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Xenia Fitzner zaubert mit Pflanzen und Muscheln in Kultstätten

... und nun auch im HINTERHALT. Hier erzählt sie, warum Hexen so ein schlechtes Image haben – und wie man „Disney-Schamanismus“ erkennt

Seit der Inquisition wurden in einem regelrechten Femizid unzählige Frauen gefoltert und ermordet. Darum habe ich mich früher bewusst so genannt, als politische, postfeministische Position. Heutzutage bin ich nicht mehr so kämpferisch. Hexen sind ein Ausdruck weiblicher Macht, aber auch weiblicher Unberechenbarkeit. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen: hagazussa könnte man mit „die Zaunreiterin“ übersetzen. Der hag war die Begrenzung des Dorfes, also der Zivilisation. Dahinter lag die Wildnis. Die Hexe konnte diesen hag überwinden, sie war eine Grenzgängerin, die sowohl in der Zivilisation als auch in der Wildnis gut zurechtkommt und die auch die Schätze der seelischen Wildnis birgt.

Zu Zeiten der Hexenverfolgung wurde behauptet, dass Hexen in Buhlschaft mit dem Teufel waren. So wurde Angst geschürt und Hexen wurden systematisch verunglimpft. Natürlich war das nur eine Erfindung der Kirchenmänner und hatte nichts mit der Realität zu tun. Hexen waren weise Frauen, Heilerinnen, Hebammen. Heutzutage werden Hexen verniedlicht und verkitscht – wie das bei Bibi Blocksberg geschieht – oder mit wahnsinniger, dunkler, entgrenzter Sexualität verbunden.

Die Macht der Hexen, die Macht der weisen Frauen, ist in unserer Kultur keine reale Größe – aber eine Sehnsuchtsgröße. Und mit dieser Sehnsucht verdiene ich mein Geld: Ich gebe als Dozentin für Phytotherapie Wissen über Heilpflanzen weiter, über die Mondkraft und die Zyklen des Jahres und des Lebens, die Zyklen des Frauenkörpers. Ich zeige vor allem Frauen, wie sie mit diesen Energien auf eine bewusste und magische Weise umgehen können. Dazu nutze ich auch Orakel, etwa das Tarot.

Heutzutage gibt es einen „Disney-Schamanismus“, ein Geschäft mit Engeln, Einhörnern, Krafttieren und Verschwörungstheorien. Und überall diese Heilsteine! Manchmal frage ich: Hast du dir mal überlegt, unter welchen Bedingungen diese Steine aus der Erde gekratzt wurden? Von wem? Wo? Mich interessiert viel Grundlegenderes: Was hinter dem liegt, was wir sehen. Ich will das Bewusstsein weitergeben, wie wir mit allem anderen verbunden sind: Bei jedem Apfel, den ich kaufe, nehme ich energetisch Kontakt auf mit dem, der sie ins Regal gelegt hat, mit dem, der den Baum gepflegt hat, mit Erde, Regen und Sonne.

Ich bin Zauberin, Magierin, betreue heilige Stätten, etwa vorzeitliche Gräber. Das sind Orte großer Kraft, Kultstätten. Heute früh etwa habe ich in einer Lichtung Kreise aus Steinen, Kernen, Muscheln und Münzen gelegt, dazwischen vier aufgeschnittene Äpfel, in denen das Pentagramm ihres Kerngehäuses sichtbar ist. Die Bäume habe ich mit Federn von Eulen und Greifvögeln geschmückt. Dadurch schaffe ich eine Art Sende- und Empfangsstation, in er ich die Kräfte der vier Himmelsrichtungen beschwöre und Kontakt aufnehme mit der „Großen Mutter“, das ist so etwas wie die universale Kraft. So entsteht ein Ort des Aufladens und Auflösens, des Sendens und Empfangens. Dort kann ich Heilung und Einsicht bewirken, Entwicklungen bremsen und beschleunigen.

Für mich können auch darstellende Künste eine Art Medizin sein, etwa, wenn Zuschauer etwas erleben, das vielleicht erst nach Tagen wirkt, auch unbewusst. Während der Vorstellung wird ihnen vielleicht gar nicht klar, was da gerade in ihnen passiert. Ich bin gespannt, wie ich meine Fähigkeiten im HINTERHALT einsetzen kann. Wahrscheinlich müssen sich die Zuschauer auf etwas einlassen, das erst dort, in diesem Moment entsteht.