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Acht Fragen an ... Lise Davidsen

Lise Davidsen singt in Wagners WALKÜRE Sieglinde, eine junge Frau, die extreme Not erlebt. Wir stellen der norwegischen Sopranistin acht Fragen

Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels für drei Tage und einen Vorabend von Richard Wagner
Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Stefan Herheim
Mit Brandon Jovanovich, Andrew Harris, John Lundgren / Johan Reuter, Lise Davidsen, Annika Schlicht, Nina Stemme u. a.
Premiere am 27. September 2020

Zwangsheirat, Inzest, Flucht, Mord: Wie hält Sieglinde dieses Leben aus?
Sieglinde hat kein Geld, keinen Job, kein Zuhause. Sie hat keine andere Wahl, als dieses Leben auszuhalten – die Alternative wäre zu sterben. Eigentlich lebt sie nicht richtig, sie existiert nur. Aus diesem Zustand entspringt eine Stärke, von der wir kaum eine Ahnung haben.

Woher nehmen Sie die Kraft für eine so extreme Rolle?
Im Moment schöpfe ich hauptsächlich aus der Freude, endlich wieder arbeiten zu können. Nach so vielen pandemiebedingten Absagen! Es gibt mir unendlich viel Kraft, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

Was lernen Sie von Sieglinde?
Ich bewundere ihre Kraft und ihre Fähigkeit, über ihre Grenzen hinaus zu gehen, sich voll in etwas hineinzustürzen. Das ist natürlich sehr extrem dargestellt, und ich möchte solches Leid nicht in meinem eigenen Leben haben. Aber Sieglinde hat mir auch beigebracht, wann es wichtig ist, sich in sich mit Schmerzen zu konfrontieren: Sie zeigt mir, dass Liebe wehtun kann. Jemanden zu lieben kann auch bedeuten, völlig ungeschützt dorthin zu gehen, wo der tiefe Schmerz sitzt.

Wie spielt man solche Nöte, wenn man selbst abgesichert ist?
Ich habe glücklicherweise nichts mit Sieglindes Leben Vergleichbares erlebt. Aber ich habe diese Fähigkeit, mich in andere Menschen hineinzuversetzen – und mich gleichzeitig mit den dunkelsten Momenten in meinem Leben zu verbinden, weit hinunter zu tauchen in meinen Schmerz.

Wir leben in extremen Zeiten, Not und Gewalt sind allgegenwärtig. Wie finden Sie Ausgleich?
Ich versuche, so normal wie möglich zu leben. Das bedeutet für mich: Rollen üben, Sport machen, arbeiten. Gleich zu Beginn meiner Quarantäne habe ich gemerkt, dass ich stoisch weitermachen muss mit meinem Üben, sonst flippe ich aus. Üben ist meine Meditation.

Wieviel Brüche braucht es, damit Ihr Alltag spannend wird?
Wenn ich arbeite, brauche ich nebenbei keine Extreme. Wenn ich nicht gerade probe oder auf der Bühne stehe, bin ich eigentlich ziemlich langweilig! Aber ich bin auch im Alltag unbedingt auf der Suche nach Fühlen und Gefühlen. Vielleicht spüre ich sogar ein bisschen mehr als andere Menschen.

Wenn Sie entscheiden müssten: Ruhe oder Grenzerfahrung?
Keine Frage: Ich will an die Grenzen.

Ihre Lieblingspassage in der WALKÜRE?
Ich liebe Sieglindes letztes Motiv, das „Liebeserlösungsmotiv“ im 3. Aufzug. Brünnhilde hat Sieglinde gerade verkündet, dass diese schwanger mit dem Helden Siegfried ist, dass sie auf gar keinen Fall aufgeben darf. Dann singt Sieglinde, glücklich über diese Botschaft, und das ist so überwältigend schön. Außerdem liebe ich die Szene mit Brünnhilde und Wotan, da muss ich immer weinen. Diese Szene rührt mich viel mehr, als alle Passagen mit Sieglinde selbst. Logisch, wenn ich selbst singe, kann ich mich nicht ums Weinen kümmern.