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Der Erbe

Für den norwegischen Regisseur Stefan Herheim ist DER RING DES NIBELUNGEN kein Werk der Vergangenheit, sondern eines, das in die Zukunft weist

Stefan Herheim zählt zu den bedeutendsten Opernregisseuren der Gegenwart. In der Umfrage der Zeitschrift „Opernwelt“ wurde er drei Mal zum „Regisseur des Jahres“ gewählt und inszenierte unter anderem in Bayreuth, Salzburg, London, Amsterdam und Berlin.
Das Rheingold

Seit ich mich auf den RING DES NIBELUNGEN vorbereite, überlege ich, wie das Ende von GÖTTERDÄMMERUNG aussehen könnte. Ein Ende, das die Frage nach der Zukunft der Menschen, nach der Überwindung der alten Ordnung offen lässt. Solange wir heute in der Gesellschaft an Machtgier, Ausbeutung, Betrug und Gewalt scheitern, bleibt der RING ein ›Kunstwerk der Zukunft‹. Um Wege in die Zukunft zu finden, müssen wir uns auf eine Suche nach den Voraussetzungen des Menschseins begeben. Diese Suche spiegelt sich im Drama selbst als auch in der Gestalt Richard Wagners. Über ein Vierteljahrhundert arbeitete er an diesem Werk. Die Selbstverwirklichung, die darin zum Ausdruck kommt, spiegelt auch die Sehnsucht der Deutschen nach nationaler Identität.

Der großartige Versuch, Wahrheit, Ideologie und Werte mit Kunst so zu hinterfragen, dass eine revolutionäre Dynamik entstehen könnte, ist vermutlich eine deutsche Besonderheit – nirgendwo sonst hat man der Kunst so viel zugetraut und zugemutet. Es ist wichtig, sich das in einer Zeit zu vergegenwärtigen, in der nur noch wenige Medien die leiseren Botschaften senden.

»Nirgendwo außer in Deutschland hat man der Kunst so viel zugetraut«
 

Für mich ist der Glaube an die Kunst existenziell. Sie ist Teil meiner relativ späten deutschen Sozialisation und auch ein Ausdruck meiner Angst, nicht dazuzugehören. Zugleich habe ich durch meine norwegische Herkunft den Vorteil, mich gegenüber den unheimlicheren Seiten eines ›deutschen Wesens‹ abgrenzen zu können. Dieses Spiel aus Distanz und Nähe spiegelt sich auch in meiner Affinität zur romantischen Dialektik bei Wagner.

Ohne eine Einbeziehung seines Schöpfers, seines geistig-kulturellen Hintergrunds sowie der einflussreichen Folgen, die sein Werk bis heute hat, kann ich mir eine Vergegenwärtigung des RING DES NIBELUNGEN kaum vorstellen. Natürlich muss das Publikum diese Schichten nicht alle bewusst dekodieren können. Ebenso wenig muss es den Unterschied zwischen C-Dur und f-Moll analysierend wahrnehmen. Oder jedes Wort des gesungenen Textes verstehen. In Wagners Gesamtkunstwerk vermittelt sich Verständlichkeit auf vielen Ebenen. Durch die gebündelten Kräfte von Wort, Ton und szenischer Darstellung nimmt der dramatische Gedanke Gestalt an. Dafür eine inhaltlich schlüssige und emotional eindringliche Form zu finden, ist meine Aufgabe.