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Geräusche von Welt

Samir Odeh-Tamimi über die griechischen Komponistenlegende Jani Christou und dessen Project Sketches an der Deutschen Oper Berlin.

Samir Odeh-Tamimi lebt und arbeitet als Komponist in Berlin. Sein Schaffen umfasst Kammermusik und Orchesterwerke ebenso wie Werke für die Musiktheaterbühne.

„Ich komme aus einem kleinen arabischen Dorf in der Nähe von Tel Aviv. Als ich nach vielen Stationen und Reisen in ganz Europa schließlich in Bremen ankam, um Komposition zu studieren, wollte ich keine traditionelle arabische Musik komponieren. Ich wollte auch nicht wie Beethoven oder Brahms komponieren, ich wollte etwas Eigenes schaffen. Als ich in einem Seminar das erste Mal die Musik von Jani Christou hörte, hat mich seine Musik sofort angesprochen.

»Eine kosmopolitische Musik, die jeden ansprechen will.«
 

Christou ist ein griechischer Komponist, der bereits große Schritte in Richtung Neuer Musik unternahm, als andere noch mit ihrer Zwölftonmusik beschäftigt waren. Leider ist er schon 1970 bei einem Autounfall gestorben. Faszinierend an Christou finde ich, dass beim ihm die Musik selbst zum Theater wird. Er war einer der ersten Komponisten, die grafische Notizen an seine Partituren zeichneten. Wenn er wollte, dass ein Geiger von da nach dort geht, malte er die genauen Schritte auf. Oft zeichnete er das ganze Orchester, wie es spricht, schreit, lacht und weint. Diese Inspiration war ungemein wichtig für meine eigene Entwicklung als Komponist. Die Musik von Christou ist eine kosmopolitische Musik, die jeden ansprechen will. Das gefällt mir, weil wir ja alle aus vielen Identitäten bestehen.

Auch deshalb ist es ein großes Glück, dass die über hundert Project Sketches von Jani Christou gefunden wurden. Es sind Klang-Skizzen, die ganz existenzielle Zustände des menschlichen Seins beschreiben. Ein Project Sketch, den ich für die Deutsche Oper ausgewählt habe, dreht sich um das Zirpen der Zikaden. Das Geräusch fängt ganz leise an, dann wird es lauter und immer lauter, – so laut, dass kein Mensch es mehr aushalten kann. Dann Abbruch. Absolute Stille. Das ist vielleicht irrsinnig, aber auch nicht verrückter als auf der Autobahn zu fahren. Einfach eine Intensität, die wir alle kennen.“