Ohne Wagner kein Beethoven

Donald Runnicles gilt als einer der wichtigsten Wagner-Dirigenten der Gegenwart. Wozu sich mit Beethoven beschäftigen? Zeit für eine Richtigstellung, findet der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin.

Ohne Beethoven gäbe es keinen Richard Wagner. Der Einfluss Beethovens auf das Jahrhundert nach ihm ist so umfassend, dass er nicht zu messen ist. Beethovens Musik entstand als Reaktion auf 1789, er hat die Ideen der Französischen Revolution zu Klang gebracht – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Als der junge Richard Wagner rund 60 Jahre später, 1848, in Dresden auf die Barrikaden ging, trat er für dieselben Ideen ein und hatte Beethoven als musikalisches Vorbild längst entdeckt.

An vielen Häusern werden gerne Grenzlinien gezogen zwischen sinfonischer Musik und Musiktheater. Eine Grenze, die ich nicht anerkenne; jedes Orchester, jede Musik singt – egal ob ein Sänger dabei ist oder nicht. Menschen nehmen Musik stets als etwas Vokales wahr. Musik atmet ein und aus, das Publikum atmet mit, ich atme als Dirigent mit einem Sänger, einem Pianisten und versuche immer, egal ob bei einer Sinfonie oder einer Oper, das Orchester zum Singen zu bringen. Insofern gehe ich an eine Wagner-Oper genauso heran wie an eine Neunte Sinfonie.

»Jedes Orchester, jede Musik singt. Egal, ob ein Sänger dabei ist oder nicht.«

Beethoven ahnte bei seiner Arbeit an der Neunten, dass er für das, was er ausdrücken wollte, menschliche Stimmen brauchte, einen Chor. Also integrierte er Schillers »Ode an die Freude« in seine Komposition. Und damit hat er den sinfonischen Bereich geöffnet, ja aufgerissen, im positiven Sinne. In FIDELIO stecken ganze Welten. Hier wurden Ideen entwickelt, Wege angelegt, entlang derer sich später Komponisten, Karrieren und ganze Genre ausformulierten. FIDELIO beginnt als Opera buffa, dann folgt ein Melodrama und eine Tondichtung lange vor Franz Liszt und Richard Strauss.

Ständig begegnen mir Beethovens Ideen, ob bei Gustav Mahler oder Johannes Brahms. Nicht umsonst nennt man Brahms erste Sinfonie, die er mit 44 Jahren schrieb, im Scherz Beethovens Zehnte. Ludwig van Beethoven hat ebenso wie Johann Sebastian Bach musikalische Wegscheiden geschaffen, es gibt die Zeit vor und nach MATTHÄUS-PASSION, vor und nach der Fünften, vor und nach FIDELIO. Lauter Arbeiten, die in ihrer Zeit so neu waren, dass sie alles danach universell und tiefgreifend veränderten.

Genauso universell ist die Botschaft, die in FIDELIO steckt; die Geschichte einer Befreiung und natürlich ist sie noch nicht zu Ende erzählt. Wir müssen sie so lange weitererzählen, wie Menschen in Gefangenschaft geraten. Nicht nur musikalisch, auch inhaltlich ist Beethoven aktueller denn je.  

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