Fragen an ... Freddie De Tommaso - Deutsche Oper Berlin
Fragen an ... Freddie De Tommaso
Mitten in der Vorstellung einspringen und über Nacht zum neuen Tenor-Star werden: Freddie De Tommasos Karriere nahm mit Puccinis TOSCA rasant Fahrt auf
Was bedeutet Ihnen TOSCA?
Es ist jedenfalls die Oper, die ich bisher am häufigsten gesungen habe. Mittlerweile komme ich auf bestimmt 50 Vorstellungen in zehn bis zwölf Produktionen. Mein Rollendebüt mit Caravadossi war im Oktober 2021, im Moskauer Bolschoi Theater, vor dem Krieg in der Ukraine.
Im Bolschoi zu debütieren ist kein schlechter Start.
Es war fantastisch. Ich war 27 Jahre alt. Das Haus ist riesig, ungefähr so groß wie das Royal Opera House im Londoner Covent Garden.
Und so groß wie die Deutsche Oper Berlin. Im Covent Garden sind Sie mitten in der Vorstellung eingesprungen.
Ich war in der zweiten Besetzung. Es war im Dezember, vor Weihnachten, deshalb bin ich in London geblieben, um einzukaufen und mich mit Freunden zu treffen. An dem Abend der Premiere ging es dem Tenor nicht gut, also konnte ich schnell das Kostüm anziehen und die Vorstellung ab dem zweiten Akt fortsetzen.
Da bleibt keine Zeit, nervös zu sein. Wie ging es Ihnen? Wie reagierte das Publikum?
Tatsächlich war es wunderbar. Das Publikum war super enthusiastisch und unterstützend. Offensichtlich war der Geschäftsführer vor den Vorhang getreten und hatte die Situation erklärt.
Das kennen wir in Berlin allzu gut. Wenn Christoph Seuferle vor den roten Vorhang tritt, gefriert manchen im Publikum das Blut in den Adern. Die Londoner liebten ihr Debüt am Royal Opera House. »A new star is born« schrieben die Zeitungen.
(Lacht) Sie waren sehr nett zu mir. Aber ja – danach hat sich mein Leben schon verändert. Ich reise um die Welt, singe in wunderschönen Theatern, in fantastischen Städten, mit großartigen Menschen. Was soll ich sagen? Ich liebe meinen Beruf!
Wie hat sich Ihre Interpretation von Cavaradossi über die Jahre verändert?
Ich bin naturgemäß gereift. Meine Stimme hat sich im Timbre etwas entwickelt, aber die Technik ist dieselbe geblieben. Je länger man eine Rolle singt, desto vertrauter wird sie – und desto leichter fühlt sie sich an.
Wird sie dadurch auch langweilig?
Nein. Im Gegenteil. Erstens singen Sie dabei stets mit neuen Kolleginnen und Kollegen, zweitens in sehr unterschiedlichen Produktionen. Es ist immer schön zu einer Oper zurückzukehren, die Sie kennen. Es fühlt sich vertraut an und sehr angenehm.
Was gefällt Ihnen an Cavaradossi besonders?
Er ist im Gegensatz zu anderen Figuren rein und ungebrochen. Sein Charakter hat zwei Aspekte, auch das mag ich. Man bekommt einerseits den romantischen Liebhaber, andererseits den heldenhaften Freiheitskämpfer. Ich habe das Glück, einige der schönsten Tenorpassagen singen zu dürfen, die je geschrieben wurden. In einer der schönsten Opern, die je geschrieben wurden.
Die Produktion der TOSCA, in der Sie nun an der Deutschen Oper Berlin singen, ist von 1969, fast 60 Jahre alt. Wie ist es, in dieser Inszenierung auf der Bühne zu stehen?
Ich muss gestehen, ich liebe Tradition über alles. Und ich liebe diese Produktion ganz besonders. Sie ist nah an dem, was Puccini sich vorgestellt haben könnte. Die historischen Kostüme, das klare Bühnenbild. Ich brauche keine drastischen Modernisierungen.