Sie spielen mit dem Ende - Deutsche Oper Berlin

Sie spielen mit dem Ende

Der Castingaufruf klang spannend. Man solle alt sein, mindestens 65 Jahre. Mit Nacktheit dürfe man keine Probleme haben. Fünf Freunde erzählen von ihrer Erfahrung im Tischlereiprojekt ENDLICH

Edel Eine Freundin schickte mir den Link zum Casting. Ich fand es spannend, habe mich beworben, wollte schauen, wie weit ich überhaupt komme. Es gehe um eine experimentelle Oper über Altern und Sterben, man dürfe kein Problem haben, nackt auf der Bühne zu sein. Das nahm ich erst mal nicht so ernst. Eberhard In meinem Alter sollte ich mit Nacktheit kein Problem mehr haben. Mich hat das Experimentelle gereizt. Als Kind auf dem Dorf und als Jugendlicher in der Kleinstadt stand ich in der Schule oft auf Bühnen. Ich kann ich noch heute an das intensive Gefühl erinnern, Theater zu spielen. Und jetzt interessieren mich meine ersten Jahrzehnte wieder besonders.

Alexander Als wir uns das erste Mal trafen, lernten wir die Musik kennen, auch das Bühnenbild war fertig konzipiert. Jürgen Es gleicht einem Spinnennetz, das sich über dem Raum aufspannt. Darin stehen drei Nornen auf hohen Stelen, sie weben, halten Seile – trennen sie plötzlich durch, worauf Lehmklumpen zu Boden fallen. VAL Man versteht alles intuitiv. Lehm, Gewebe, Nornen, Mythologie, das Archaische, alles ist miteinander verwoben. Ich sehe mich ein Leben lang als Fee oder Vampir. Beim ersten Treffen entstand große Spielfreude, wir probierten alles aus. Alexander Die Regisseurin Franziska Angerer fragte, was wir als Kinder gespielt haben. Nun gibt es eine Szene, wo wir »Reise nach Jerusalem« spielen. Schon komisch, wenn ein paar alte Leute wie Kinder spielen, verlangsamt – und sich dann auch noch mit Lehm beschmieren – bei den Proben in Badekleidung, später dann nackt.

VAL Ich bin Künstlerin, Fashionmodel, zeitgenössische Tänzerin, habe dreißig Jahre lang Aktmodell gestanden. Ich finde es wichtig, dass man das Alter sieht, das Prozesshafte sichtbar macht. Unser aller Physis ist der Erdanziehungskraft unterworfen, darum geht es: die Darstellung des Lebenszyklus. Jürgen Zu Beginn ist jeder bei sich, zusammengekauert in der Hocke oder eingerollt wie ein Embryo. Wir erspüren, was uns umgibt, gehen allmählich nach außen, entdecken die anderen. Das Nacktsein gehört dazu. Edel Dabei bewegt sich jeder auf seine Art, folgt der eigenen Lebensmelodie. Alexander Franziska fragte uns nach einem Lieblingslied, eines, das uns wichtig sei. Meins ist »Chelsea Hotel« von Leonard Cohen. Edel Meins ist von Hildegard Knef, »Für mich soll’s rote Rosen regnen«. Ich mag die Haltung: alles oder nichts. Jürgen »Stand by Me«, mein Song, bedeutet für mich: Ich kann bestehen, egal was über mich hereinbricht, weil ich mich an jemanden wende und mich getragen fühle.

Alexander Zum Ende werden unsere Bewegungen langsamer, brüchiger, passend zum Altern. Edel Sobald ein Lehmbatzen zu Boden fällt, verändert sich die Situation für einen von uns. Eberhard Man setzt sich hin, wird von den anderen mit Lehm eingebaut, kehrt zur Erde zurück, wird zum Monument, der Kreis schließt sich. Ich denke als Achtzigjähriger eh viel mehr über den Tod nach als noch mit Siebzig. Ich war vor nicht langer Zeit meinem Bruder in seiner letzten Lebensphase sehr nahe, man entkommt nicht der Auseinandersetzung. Aus der Nähe zu erleben, wie ein junges, kreatives Team ein ernsthaftes künstlerisches Experiment zum Thema der Endlichkeit stemmt, ist für uns »Senioren« eine Freude. Der Gesang ist ergreifend, mal dramatisch, mal abgeklärt, mal sehnsüchtig. Es gibt so viele Variationen und extreme Stimmungslagen in dieser Musik. Das hört nicht auf, zu berühren.

Edel Ich muss sagen, ich habe furchtbare Angst vor dem Tod. Ich denke, dass ich dann einsam bin, für immer allein in der dunklen Erde. Ich weiß, dass ist kindliches Denken, aber so ist es nun mal. Zum Thema Nacktheit: Ich habe beschlossen, mich dem anzunähern, Kleidungstück für Kleidungsstück. Wenn nackt auf einer Bühne, dann mit diesen Leuten! VAL Ich habe keine Angst vor dem Tod, mir gefällt die Idee, wieder eins mit dem großen Ganzen zu werden. Nur vor dem Siechtum fürchte ich mich, mir ist Selbstbestimmtheit wichtig, inklusive der Patientenverfügung. Die muss ich jetzt endlich mal aufsetzen.

Jürgen Ich wünschte, ich könnte das alt werden und das Sterben so erleben wie die Umkehr einer Geburt. George Tabori sagte mal: »Ich möchte sterben, wie ich geboren werde, nur umgekehrt, in einer Rose.« Aufblühen und vergehen: Wie schön, dass wir uns das erspielen. Edel Geht mir genauso. Eberhard Mir auch. Alexander Ich genieße die Arbeit sehr, sie ist aufregend und schön. Ich inhaliere die Theaterluft in vollen Zügen. VAL So geht es mir auch. Wir spielen. Und solange wir spielen, sind wir da.

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