Aus Libretto #6 (2023/24)

Fünf Fragen an…. Carmen Giannattasio

Carmen Giannattasio singt in LA GIOCONDA eine Frau, die sich und ihre kranke Mutter als Straßensängerin durchbringt

Wie stark muss man sein, um eine der stärksten Frauen der Opernwelt zu singen?
Man muss eine Athletin sein. Die Gioconda zu spielen, ist auf mehreren Ebenen komplex. Allein die drei Stunden Länge der Oper sind eine physische Herausforderung. Und dann zeigt die Figur in diesen Stunden alle vorstellbaren menschlichen Gefühle, negative wie positive. Das darzustellen ist extrem anspruchsvoll.  

Wie bereiten Sie sich auf diesen Marathon vor?
Ich muss wie eine Athletin trainieren, jeden Tag. Die Vorbereitung dauert Monate, in denen ich täglich ein kleines Stück des Werks mehr singe. Und davor steht noch das Studium der Vorlage, während dessen ich überlege, wie ich die Figur überhaupt darstellen werde. Denn jede von uns spielt ihre eigene Version der Gioconda. Ich sage immer, dass wir Opernsängerinnen keine Sängerinnen, sondern eben eher Athletinnen und Schauspielerinnen sind, die Texte singen, anstelle sie zu sprechen. 

Fühlen Sie sich der Gioconda nah, weil auch sie eine Sängerin ist?
Ich spüre erst im letzten Akt, als sie sich Barnaba hingeben muss, es aber nicht will, dass sie eine große Schauspielerin und Sängerin ist. In jenem Moment lenkt sie ihn ab und lässt ihn – und das Publikum – bis zum letzten Moment glauben, dass sie sich gleich lieben werden. Aber in einer grandiosen Wendung ersticht sie sich selbst und stirbt. In diesem Moment spüre ich ihr Talent, etwas vorzuspielen, zu lügen. Denn das ist, was wir als Künstler tun: Vorgeben, etwas zu sein, das wir nicht sind. 

Was macht die Stärke der Gioconda für Sie aus?
Sie ist eine der stärksten Frauen, die ich in der Oper kennengelernt habe, gerade weil sie eine Figur am Rande der Gesellschaft ist, eine Bettlerin. Mit den Münzen, die sie für ihren Gesang auf der Straße erhält, versucht sie, sich und ihre kranke, blinde Mutter zu versorgen. Und sie hat einen wilden, unabhängigen Charakter und ist gleichzeitig von großer Menschlichkeit geprägt. In ihrer Persönlichkeit zeigen sich auch Widersprüche, etwa wenn sie den Impuls verspürt, ihre Rivalin Laura töten zu wollen. Doch dann siegt eben doch diese Güte in ihr, das Verständnis für ihre Mitmenschen und schließlich opfert sie sich sogar, damit ihre Nebenbuhlerin fliehen kann. Das ist wahre Stärke. 

Eine komplizierte Mischung. Wie schaffen Sie es, sich in diese extremen Gefühlswelten einzufühlen?
Ich bin Italienerin, mit intensiven Gefühlen kenne ich mich aus. Und auch mit den Verpflichtungen gegenüber Gott, der Religion und dem Kruzifix. Diese Gottesfurcht wird sehr deutlich, als Gioconda den Rosenkranz in Lauras Hand sieht und versteht, dass es Laura war, die ihre Mutter vor dem Tod gerettet hat. Darum bringt sie es dann auch nicht übers Herz, Laura zu töten, obwohl sie ihre größte Rivalin um ihren Geliebten ist. Wer kennt das nicht? Eifersucht und Wut sind starke Gefühle, die dich manchmal überkommen. Aber schon im nächsten Moment tut es dir bereits leid, jemals so über einen anderen Menschen gedacht zu haben.

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