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In the spirit of friendship - Deutsche Oper Berlin

Im Geiste des Freundes

Es sollte seine fünfte Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin werden – dann starb Graham Vick überraschend. Sam Brown führt die Arbeit nun zu einem Abschluss

Die erste Inszenierung, die ich von Graham Vick gesehen habe, hat mein Leben verändert. Man muss wissen, dass er zwei Standbeine hatte: Zum einen war er als Regisseur in den exklusivsten Tempeln der Hochkultur unterwegs, an Häusern wie der Mailänder Scala oder eben der Deutschen Oper Berlin. Zum anderen hat er als Gründer der Birmingham Opera Company Produktionen mit nicht-professionellen Darstellerinnen und Darstellern auf die Beine gestellt. Oft in Lagerhäusern oder stillgelegten Fabriken, in Nachbarschaften, die bessere Zeiten hinter sich hatten. Ich erinnere mich, wie ich damals in eine zugige Halle kam, so gigantisch, dass man darin Jumbojets hätte bauen können, voll mit einfachen Leuten aus Birmingham – und auf einmal beginnen sie, den Eröffnungschor aus Verdis OTELLO zu singen. Es war unglaublich.

 

»Vielleicht kann ich Graham auf diese
Weise etwas zurückgeben?«

 

Auch wenn ich Graham nur einmal assistiert habe, blieb er für mich stets ein Freund und Mentor. Auch kurz bevor er starb, standen wir in Kontakt: Ich bat um seinen Ratschlag für meine Inszenierung von COSÍ FAN TUTTE – seine Lieblingsoper. Seine letzte Nachricht an mich war eine Entschuldigung: „Ich bin im Krankenhaus, Sam. Es tut mir leid, dass ich deine COSÍ verpasse – aber ich verpasse eine ganze Menge mehr!“ Er war jemand, auf den ich mich immer verlassen konnte, der mir mit seiner Erfahrung, seinem Wissen geholfen hat und jemand, der für alle Probleme ein offenes Ohr hatte.

Offen gestanden: Ich habe gezögert, als mich das Angebot erreichte, seine Inszenierung von Tschaikowskijs PIQUE DAME zu übernehmen, die im Gegensatz zu anderen Projekten nicht gecancelt werden sollte. Also wurde ich angefragt, das Stück gemeinsam mit Grahams langjährigem Bühnen- und Kostümbildner Stuart Nunn sowie seinem Witwer, dem Choreographen Ron Howell, auf die Bühne zu bringen. Das fühlte sich einerseits nach einer gewaltigen Herausforderung an, andererseits nach einem großen Privileg. Schließlich dachte ich: Graham hat mir so viel gegeben – vielleicht kann ich ihm auf diese Weise etwas zurückgeben?

Ich würde nicht sagen, dass wir den gleichen Stil haben. Aber was die Methodik des Regieführens betrifft, habe ich viele wichtige Anregungen von ihm bekommen. Anfangs glaubte ich noch, Opernregie bedeute, sich ein möglichst geniales Konzept auszudenken. Graham ging anders vor: Er traf im Vorfeld so wenige Entscheidungen wie möglich. Er ermutigte mich, mit den Menschen erstmal gemeinsam in einem Raum zu sein, um ihre Energie zu spüren.

Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich PIQUE DAME übernommen habe. Ich wusste, dass der geschaffene Rahmen noch viel Freiraum für eigene konzeptuelle Gedanken lässt. Natürlich bleibt es trotzdem eine Herausforderung aber Stuart Nunns vielseitiges Bühnenbild bietet hervorragende Möglichkeiten, sowohl die großen Tableaus als auch die intimen Szenen zum Leben zu erwecken. Darin kann ich meine eigenen künstlerischen Ideen entwickeln. Das mag drastisch klingen, aber jenseits der Ausstattung sind Grahams Ideen für PIQUE DAME mit ihm gestorben. Als Regisseur muss ich nun meinen eigenen Weg für die Umsetzung finden.

Sam Brown © Johanna Sterner

 

PIQUE DAME lernte ich bereits als Regieassistent kennen und war sofort Feuer und Flamme für das Stück. Tschaikowskji hatte mich in seiner Macht, wie den Protagonisten Hermann die Spielsucht. Ich erkannte darin eine perfekte Verbindung von Text und Musik: Die dramatischen Klängen dieser farbenreichen Orchestrierung treiben die Erzählung unausweichlich voran, während die Figuren auf fesselnde Weise musikalisch zum Leben erweckt werden. Kurzum: Die Möglichkeit zu haben, die Oper selbst zu inszenieren, ist – trotz der tragischen Umstände – die Erfüllung eines fünfzehnjährigen Traums.

Für meine Begriffe ist PIQUE DAME Tschaikowskijs persönlichste Oper, obschon sie nach einer Vorlage von Alexander Puschkin entstanden ist. Aus Briefen geht hervor, wie sehr sich Tschaikowskij mit der Hauptfigur Hermann identifizierte. Hermann hat das Gefühl, nirgends dazuzugehören, als Einziger nicht zur Party geladen zu sein. Aber auch die Frauenfiguren sind auf ihre eigene Art einsam. Die Oper ist eine Geschichte über Außenseiter. Pjotr I. Tschaikowskij und sein Bruder Modest, der an der Oper mitwirkte, werden das als homosexuelle Männer in ihrer Zeit gekannt haben. Ich denke auch, dass dieses Werk uns Vieles über die russische Gesellschaft erzählt, das helfen kann, die Gegenwart besser zu verstehen. Gegenüber der Puschkin-Vorlage sind in der Oper die Motivationen der Figuren oft unklarer, was Raum für Mehrdeutigkeiten schafft. Liebt Hermann Lisa oder ist sie bloßes Werkzeug für ihn? Ist Lisa ein wehrloses Opfer oder sieht sie in Hermann eine Möglichkeit aus dem goldenen Käfig auszubrechen? Existiert das mysteriöse Kartengeheimnis oder ist es nur ein Märchen und Wahn Hermanns? Tschaikowskji legt seine Karten nicht auf den Tisch und ich werde das auch nicht.

 

Aufgezeichnet von Patrick Wildermann, der unter anderem für den Tagesspiegel und das Galore Magazin über Theater, Kultur und Gesellschaftsthemen schreibt.

Bilder oben: Mit seiner Inszenierung von TRISTAN UND ISOLDE kehrte Graham Vick nach jahrzehntelanger Abwesenheit 2011 an die Deutsche Oper Berlin zurück. Seine Meisterschaft im Erfassen und Sichtbarmachen gerade von Außenseitern zeigte er 2016 in dem Fischerdrama MORGEN UND ABEND von Georg Friedrich Haas und 2017 in Brittens DEATH IN VENICE

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