Raubtiere der Macht - Deutsche Oper Berlin

Raubtiere der Macht

Mit GIULIO CESARE IN EGITTO brachte Händel eine populäre Geschichte auf die Bühne – und erzielte seinen größten Opernerfolg. Chefdramaturg Jörg Königsdorf über den Welthit der Barockoper

Schon die ersten Worte, die der Titelheld von Händels spektakulärster Oper auf der Bühne spricht, machen klar, was gespielt wird. »Cäsar kam, sah und siegte«, verkündet der Titelheld den soeben eroberten Ägyptern, nachdem sie ihn pflichtschuldig jubelnd begrüßt haben. GIULIO CESARE erzählt keine verwickelte Geschichte, bei der man dauernd vergisst, wer in wen verliebt ist. Stattdessen erleben wir eine Story, die wir aus dem Geschichtsunterricht, dem Kino oder aus »Asterix in Ägypten« kennen.

Das »veni, vidi, vici« verspricht Faktentreue, die Händel und sein Librettist Nicola Haym insoweit einlösen, als alle wesentlichen Figuren historisch verbürgt sind. Anders als bei Händel-Opern wie TOLOMEO, FLAVIO und RADAMISTO kennen wir den Grundriss und so besteht ein Teil des Vergnügens darin, Händels Version der Liebesgeschichte zwischen dem römischen Feldherrn und der Pharaonin mit den Bildern abzugleichen, die im Gedächtnis sind.

GIULIO CESARE ist Händels beliebteste Oper und ein Türöffner für Barockoper. Das Stück verschmilzt die Qualitäten, die sich Händel im Lauf seiner Lehrjahre angeeignet hatte, zu einer großen Show: die Spielfreude der deutschen Barockoper, wie sie am Hamburger Gänsemarkt gepflegt wurde, die heroische Gefühlstiefe der italienischen Oper und die praktischen Anforderungen des Londoner Opernmarkts, wo italienische Oper eine kostbare Distinktion für die Oberschicht war, die gerne Gesangsstars und eingängige Arien hörte, aber möglichst wenig langatmige Rezitative in einer Sprache, die sie ohnehin kaum verstand.

Nirgendwo ist Händel so sehr Theatermann wie hier: GIULIO CESARE zieht alle Register orchestraler Klangmöglichkeiten. Vom unsichtbaren Bühnenorchester über effektvolle Solopassagen bis hin zu Spezialinstrumenten für besondere Klangeffekte. In keiner anderen Oper mutet er dem Publikum so grelle Stimmungsumschwünge zu. Schon in der Eingangsszene erlauben sich Händel und Haym einen radikalen Coup: Kaum hat Caesar den Boden Ägyptens betreten, bekommt er als Empfangsgeschenk den abgeschlagenen Kopf seines Rivalen Pompeius präsentiert. Die Feststimmung ist im Eimer. Wo eben noch der glänzende Sieger gefeiert wurde, wird schlagartig bewusst, was die Besiegten zu erwarten haben.

Sesto wird von der Erinnerung an die Ermordung seines Vaters Pompeius verfolgt. Aber bei seiner Rache ist der Teenager auf sich allein gestellt © Tristram Kenton
 

Der Moment ist die Schlüsselszene, hier entwickeln sich zwei parallele Erzählungen, die im Verlauf der Oper wie im Film immer wieder gegeneinander geschnitten werden: Die Lovestory von Caesar und Cleopatra und die Geschichte vom Überlebenskampf, den Pompeius’ Witwe Cornelia und ihr Sohn Sesto führen. Und während der Flirt zwischen Römer und Ägypterin sich im Verlauf der Oper zur echten Liebe auswächst, erleben Cornelia und Sesto, was es heißt, hilflos den Gelüsten der Mächtigen ausgesetzt zu sein.

GIULIO CESARE erzählt von der hellen und der dunklen Seite der Macht, packend und wahrhaftig, wenn sich die beiden Sphären immer wieder annähern. Das Tragische besitzt oft auch einen tragikomischen Zug, etwa wenn Sesto zwar koloraturreiche Rachearien abfeuert, ihm aber nur die unzulänglichen Kräfte eines Teenagers zur Verfügung stehen.

Aber auch die Mächtigen sehen sich plötzlich in existenzgefährdenden Situationen und müssen erleben, dass auch ihr Schicksal sich jeden Moment wenden kann. Wie in einem Thriller führen Händel und Haym ihre beiden Helden bis knapp an den Abgrund, um ihren schlussendlichen Sieg umso erleichternder und glanzvoller zu gestalten – aber auch, um beiden die Möglichkeit zu geben, zu tragödientauglichen Figuren heranzuwachsen. Die Arie, in der Cleopatra den totgeglaubten Caesar und ihr Schicksal beklagt, markiert den emotionalen Gravitationspunkt des Abends. Sie demonstriert zugleich den atemberaubenden menschlichen Reifeprozess, den diese Frau im Verlauf von insgesamt acht Arien durchmacht.

Zur Wahrheit der Geschichte gehört aber auch, dass sich am Ende von GIULIO CESARE, anders als in den allermeisten Barockopern, eben nicht alle wieder vertragen und zum Schlusschor die Hände reichen. Stattdessen feiern die Sieger mit allem Prunk, den die Barockoper zu bieten hat. Und wie zu Beginn bleiben die Unterlegenen tot auf der Strecke. »Vae victis«, wehe den Besiegten, hätte Caesar wohl dazu gesagt.

 

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