Sechs Fragen an ... Jane Archibald

Jane Archibald singt in Brittens A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM die Elfenkönigin Tytania, die mit ihrem Mann Oberon im ständigen Streit liegt. Wir stellen der Sopranistin sechs Fragen über Treue

Jami Reid-Quarrell als Puck
A Midsummer Night’s Dream
Foto:
 

A Midsummer Night’s Dream
Oper in drei Akten von Benjamin Britten
Musikalische Leitung: Markus Stenz
Inszeneirung: Ted Huffman
Mit James Hall, Jane Archibald, Jami Reid-Quarrell, Padraic Rowan, Davia Bouley / Annika Schlicht, Gideon Poppe, Dean Murphy, Karis Tucker, Alexandra Hutton, Patrick Guetti, Tyler Zimmerman, Andrew Dickinson, Jörg Schörner, Matthew Cossack u.v.a.m.
30. September, 2., 10., 15. Oktober 2021

Frau Archibald, in A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM wird munter in alle Richtungen begehrt. Kann man mehr als eine Person lieben?
Man kann sicher mehr als einen Menschen lieben – ich bin mir nur nicht sicher, ob das in einer romantischen Liebe geht. Menschen, die in polyamoren Beziehungen leben, sehen das anders. Aber zu meiner Persönlichkeit passt das nicht.

Viele sehen Monogamie als Erfindung des Westens, als Sonderfall in der Menschheitsgeschichte. Wie sehen Sie das?
Viele leben heutzutage nach dem Prinzip der seriellen Monogamie: ein Partner zur Zeit, dafür verschiedene hintereinander. Menschen wollen unterschiedliche Erfahrungen machen. Aber ohne meine Ansicht generalisieren zu wollen: Es braucht Energie, mit nur einer Person eine enge, innige Beziehung aufzubauen, sich zu widmen. Diese Intensität mit mehreren Menschen zu leben, stelle ich mir sehr kompliziert vor.

Was ist der Sinn der Treue?
Für mich bedeutet Treue, zu meinem Partner zu halten, auch wenn nicht alles glatt läuft. Mir geht es nicht um eine technische Definition à la »Flirten ist ok, Sex nicht«, für mich beginnt Untreue in dem Moment, in dem du deinem Partner deine Zuneigung und Verletzlichkeit entziehst und mit jemand anderem teilst. Der physische Aspekt ist dann nur noch der Sargnagel.

Wie gehen Sie mit Eifersucht um?
Ich bin nicht besonders eifersüchtig, was praktisch ist, wenn man als Sängerin mit einem Sänger verheiratet ist. Ich sehe meinen Mann alles Mögliche mit Frauen auf Bühnen veranstalten, und mir ist dennoch klar: Selbst, wenn da ein Fünkchen Chemie ist – man steht da verschwitzt vor hunderten Menschen und denkt an den Text, daran ist wirklich nichts sexy. Ich glaube, jede Eifersucht zeugt von Unsicherheit, in der Beziehung und in einem selbst – und ich fühle mich sehr sicher.

Was lernen Sie von Tytania über Treue?
Die Frage nach der Treue müsste man Oberon stellen: Er hat Tytanias Untreue eingefädelt, das ist ja der fantastische Kniff in dieser Szene. Oberons Fluch ist ziemlich fies, er gibt ihr ja quasi K.o.-Tropfen. Er ist wie ein Marionettenspieler, der sie vorsätzlich in eine verletzliche Situation bringt.

Was reizt Sie an dieser Rolle?
Tytania ist die Königin, und mit dieser Rolle geht eine verwöhnte Selbstzentriertheit einher. Aber sobald sie von Oberons Zauber berauscht ist, erleben wir diese machtvolle Figur als verletzlich und tief liebend. Sie zeigt uns, wie wenig man sich in einem Zustand heftiger Verliebtheit um die Fehlerchen des Angebeteten kümmert: Wenn sie Zettels Eselskopf ignoriert, ist das nur die Zuspitzung der ganz normalen Verliebtheit. Außerdem: So gern ich auf der Bühne die Diva gebe, so sehr liebe ich diese Oper. Weil sie das Ensemble nach vorne stellt und zeigt: Wir sind alle aufeinander angewiesen und weben aus unseren Stimmen einen wundervollen Gobelin. —

Text: Jana Petersen

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09
DEZ

Adventskalender im Foyer: Das 9. Fensterchen

Heute im Foyer: „Jenseits der Schneekönigin“
mit Alexandra Ionis, Oliver Boyd und Henriette Zahn
17.00 Uhr / Rang-Foyer rechts
Dauer: ca. 25 Minuten / Eintritt frei


Seit ihrer Uraufführung 2019 begeistert DIE SCHNEEKÖNIGIN in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin nicht nur Kinder. Auch dieses Jahr stehen zahlreiche Vorstellungen auf dem Spielplan. Umso größer ist die Freude, dass sich Alexandra Ionis und Henriette Zahn aus dem Cast der SCHNEEKÖNIGIN zusammengetan haben, um ein Türchen des Adventskalenders zu gestalten. Gemeinsam mit Oliver Boyd, Bariton im Chor der Deutschen Oper Berlin, präsentieren sie ein buntes Programm. Neben Brahms, Schönberg und Kurt Weill erklingen als besonderes Highlight auch Lieder des Komponisten der SCHNEEKÖNIGIN, Samuel Penderbayne, und seines Lehrers Moritz Eggert.

Die Berlinerin Alexandra Ionis studierte u. a. am Conservatorio di musica Giuseppe Verdi in Mailand und an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. 2016 debütierte sie in Strauss‘ DIE ÄGYPTISCHE HELENA an der Deutschen Oper Berlin. Weitere Produktionen hier am Haus waren DEATH IN VENICE, IL VIAGGIO A REIMS und IL TROVATORE. An der Staatsoper Unter den Linden sang sie in Widmanns BABYLON, Reimanns GESPENSTERSONATE, der Uraufführung von Eötvös‘ SLEEPLESS, in DER ROSENKAVALIER und zuletzt in der Neuproduktion von DER RING DES NIBELUNGEN als Schwertleite / DIE WALKÜRE.

Henriette Zahn ist Pianistin mit Schwerpunkt Kammermusik und Liedgestaltung und studierte in München, Lübeck und zuletzt in der Liedklasse von Wolfram Rieger an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Sie spielte u. a. mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, der Karajan-Akademie, dem Württembergischen Kammerorchester und dem Goldmund-Quartett. Aufführungen führten sie u. a. an die Deutsche Oper Berlin, ans Schauspielhaus Hamburg, Theater Bremen, zu den Salzburger Festspielen, in die Allerheiligen Hofkirche in München. Rege Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Komponisten Samuel Penderbayne und der Pianistin Anna Buchberger.

Oliver Boyd studierte am Queensland Conservatorium bei Gesangstrainer Gregory Massingham und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Christine Schäfer. Im September 2018 sang Oliver Boyd die Hauptrolle des Reverend Calloway in Paul Deans Oper DRY RIVER RUN. 2017 debütierte er mit dem Queensland Symphony Orchestra in der Rolle des Dancairo / CARMEN konzertant. Als Solist trat er in Händels „Messias“ auf, in Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, Haydns „Nelson“- und „Paukenmesse“, Mozarts „Requiem“, „Vesper“ und „Missa Brevis“ sowie in Schuberts Messe in G-Dur. Oliver Boyd gewann zahlreiche Preise, darunter den ersten Preis beim Royal Melbourne Philharmonic Aria-Wettbewerb und den Champion der Champions im Queensland Eisteddfod. Er wurde als einer der Nachwuchskünstler des Brisbane Lord Mayor ernannt. Seit der Spielzeit 2021/22 ist Oliver Boyd Mitglied der Stimmgruppe der 1. Bässe im Chor der Deutschen Oper Berlin.