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Dead Centre: Unser Seelenort … Das Irish Museum of Modern Art in Dublin - Deutsche Oper Berlin

Aus Libretto #9 (2023)

Dead Centre: Unser Seelenort … Das Irish Museum of Modern Art in Dublin

In der Parkanlage rund um ein Dubliner Museum denken Bush Moukarzel und Ben Kidd über das Verhältnis von Wahrnehmung und Wirklichkeit nach – für die Regisseure eine der zentralen Fragen bei IL TEOREMA DI PASOLINI

Unser Seelenort ist das Irish Museum of Modern Art in Dublin. Es liegt im Stadtteil Kilmainham im Südwesten der Stadt, ein wenig abseits des touristischen Zentrums. Wir wohnen zufälligerweise beide direkt um die Ecke, nur ein paar Minuten entfernt die Straße herunter, das Museum ist für uns so etwas wie eine Nachbarschaftsinstitution. Das Gebäude selbst ist von einer großen Parkanlage umgeben und wirkt schon von Ferne imposant, wenn man sich ihm auf einer der langen Alleen nähert – ein ganz früher klassizistischer Bau aus dem 17. Jahrhundert, in dem einst das Royal Hospital Kilmainham untergebracht war. Es wurde als Pflegeheim für versehrte und invalide Soldaten erbaut, steht also wie vieles in Irland in einer militärischen Tradition. Mit seinen vier Flügeln und den grauen Steinmauern, die einen großen Innenhof umschließen, wirkt es an einem typischen Dubliner Morgen mit wolkenverhangenem Himmel fast ein wenig düster. Auch wenn wir uns hier abseits der großen Touristenströme befinden, gehört das Bauwerk zu einer der bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt, täglich bringen Reisebusse Besucher heran.

Moukarzel (links) und Kidd (rechts) im Innenhof des ehemaligen Militärkrankenhauses. Wo einst bis zu 2500 Patienten untergebracht waren, finden heute unter anderem große Pop-Konzerte statt © Ste Murray
Foto:
 

Für uns ist es jedoch einfach das Museum um die Ecke mit seinem weitläufigen Park. Wir kommen selten hierher, um eine bestimmte Ausstellung zu sehen, es geht uns bei unserem Seelenort nicht primär um die Rezeption von Kunstwerken. Es ist der Ort an sich, der Park mit dem angeschlossenen Barockgarten und den geradegezogenen Schotterwegen, die auf die grauen Steinmauern des ehemaligen Militärkrankenhauses zuführen, an dem wir zur Ruhe kommen, durchatmen können. Es ist ein friedlicher Ort mitten in der Stadt und es ist einer der wenigen, der noch in seinen ursprünglichen Grundstücksgrenzen existiert. Wenn man das Gelände betritt, fällt es einem daher leicht, sich in eine Zeit zu versetzen, in der hier auf dem Rasen Patienten entlangschritten, eine Zeit in der »Luft schnappen« noch als medizinische Maßnahme galt.

Bush geht hier jeden Morgen mit seinem Hund spazieren, oft telefonieren wir währenddessen und besprechen den Schlachtplan für den Tag. Doch auch wenn wir nur umherlaufen, als sei dies ein gewöhnlicher Stadtpark, gibt es uns ein gutes Gefühl, dass hier ein jährliches Musikfestival stattfindet, dass hier Stipendiaten in Künstlerwohnungen leben – und dass hier eine herausragende Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst beheimatet ist. Denn auch wir lassen uns bei der Arbeit an Bühnenbildern gerne von Skulpturen oder Malerei inspirieren. Oft hilft es, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn nur ein Element eines Kunstwerks plötzlich anfangen würde sich zu bewegen. Auf diese Weise gerät das ganze statische Galeriekonzept buchstäblich ins Wanken, das kann ein sehr produktiver Gedankenprozess sein.

Unser Seelenort steht für uns aber auch für eine sozioökonomische Haltung innerhalb der Stadtentwicklung. Um es einmal etwas polemisch zu formulieren: Wir sind froh, dass das Royal Hospital nicht zu einem Hotel umfunktioniert wurde und der Park nicht für den Bau von Eigentumswohnungen weichen musste.

Das Gelände des Irish Museum of Modern Art zeichnet sich vor allem durch die Abwesenheit von etwas aus, das in einer westeuropäischen Großstadt derart omnipräsent ist, dass man es kaum mehr bewusst wahrnimmt – der Aufforderung zum Konsum. Es ist wie so oft, man bemerkt erst, was einen die ganze Zeit umgab, wenn es einmal nicht mehr da ist, wenn man gezwungen ist, eine andere Perspektive einzunehmen, und sei es nur für einen kurzen Moment.

Dieser Perspektivwechsel ist auch eines der zentralen Themen von IL TEOREMA DI PASOLINI, das wir im Juni in der Deutschen Oper Berlin inszenieren werden. Der Komponist Giorgio Battistelli orientiert sich weitgehend an Pasolinis Buchvorlage: Ein gutaussehender junger Fremder dringt eines Tages unvermittelt in eine Mailänder Industriellenfamilie ein und verführt nacheinander geschlechter- und klassenüber greifend Mutter, Vater, Tochter, Sohn und Dienstmädchen. Die wohlgeordneten bürgerlichen Verhältnisse kollabieren, das familiäre System bricht unwiderruflich zusammen. Die gesamte Szenerie hat den Charakter einer laborartigen Versuchsanordnung, doch bleibt bis zuletzt offen, worin das Theorem, über das hier verhandelt wird, eigentlich genau besteht. Was möchte Pasolini mit seinem Experiment herausfinden?

Normalerweise trifft man das Regieduo auf den Alleen des weitläufigen Parks nicht gemeinsam an. Abstand, Ruhe und Inspiration findet hier jeder für sich © Ste Murray
 

Wir glauben, dass es in TEOREMA vor allem darum geht, eine Regelhaftigkeit zu durchbrechen, die diejenigen, die sie ausüben, nicht mehr wahrnehmen. Die Industriellenfamilie führt ein bourgeoises Leben mit seinen über Jahrhunderte einstudierten großbürgerlichen Ritualen. Es muss erst eine unberechenbare Variable in Gestalt eines rätselhaften Fremden auftauchen, der die Versuchsteilnehmer erkennen lässt, wie falsch und schädlich ihr klassenbezogenes Verhalten war und was für eine Leere sich hinter den Ritualen auftut. Interessanterweise muss der Fremde gar nicht viel ändern, um diesen Erdrutsch in Gang zu bringen, er hält keine großen Reden, er versucht nicht, jemanden von etwas zu überzeugen. Er etabliert durch seine bloße Existenz und seinen Eros lediglich einen anderen Blick, ermöglicht eine leicht verschobene Perspektive auf die vertraute Wirklichkeit. Und darin ähnelt er, wenn auch ungleich radikaler, unserem Seelenort.

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