Sechs Fragen an ... Hanna Schwarz - Deutsche Oper Berlin

Sechs Fragen an ... Hanna Schwarz

Mezzosopranistin Hanna Schwarz singt in PIQUE DAME die Gräfin – eine schillernde Dame, die ein Kartengeheimnis hütet

Ist die unerfüllte Liebe die intensivere Form der Liebe?
Alle drei Hauptfiguren in PIQUE DAME, Lisa, Hermann und die Gräfin, sind süchtig. Aber der Süchtige kann keine wahre Liebe erleben. Die Liebe soll dann ebenso rauschhaft sein wie die Sucht, sie zu ersetzen. Tschaikowskij führt seine Protagonisten nah heran an die Extreme – bis hin zum Suizid. Es geht hier aber um eine rasende Liebe, nicht um eine, in der man sich gegenseitig guttut. 

Warum sucht man dennoch manchmal nach etwas, das einem nicht guttut?
Im Begehren sind unsere Traumata gespeichert – und die haben die Eigenschaft, dass die traumatisierte Person sie wiederholt. Es mag paradox klingen: Die unerfüllte Liebe erfüllt meist eine Funktion, sie zeigt, dass wir noch nicht bereit sind für die wahre Liebe. Man erschrickt dann manchmal fast darüber, wie einfach und schön es sein kann. Zum wirklichen Lieben gehört aber auch Unabhängigkeit: Nur wenn man mit sich allein sein kann, kann man auch mit anderen sein. Ich glaube außerdem, dass wir alle das Potenzial zur Grenzüberschreitung in uns tragen, und diese nimmt immer wieder auch selbstzerstörerische Züge an. Die Frage ist, wie viel Raum wir dem geben wollen – wie nah wir an die Grenzen gehen wollen. Die Oper zeigt uns all diese Extreme, von der Liebe über die Sucht bis hin zum Tod. Hier können wir diese Zustände erleben, ohne dass wir uns selbst dafür in Gefahr begeben müssen.

Was für eine Figur wäre die Gräfin heute? 
Vielleicht wäre sie eine Art Hippie. Sie blickt auf eine wilde Vergangenheit in Paris zurück: Mit freier Liebe und ohne die Konventionen der Ehe. Nun ist sie zurück in der Heimat und fühlt sich unwohl in der spießigen Gesellschaft. Und sie weiß: Der nächste Liebhaber wird der letzte sein. Jeder Flirt mit Hermann ist also gleichzeitig ein Flirt mit dem Tod. Der Liebesakt als Todesakt steht sinnbildlich für ein Hingezogensein zum Abgründigen. 

Wo endet gesundes Verlangen, und wo beginnt die Sucht?
Fast alle haben diese Sehnsüchte, und sei es der Alkohol. Für manche ist es nur Schokolade – und trotzdem ist er da, der Wille zur Überschreitung. Es ist ein unendliches Hadern mit den Versuchungen, ständig werden Entscheidungen für oder gegen gesunde Lebensführung getroffen.

Mezzosoprane und Altistinnen sind in der Oper selten Sympathieträgerinnen. Haben Sie dafür eine Erklärung?
In den deutschen und italienischen Opern sind diese Stimmen oft die Widersacherinnen der Protagonistinnen, aber das macht sie nicht zu Bösewichten. Es sind auch weise Frauen dabei: wissend, erotisch, lehrend. 

Was bedeutet das für die Figur der Gräfin? 
Tschaikowskijs Themen, mehr als bei Puschkin, führen direkt in die Gedanken der Figuren, zu ihren geheimsten Wünschen, Ängsten und Wahnideen. Der einsame Hermann findet, was er unterschwellig braucht: eine Frau, die zu versprechen scheint, seine kindlich-erotischen Sehnsüchte zu befriedigen. Die Gräfin wiederum hatte einst ein wildes Leben in Paris geführt, aber das ist lange her. Nun kommt ihr Ende ausgerechnet durch Hermann, also jemanden, der auslebt, was sie selbst nicht mehr hat: Erotik, Leidenschaft, Freiheit, Lebensgier. Das macht ihr Ende und eben auch ihre Figur umso tragischer.  

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