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Französischer Zauber - Deutsche Oper Berlin

Französischer Zauber

Die Mezzosporanistin Clémentine Margaine singt seit Jahren an der Deutschen Oper Berlin das ganz große Pariser Musiktheater. Nun folgt ein Höhepunkt: Die HÉRODIADE von Jules Massenet.

Ich habe in Berlin viele Rollen aus französischen Opern gesungen, und konnte dabei mein Stimmfach in allen Aspekten und Farben erforschen. Mit der Titelpartie aus CARMEN habe ich begonnen. Sie war der Grundstein meiner Karriere. Dann kamen LA DAMNATION DE FAUST von Hector Berlioz, DON QUICHOTTE von Jules Massenet und LE PROPHÈTE von Giacomo Meyerbeer hinzu; Das war ein kleiner Marsch durch die ganze Pariser Grand Opéra des 19. Jahrhunderts.

Jedes dieser Meisterwerke hat einen individuellen Charakter. DON QUICHOTTE ist eine leichte, verspielte Oper voller Freude, DAMNATION dagegen ist sehr vertrackt komponiert – die Musik ist wunderschön, aber Berlioz verlangt sehr viel von den Singstimmen. Man muss da in Regionen gehen, in denen man sich nicht sicher fühlt, und trotzdem brillieren. Die Konzentration in der Unsicherheit ist etwas, was wir Sängerinnen lernen müssen, Berlioz ist dafür wohl der größte Lehrmeister. Die Rolle der Fidès aus dem PROPHÈTE ist auch fordernd, aber auf andere Art. Sie ist eine der schwersten Mezzo-Partien überhaupt, sehr dramatisch, voller Koloraturen, sehr tiefe Töne und sehr hohe Töne kommen vor, die Partie verlangt also einen großen Stimmumfang und ist auch noch lang – ein wahrer Ritt. Von dieser Rolle habe unendlich viel gelernt. Danach hatte ich das Gefühl, ab jetzt kann ich alles singen.

Nun geben wir die HÉRODIADE von Massenet und ich freue mich, denn Massenet ist mein Lieblingskomponist. Die Art, wie er schreibt, bringt große technische Herausforderungen mit sich, aber es lohnt sich. Seine Phrasierungen sind in sich so logisch, die Art, wie er hohe Töne einsetzt, ist effektvoll und genial. Das ist hoch komplex, aber die Melodien dazu sind von zauberhafter Einfachheit. Das finde ich sehr französisch. Der Gesang ist lyrisch und einfach nur schön. Die HÉRODIADE erzählt eine biblische Geschichte nach der Novellen-Version von Flaubert, das ist eigentlich auch die Story der Oper SALOME von Richard Strauss. Aber die Melodien sind so glänzend und fein. Es wirkt überhaupt nicht bedrückend.

Mittlerweise singe ich viel italienische Stoffe, aber an der Deutschen Oper Berlin habe ich mich nun noch einmal in das französische Repertoire vertieft. Ich bin Französin und ich bin gern Botschafterin unserer Opern. Jules Massenets Musik, seine Lieder, seine Melodien, für mich ist das perfekte Musik, alles ist so ausgewogen. Ein wenig lyrisch, ein wenig dramatisch, das Orchester ist groß, es klingt voll und modern. Massenet ist große Oper – er sollte öfter gespielt werden.

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