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18. Dez

Eine HNO-Ärztin auf Rollschuhen

Ein Interview mit der Sopranistin Cristina Pasaroiu

Les Contes d'Hoffmann
Dirigat: Enrique Mazzola
Regie: Laurent Pelly
Mit Daniel Johansson, Cristina Pasaroiu, Alex Esposito, Irene Roberts u. a.
Premiere am 1. Dezember 2018

Als ich Cristina Pasaroiu in der Kantine der Deutschen Oper treffe, stehen nicht nur die Reste eines schnellen Mittagessen auf dem Tisch vor ihr, sondern da liegt auch die dicke Partitur, auf der »Les Contes d’Hoffmann« geschrieben steht. Die Oper von Jaques Offenbach in der Inszenierung von Laurent Pelly feiert am 1. Dezember an der Deutschen Oper Berlin Premiere und Cristina kommt grade von einer Anprobe, gleich geht es weiter mit der Probe. Die Sopranistin übernimmt alle vier Frauenrollen in der Oper. Und das hat es echt in sich.
Ich habe grade ein bisschen die Schritte probiert. Denn ich trage in der einen Szene so eine Art Puppenkleid, das sehr steif ist und auch sehr schwer. Da muss ich schauen, wie ich das mit den Rollschuhen hinbekomme.

Moment mal – Rollschuhe?
Ja, genau. Ich bin fast die ganze Zeit auf Rollschuhen. Zum Glück kann ich das sehr gut, denn ich habe mit vier Jahren damit angefangen. Das hilft mir jetzt natürlich.

Sind das so Old-School-Rollschuhe wie bei dem Musical »Starlight Express« oder moderne Inliner?
Ich trage richtig schnelle Inliner mit Silikon-Rollen. Da muss ich auf jede kleine Unebenheit auf der Bühne achten und natürlich auch auf die anderen, die grade auf der Bühne sind. Aber zum Glück bin ich die einzige auf Rollschuhen.

Wusste Laurent Pelly, der Regisseur, dass sie so gut Rollschuhe laufen können und hat es deswegen so eingerichtet oder war das bereits vorher so festgelegt?
Soweit ich weiß, war das schon festgelegt. Die Inszenierung wurde ja bereits in San Francisco und in Lyon gezeigt und auch da waren die Sängerinnen auf Rollschuhen. Dazu kommt ja auch noch, dass ich in dem Akt der Olympia hoch oben über der Bühne schwebe, hin- und herschwinge und mich um mich selbst drehe. Das ist fast schlimmer als Karussell zu fahren und verursacht ein echtes Loch in meinem Bauch. Aber irgendwie – das muss ich zugeben – hilft es mir auch, sehr exakt zu singen und mich ganz auf meine Stimme und die Technik zu konzentrieren.

Das klingt etwas absurd.
Ja, aber es ist so. Ich fühle mich dann frei. Ich denke an das, was ich alles machen muss – stimmlich und mit meinem Körper – und gleichzeitig habe ich eine gewisse Freiheit.

Erzählen Sie mir doch ein bisschen von den vier Frauen, die Sie verkörpern. Es ist Ihr Rollendebüt, oder?
Richtig. Zwischendurch habe ich mich gefragt, wie verrückt ich eigentlich war, das zu akzeptieren. Normalerweise werden die vier Rollen ja von vier verschiedenen Sängerinnen gesungen. Dass es nur eine Sängerin macht, ist eigentlich nicht so vorgesehen. Diana Damrau hat es auch mal gemacht, soweit ich weiß. Aber grade in dieser Inszenierung von Laurent Pelly, die ja auch noch körperlich so anspruchsvoll ist, ist das eine Riesenherausforderung.

In ihrem Beruf sind Sie es ja eigentlich gewohnt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Aber vier so unterschiedliche Frauen, die vier Frauen, die dem Protagonisten E.T.A. Hoffmann in dieser Oper in den einzelnen Akten begegnen, an einem Abend in so kurzer Zeit zu verkörpern, ist natürlich noch einmal eine ganz andere Aufgabe.
Ja, bislang macht es mich vor allem müde, aber ich werde mich da sicherlich noch dran gewöhnen. Insgesamt ist es meine 35. Hauptrolle und ich habe natürlich schon viele Erfahrungen sammeln können. Daraus versuche ich, etwas für diese besondere Herausforderung zu ziehen und obendrein eine gute Schauspielerin zu sein. Ja, es ist stimmlich sehr kompliziert, anspruchsvoll in der Akrobatik, die technische Kunst, das Hochdramatische im letzten Akt, dagegen wiederum die Intimität der Figur Antonia. Am Ende hilft es mir, immer bei mir zu bleiben, ruhig zu sein und zuerst an den Text zu denken. Daran, was ich sage, was ich ausdrücken will. Das macht das Wechseln zwischen den Rollen schneller und leichter. In der Version, die dieser Inszenierung zugrunde liegt, gibt es viel gesprochenen Text. Das ist dafür natürlich gut – und andererseits ist es noch etwas, was ich lernen muss, was ich perfekt beherrschen will.

Fühlen Sie sich einer dieser vier Frauen besonders nahe?
Ich versuche, alle zu mögen. Denn wenn ich mich in eine verliebe, dann wird es gefährlich. Ich versuche, jede zu verstehen. Vermutlich gibt es rein auf der oberflächlichen Ebene gewisse Ähnlichkeiten zu Antonia, aber darauf lasse ich mich nicht weiter ein. Giulietta ist viel dramatischer, eine Art von Femme fatale, die alle funktionalisiert. Ich glaube, ich habe noch nie zuvor eine so negative Rolle gespielt. Olympia dagegen ist die perfekte Akrobatin ohne Gefühl. Aber ich entdecke die Persönlichkeiten jeden Tag mehr. Und in jeder Rolle entdecke ich auch ein Stück Cristina.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Opernsängerin geworden wären?
Oh, eine gute Frage! Vielleicht Ärztin? Als Kind habe ich alle meine Puppen aufgeschnitten und im Studium an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst lernt man auch viel über Stimmgesundheit. Ich wäre bestimmt eine gute HNO-Ärztin geworden, weil ich die Stimme so mag, sie auch in allen physiologischen Eigenschaften verstehen will. Oder ich hätte eine Parfümerie eröffnet. Ich liebe Düfte! Aber das mache ich irgendwann noch. Das ist wirklich mein Traum!

Dieses Interview entstand für die ClassicCard, Dezember 2018. Es fragte Renske Steen.