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Le Prophète

Giacomo Meyerbeer (1791 – 1864)
Sa 29.02.2020 - 18:00 Uhr
D-Preise: € 136,– / € 100,– / € 72,– / € 44,– / € 26,–

Abo: SWAD, Als Abonnent genießen Sie ab 21. März 2019 ein Vorkaufsrecht bis zum Beginn des allgemeinen Vorverkaufs am 29. April 2019.

Informationen zum Werk

[Der Prophet]
Grand Opéra in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer
Libretto von Eugène Scribe und Émile Deschamps
Uraufführung am 16. April 1849 an der Opéra national de Paris
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 26. November 2017

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

ca. 4 Stunden 30 Minuten / Zwei Pausen

Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts

Besetzung

Musikalische Leitung

Enrique Mazzola

Inszenierung

Olivier Py

Bühne, Kostüme

Pierre-André Weitz

Chöre

Jeremy Bines

Jean de Leyde

Gregory Kunde

Zacharie

Derek Welton

Mathisen

Thomas Lehman

Graf Oberthal

Seth Carico

1. Bäuerin

Jacquelyn Stucker

2. Bäuerin

Anna Buslidze

1. Bauer / 1. Wiedertäufer / 1. Bürger / Soldat

Ya-Chung Huang

2. Bauer / 2. Wiedertäufer

Byung Gil Kim

2. Bürger / Offizier

Michael Kim

4. Bürger

Timothy Newton

Zum Inhalt

„In dieser Zeit sah ich denn auch zum ersten Male den Propheten – den Propheten der neuen Welt: ich fühlte mich glücklich und erhoben, ließ alle wühlerischen Pläne fahren, die mir so gottlos erschienen, da doch das reine, edle, hochheilig Wahre und göttlich Menschliche schon so unmittelbar und warm in der seligen Gegenwart lebt.“ – So Richard Wagner in einem Brief aus dem Jahre 1850 über einen Vorstellungsbesuch von Meyerbeers „Le Prophète“ in der Pariser Opéra. Ein Jahr nach der Uraufführung begeisterte das Werk dort bereits in der 47. Vorstellung das Publikum. Die ironisch-übertriebene Lobeshymne verbirgt höchst unzulänglich eine für den ambitionierten Aufsteiger Wagner schwer zu verdauende Einsicht: dass um den Großmeister der Grand Opéra, Giacomo Meyerbeer, und dessen Werk so schnell nicht herumzukommen sei – vor allem nicht in der damaligen Hauptstadt der Oper, Paris.

Meyerbeer, dies lässt sich ohne Übertreibung sagen, war der erfolgreichste Opernkomponist seiner Generation. Lange bevor Wagners Musikdrama – das dem Einfluss Meyerbeers mehr verdankt, als der Meister je zuzugeben bereit war – auf dem Grünen Hügel eine eigene Pilgerstätte fand, feierte der Weltstar aus Berlin in Paris und überall scheinbar nicht mehr zu überbietende Erfolge. Als paradigmatisches Kunstwerk der Zukunft galt der französischen Kunstkritik nicht „Parsifal“, sondern „Le Prophète“. Dem Publikum wiederum erschien das Werk – zumal in Frankreich – als Spiegel der eigenen revolutionsgeschüttelten Epoche.

Meyerbeers Grand Opéra über den historischen Wiedertäuferkönig Jean de Leyde ist sorgfältig durchdachtes Ideentheater und massenpsychologisch geschultes Historienpanorama in Einem: die Geschichte einer politischen Radikalisierung als privater und öffentlicher Katastrophe. Als der despotische Graf Oberthal dem einfachen Gastwirt die Verlobte raubt, schließt Jean sich der protestantischen Sekte der Anabaptisten an. Als ihr Prophet soll er den Wiedertäufern die Massen zuführen. Doch Machtrausch und Maßlosigkeit untergraben die gesellschaftliche Utopie. „Wollt ihr die Herren eurer Herren sein?“ – mit dieser Frage stacheln die Wiedertäufer bereits zu Beginn der Oper die Landbevölkerung auf: nicht die klassenlose Gesellschaft, nicht Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sondern eben bloß eine Umkehrung der Machtverhältnisse treibt diese Herzen um. Macht – dies die Erkenntnis von Meyerbeers Opernschaffen – korrumpiert. Einzige Stimme der Vernunft sind die Frauen, die – wir sind im 19. Jahrhundert – Unpolitischen, Machtlosen dieser Welt; allen voran Jeans Mutter Fidès, die den betörten Sohn zur Umkehr ermahnt und absolute Vergebung bietet.


Daneben gibt es einiges anzuschauen: Der erste elektrische Lichteffekt in der Geschichte der Oper, die sogenannte „Prophetensonne“, eine aufwändige Tanznummer „auf dem Eis“ mit zu Schlittschuhen verkleideten Rollschuhen oder die spektakulären Bühnenbauten inklusive einstürzendem Palast erinnern geradezu an moderne Blockbuster. Dazu kommen anspruchsvolle Chorszenen, eine Spieldauer von viereinhalb Stunden ... Insofern dürfte es nicht nur Wagners Stänkereien geschuldet sein, dass Meyerbeers aufwändige „Große Opern“ in späteren Zeiten aus den Spielplänen verschwanden. Schade drum! Auch um die vielseitige Musik: ländliche Pastoralen, unheilschwangere Choräle, spektakuläre Finali, italienische Belcanto-Koloraturen und französische Deklamation – Meyerbeers transeuropäisches Handwerkszeug kennt keine Grenzen. Und eines sind seine Opern allemal: große Gesangsmusik, die er seinen Interpreten minutiös auf die Stimmen schrieb.


Am Pult der Bismarckstraße steht ein weiteres Mal Enrique Mazzola. Zusammen mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin verhalf der Künstlerische Leiter des Orchestre National d'Ile de France bereits Meyerbeers „Dinorah“ und „Vasco da Gama“ zu gefeierten Aufführungen. Regie führte der französische Schauspieler, Regisseur, Intendant und Autor Olivier Py, der für sein politisches Engagement ebenso bekannt ist wie für seine suggestive, anspielungsreiche Bildersprache.

Unterstützer

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.