Aus Libretto #4 (2023)

Fragen an ... Klaus Florian Vogt

Klaus Florian Vogt, einer der großen Wagner-Tenöre, singt in Beethovens FIDELIO den Florestan, einen Edelmann, der zu Unrecht im Kerker sitzt

Normalerweise singen Sie die auftrumpfenden Helden, jetzt einen Gefangenen. Was reizt Sie an Florestan? 
Für mich ist Florestan ein Held, wenn auch ein gebrochener. Er steht zu seiner politischen Haltung, die ihn in den Knast gebracht hat. Er beweist Rückgrat, bewahrt selbst in diesen widrigen Umständen seine Würde. Seine Botschaft ist: Es lohnt sich, für seine Ideale durchzuhalten. Für eigene Werte und Überzeugungen bis zum Äußersten zu gehen, notfalls ins Gefängnis oder in den Tod – das ist hochaktuell. Denken Sie an die Frauen im Iran. Was die sich trauen, hat meine Hochachtung.

Ihre Wagner-Helden sind oft Retter, nun werden Sie als Florestan gerettet – zumal von einer Frau. Wie gehen Sie damit um? 
Das stört mich überhaupt nicht. Ich werde gern gerettet! 

Welche Passage in FIDELIO singen Sie besonders gern?
Ich mag seine Arie. Sie hat eine große Bandbreite, Florestan beginnt völlig verzweifelt, wechselt in tiefe Trauer und Resignation, wird dann euphorisch – nur um schließlich zusammenzubrechen. Dieses Spektrum zu singen, macht mir großen Spaß. Vor allem der Anfang des schnellen Teils, wenn er singt „Und spür ich nicht linde, sanft säuselnde Luft“. Diese beginnende Ekstase singe ich besonders gern.  

Florestan ist im Kerker dem Hungertod nah. Wie setzen Sie diese Auszehrung stimmlich um?
Sein Zustand transportiert sich nicht in einer bestimmten Art zu singen, sondern durch Beethovens Komposition. Sie leitet mich. Nehmen Sie das Ende seiner Arie – da hört man die ekstatische Trauer und Resignation in der Musik. Um das zu unterstreichen, lege ich einen verzweifelten und aussichtlosen Ausdruck in meine Interpretation. 

Florestan ist eine kurze Rolle, er tritt erst zum Ende von FIDELIO auf. Hat das für Sie eher Vorteile oder Nachteile? 
Mir kommt die Partie immer wahnsinnig kurz vor. Aber das finde ich ehrlich gesagt mal ganz angenehm! Natürlich hat die Rolle ihre Herausforderungen. Sie ist sehr kompakt, das bedeutet, ich habe keine Zeit mich auf der Bühne in die Rolle hineinzufinden. Ich muss sofort voll da sein. Und genauso schnell ist der Auftritt wieder vorbei. Alles ist sehr gedrängt, Schlag auf Schlag. 

Der Unterschied zwischen Wagner und Beethoven? 
FIDELIO ist Beethovens einzige Oper. Gerade zu Wagner, den ich häufig singe, ist das ein großer Unterschied. Rein formal gibt es – im Gegensatz zu Wagner-Opern – komponierte Nummern, also abgeschlossene Stücke. Wagner hingegen komponiert seine Opern durch. Zudem wiederholen sich bei Beethoven Zeilen und Phrasen, das gibt es bei Wagner auch nicht. Der bedeutendste Unterschied für mich als Sänger: Beethoven ist reine Klassik, Wagner hingegen Romantik. Klassik muss man viel exakter singen als Romantik. Hier ist alles auf Timing ausgelegt, auf ein sehr genaues Miteinander der Stimmen, auf akkurate Notenwerte. Wenn wir bei Beethoven nicht hundert Prozent präzise singen und musizieren, gibt es ein großes Durcheinander. 

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