/21 nutzte die Junge Deutsche Oper, um mit ihren Zielgruppen analog zu arbeiten. So konnte die Jugendproduktion LAUT! fortgesetzt und Ende Oktober mit 15 jugendlichen Spieler*innen erfolgreich in der Tischlerei aufgeführt werden. Die mobile Produktion EXPEDITION TIRILI brachte Musiktheater in Berliner Kitas und Musiktheaterpädagog*innen arbeiteten mit Schulklassen in Workshops.

 

Ab November 2020 arbeitete die Junge Deutsche Oper mit ihren Zielgruppen im digitalen Raum und schuf zahlreiche Formate, um weiterhin kulturelle Bildung in und außerhalb von Schule und Kita zu ermöglichen: Durch Aufzeichnungen und Livestreams erhielten Schulklassen und Familien Zugang zu Inszenierungen. Außerdem wurden unzählige Nutzer*innen über neue Videoformate erreicht, wie z. B. über die Reihe der digitalen Instrumentenvorstellung: Je ein*e Spieler*in des Kinderchores oder Kinderclubs besucht eine Instrumentengruppe des Orchesters und stellt gemeinsam mit den Musiker*innen das jeweilige Instrument und seine Rolle im Opernrepertoire vor. Die Videos wurden v. a. von Familien sowie von Grundschulklassen rezipiert.

 

Schulklassen und Kita-Gruppen nahmen an digitalen Workshop-Angeboten teil, so z. B. auch im Rahmen der Kooperation Theater und Schule (TUSCH): Die Klassen der Peter-Ustinov-Schule trafen sich in Workshops und einer Projektwoche mit Künstler*innen und Musiktheaterpädagog*innen. Das Ergebnis zeigten sie im März 2021 im digitalen TUSCH-Festival. Kita-Workshops (wie z. B. mit der Kita Kastanienallee im Rahmen von TUKI – Theater und Kita) fanden aufgrund der frühkindlichen Zielgruppe in öffentlichen Parks oder per Videochat statt, die Kommunikation mit den Kindern wurde per Briefpost aufrechterhalten.

 

Die insgesamt 25 Spieler*innen der Kinder- und Jugendclubs entwickelten über Monate hinweg ausschließlich in digitalen Formaten ihr neues Musiktheaterstück WIR & JETZT. Erst seit Anfang Juni 2021 kann die musikalische und theatrale Probenarbeit wieder im Opernhaus stattfinden, die in digitalen Vorstellungen am 26. und 27. Juni 2021 münden wird.

 

Diese Projektbeispiele zeigen, wie erfolgreich die Musiktheatervermittlung in der Pandemie fortgeführt wurde und wie stark die Angebote trotz vieler Einschränkungen und Hürden von den jungen Zielgruppen angenommen wurden.

 

 

Ausblick: Spielzeit 2021/22

 

In Zeiten der Stille während der letzten Monate hat die Junge Deutsche Oper auf besondere Momente zurückgeblickt und darauf, was diese für uns und unser junges Publikum bedeuten. Wir hielten an den Erinnerungen, an dem gemeinsamen Denken, Experimentieren, Gestalten, Proben und Auftreten fest und können es kaum erwarten, auf dem aufzubauen, was wir bisher erreicht haben.

 

An diesem Wendepunkt, an dem wir hinterfragen, wie die neue Normalität aussehen wird, fühlen wir uns wie in ZWISCHENWELTEN (Produktion 2018) und wir fragen uns wieder WER WÄRST DU, WENN…? (2018) – und ob unsere Welt immer wie unser NEULAND (2016) aussehen wird. Von allem, was wir gelernt und erlebt haben, wollen wir LAUT! bleiben und dafür sorgen, dass unser COMMON SOUND zu unserem kollektiven „Wir & jetzt" erklingt.

 

Die Junge Deutsche Oper wird in den ersten Monaten der Saison 2021/22 mit jungen Menschen – von Babys bis hin zu jungen Erwachsenen – mit ihren Familien, in der Schule, Kita oder in ihrer Freizeit erkunden, was sie an Musik, Oper und Musiktheater am meisten vermisst haben. Ein Programm mit vielseitigem Musiktheater- und Konzert-Repertoire erstreckt sich über die Hauptbühne und die Tischlerei und ergänzt die Vermittlungsarbeit der Jungen Deutschen Oper.

 

Wir bereiten uns darauf vor, die Schulklassen und Kitagruppen wieder in unseren Vorstellungen zu begrüßen und bei einer Führung hinter den Kulissen zu begleiten sowie unsere Künstler*innen und Mitarbeiter*innen kennenzulernen. Diese Erfahrung wäre nicht vollständig ohne eine partizipative und interaktive Vorbereitung auf Werk, Inszenierung, Bühnenbild und Musik.

 

Darüber hinaus fungiert die Junge Deutsche Oper im Herzen ihres Programms als Plattform für Experimente und Ausdrucksmöglichkeiten in den unterschiedlichen Elementen von Musiktheater. Aufbauend auf partizipatorischen, künstlerischen und pädagogischen Erfahrungen junger Menschen und Künstler*innen möchte die Junge Deutsche Oper einen kreativen Beitrag zum Gespräch darüber leisten, warum Musiktheater und Oper in Bezug auf das Leben der verschiedenen Gemeinschaften aller Altersgruppen in Berlin relevant und aktuell sein kann.

 

In Kitas und Schulen, in Jugendzentren und auf den Probebühnen der Deutschen Oper Berlin improvisieren Kinder und Jugendliche gemeinsam Theater, Poesie und Musik, entwerfen und bauen Kostüme und Bühnenbilder. Sie entwickeln Musiktheateraufführungen und Projektpräsentationen, die sie mit unserem Publikum im Opernhaus und in der ganzen Stadt teilen.

 

Wir hören zu, beobachten und reflektieren künstlerisch mit Stimme, Körper und Kopf gemeinsam über unser Leben. Stark ermäßigte Eintrittspreise für Schulgruppen und kostenlose, zielgruppengerechte Vermittlungsangebote sind Ausdruck unserer Überzeugung, dass Oper und Musiktheater für alle zugänglich sein müssen.

 

 

Vorstellungen und Konzerte für junges Publikum

 

Die Highlights der neuen Saison:

Expedition TIRILI ist unsere mobile Musiktheater-Inszenierung, die zwei Performer*innen in Berliner Kitas spielen. Gemeinsam mit Kindern im Altern von 3 bis 6 Jahren erforschen sie, wie die Kita klingt, und begegnen dabei auch dem einen oder anderen TIRILI.

 

DIE SCHNEEKÖNIGIN kehrt zurück! Über 8000 Zuschauer*innen ab 8 Jahren haben in der Uraufführungsserie 2019 mit Kay und Gerda mitgefiebert und am Ende den Sieg über die eiskalte Herrscherin bejubelt. Im Dezember 2021 feiern wir die Wiederaufnahme der erfolgreichen Kinderoper von Samuel Penderbayne in der Inszenierung von Brigitte Dethier.

 

In der Saison 2021/22 haben wir uns einen Platz in unserem Spielplan gesichert, damit unser junges Publikum aller Altersstufen Konzerte für Kinder besuchen kann. Die Babykonzerte für Kinder von 0 bis 2 kehren Juni 2022 in die Tischlerei zurück. Für Kita-Kinder spielen wir Knirpskonzerte, wir organisieren das Frühlingssingen mit dem Kinderchor und das Kinderkonzert mit dem großen Orchester auf der Hauptbühne.

 

 

Partizipative Projekte zum Mit- und Selbermachen

 

Die große Jugendproduktion, eine Musiktheater-Inszenierung, die von Jugendlichen und Profis gemeinsam entwickelt und in den Winterferien 2022 geprobt wird, mit Aufführungen in der Tischlerei im Februar 2022;

 

Unheimlich! für Kinder ab 8 bis 12 Jahren: Ein Herbstferien-Projekt in Kooperation mit dem Haus für Poesie. Die Kinder erfinden ihre eigenen Monster und schaurigen Gestalten gemeinsam mit dem Slampoeten Bas Böttcher. An Halloween (31. Oktober 2021) werden die im Projekt entstandenen Texte im Kinderkonzert „Unheimlich – Lieder und Dichter für Kinder“ vor-getragen – neben Texten von Arne Rautenberg und Musik von Sänger*innen der Deutschen Oper Berlin;

 

Das Osterferien-Musiklabor für Kinder ab 8 Jahren: Eine Woche lang im Frühjahr 2022 spielen, ausprobieren und Musik machen mit abschließender Werkstatt-Präsentation.

 

Und der Kinder- und Jugendclub, unsere kontinuierlichen Gruppen für Kinder (9 bis 12 Jahre) und Jugendliche (14 bis 18 Jahre), die ihr Theater selbst in die Hand nehmen und gemeinsam mit einer Theaterpädagogin und einer musikalischen Leiterin ihr eigenes Stück entwickeln, das im Juli 2022 in der Tischlerei aufgeführt wird.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Angebote zum Mitmachen für Familien.

 

 

Kooperationen stadtweit

 

Oper für und mit allen muss sich auch immer mal wieder aus ihrem Stammhaus raus bewegen. So kooperieren wir mit einem festen Stamm an Kitas und Schulen (Grund- und Sekundarschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren) in verschiedenen Bezirken. Opernbesuche, Workshops für Schüler*innen, Lehrer*innen/Erzieher*innen, Probenbesuche und Künstler*innen-Gespräche in Theater oder Schule finden im Rahmen solcher Kooperationen auf regelmäßiger Basis statt. Besonders eng sind wir mit unserer Partnerschule im Rahmen von TUSCH (Theater und Schule) verbandelt, der Peter-Ustinov-Schule. Eine hohe Aufmerksamkeit im Bereich Schule gilt den Willkommensklassen. Mehrere Schulprojekte pro Spielzeit realisieren wir gemeinsam mit der Initiative Rhapsody goes Opera für Musiktheater in Schulen.

 

Wir bilden und unterhalten feste Nachbarschafts-Netzwerke mit Jugend- und Familienzentren sowie Einrichtungen für geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien in unserem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf; über den ebenfalls in der Nachbarschaft angesiedelten Partner Laughing Hearts e. V. erreichen unsere Angebote Kinder und Jugendliche in Kinderheimen und Einrichtungen des betreuten Jugendwohnens berlinweit. 

 

In einem neuen, von der Heinz und Heide Dürr Stiftung geförderten Projekt namens Opern-Familien bauen wir in der Saison 2021/22 unsere Vernetzung mit verschiedenen Nachbarschaften in der Umgebung des Opernhauses weiter aus: Gemeinsam mit Familienzentren und deren Trägern entwickeln wir ein Programm zur frühkindlichen kulturellen Bildung im Kontext Familie.

 

Die Junge Deutsche Oper wird gefördert von der Karl Schlecht Stiftung.

 

Kontakt:
Leitung Junge Deutsche Oper
Tel.: 030 343 84 – 534
nakou@deutscheoperberlin.de (ab August 2021)
www.deutscheoperberlin.de/jungedeutscheoper
 


04.06.2021

Vorabend des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN >>> In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> Dauer: 2 Stunden 30 Minuten (keine Pause) >>> Premiere am 12. Juni 2021 um 19.30 Uhr in der Deutschen Oper Berlin >>> weitere Vorstellungen am 15., 19., 22., 25. und 27. Juni 2021. >>> Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.

Über ein Vierteljahrhundert lang arbeitete Wagner an der Verwirklichung seiner Idee, der Menschheit einen neuen Mythos zu schenken, in dem sie sich immer wieder spiegeln und erkennen sollte. Und wie jeder welterklärende Mythos beginnt auch der RING DES NIBELUNGEN in einer Vor-Zeit, in der die Weichen für alles Folgende gestellt wurden. In dieser Vor-Zeit spielt der Vor-Abend des RINGS, und nicht Menschen bevölkern in DAS RHEINGOLD die Bühne, sondern Wesen, die die Vorstel-lungen der nachfolgenden Menschheit über Kultur und Natur verkörpern: Zwerge und Riesen, Götter und Nymphen. Hier wird das titelgebende Gold zum Machtinstrument umgeschmiedet, hier werden die Fundamente einer Gesellschaftsordnung gelegt, die am Ende des letzten RING-Abends krachend einstürzen wird.

Nachdem die Premiere des neuen RHEINGOLD im vergangenen Juni nicht stattfinden konnte, kann die Neuinszenierung von Stefan Herheim nun endlich am Urgrund des Geschehens ansetzen. In seiner zyklischen Konzeption setzt der norwegische Regisseur bei dem Wesen des Mythos als immer wieder neu zu füllendes Erklärungsmuster an: Im Akt des Spiels finden sich Menschen zusammen und versuchen so, die Gründe für ihre Existenz zu finden. Mit einfachsten, sich durch die Magie des Theaters jedoch immer wieder verändernden Mitteln gewinnt das große Spiel um Macht und Liebe Gestalt. Ebenso behauptet die Musik in Gestalt eines Konzertflügels ihre zentrale Stellung als Ort der Imagination, an dem sich die Grenze zwischen Schöpfer und Schöpfung immer wieder kunstvoll verwischt.

Mit den langjährigen Ensemblemitgliedern Thomas Blondelle, Markus Brück, Derek Welton, Tobias Kehrer, Andrew Harris, Thomas Lehman und Annika Schlicht kann die Deutsche Oper Berlin eine Besetzung bieten, die schon beim halbszenischen RHEINGOLD im letzten Pandemie-Sommer auf dem Parkdeck für große Begeisterung sorgte.


03.06.2021

Eine szenische Installation >>> In deutscher Sprache, keine Übertitel >>> Dauer: ca. 70 Minuten (keine Pause) >>> Uraufführung in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin am 8. Juni 2021 >>> Weitere Vorstellungen am 9., 10., 11. und 12. Juni

Hallo? Spricht hier jemand oder singt ihr schon? Wer sagt hier, wo es langgeht? Wem wird zugehört? Warum sind wir das, was wir sind? Welche Held*innen prägen uns? Und hier in der Oper: Wer hat die Macht? Die Regisseurin? Die Autorin? Die Dirigentin? Oder womöglich alle gemeinsam? Sind Noten wichtiger als Worte? Wer bestimmt, was die Sänger*innen tragen und wie die Haare liegen? Ist die Oper eine Mensch-Maschine? In künstlerischen Prozessen und Werken bildet sich neben der Kunst auch immer eine Machtstruktur ab. Und während sich künstlerische Fragestellungen stets und sichtbar erweitern und erneuern, scheinen die Strukturen dahinter festgefahren.

Mit THE MAKING OF BLOND hinterfragen die Theater- und Medienmacher*innen von Chez Company gemeinsam mit Mitgliedern aus den Ensembles der Deutschen Oper Berlin Rollen und Bilder von Held*innen in der Oper und kreuzen diese mit ihrer Lebensrealität. So kommen sie zu der Frage, was eine Figur und eine Rolle heute bedeutet für die Konstruktion von Identitäten, wie es Ausdruck ist von Machtverhältnissen und was es über das Verhältnis der Geschlechter besagt, auf, hinter und abseits der Opernbühne.

THE MAKING OF BLOND bildet Recherche ab. Welche Geschichten werden wie auf der Opernbühne erzählt. Was haben Frauen und Männer überhaupt zu sagen und gibt es mehr als heterosexuelle Mann-Frau-Beziehungen? Sind die Kleider geschlitzt und die Haare gefärbt, wie erzählen wir heute auf der Bühne und auch als Publikum etwas über Gender und über unseren Sex?

Dies geschieht im Rahmen einer gut einstündigen szenischen Installation in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin, der experimentellen Spielstätte des Hauses, die qua Programm ein Ort des zeitgenössischen Musiktheaters ist, an dem immer wieder auch das Repertoire wie die Arbeits- und Produktionsstrukturen des Repertoirebetriebs an einem Opernhaus künstlerisch thematisiert und hinterfragt werden. In THE MAKING OF BLOND tut dies die freie Produktionsgruppe Chez Company, bestehend aus der Autorin und Regisseurin Gesine Danckwart, der Dramaturgin Sabrina Zwach und dem Sound- und Mediendesigner Fabian Kühlein zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Julia Hansen sowie den beiden Komponisten und Musikern Thomas Kürstner und Sebastian Vogel.

Gemeinsam haben sie mit den beiden Tenören Burkhard Ulrich und Jörg Schörner – beide langjährige Ensemblemitglieder der Deutschen Oper Berlin – eine Recherche zu Sängerfächern und Rollenbildern unternommen. Sie haben fachtypische und fachfremde Musik ausgewählt, die, begleitet von einem Streichquartett aus Mitgliedern des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, erklingen werden – von der Schlussszene aus SALOME über einen Auszug aus Bachs „Matthäus-Passion“ bis hin zu Kunstliedern der Deutschen Romantik.

Die Musikausschnitte werden mit Texten und Szenen konfrontiert, in denen Fiktion und Dokumentarisches ebenso verschmelzen wie theatrales Spiel und ein Blick in den vermeintlich privaten Schutzraum der Künstlergarderobe, und öffnen somit den Blick auf das innere Räderwerk der Maschine Oper. Diese läuft unerbittlich und ungerührt, selbst wenn die alles bestimmende Stimme der Partitur längst begonnen hat, die eigene Rolle zu hinterfragen – und vielleicht sogar, wenn die Menschen längst das Haus verlassen haben.

THE MAKING OF BLOND ist der zweite Teil eines gemeinsamen Projekts von Chez Company, dem Wiener Burgtheater und der Deutschen Oper Berlin. Als erster Teil entstand am Wiener Burgtheater gemeinsam mit Caroline Peters „Theblondproject“ als Theaterinstallation, die sich aus genuin feministischem Blick mit Rollenzuschreibungen und Rollenkonstruktion blonder Frauen auseinander-gesetzt hat. Nun wird dieser Prozess an der Deutschen Oper fortgesetzt mit einem geweiteten Blick auf Rollenkonstitution und Machtstrukturen und zugleich einer thematischen Engführung, ausgehend vom Mikrosoziotop eines großen Opernhauses.

Eine Kooperation von Chez Company, Burgtheater Wien und Deutscher Oper Berlin, gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes

 

 

CHEZ NU

Kommt ein Avatar an die Bar …

12. Juni 2021, im Anschluss an die Vorstellung von THE MAKING OF BLOND

Tischlerei der Deutschen Oper Berlin und per interaktivem Stream auf www.chez-company.org

Von und mit: Gesine Danckwart, Thomas Kürstner, Fabian Kühlein, Sebastian Vogel, Sabrina Zwach und als besonderer Gast mit Jörg Schörner – sowie mit Julia Hansen, Can Elbasi und Skadi Schulz

Im Anschluss an die Vorstellung von THE MAKING OF BLOND feiert das Spättalkieformat CHEZ NU Premiere: Eine kollektive Fragerunde mit Charakter (Tenor) im Chez Nu. Und das sind hoffentlich wieder mal wir alle. Live – oder hybrid, Hauptsache Chez.

In den letzten zwei Jahren hat sich Chez Company mit Identität und Geschlechterrollen beschäftigt. Natürlich eigentlich lebenslang. Gezeigt haben wir „Theblondproject“ 2019 im Kasino, einer Spielstätte des Burgtheaters in Wien. Diese performative Installation entstand aus einem Interviewmarathon. Wir haben Themen überführt und fortgesetzt in einem Hörspiel und sind nun an die Oper gelangt: THE MAKING OF BLOND. Die Höhe des Diskurses muss sich oft mit den Niederungen des echten Lebens synchronisieren! Da sind wir wieder bei uns und auf unsere Lebenswirklichkeit zurückgeworfen. Wo stehen wir eigentlich wirklich?

Um diese Frage weiterzutreiben und künstlerische Umsetzungen zu finden, arbeiten wir mit einem Avatar. Wir haben ihn/sie in Wien auf die Straße gelassen und in Berlin kommt er/sie wieder zu uns zurück, wie ein Bumerang. Wir befragen ihn/sie und fragen uns, was wäre unser besseres Ich, unser Stellvertreter*in und was würde er/sie tun?

„Chez Nu – Kommt ein Avatar an die Bar!“ ist die modifizierte, diskursive Auseinandersetzung um die Uraufführung „Theblondproject“.


20.05.2021

Open air auf dem Parkdeck: Jazz-Festival & ATZE Musiktheater: Beethoven – Ein Leben >>> im großen Haus: Premiere: DAS RHEINGOLD (Runnicles/Herheim) am 12. Juni ... Best of DON CARLO & Best of LA FORZA DEL DESTINO >>> Uraufführung in der Tischlerei: THE MAKING OF BLOND

Da Kulturveranstaltungen open air bei Fortbestehen von stabilen Inzidenzwerten unter 100 wieder möglich sind, freuen wir uns, Sie zu den Erzählkonzerten der Jazz-Formationen unseres Orchesters vom 4. bis 6. Juni auf das Parkdeck der Deutschen Oper Berlin einladen zu können.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:
4. Juni um 20 Uhr: Herz der Finsternis. Eine Reduxfassung des Weltliteraturklassikers von Joseph Conrad als Jazzmelodram mit der BigBand der Deutschen Oper Berlin, Rezitation: John von Düffel
5. Juni um 20 Uhr: A Midsummer Night’s Dream. Auszüge aus Shakespeares Komödie werden umrahmt von urbanem NuJazz, Groove-Jazz und Swing von der JazzCombo, Rezitation: Yara Blümel, Jens Schnarre
6. Juni um 15 und 18 Uhr: Das Dschungelbuch. Christian Brückner liest Ausschnitte aus Rudyard Kiplings Klassiker der Abenteuerliteratur, die Big-Band spielt dazu Jungle Jazz, komponiert von Martin Auer.

 

Atze Musiktheater zu Gast: Beethoven – Ein Leben: ab 13. Juni

Beethoven – Ein Leben ist ein historisches Künstlerportrait für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren, inszeniert von Theaterleiter Thomas Sutter und mit Musik von Sinem Altan für Kammerorchester, Band und Chor. Das Publikum ist eingeladen auf eine musikalische Reise 251 Jahre zurück in die Zeit der Französischen Revolution: Wer war der Mensch Beethoven? Wie konnte er trotz Hörverlust komponieren? Wie prägte Beethoven die Gesellschaft und für welche Ziele und Ideale lebte er?
Die Uraufführung findet am 13. Juni um 19 Uhr statt. Für Pressekarten wenden Sie sich bitte an Frieda Grube: f.grube@atzeberlin.de

 

Premiere DAS RHEINGOLD am 12. Juni

Bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter Bedingungen des Pilotprojekts (Schachbrettmuster, mit Maske und negativem Testergebnis) freuen wir uns, Sie am 12. Juni zur Premiere des lang erwarteten RHEINGOLD unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Stefan Herheim einladen zu können. Geplant für den Juni 2020, wurde der neue RING DES NIBELUNGEN dann Ende September 2020 mit der WALKÜRE in ungewohnter Reihenfolge gestartet, um jetzt den Vorabend endlich nachholen zu können.

Im Zentrum von Stefan Herheims Neuinszenierung steht die Beschwörung des Mythos als Versuch der Menschen, sich die Welt immer wieder neu zu erklären und die eigene Existenz durch das Spiel zu begreifen.
Mit Derek Welton als Wotan, Thomas Blondelle als Loge, Markus Brück als Alberich, Annika Schlicht als Freia, Judit Kutasi als Erda u. a. Weitere Vorstellungen am 15., 19., 22., 25. und 27. Juni.

 

Zwei Mal „Best of“: Verdis DON CARLO und LA FORZA DEL DESTINO

Am 11. und 13. Juni präsentieren wir in einer knapp zweistündigen konzertanten Fassung ein Best of DON CARLO mit Yosep Kang, Davide Luciano, Patrick Guetti, Dinatra Alieva, Anita Rachvelishvili u. a. Durch den Abend führt der Schauspieler Ulrich Matthes.

Und am 17. und 18. Juni folgt ein Best of LA FORZA DEL DESTINO mit Liudmyla Monastyrska, Roman Burdenko, Russell Thomas, Jana Kuru-cová, Ante Jerkunica, Misha Kiria u. a.

 

THE MAKING OF BLOND von Gesine Danckwart – in der Tischlerei

Gemeinsam mit den Tenören Burkhard Ulrich und Jörg Schörner haben die Performer*innen um „Chez Company“ eine Recherche zu Sängerfächern und Rollenbildern unternommen und fachtypische wie fachfremde Musik ausgewählt – von der Schlussszene aus SALOME über einen Auszug aus Bachs „Matthäus-Passion“ bis hin zu Kunstliedern der Romantik. Die Uraufführung findet am 8. Juni statt, weitere Vorstellungen vom 9. bis 12. Juni in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin.

 

Der Vorverkauf für alle genannten Vorstellungen beginnt am 27. Mai. Sollten sich aufgrund steigender Inzidenzwerte, nicht erteilter Genehmi-gung und/oder anderslautender Vorgaben des Senats unsere Pläne ändern müssen, würden die erworbenen Tickets selbstverständlich rückerstattet.

 

Wegen der knappen Platzkapazitäten bitten wir Sie herzlich um Verständnis, dass die Pressekarten ausschließlich den berichtenden Kolleg*innen vorbehalten sind und wir nur eine Karte (keine Begleitkarten) reservieren können. Und wer nicht tagesaktuell die Premieren rezensiert, den bitten wir, ggfs. auf eine der Folgevorstellungen auszuweichen.


11.05.2021

Bei den gestern, am 10. Mai, in einer feierlichen Zeremonie digital verliehenen International Opera Awards wurde die Deutsche Oper Berlin für die „Beste Uraufführung des Jahres“ ausgezeichnet. Geehrt wurde Detlev Glanerts OCEANE unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Robert Carsen, eine Produktion, die im April 2019 ihre Uraufführung feierte. Mit Maria Bengtsson fand die Titelpartie ihre kongeniale Besetzung. Die Wiederaufnahme muss Pandemie bedingt vom Herbst 2021 auf Januar 2023 verschoben werden.

Regisseur Robert Carsen wurde darüber hinaus mit dem Opera Award als „Bester Regisseur“ ausgezeichnet: herzliche Gratulation auch an ihn!

 

Dass Lise Davidsen als „Beste Sängerin“ geehrt wurde, freut uns umso mehr, als sie im September/Oktober 2020 als Sieglinde in der Premierenserie der WALKÜRE in der Regie von Stefan Herheim und unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin begeisterte.

 

Und die in der Kategorie „Junge Sängerin“ ausgezeichnete Vasilisa Berzhanskaja hat während ihres Engagements an der Deutschen Oper Berlin von 2017 bis 2019 Partien wie Rosina in IL BARBIERE DI SIVIGLIA und Marchesa Melibea in IL VIAGGIO A REIMS interpretiert und für großen Jubel gesorgt.

 

Für den Chor der Deutschen Oper Berlin freuen wir uns über die Nominierung als „Bester Chor“!

 

Allen Geehrten und Nominierten unseren herzlichen Glückwunsch!

 


08.04.2021

Premiere SIEGFRIED auf noch unbestimmten Termin verschoben >>> Vom 8. bis 11. April: Alexander von Zemlinskys DER ZWERG als Video on Demand mit Audiodeskription

Die Deutsche Oper Berlin befindet sich mit strengem Testkonzept in den Endproben zu Richard Wagners SIEGFRIED und bereitet damit die Fortsetzung des neuen RINGS unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Stefan Herheim vor. Leider kann auch diese Premiere, die für den 18. April geplant war, aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation nicht stattfinden und muss auf einen noch unbestimmten Termin verschoben werden. Clay Hilley steht in den Proben als Titelheld auf der Bühne, an der Seite von Ya-Chung Huang als Mime, Iain Paterson als Der Wanderer, Markus Brück als Alberich sowie Nina Stemme als Brünnhilde u. a. Wir teilen Ihnen den neuen Premierentermin mit, sobald er absehbar ist.

 

Ebenfalls verschoben wird damit der für den 30. April in der Tischlerei angekündigte Termin in der Reihe „Aus dem Hinterhalt: Macht der Künste“ zur Premiere von SIEGFRIED mit Sofia Portanet, Mitgliedern des Ensembles der Deutschen Oper Berlin sowie Musikerinnen und Musikern des Orchesters.

 

Vom 8. April 15 Uhr bis zum 11. April 15 Uhr (Startzeit) bieten wir auf unserer Website Alexander Zemlinskys DER ZWERG unter musikalischer Leitung von Donald Runnicles und in der Regie von Tobias Kratzer als Video on Demand an. Besonderheit bei diesem Angebot ist die neu eingerichtete Audiodeskription für Menschen mit Sehbehinderung. Diese Aufzeichnung liegt als DVD bei NAXOS vor. Wir danken NAXOS und Förderband e. V. Kulturinitiative Berlin herzlich für die Unterstützung.

In der Titelpartie steht David Butt Philip an der Seite von Schauspieler Mick Morris Mehnert als seinem Alter Ego. Elena Tsallagova interpretiert die Partie der verwöhnten Prinzessin Donna Clara und Emily Magee die der Ghita


01.04.2021

„Pilotprojekt Testing“ pausiert weiter >>> Wagners RIENZI: Video on Demand vom 1. bis 4. April

Da der Senat mit Blick auf die Inzidenzen das „Pilotprojekt Testing“ weiterhin pausieren lässt, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider keinen Ersatztermin für die am 4. April geplante Publikumspremiere von Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI ankündigen. Wir bedauern das sehr!

 

Wir werden Sie hoffentlich nach den Ostertagen über Ersatztermine informieren können. Ticketinhaber*innen, die es vorziehen, schon jetzt ihre Karten zu stornieren, bieten wir dazu die Gelegenheit und erstatten natürlich den Kaufpreis. Dafür steht auf der Website ein Rückerstattungsformular zur Verfügung. Der für den 4. April gebuchte Schnelltest-Termin im Testzentrum verfällt automatisch.

 

Über die Ostertage bieten wir vom 1. April 15 Uhr bis 4. April 15 Uhr (Startzeit) Philipp Stölzls viel gerühmte, bildmächtige Inszenierung von Richard Wagners RIENZI, DER LETZTE DER TRIBUNEN als Video on Demand an. Unter dem Dirigat von Sebastian Lang-Lessing interpretiert Torsten Kerl die Titelpartie, an der Seite u. a. von Camilla Nylund als Irene, Kate Aldrich als Adriano und Ante Jerkunica als Steffano Colonna. Der Stream verfügt wahlweise über englische und deutsche Untertitel und auch die Programmhefttexte bieten wir auf unserer Website in Deutsch und Englisch an. Wir danken Unitel für die Möglichkeit, die Aufzeichnung, die auch als DVD vorliegt, streamen zu dürfen.

 

Wir wünschen Ihnen erholsame Ostertage und hoffen, uns bald wieder mit einer Einladung in die Deutsche Oper Berlin bei Ihnen melden zu können.


25.03.2021

Wir freuen uns, dass nun auch die Uraufführungsproduktion von Chaya Czernowins HEART CHAMBER als DVD und Blu-ray beim Label NAXOS vorliegt. Darauf enthalten sind sowohl die Gesamtaufnahme des am 15. November 2019 in der Deutschen Oper Berlin uraufgeführten Werks als auch ein 90-minütigen Dokumentarfilm zur Genese der Produktion. In diesem Film führt der renommierte Berliner Dokumentarfilmer Uli Aumüller, der auch für den Videomitschnitt der Oper verantwortlich zeichnet, in die Entstehung des Werkes ein und eröffnet faszinierende und sehr persönliche Einblicke in die Probenprozesse mit dem Regisseur Claus Guth, dem Dirigenten Johannes Kalitzke, der Komponistin Chaya Czernowin, dem SWR Experimentalstudio und dem Solistenensemble mit Patrizia Ciofi, Dietrich Henschel, Noa Frenkel, Terry Wey, Frauke Aulbert, dem Kontrabassisten Uli Fussenegger, dem Ensemble Nikel und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin.

 

Im Hinblick auf den komplexen Raumklang, auf den die Komposition Chaya Czernowins angelegt ist, bietet die Blu-ray Disc mit dem optional wählbaren Dolby Atmos Tonformat ein besonders intensives Raumklangerlebnis an. Dieses relativ neue Tonformat lässt den Klang tatsächlich aus allen Richtungen, sozusagen in 360°, differenziert hörbar werden. Von den Nutzern, die über die dafür erforderliche (und recht neue) Abspieltechnik (noch) nicht verfügen, können die Blu-rays und die DVDs auch in den bewährten Formaten Dolby Surround und Stereo erlebt werden. Eine Hörfunkfassung strahlte Deutschlandfunk Kultur aus.

 

Rezensionsexemplare bestellen Sie ggfs. bitte bei Salvatore Pichireddu, Presse und PR bei NAXOS: sp[at]naxos.de.


16.03.2021

Nach der enthusiastisch aufgenommenen Streamingpremiere von Carlo Rizzis und Christof Loys Interpretation der Rarität FRANCESCA DA RIMINI von Riccardo Zandonai freuen wir uns, am 4. April um 18 Uhr eine Vorstellung der Oper vor Publikum anbieten zu können. Der Online-Vorverkauf dafür startet am 18. März um 9 Uhr, die Tickets kosten 25 €. Damit ist die Deutsche Oper Berlin Teil des Berliner Pilotprojekts Testing, mit dem ein Testlauf für die Öffnung von Kultur- und Wirtschaftsveranstaltungen für ein getestetes Publikum durchgeführt werden soll. Deshalb ist es für alle Zuschauer bindend, sich am Tage der Veranstaltung in einem der kooperierenden Zentren auf das Coronavirus testen zu lassen – dies gilt auch für bereits Geimpfte oder Genesene.

Zum Procedere:

Alle Besucher*innen erwerben im Vorverkauf ein personalisiertes Ticket und müssen am Tag der Veranstaltung einen SARS-CoV-2-Antigen-Test in einem der teilnehmenden Testzentren durchlaufen. Bei Eintritt weisen die Besucher*innen ihr tagesaktuelles negatives Test-Ergebnis, ihr personalisiertes Ticket sowie ihren Personalausweis vor. Die SARS-CoV-2-Antigen-Testung ist für das Publikum im Rahmen des Pilotprojekts kostenfrei. Die Besucher*innen erhalten nach dem Ticketkauf einen Link zu den teilnehmenden Testzentren und buchen dort eigenständig ihren Testtermin. Während der Veranstaltung sind das Tragen eines medizinischen Mund-Nasenschutzes oder einer FFP2-Maske sowie die Einhaltung der geltenden Hygieneregeln vorgeschrieben.

 

Um unserem Publikum eine faire Chance auf den Erwerb von Tickets zu bieten, bitten wir um Verständnis, dass unser Pressekartenkontingent in diesem Falle den berichtenden Kolleginnen und Kollegen vorbehalten bleibt und wir ausschließlich Einzelkarten reservieren. Bitte teilen Sie uns ggfs. bis zum 24. März Ihren Kartenwunsch mit, nach erfolgter Bestätigung senden wir Ihnen einen Link zu den teilnehmenden Testzentren zu, bei denen Sie möglichst zügig Ihren Termin buchen können.

 

Wir bedanken uns herzlich für Ihr Verständnis!


09.03.2021

am 14. März 19 Uhr sowie weitere Streamings: RIENZI und DER ZWERG mit Audiodeskription

Wir freuen uns, dass wir Sie am Sonntag, den 14. März um 19 Uhr, zumindest digital zur Premiere von Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI einladen können: auf deutscheoperberlin.de und auf takt1.de oder für Englisch takt1.com. Die lange geplante Produktion mit dem Regieteam um Christof Loy und mit Carlo Rizzi am Pult stellt mit Sara Jakubiak eine Sängerdarstellerin ins Zentrum, die bereits als Heliane in Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE das Publikum der Deutschen Oper Berlin begeisterte. Die Partien der drei Brüder übernehmen Ivan Inverardi (Giovanni), Jonathan Tetelman (Paolo il Bello) und Charles Workman (Malatestino).

 

Die Aufzeichnung mit deutschen und englischen Untertiteln steht auf beiden Plattformen drei weitere Tage kostenfrei als Video on Demand zur Verfügung, ab dem 18. März ist sie auf takt1.de bzw. takt1.com abrufbar (gebührenpflichtig). Das Angebot ist international gültig.

 

Am Samstag, den 27. März, wird sie darüber hinaus ab 19.05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt. 

 

Die Programmhefttexte stehen – ebenfalls auf Deutsch und Englisch – ab Samstag, den 13. März, auf der Landing Page unserer Website zur Verfügung. Fotos der Produktion sind bereits im Pressebereich abrufbar und werden ständig aktualisiert, copyright: Monika Rittershaus. 

 

Wir danken unseren Kooperationspartnern NAXOS, Deutschlandfunk Kultur und takt1.

 

 

Schon heute möchten wir Sie außerdem auf zwei weitere Streaming-Angebote aufmerksam machen: Vom Donnerstag, 1. April, um 15 Uhr bis Ostersonntag, 4. April, um 15 Uhr (Startzeit) laden wir Sie zu Richard Wagners RIENZI, DER LETZTE DER TRIBUNEN in der viel gerühmten Inszenierung von Philipp Stölzl und unter musikalischer Leitung von Sebastian Lang-Lessing ein. In der Titelpartie glänzt Torsten Kerl, an der Seite u. a. von Camilla Nylund als Irene, Kate Aldrich als Adriano und Ante Jerkunica als Steffano Colonna. Wir danken Unitel für die Möglichkeit, die Aufzeichnung, die auch als DVD vorliegt, streamen zu dürfen.

 

Und am folgenden Wochenende, vom 8. bis 11. April (jeweils 15 Uhr) bieten wir noch einmal die GRAMMY-nominierte Aufzeichnung von Alexander Zemlinskys DER ZWERG unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Tobias Kratzer als Video on Demand an. Besonderheit bei diesem Angebot ist die neu eingerichtete Audiodeskription für Menschen mit Sehbehinderung. Diese Aufzeichnung liegt als DVD bei NAXOS vor. Wir danken NAXOS und Förderband e. V. Kulturinitiative Berlin herzlich für die Unterstützung. In der Titelpartie sorgt David Butt Philip für große Begeisterung, Mick Morris Mehnert ist sein Alter Ego als Schauspieler. Elena Tsallagova interpretiert die Partie der verwöhnten Prinzessin Donna Clara und Emily Magee die der Ghia.


26.02.2021

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Müller,

sehr geehrte Frau Senatorin Pop,

sehr geehrter Herr Senator Dr. Lederer,

 

wir wenden uns im Vorfeld zu Ihrem erneuten Zusammentreffen am 3. März mit folgendem Appell an Sie:

Räumen Sie der Kultur im Rahmen der Öffnungsszenarien den Platz ein, den die Studienlage zum Infektionsgeschehen für ZuschauerInnen in Theatern und Konzerthäusern legitimiert und den das Grundrecht auf Kunstfreiheit dringend erforderlich macht. Wir fordern, die von uns geleiteten Institutionen zum nächstmöglichen Zeitpunkt, auf jeden Fall aber in Gleichklang mit dem Einzelhandel zu öffnen.

 

Ermöglichen Sie unserem Publikum, den Schülerinnen und Schülern Berlins und den Berliner Bürgerinnen und Bürgern den risikominimierten, da durch sichere Hygienekonzepte regulierten und kontrollierten Besuch unserer Kultur- und Bildungsstätten. Übereinstimmende Untersuchungen der TU Berlin, des Fraunhofer Instituts und des Bundesumweltamtes haben bestätigt, dass die Hygienekonzepte der Kultureinrichtungen die geringsten Infektionsrisiken im öffentlichen Raum garantieren.

 

Unsere Kulturinstitutionen mussten schon im November und Dezember des letzten Jahres bei einem „Lockdown Light“ ohne spürbaren Effekt für das Infektionsgeschehen schließen. Ende März werden fünf Monate ohne Publikum hinter uns liegen. Mit dem an diesem Montag veröffentlichten Leitfaden für die Rückkehr von Kultur und Sport wurde ein von 20 ExpertInnen erarbeitetes, fundiertes Konzept vorgelegt.

 

Als Generalmusikdirektoren und IntendantInnen kämpfen wir unter Berücksichtigung des momentanen Infektionsgeschehens, im kontinuierlichen Austausch mit ExpertInnen und bei ständiger Weiterentwicklung und Anpassung von Hygienemaßnahmen

-              um das Fortleben der sozialen Rezeption von Kunst,

-              um die Fortführung einer künstlerischen Auseinandersetzung in der Gesellschaft und

-              für ein Wiederaufleben Berlins als Metropole der Kunst und Musik.

 

Mit hoffungsvollen Grüßen

 

Generalmusikdirektoren / Chefdirigenten:
Daniel Barenboim – Staatskapelle Berlin
Christoph Eschenbach – Konzerthausorchester Berlin
Vladimir Jurowski – Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Kirill Petrenko – Berliner Philharmoniker
Ainars Rubikis – Orchester der Komischen Oper Berlin
Sir Donald Runnicles – Orchester der Deutschen Oper Berlin
Robin Ticciati – Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

 

IntendantInnen:
Klaus Dörr – Volksbühne Berlin
Ulrich Khuon – Deutsches Theater Berlin
Barrie Kosky – Komische Oper Berlin
Shermin Langhoff – Maxim Gorki Theater
Sebastian Nordmann – Konzerthaus Berlin
Oliver Reese – Berliner Ensemble
Anselm Rose – Rundfunk Orchester und Chöre Berlin
Matthias Schulz – Staatsoper Unter den Linden
Dietmar Schwarz – Deutsche Oper Berlin
Christiane Theobald – Staatsballett Berlin
Georg Vierthaler – Generaldirektor Stiftung Oper in Berlin
Guntbert Warns – Renaissance-Theater Berlin
Martin Woelffer – Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater
Andrea Zietzschmann – Berliner Philharmoniker/Philharmonie Berlin


25.02.2021

Mit Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI setzt Christof Loy seine Auseinandersetzung mit wenig bekannten Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts an der Deutschen Oper Berlin fort. Die Premiere am 14. März 2021 unter musikalischer Leitung von Carlo Rizzi und mit Sara Jakubiak in der Titelpartie wird um 19 Uhr live gestreamt auf deutscheoperberlin.de und takt1.de >>> Die Aufzeichnung steht auf beiden Plattformen 3 weitere Tage kostenfrei als Video on Demand zur Verfügung, danach ist sie auf takt1.de abrufbar (gebührenpflichtig). >>> Wir danken unseren Kooperationspartnern NAXOS, Deutschlandfunk Kultur und takt1.

2018 hatte Christof Loy Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE gemeinsam mit Marc Albrecht am Pult und Sara Jakubiak in der Titelpartie auf die Bühne der Deutschen Oper Berlin gebracht – eine Produktion, die gleich doppelt ausgezeichnet wurde: als „Wiederentdeckung des Jahres 2018“ von der Zeitschrift „Opernwelt“ und die DVD-Aufzeichnung des Labels NAXOS mit dem OPUS KLASSIK als beste Operneinspielung 20./21. Jahrhundert“.

 

Nun folgt eine weitere Zusammenarbeit von Christof Loy und Sara Jakubiak für Riccardo Zandonais FRANCESCA DA RIMINI. Auch hier steht das Psychogramm einer selbstbewussten, unangepassten Frau im Zentrum, die sich jeglichen moralischen und gesellschaftlichen Zwängen entzieht.

 

Der 1883 geborene Riccardo Zandonai war Schüler Mascagnis und galt um 1910 als neuer Stern am italienischen Opernhimmel. Sein Verleger Tito Ricordi plante mit ihm eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie eine Generation früher sein Vater Giulio Ricordi mit dem jungen Puccini. Dafür scheute Ricordi keine Kosten und Mühen und erwarb für die neue Oper Zandonais die exorbitant teuren Rechte an einem der Skandalstücke der Zeit: Gabriele D’Annunzios fünfaktiges Drama „Francesca da Rimini“, uraufgeführt 1901 in Rom mit Eleonora Duse in der Titelrolle. Gabriele D’Annunzio hatte mit „Francesca da Rimini“ auf einen Stoff aus Dantes „Göttlicher Komödie“ zurückgegriffen, der im 19. Jahrhundert zum Lieblingsthema der Romantik gehörte. Grausame Leidenschaften, blutige Szenen in Bürgerkriegszeiten, ein in flagranti erwischtes, ehebrecherisches Paar und seine todessehnsüchtige Liebe, schließlich finaler Doppelmord aus Eifersucht: Publikum und Presse waren gespalten, für die Künstler der Zeit wurde D’Annunzios „Poem aus Blut und Wollust“ jedoch mit seiner Ästhetik des Fin de Siècle zur Attraktion.

 

Der 31-jährige Riccardo Zandonai sah in dem Drama nun die Chance zu einer großdimensionierten Oper, für grelle Farbwechsel und eine musikalische Sprache, die unterschiedlichste Stile und Zeiten amalgamiert: Zwischen Reminiszenzen an die Madrigale der Renaissance, der Härte des Verismo, präfaschistischen Marschrhythmen, Wagners TRISTAN UND ISOLDE als Vorbild und dem französischem Impressionismus eines Debussy findet Zandonai einen ganz eigenen Weg eines europäischen Musiktheaters.

 

Im Zentrum der Handlung stehen gleich drei Brüder, die sich in dieselbe Frau verlieben: Francesca aus dem Haus der Polenta in Ravenna wird von ihrer Familie aus strategischen Gründen an das Haus Malatesta in Rimini verheiratet. Doch der zukünftige Bräutigam Giovanni, alt und unansehnlich, wagt die Brautwerbung nicht selbst und schickt seinen attraktiven Bruder Paolo vor. Diese Täuschung nicht ahnend, verliebt sich Francesca in Paolo und unterschreibt den Ehevertrag. Im Haus Malatesta lebt sie fortan an der Seite eines ungeliebten Mannes und stürzt sich in eine ambivalente Beziehung zu Paolo zwischen Wut und glühender Liebe. Francesca erscheint als Opfer und Täterin zugleich, als todessehnsüchtig Liebende und machtvolle Verführerin, der auch noch der dritte, sadistisch veranlagte Bruder der Familie erliegt. Das gesamte Potenzial dieser Frauenfigur entfaltet sich als widersprüchlicher und komplexer Charakter, zwischen Hingabe und zerstörerischen Kräften – immer auf der Suche nach dem eigenen Seelenfrieden, den Francesca erst im gemeinsamen Liebestod mit Paolo finden kann.

 

Die Produktion der Deutschen Oper Berlin entstand unter strengen Hygieneauflagen und täglichen Testungen der Beteiligten. So konnten Abstände reduziert und auf Mund-Nasen-Bedeckungen der Darsteller*innen verzichtet werden. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt in voller Stärke, ebenfalls durch Hygienemaßnahmen und tägliche Testungen abgesichert. Der Chor ist szenisch nicht eingesetzt, er wird live aus dem Orchesterprobensaal auf die Bühne übertragen.

 

Die Texte des Programmhefts dieser Produktion stehen auf der Landing Page in Deutsch und Englisch zur Verfügung.

 

Für weitere Infos stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir freuen uns über Ihr Interesse,


22.02.2021

Ein integrierter Ansatz für Kultur und Sport

20 renommierte Experten und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen haben ein gemeinsames modulares Konzept mit Blick auf eine kontrollierte Rückkehr von Zuschauern und Gästen zu Veranstaltungen entwickelt

 

Bundesweite Unterstützung durch mehr als 40 führende Einrichtungen und Organisationen aus den Bereichen Kultur und Sport

 

Ein umfangreiches und differenziertes Basiskonzept könnte zunächst eine Nutzung von 25 bis 40 Prozent der Gesamtkapazität an den Veranstaltungsorten ermöglichen – weitere Maßnahmen wie fachärztliche Hygienekonzepte und umfassende Teststrategien könnten auch mehr Gäste und Zuschauer zulassen

 

Eine breit angelegte Initiative aus Experten und Wissenschaftlern sowie Kultur und Sport hat ein umfassendes Konzept vorgelegt, das die Teilnahme von Zuschauern und Gästen an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wieder ermöglichen könnte. Mit ihrem Konzept präsentieren die etwa 20 beteiligten Wissenschaftler und Experten sowie mehr als 40 Kultur- und Sportinstitutionen erstmalig einen branchenübergreifenden, datenbasierten Ansatz und damit einen differenzierten Beitrag zur Diskussion um angemessene Wege aus dem Lockdown. Das Konzept entstand unter Mitwirkung von namhaften Experten unter anderem aus den Fachbereichen Infektiologie und Virologie, Raumlufttechnik, Gesundheitsökonomie, Sportmedizin und Kultur sowie Rechtswissenschaften.

 

 

Umfangreiches und differenziertes Maßnahmenpaket ermöglicht kontrollierte Öffnung

Der Ansatz stellt verschiedene Modelle sowohl für Indoor- als auch für Outdoor-Veranstaltungen vor. Diese basieren jeweils auf einem Basiskonzept und können mittels weiterer Schritte ausgebaut werden, um die Zahl der Zuschauer und Gäste pro Veranstaltung schrittweise zu erhöhen.

 

Basiskonzept:

Indoor: Eckpunkte für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, eine Gesamtauslastung von maximal 25-30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht, ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sowie ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen.

 

Outdoor: Für Freiluftveranstaltungen geht das Konzept bei vergleichbaren Maßnahmen von einer möglichen Auslastung von 35 bis 40 Prozent der Kapazität aus. Im Amateur- und Breitensport schlagen die Autoren zudem eine „Bagatelluntergrenze“ vor, die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht. Bei Einhaltung der Maskenpflicht und eines erweiterten Abstands sowie Kontaktmanagement durch technische Lösungen wie Apps könnten personenbezogene Tickets in diesem Bereich damit überflüssig werden.

 

Sowohl für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen als auch für Freiluftveranstaltungen sieht das Basiskonzept zudem bestimmte Sitzplatzschemata vor, die die Einhaltung der Mindestabstände gewährleisten. Das Basiskonzept kann mit vertretbarem Aufwand und mit begrenzten finanziellen Ressourcen von jeder Spielstätte bei der Entwicklung eines Hygienekonzeptes umgesetzt werden. Das könnte insbesondere auch kleineren Einrichtungen in Kultur und Sport einen pragmatischen Weg zurück in einen geregelten Vorstellungs- und Spielbetrieb ermöglichen.

 

Fachärztliche Hygienekonzepte: An Indoor-Veranstaltungsorten mit großen Räumen und moderner Lüftungstechnik sowie ebenso bei Outdoor-Veranstaltungen ist – über das Basiskonzept hinaus – auch eine höhere Zuschauerzahl machbar. Für eine weitere Erhöhung der Auslastung empfehlen die Autoren ein fachärztliches Hygienekonzept als einheitlichen Standard.

 

„Maximalmodell“ mit Teststrategie: Auf Basis neuer Diagnostikmöglichkeiten soll die Erweiterung der Zugangsmöglichkeit zu Veranstaltungen umgesetzt werden – bis hin zu einer möglichen Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen. Zu diesem Zweck könnte die Kultur- und Sportbranche unter anderem Zuschauern und Gästen einen Antigentest am Veranstaltungsort zur Verfügung stellen sowie digitale Portale zur Unterstützung des Kontaktmanagements fördern.

 

Mitwirkende im Autorenkreis u. a.:
Marcel Altenburg, MSc MA, Prof. Dr. Lutz Fritsche, Prof. Dr. Barbara Gärtner, Dr. Florian Kainzinger, Prof. Dr. Martin Kriegel, Prof. Dr. Tim Meyer, Prof. Dr. Peter Raue, Prof. Dr. Wolfgang Schade, Dr. Georg-Christian Zinn
(vollständige Liste aller Mitwirkenden im Leitfaden)

 

Pressekontakt:
Ulrich Deupmann
Partner
Brunswick Group GmbH
StudieKulturSport@brunswickgroup.com

 


21.01.2021

28. bis 31. Januar: Alexander von Zemlinskys DER ZWERG unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Tobias Kratzer >>> 18. bis 21. Februar: Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE mit Marc Albrecht am Pult und in der Regie von Christof Loy

Die Premiere von Zemlinskys DER ZWERG mit David Butt Philip in der Titelpartie und Mick Morris Mehnert als sein darstellerisches Alter Ego löste im März 2019 bei Presse und Publikum große Begeisterung aus. „Wie die Sänger und das Orchester der Deutschen Oper unter der Leitung von Donald Runnicles daraus an diesem Abend ein rundum geglücktes Ganzes machten, war beeindruckend“ – so nur eine der jubelnden Stimmen. Umso erfreulicher, dass die Aufnahme der viel gerühmten Inszenierung von Tobias Kratzer bei Naxos als DVD erschienen ist und in der Kategorie „Best Opera Recording“ für den GRAMMY nominiert wurde. Die Verleihung der renommierten GRAMMY-Awards wurde Pandemie bedingt vom 31. Januar auf den 14. März 2021 verschoben.

 

Vom 28. Januar um 15 Uhr bis zum 31. Januar um 15 Uhr ist diese Aufzeichnung in der Videoregie von Götz Filenius auf der Website abrufbar, sie bietet frei wählbar deutsche und englische Untertitel: www.deutscheoperberlin.de

 

Auch die Texte des Programmhefts dieser Produktion stehen auf der Landing Page in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Viel Spaß beim Schauen, Hören und Lesen!

 

Schon heute sei darauf hingewiesen, dass auch die herausragende Produktion von Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE in der Regie von Christof Loy und mit Marc Albrecht am Pult vom 18. bis 21. Februar als Stream on Demand zur Verfügung steht. Auch diese Arbeit erschien bei Naxos als DVD. Die US-amerikanische Sopranistin Sara Jakubiak überzeugt uneingeschränkt in der Titelpartie von Korngolds selten gespielter Oper. Ab Februar probt sie, abermals mit Christof Loy, die Partie der Francesca da Rimini in Riccardo Zandonais gleichnamiger Musiktheater-Rarität.

 


27.11.2020

Trotz der durch die Corona-Pandemie bedingten Absage der ursprünglich für den 7. November geplanten 27. Festlichen Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung bleibt der Sendeplatz auf 3sat am 28. November um 20.15 Uhr erhalten.

 

Der rbb hat dafür eine Sendung produziert, in der Höhepunkte aus 26 Jahren AIDS-Gala zu erleben sind. Zu den mitwirkenden Solist*innen gehören neben vielen anderen Piotr Beczala, Montserrat Caballé, Javier Camarena, Joyce DiDonato, Marylin Horne, Simone Kermes, Olga Peretyatko, Thomas Quasthoff, Neil Shicoff und Rolando Villazón. Insgesamt fünf Dirigenten leiten das Orchester und den Chor der Deutschen Oper Berlin, unter ihnen Sir Donald Runnicles, Christian Thielemann und Enrique Mazzola. Die Moderationen von Loriot und Max Rabe sowie aktuelle Interviewpartner wie Sir Donald Runnicles, Simone Kernes und Gesundheitsminister Jens Spahn begleiten das musikalische Programm. Durch die Sendung führt die Moderatorin Nadine Heidenreich. Der rbb strahlt diese Sendung am 2. Dezember um 0.15 Uhr aus.

 

Die Deutsche Oper Berlin strahlt in Rot: Im Rahmen der gemeinsamen Aktion, mit der Deutschlands Theater und Orchester am 30. November ein Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Publikum setzen, wird das Haus an diesem Tag um 17 Uhr in rotes Licht getaucht. Die Aktion wird auf dem Götz-Friedrich-Platz, vor dem Weihnachtsbaum, von Klängen des Blechbläserensembles der Deutschen Oper Berlin begleitet: Die Lichter bleiben an, auch wenn die Musik draußen spielt.

 

Ab dem 1. Dezember starten wir den digitalen Adventskalender: täglich öffnet sich ein Fenster und lässt Sie die Vielfalt, die Oper ausmacht, entdecken! Virtuose Arien und dramatische Chorszenen, tragische und heitere Momente, Hits und Raritäten –von uns für unser Publikum ausgesucht.


25.11.2020

Grammy-Nominierung für die DVD-Aufnahme von Alexander Zemlinskys DER ZWERG unter musikalischer Leitung von Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles

Die Deutsche Oper Berlin freut sich über die Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Opera Recording“ von Alexander Zemlinskys DER ZWERG mit dem Orchester und Chor der Deutschen Oper Berlin unter Sir Donald Runnicles.

 

In der Titelpartie sorgte David Butt Philip in der Premiere im März 2019 für große Begeisterung, Mick Morris Mehnert war sein Alter Ego als Schauspieler. Elena Tsallagova interpretierte die Partie der verwöhnten Prinzessin Donna Clara und Emily Magee die der Ghita.

 

Die von Erwin Stürzer (Naxos) und Matthias Henneberger (Deutsche Oper Berlin) produzierte und bei Naxos erschienene Aufnahme der viel gerühmten Inszenierung von Tobias Kratzer entstand in der Videoregie von Götz Filenius.

 

Die renommierten Grammy-Awards werden am 31. Januar 2021 in Los Angeles verliehen. Die Nominierten wurden am 24. November von der National Academy of Recording Arts and Sciences bekannt gegeben.


20.11.2020

Informationen zu SIEGFRIED, MAKING OF BLOND (Tischlerei), FRANCESCA DA RIMINI, ONCE TO BE REALISED (Tischlerei) u. a.

Im Interesse einer größeren ‚Durchführungssicherheit‘ haben wir uns entschlossen, die Premiere von SIEGFRIED, die für den 24. Januar 2021 geplant war, auf den 18. April 2021 zu verschieben. Damit würde die mit der WALKÜRE im September 2020 gestartete Neuproduktion des RINGs unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von Stefan Herheim mit SIEGFRIED fortgesetzt, bevor am 12. Juni 2021 DAS RHEINGOLD folgt. Den Abschluss des Zyklus bildet dann am 17. Oktober 2021 die Premiere von GÖTTERDÄMMERUNG.

 

Die ursprünglich für den 25. April vorgesehene Neuproduktion der MATTHÄUS-PASSION wird auf eine spätere Saison verschoben.

 

Die für den März geplanten Premieren: THE MAKING OF BLOND von Gesine Danckwart am 5. März in der Tischlerei und FRANCESCA DA RIMINI am 14. März (Musikalische Leitung: Carlo Rizzi, Regie: Christof Loy) hoffen wir, realisieren zu können.

 

Die Koproduktion mit der Münchener Biennale ONCE TO BE REALISED, die im Juni 2020 hätte Premiere in der Tischlerei haben sollen, hat mittlerweile wichtige Probenphasen durchlaufen und wird am 3. April 2021 ihre Uraufführung in München erleben, bevor sie am 16. April in der Tischlerei Premiere feiern wird. Bei dem Projekt von Michael Marmarinos handelt es sich um ein Musiktheater in sechs Teilen nach Jani Christou von Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Samir Odeh-Tamimi, Younghi Pagh-Paan und Christian Wolff.

 

Den aktuellen Spielplan mit Repertoirevorstellungen und Konzerten werden wir nach Maßgabe der gegebenen politischen Bestimmungen kurzfristiger bekanntgeben.


02.11.2020

Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass der Stiftungsrat der Stiftung Oper in Berlin den Vertragsverlängerungen von Dietmar Schwarz, Sir Donald Runnicles und Thomas Fehrle zugestimmt hat.

Der Vertrag von Herrn Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin seit der Spielzeit 2012/ 2013, wurde bis zum 31. Juli 2025 verlängert. Damit ist der Stiftungsrat dem Wunsch von Herrn Schwarz nach einer dreijährigen Vertragsverlängerung gefolgt.

 

Die Verträge von Sir Donald Runnicles, seit 2009 Generalmusikdirektor des Hauses, und Thomas Fehrle, kaufmännischer Geschäftsführer seit 2011, wurden jeweils um fünf Jahre bis 2027 verlängert.

 

Der Senator für Kultur und Europa sowie Stiftungsratsvorsitzende Dr. Klaus Lederer: „Die Leitungsspitze Schwarz/ Runnicles/ Fehrle hat die künstlerische und wirtschaftliche Entwicklung der Deutschen Oper Berlin in den letzten Jahren maßgeblich geprägt und vorangetrieben. Ich freue mich, dass der Stiftungsrat den Vertragsverlängerungen zugestimmt hat und die erfolgreiche Arbeit des Leitungstrios damit fortgesetzt werden kann."

 

Dietmar Schwarz: „Der momentane Lockdown nährt zwangsläufig Besorgnisse um die Zukunft der Kulturinstitutionen in Deutschland. Umso mehr freut es mich, dass der Berliner Senat mit unserer Vertragsverlängerung ein klares Zeichen an das Publikum wie an die Beschäftigten des Hauses gegeben hat. Mit dieser Basis haben wir jetzt eine Planungssicherheit auch für die Zeit nach Corona."


16.10.2020

#KulturVerbindetAlle mit Profi¬sänger*innen aus vier Berliner Chören am 24. Oktober um 12.30 Uhr auf dem Gendarmenmarkt

Die Corona-Zeit hat viele persönliche Kontakte auf ein Minimum reduziert. Gemeinsame emotionale Kulturerlebnisse gibt es gerade viel zu wenig, das Verbindende unserer kulturellen Vielfalt ist mancherorts ausgebremst. Aber genau das brauchen wir:  Dafür möchte die Aktion #KulturVerbindetAlle ein Zeichen setzen und lädt am 24. Oktober um 12.30 Uhr zu einem A-cappella-Demo-Konzert auf den Gendarmenmarkt.

Auf Initiative von Mitgliedern des Chors der Deutschen Oper Berlin versammeln sich Sängerinnen und Sänger aus den Chören der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin, der Chorsolisten der Komischen Oper Berlin und des RIAS Kammerchor Berlin, um – in gebotenem Abstand – mit dieser gemeinsamen Aktion das Verbindende des Gesangs mit Nachdruck erlebbar zu machen. Stücke aus der Opern- und Konzertliteratur stehen ebenso auf dem Programm wie Volkslied und Kanon.

 

Grußbotschaft von Antje Vollmer, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages:

„Die Aktion #KulturVerbindetAlle ist zugleich tief menschlich, aber auch politisch. Denn was in den Corona-Zeiten droht, verloren zu gehen, ist das Gemeinsame, das Verbindende, das, was in einer Gesellschaft ein Wir-Gefühl schafft. Das ist ja die gemeinsame Wurzel aller Kreativität, dass ich einen Zugang zu einem Anderen, zu einem offenen Ohr suche, der mir hilft, meine Einsamkeit zu sprengen. Gemeinsames Singen schafft Lebensfreude, Energie, geteilte Traurigkeit und auch elektrisierende Begeisterung. Es vergewissert uns, dass wir nicht allein sind, sondern gehört, gesehen und gefühlt werden – dass wir lebendig sind! Das ist eine tolle Botschaft an das Publikum, das die Theater, Konzerte und Opern schmerzlich vermisst, aber auch an die Tapferkeit einer ganzen Stadt. Kultur verbindet alle. So soll es bleiben!“


01.10.2020

Highlights im November 2020 (neuer Plan!) >>> Zwei zusätzliche WALKÜRE-Vorstellungen am 13. und 15. November >>> Endlich wieder Chor: Verdis REQUIEM (konzertant) >>> Rossinis DER BARBIER VON SEVILLA (szenisch!) >>> Vorschau Dezember: Besetzungs-Highlights und Familienprogramm

Zwar sind wir alle in den Opernhäusern noch weit von einem Normalbetrieb entfernt, trotzdem war die Premiere von DIE WALKÜRE am 27. September ein wichtiges Signal für die Musik- und Theaterwelt und das Beharren auf der Relevanz unserer Kunstform. Ermuntert durch die große Kartennachfrage und ermöglicht durch den ohnehin neu aufzusetzenden November- und Dezemberspielplan gibt es am 13. und 15. November zwei zusätzliche WALKÜRE-Vorstellungen. Lise Davidsen ist, wie in der Premiere, als Sieglinde zu erleben, neben Johan Reuter als Wotan, der zuletzt hier am Haus Alban Bergs Wozzeck interpretierte. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Donald Runnicles.

 

Endlich wieder Chor: Verdis MESSA DA REQUIEM (konzertant)

Zweites Highlight im November ist die Rückkehr des herausragenden Chores der Deutschen Oper Berlin auf die Bühne, und zwar in Verdis MESSA DA REQUIEM in einer konzertanten Fassung. Nachdem wochenlang nur Proben in kleinen Stimmgruppen stattfinden konnten, gab es am 21. September endlich wieder eine Probe mit allen Chormitgliedern; dafür trafen sich die Sängerinnen und Sänger bei gutem Spätsommerwetter auf dem Park-deck des Hauses (Foto anbei, Copyright: Marcus Lieberenz). Am 27. und 28. November also ist der Chor zu erleben in MESSA DA REQUIEM mit Eleonora Burrato (Sopran), Clémentine Margaine
(Mezzosopran), Attilio Glaser (Tenor) und Günther Groissböck (Bass). Am Pult: Donald Runnicles.

 

Zurück zu szenischem Repertoire: DER BARBIER VON SEVILLA

Szenisch kehrt am 7. und 8. November Rossinis DER BARBIER VON SEVILLA zurück auf die Bühne, mit der jungen russischen Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina in der Partie der Rosina, Philippe Talbot/Matthew Newlin als Graf Almaviva und Thomas Lehman/Dean Murphy als Figaro. Unter musikalischer Leitung von Daniel Carter spielt das Orchester mit den Musiker*innen auf Abstand, während die Chorpartien von den Solist*innen übernommen werden. (Weitere Vorstellungen am 26. Dezember um 14.00 und 19.30 Uhr.)

 

Vorschau Dezember: Besetzungs-Highlights

Ebenfalls szenisch ist am 3. und 6. Dezember Puccinis MADAMA BUTTERFLY zu erleben, mit Starsopranistin Asmik Grigorian als Cio Cio San. Gerade erst wurde sie an der Wiener Staatsoper für ihr Debüt in der Partie gefeiert, umso mehr freuen wir uns, sie jetzt dem Berliner Publikum präsentieren zu können. Als Pinkerton gibt der junge US-amerikanische Tenor Joshua Guarrero sein Hausdebüt, am Pult steht John Fiore.

 

In ebenso herausragender Besetzung zeigen wir am 9. und 12. Dezember Puccinis TOSCA: mit Sondra Radvanovsky in der Titelpartie, Joseph Calleja als Cavaradossi und Carlos Álvarez als Scarpia. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Donald Runnicles.

 

Und – last but not least – präsentieren wir in einer festlichen Verdi-Wagner-Gala am 18. Dezember u. a. Sondra Radvanovsky, Annalisa Stroppa, Amartuvshin Enkhbat und Günther Groissböck.

 

Angebote für Familien und Kinder

Für Familien und Kinder nehmen wir in der Tischlerei die vielgerühmte Inszenierung von DIE SCHNEEKÖNIGIN mit Hanna Plaß in der Titelrolle und Martin Gerke als Kay und Sophia Körber als Gerda wieder auf. Dafür bieten wir sowohl Schulvorstellungen am Vormittag (7., 9., 10., 15., 16., 17.12.) an als auch Familienvorstellungen am Nachmittag (19., 20., 22, 23., 25., 27.12.).

Die neue Kapellmeisterin Yi-Chen Lin gibt in den Vorstellungen von Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL am 11., 13., 25. und 27. Dezember ihren Einstand am Pult der Deutschen Oper Berlin. Als Hänsel sind alternierend Irene Roberts und Annika Schlicht zu erleben, als Gretel Meechot Marrero und Alexandra Hutton.

Und für alle NUSSKNACKER-Fans gibt es am 4., 12., 21. und 22. Dezember in der Reihe „Kinder tanzen“ eine gekürzte Fassung des Weihnachtsklassikers.

 

Für sämtliche Vorstellungen im November und Dezember beginnt der Vorverkauf am 5. Oktober.


11.09.2020

Erster Tag des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN >>> In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln >>> Dauer: 5 Stunden 45 Minuten (zwei Pausen) >>> Premiere am 27. September 2020 um 16.00 Uhr in der Deutschen Oper Berlin >>> weitere Vorstellungen am 1., 4., 8., 11. Oktober.

Bis heute ist DIE WALKÜRE das populärste Teilstück des RING DES NIBELUNGEN. Nicht nur, weil das bereits 1870, sechs Jahre vor Fertigstellung der Tetralogie, uraufgeführte Werk mit dem Walkürenritt die berühmteste aller Wagner-Melodien überhaupt enthält, sondern auch, weil hier Verzweiflung, Liebe und Mitgefühl als Triebkräfte menschlichen Handelns am unmittelbarsten zum Ausdruck kommen. Denn während der Vorabend des RINGS, das RHEINGOLD, den Göttern
vorbehalten ist, richtet sich der Fokus im ersten Aufzug der WALKÜRE auf zwei Menschen: das Geschwisterpaar Siegmund und Sieglinde, die in der Liebe zueinander einen Ausweg aus ihrem von Flucht, Elend und Unterdrückung geprägten Leben suchen. Ihr Tabubruch ist es, der die nur noch mühsam von den Göttern aufrecht erhaltene Ordnung in Frage stellt und auch die Titelfigur, die Walküre Brünnhilde, gegen dieses alte System Partei ergreifen lässt.

 

Mit DIE WALKÜRE beginnt nun, nach der Corona-bedingten Verschiebung von DAS RHEINGOLD auf Juni 2021, der neue RING DES NIBELUNGEN der Deutschen Oper Berlin in der Regie von Stefan Herheim und unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles. Zentral für die Herangehensweise Herheims ist der aus dem griechischen Theater übertragene Gedanke Wagners, dass die Gesellschaft durch den Akt des Spiels immer wieder zu einem neuen Konsens über ihre Werte und Ziele findet. Es sind geistig, aber auch in ganz praktischem Sinne heimatlose Menschen, die sich in seiner Sicht des RINGS auf der Bühne zusammenfinden und durch das Annehmen und Ausagieren der Rollen versuchen, ihre eigene Existenz zu verstehen. Beständig durchdringen sich die Vergegenwärtigungs- und Überwältigungskraft des Musikdramas und die Distanz der Spielsituation, das „Gemachte“ des Kunstwerks.

 

Für die Neuproduktion der WALKÜRE kann die Deutsche Oper Berlin dabei auf eine Phalanx der bedeutendsten Wagner-Interpret*innen unserer Tage zurückgreifen: Neben Nina Stemme in der Titelpartie der Brünnhilde und Lise Davidsen als Sieglinde sind unter anderem der schwedische Bassbariton John Lundgren als Wotan und der Tenor Brandon Jovanovich als Siegmund zu erleben.

 

John Lundgren, geboren und aufgewachsen in Schweden, wurde noch während seines Studiums an der Opernakademie in Kopenhagen Ensemblemitglied am dortigen Königlichen Theater. Gastengagements führten ihn u. a. an die Opernhäuser von Leipzig, Hamburg, Berlin, London, Amsterdam, Stockholm, Göteborg, Oslo, Zürich, Peking und Tokio sowie zu den Bregenzer und den Bayreuther Festspielen. Zu seinem Repertoire gehören Partien wie Jochanaan (SALOME), Jago (OTELLO), Baron Scarpia (TOSCA), Don Pizarro (FIDELIO), Tomski (PIQUE DAME), Alberich/Wotan (DER RING DES NIBELUNGEN), Telramund (LOHENGRIN), Amfortas (PARSIFAL), Barak (DIE FRAU OHNE SCHATTEN) und die Titelpartien in DER FLIEGENDE HOLLÄNDER und NABUCCO. Für Sommer 2020 war John Lundgren als Alberich für die geplante und dann abgesagte Neupro¬duktion des RING bei den Bayreuther Festspielen angekündigt. Im Frühjahr 2021 wird er Hans Sachs in DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG an der Königlichen Oper Stockholm interpretieren.

 

Es war eine der letzten großen Premieren vor der Schließung der Bühnen, in der Lise Davidsen an der Seite von Jonas Kaufmann auf der Bühne des Royal Opera House in Covent Garden, London stand: am 1. März 2020 wurde sie in der FIDELIO-Neuproduktion unter Antonio Pappano und in der Regie von Tobias Kratzer frenetisch gefeiert. Aber auch für ihre erste Wagner-Partie, Elisabeth in TANNHÄUSER, die sie an der Oper Zürich, an der Bayerischen Staatsoper und in Bayreuth sang, wurde ihr von der Presse bescheinigt, eine „Jahrhundertstimme“ zu sein. Die junge Norwegerin debütierte nach ihrem Doppelgewinn des Operalia Gesangswettbewerbs und des Königin-Sonja-Musikwettbewerbs 2015 an der Oper Frankfurt und gastiert seitdem an den großen internationalen Häusern. Im Sommer hätte sie Sieglinde in der RING-Neuproduktion bei den Bayreuther Festspielen singen sollen, ein Debüt, auf das wir uns jetzt an der Deutschen Oper Berlin freuen.

 

Der aus Billings/Montana stammende Brandon Jovanovich studierte an der Northern Arizona University und an der Manhattan School of Music. Er ist Gewinner zahlreicher Preise, darunter der Richard Tucker Award, und gastierte u. a. an der Metropolitan Opera in New York, am Royal Opera House Covent Garden in London, dem Teatro alla Scala in Mailand, der Wiener Staatsoper, der Opéra National de Paris und der San Francisco Opera. Sein Repertoire umfasst Partien wie Tambourmajor (WOZZECK), Énée (LES TROYENS), Hermann (PIQUE DAME), Prinz (RUSALKA), Sergej (LADY MACBETH VON MZENSK), Florestan (FIDELIO), Walther von Stolzing (DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG) sowie die Titelpartien in PARSIFAL und LOHENGRIN, für die er auch an der Deutschen Oper Berlin schon gefeiert wurde. Zuletzt sang er in Berlin Samson in SAMSON UND DALILA unter dem Dirigat von Daniel Barenboim.

 

Die vollständige Besetzung sowie weitere Informationen zum Werk

 

 


11.09.2020

Dokumentarisches Musiktheater >>> Mit Musik von Morton Feldman, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Franz Schubert und Richard Strauss >>> Arrangiert von Michael Wilhelmi >>> Dauer: 2 Stunde 30 Minuten (eine Pause) >>> In deutscher und englischer Sprache >>> Premiere am 2. Oktober 2020 in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin >>> weitere Vorstellungen am 3., 12., 13., 15. bis 18. Oktober 2020

Der Zustand des Waldes wird derzeit viel diskutiert: Trockenheit, Brände, Borkenkäferbefall, Diskussionen über Aufforstung und Abholzung bestimmen nicht mehr nur Fachdiskurse, sondern sind längst im Alltagsgespräch angekommen. Doch wie sieht es tatsächlich aus? Welche unterschiedlichen Positionen gibt es? Welche Rettungsstrategien werden derzeit diskutiert?

 

Diese Fragen waren Anlass für die Regisseurin Anna-Sophie Mahler und ihr Team, Gespräche mit zwei Pilzforscherinnen, einem Pflanzenneurobiologen, einem Philosophen, der zu Pflanzenbewusstsein forscht, zwei Waldhistorikern, einem Förster und einem Ökophysiologen zu führen. Erkenntnisse und Ideen aus diesen Interviews fließen nun in einen dokumentarischen Musiktheaterabend ein, bei dem das Lernen und Wissen über Kommunikationsstrukturen in der Natur auf unser von der Romantik des 19. Jahrhunderts geprägtes Wald-Ideal trifft. Liedromantik von Schumann und Schubert sowie Chorliteratur von Brahms und Mendelssohn Bartholdy kommen dabei zu Gehör.

 

Szenischer Ausgangspunkt in der Tischlerei ist dabei ein Langzeitexperiment der TU München im Experimentierforst bei Freising: Dort wird über mehrere Jahre die Auswirkung von Trockenstress auf die Wälder untersucht. Gemeinsam mit den Wissenschaftler*innen betritt das Publikum in der Tischlerei nun diese Experimentierplots, lernt über Ernährungssysteme und Kommunikationsstrukturen und nimmt dabei nach und nach die Perspektive der vermeintlich stummen Natur ein. Die Verwandlung gipfelt in der finalen Verklärung aus Richard Strauss‘ Oper DAPHNE.

 

Nach der Pause erwartet die Zuschauer*innen eine Steigerung der Perspektive: Morton Feldmans „Triadic Memories“ ist ein außergewöhnliches Stück für Klavier solo. 1981 entstanden, handelt es sich um ein Spätwerk Feldmans, das einerseits von der ihm typischen Reduktion und Offenheit lebt, andererseits einen sehr klaren Aufbau und Spannungsbogen besitzt. So können sich Kommunikationsstrukturen von Bäumen, pflanzliche Netzwerke und subkutane Verbindungen des ersten Teiles in Feldmans Musik spiegeln, aber es bleibt auch Raum für die Dystopie des toten Waldes.

 

Anna-Sophie Mahler ist sowohl im Schauspiel wie auch in der Oper zu Hause. Ihre Inszenierung von „Mittelreich“ an den Münchner Kammerspielen wurde 2016 zum Theatertreffen eingeladen, Operninszenierungen erarbeitete sie am Theater Bremen, an der Bayerischen Staatsoper oder zuletzt am Staatstheater Stuttgart, wo sie einen Mehrspartenabend zu Brecht/Weills „Todsünden“ gemeinsam mit Peaches entwickelte. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt liegt aber auch in den dokumentarischen Formen von Musiktheater.

 

Michael Wilhelmi studierte Mathematik, Philosophie und Komposition in Leipzig und Berlin. Die Verknüpfung von wissenschaftlichem und künstlerischem Schaffen lässt sich in zahlreichen seiner Arbeiten beobachten. Eine besondere Kooperation verbindet ihn mit David Marton, aber ebenso arbeitete er mit Babara Weber, Claudia Meyer, Anna-Sophie Mahler, Robert Wilson, Christoph Schlingensief und Christoph Marthaler zusammen.

 

Die vollständige Besetzung und weitere Informationen zum Werk

 


09.09.2020

Wagners DIE WALKÜRE >>> Premiere WALDESRUH in der Tischlerei >>> Lieblingsstücke live auf der großen Bühne >>> TOSCA und FALSTAFF konzertant >>> Best of CARMEN

Wir arbeiten weiter auf die Premiere von Wagners DIE WALKÜRE am 27. September hin und bieten Ihnen im Oktober vier weitere Vorstellungen der Neuproduktion an, und zwar am 1., 4., 8. und 11. Oktober. Da die Platzkapazität nach wie vor sehr begrenzt ist, bitten wir die Kolleg*innen, die nicht tagesaktuell berichten, auf eine der Folgevorstellungen auszuweichen. Ohnehin bitten wir um Verständnis, dass die Pressekarten ausschließlich den berichtenden Kolleg*innen vorbehalten sind und wir nur eine Karte (keine Begleitkarten) reservieren können. Der Vorverkauf für alle Termine beginnt am 14. September um 12 Uhr. Die Premiereneinladung mit weiteren Details senden wir Ihnen in den kommenden Tagen zu.

 

Premierenverschiebungen / neuer Termin für DAS RHEINGOLD

In Folge der weitreichenden Programmausfälle und -umstellungen durch die Covid-19-Pandemie können wir Ihnen schon heute mitteilen, dass die Premiere von Verdis SIMON BOCCANEGRA, die für den 22. November 2020 angekündigt war, auf die Saison 2022/23 verschoben wird. Und die für Mitte Juni 2020 geplante und dann abgesagte Premiere von DAS RHEINGOLD als Auftakt zum neuen RING unter künstlerischer Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Regisseur Stefan Herheim soll am 12. Juni 2021 nachgeholt werden. Die ursprünglich für den Tag angekündigte Premiere von FIDELIO wird ebenfalls in die Saison 2022/23 verschoben.

 

Premiere WALDESRUH. Ein Zeltlager ohne Bäume – mit Morton Feldman am 2. Oktober in der Tischlerei

Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler entwickelt Produktionen häufig in erweiterten Teams mit Künstler*innen und Wissenschaftler*innen. Für WALDESRUH wird das so generierte Recherchematerial verwoben mit Chorliteratur der Romantik, Waldliedern und Neukompositionen von Michael Wilhelmi. Es entsteht ein musikalisches Dokumentartheater über den Wald, das in einer Aufführung von Morton Feldmans „Triadic memories" gipfelt. Die Premiere findet am 2. Oktober statt, weitere Vorstellungen am 3., 12., 13., 15. bis 18. Oktober.

 

Lieblingsstücke live I und II am 9. / 24. (I) bzw. 10. / 22. Oktober (II)

Die „Lieblingsstücke" waren die Antwort des Ensembles der Deutschen Oper Berlin auf Corona, um mit dem Publikum auch weiterhin das Erlebnis des Gesangs teilen zu können. Jetzt gibt es die erfolgreiche digitale Serie live auf der großen Bühne: Zur Klavierbegleitung präsentieren die Sängerinnen und Sänger zwei Programme mit Ausschnitten aus großen Opern von Mozart bis Strawinskij.

 

TOSCA (23. Oktober) und FALSTAFF (30. / 31. Oktober) konzertant

Die an den großen Häusern in London, New York, Wien, Mailand und München gefragte Sopranistin Malin Byström gibt ihr Hausdebüt als Floria Tosca, wenn auch leider nicht szenisch wie geplant, sondern in einer konzertanten Fassung. Die Oper erklingt unter dem Dirigat von Nicholas Milton ohne Kürzungen, mit Fabio Sartori und Roman Burdenko an ihrer Seite, die Chöre werden von der Hinterbühne aus übertragen.

 

Der junge georgische Bass Misha Kiria hat im Haus an der Bismarckstraße das Publikum schon als Bartolo, als Don Alfonso und als melancholisch-komischer Lord Sidney in IL VIAGGIO A REIMS hinzureißen gewusst. Jetzt freuen wir uns auf seine Verkörperung des Falstaff, dem er als Dreh- und Angelpunkt der verwirrenden Kleinstadt-Posse selbst in der konzertanten Fassung unter Leitung von Ivan Repušić Überzeugungskraft verleihen wird. An seiner Seite sind Thomas Lehman (Ford), Annette Dasch (Alice Ford), Annika Schlicht (Mrs. Quickly) u. a. zu erleben.

 

Best of CARMEN am 25. Oktober
Mit der russischen Mezzosopranistin Aigul Akhmetshina präsentieren wir Ihnen in der Titelpartie eine außerordentlich interessante Newcomerin, die im Haus an der Bismarckstraße bereits an der Seite von Anna Netrebko in ADRIANA LECOUVREUR zu erleben war. Im Rahmen des Konzerts erklingen Arien und Ensembles aus Bizets Meisterwerk.

Das vollständige Oktober-Programm entnehmen Sie bitte unserer Website,

 

 

 


02.09.2020

OPUS-KLASSIK, der deutsche Klassikpreis, geht in zwei Kategorien an Künstler/Werke der Deutschen Oper Berlin

Wir freuen uns, dass Detlev Glanert für seine Oper OCEANE in der Kategorie „Komponist des Jahres“ des OPUS KLASSIK ausgezeichnet wird. Die Auftragskomposition der Deutschen Oper Berlin wurde am 28. April 2019 unter musikalischer Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles uraufgeführt, die Titelpartie interpretierte Maria Bengtsson. Die Aufführung liegt auch als CD in einer von der Deutschen Oper Berlin und dem Label Oehms Classics produzierten Aufnahme vor.

 

In der Kategorie „Operneinspielung 20./21. Jahrhundert“ wird die von der Deutschen Oper Berlin und dem Label Naxos produzierte DVD-Aufnahme von Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE unter musikalischer Leitung von Marc Albrecht als beste Einspielung des Jahres ausgezeichnet. Die Produktion hatte am 18. März 2018 in der Regie von Christof Loy und mit der brillanten Sara Jakubiak in der Titelpartie Premiere. Die nächsten Vorstellungen an der Deutschen Oper Berlin stehen für Mai und Juni 2021 auf dem Programm.

 

Die Preisverleihungen finden am 18. Oktober 2020 im Konzerthaus Berlin statt.
Wir gratulieren den Preisträgern herzlich!


26.08.2020

Ludwig van Beethoven / Yom: BABY DOLL. Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie >>> 7. Sinfonie in A-Dur op. 92 Musikalische Zwischenspiele von Yom >>> Dauer: 1 Stunde 50 Minuten (keine Pause) >>> Uraufführung am 4. September 2020 um 19.30 Uhr in der Deutschen Oper Berlin >>> weitere Vorstellungen am 6. (15.00 und 19.30 Uhr) und 7. September (19.30 Uhr) >>> Ausführender Produzent: Orchestre de chambre de Paris, Koproduzenten: Philharmonie de Paris, Cité Musicale – Metz, Auditorium – Orchestre national de Lyon, Opéra Orchestre national Montpellier Occitanie, Opéra de Rouen Normandie, Fondation Calouste-Gulbenkian de Lisbonne

Am 13. März hätte die neue Arbeit der Pariser Regisseurin, Filmemacherin und für den Faust-Preis Nominierten Marie-Ève Signeyrole in der französischen Stadt Metz herauskommen sollen – dem Tag, als alle Theater in Frankreich geschlossen wurden. Nun erlebt BABY DOLL an der Deutschen Oper Berlin am 4. September seine Uraufführung: ein interdisziplinäres Konzert-Projekt, in dem deutsche Sinfonik auf jiddische Klezmer-Musik trifft, Stimmen von nach Europa geflüchteten Frauen mit Tanz und Video¬einspielungen kommunizieren. BABY DOLL. Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie ist ein Abend zwischen Sinfoniekonzert und Klezmer-Session, zwischen Tanz, Dokumentartheater und Video-Installation mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, dem Klezmer-Komponisten Yom (= Guillaume Humery) und weiteren Gästen unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles.

 

Die aktuelle Besetzung und alle weiteren Infos zum Stück finden Sie >>> hier

 

Auszug aus einem Interview von Dorothea Marcus mit Marie-Ève Signeyrole für die
Deutsche Oper Berlin:

DM: Marie-Ève Signeyrole, was verbindet Beethovens 7. Sinfonie mit dem zeitgenössischen Thema von Flucht und Migration? Politisch aufgeladen wurde sie ja schon nach der Entstehung 1812, sie wurde als „Sinfonie gegen Napoleon“ interpretiert, eine Art Siegesfeier über ihn. Hat das für Sie eine Rolle gespielt?
MES: Nicht, was konkrete Anspielungen auf Napoleon betrifft. Aber der Geist des Krieges ist für mich in der 7. Sinfonie sehr präsent. Ich denke beim Hören an Menschenjagden, an brennende Städte unter Bomben. Ich verstehe unsere Arbeit in BABY DOLL aber nicht als politischen Kommentar, sondern eher als ein lebendiges Werkzeug, um das Bewusstsein zu erhellen. Nicht, um beim Publikum Mitleid zu erzeugen, sondern um mit ihm die Perspektive von Menschen zu teilen, die internationale Konflikte buchstäblich am eigenen Körper austragen. Ich will, auch im Geist von Beethovens Humanismus, ein Licht auf die Reise von Migranten nach Europa werfen, eine gemein¬same Emotion auslösen. Leider kann man da nicht im Geringsten von „Sieg“ oder „Siegesfeier“ sprechen. Es ist vor allem ein harter Kampf: sowohl das konkrete Land als auch das kollektive Bewusstsein des Europäers überhaupt zu erreichen.

 

DM: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Klezmer-Musiker Yom? Wie verliefen die Proben?
MES: Die Zusammenarbeit mit ihm war das pure Glück. Eine innere Notwendigkeit. Seine Musik spricht von Wanderungen, Nomadentum, Entwurzelung. Im Dialog mit Beethoven ergeben sich Harmonien, aber auch Missklänge. Die Idee war, ein Kunstwerk zu schaffen, das im Namen aller Verschwundenen spricht, deren Namen wir nie erfahren werden. Die Musik trägt die Idee von zwei Kontinenten in sich, die miteinander reden, kämpfen, sich versöhnen, verraten. Zu Beginn hatte ich bereits die Struktur der Arbeit geschrieben, Yom ergänzte das mit musikalischen Vorschlägen, und so bauten wir in eine Art Pingpong-Spiel gemeinsam den musikalischen Rahmen, bis wir in der dritten Phase mit sehr sensiblen Musikern live während der Proben improvisierten. Es ist eine lebendige und organische Struktur geworden, jede Vorstellung klingt anders. Ich kannte Yom durch seine Alben und auch, weil er wie ich in verschiedenen Stilen arbeitet: Klezmer, Elektro, Klassik und Zeitgenös-sisches… und wie ich liebt er, daraus neue Welten zu schaffen und Linien zu suchen, die Musik und Spiritualität vereinen.

 

DM: Warum haben Sie den Titel BABY DOLL gewählt für ein Stück, dass Flucht thematisiert?
MES: Ich wollte einen Titel, der mit dem Thema Migration spielt, aber nicht mit dem Wort. Der Begriff BABY DOLL ruft viele Assoziationen auf, etwa an den Skandalfilm von Elia Kazan aus dem Jahr 1956 – die Geschichte eines jungen Mädchens, das von einem alten Mann verführt wird. Es ist eine Referenz an die vielen sehr jungen Frauen, die die Flucht nach Europa auf sich nehmen. Baby Doll ist eine Puppe, oft sind die Flüchtenden so jung, dass sie noch ihre Puppen mitnehmen könnten. Babydoll heißt auch das Nachthemd, das sie benutzen, um glauben zu lassen, dass sie schwanger sind, um auf der Reise nicht vergewaltigt zu werden, oder auch das Kind, das während der Reise geboren oder im Bauch getragen wird. 20 Prozent der geflüchteten Frauen sind oder werden schwanger auf der Flucht. Es ist ein Wort, das Leichtigkeit suggeriert, aber in Wirklichkeit Abgründe hat – und einen ironisch-zynischen Beiklang.


18.06.2020

Anders als geplant, aber mit 17 Vorstellungen >>> Open Air und konzertant auf der großen Bühne sowie der Premiere BABY DOLL. Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie

Wir sind froh, unserem Publikum nach den langen opernlosen Wochen seit dem 12. Juni sechs Vorstellungen eines halbszenischen RHEINGOLD auf dem Parkdeck bieten zu können, bevor am 30. Juni die Sommerpause beginnt. Und da zu vermuten ist, dass die Abstandsgebote und Vorsichtsmaßnahmen uns auch zu Beginn der neuen Saison begleiten, haben wir – einstweilen für die Wochen vom 21. August bis 26. September – einen neuen Spielplan erstellt, der diesen Bedingungen Rechnung trägt. Über die Realisierung der für den Fortgang der Saison geplanten Produktionen informieren wir Sie ab Mitte August, wenn der dann gesteckte Rahmen sich klarer abzeichnet.

 

Die Vorstellungen im August finden auf dem Parkdeck, also unter freiem Himmel statt. In die Saison starten wir am 21. August mit drei weiteren Vorstellungen des RHEINGOLD in der von Jonathan Dove für 22 Musiker orchestrierten und gekürzten Fassung der Birmingham Opera Company. Weiter geht es dann mit zwei Jazz-Produktionen der BigBand der Deutschen Oper Berlin für Erwachsene und für Kinder: Am 25. und 26. August laden die Musiker*innen zu einer großen Duke-Ellington-Hommage ein, die von Rezitationen durch Schauspieler Maximilian Held ergänzt wird. Für Kinder entsteht eine neue Fassung von Rudyard Kiplings Dschungelbuch, gelesen von Christian Brückner und mit Musik von Martin Auer, zu erleben am 29. und 30. August.

 

Im September bieten wir konzertante, gekürzte Aufführungen von Repertoirewerken sowie die Premiere einer Inszenierung der französischen Regisseurin Marie-Ève Signeyrole, die Beethovens 7. Symphonie zum Ausgangspunkt eines grenzüberschreitenden Konzert-Projekts gemacht hat: Deutsche Sinfonik und jiddische Klezmer-Musik begegnen sich, und aktuelle Berichte von nach Europa geflüchteten Frauen treffen auf Beethovens Anspruch eines weltumspannenden Humanismus. BABY DOLL. Eine Flucht mit Beethovens 7. Sinfonie ist ein Abend zwischen Sinfoniekonzert und Klezmer-Session, zwischen Tanz, Dokumentartheater und Video-Installation mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, dem Klezmer-Komponisten Yom und weiteren Gästen unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles. Die Produktion entstand unter Federführung des Orchestre de Chambre de Paris und wurde für die Cité Musicale Metz premierenreif geprobt, bis der Lockdown Mitte März die Uraufführung vereitelte.

 

Weiter geht es am 12. und 13. September mit einer Verdi-Gala, in der Auszüge aus MACBETH und NABUCCO konzertant präsentiert werden. Mehr als die Hälfte seiner Opern schrieb Giuseppe Verdi in dem Jahrzehnt zwischen 1840 und 1850. Die Gegenüberstellung seiner beiden bekanntesten Werke aus dieser Zeit, die im Zentrum der Verdi-Gala stehen, zeigt auf faszinierende Weise die Entwicklung von Verdis musikdramatischer Charakterisierungskunst, gerade weil die Hauptpartien in NABUCCO und MACBETH für ganz ähnliche Stimmen geschrieben sind: Sind die beiden Titelrollen die ersten großen Beispiele für den Verdi-Bariton, stellen die Abigaille im NABUCCO und die Lady Macbeth mit ihrem unbedingten Machtwillen dämonische Gegenbilder zu den zarten, hilflosen Sopranfrauen der romantischen Oper dar. Im Gala-Konzert werden diese charismatischen Bühnenfiguren von zwei Ausnahmesängern gestaltet: Der junge mongolische Bariton Amartuvshin Enkhbat feierte bei seinem Debüt an der Deutschen Oper Berlin in der Titelpartie des NABUCCO einen triumphalen Erfolg, die spanische Sopranistin Saioa Hernández hat sich seit ihrem Debüt an der Mailänder Scala 2018 mit der Odabella in ATTILA weltweit als Interpretin der großen dramatischen Verdi-Partien profiliert. Ihnen zur Seite stehen Irene Roberts, Marko Mimica, Patrick Cook und das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Roberto Rizzi Brignoli.

 

Am 19. und 20. September laden wir zu einem Best of AIDA unter musikalischer Leitung von Giampaolo Bisanti ein. Dass Verdis AIDA eine der meistgespielten Opern ist, hat nicht nur mit dem legendären Triumphmarsch zu tun, sondern auch mit Arien wie „O patria mia“, „Celeste Aida“ oder dem Schlussduett „O terra addio“. Als Aida ist die junge russische Sopranistin Elena Stikhina zu erleben, die als Preisträgerin des Operalia-Wettbewerbs für Aufsehen sorgte und in kürzester Zeit die großen Bühnen weltweit eroberte. Judit Kutasi begeisterte mit ihrer Amneris u.a. schon in der Arena di Verona und ist eine der gefragten Erdas (DAS RHEINGOLD) sowie Lauras (LA GIOCONDA), so auch an der Deutschen Oper Berlin. Und Jorge de León, häufiger Gast im Haus an der Bismarckstraße, leiht seinen tenoralen Glanz dem ägyptischen Feldherrn Radames.

 

Mit LA GIOCONDA schrieb Amilcare Ponchielli Musikgeschichte: Das Werk erzählt von einer Sängerin, genannt „La Gioconda“, „die Heitere“, die sich opfert, um dem von ihr unglücklich geliebten Enzo ein neues Leben mit einer bereits verheirateten Frau zu ermöglichen – Laura, der Frau des venezianischen Politikers Alvise Badoero. Es ist zentrales Meisterwerk der italienischen Oper zwischen Verdi und Puccini, zwischen Melodramma und Verismo, melodiensatt und zugleich dramatisch zupackend. Und es ist jene Oper, deren populärste Nummer mit dem „Tanz der Stunden“ ausgerechnet die Ballettmusik des dritten Aktes ist. Diese erklingt in der konzertanten Aufführung Best of LA GIOCONDA am 25. und 26. September neben weiteren Ausschnitten, darunter etwa Giocondas Arie „Suicidio!“ oder Enzos „Mare e ciel“. Als Enzo wird mit Joseph Calleja einer der gefragtesten Tenöre unserer Zeit zu erleben sein. An seiner Seite steht mit dem Bariton Roman Burdenko als sein intriganter Gegenspieler Barnaba ein ebenfalls regelmäßiger Gast im Haus an der Bismarckstraße – neben zwei jungen Sängerinnen, die zu den aufstrebenden Stars der Opernwelt zählen: Judit Kutasi als Laura sowie in der Titelpartie die jungen russische Sopranistin Irina Churilova. Es spielt das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Ivan Repušić, als Moderator führt Jörg Schörner durch den Abend.

 

Da die behördlichen Bestimmungen entsprechend des aktuellen Infektionsgeschehens in Bewegung sind, starten wir am 22. Juni zunächst mit dem Vorverkauf für den Monat August, der Vorverkauf für September beginnt am 17. August.

 

Vom 30. Juni bis 12. August befindet sich die Deutsche Oper Berlin in Ferien – selbstverständlich melden wir uns dann kurzfristig mit aktuellen Informationen und hoffen sehr, Sie und unser Publikum zu einem wieder umfänglicheren Vorstellungsangebot bei steigender Platzkapazität begrüßen zu dürfen!

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Sommer


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