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10. Dez

Gundula Janowitz zum 80. Geburtstag

Ein Geburtstagsgruß von Curt A. Roesler

Diese Stimme! Seit der ersten Begegnung bei der Erkundung des väterlichen Schallplattenschranks blieb dieser Glockenklang in meinem Gedächtnis haften und keine andere Frauenstimme – abgesehen einzig von Maria Callas – hat eine solche Faszination auf mich ausgeübt wie die von Gundula Janowitz. Das war zunächst gar nicht in einer Oper, sondern im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms in der Aufnahme von Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern und dem Wiener Singverein von 1964. Bald aber brachte der Rundfunk aus Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und natürlich auch der Schweiz – der aber noch sehr lange nur in Mono – Opernaufnahmen mit ihr in mein Jugendzimmer unter dem Dach. Eine vom Taschengeld abgesparte UKW-Antenne machte es möglich, in Zeiten, wo man an den meisten Orten in Europa nur ein einziges Klassik-Programm hören konnte, eine solche Vielfalt zu empfangen und jede Woche mindestens drei verschiedene Opernaufnahmen neu kennen zu lernen. Eine Offenbarung, wieder und wieder vom Tonband abgespielt, war 1967 die zum 100jährigen Jubiläum der Uraufführung vom Bayerischen Rundfunk produzierte Aufnahme der MEISTERSINGER VON NÜRNBERG unter der Leitung von Rafael Kubelik. Das Quintett im dritten Akt, angeführt von Gundula Janowitz als Eva, mit Brigitte Fassbaender, Sándor Kónya, Gerhard Unger und Thomas Stewart, ist bis heute wohl unerreicht.

Gundula Janowitz als Donna Anna
Don Giovanni  © Ilse Buhs
 
Gundula Janowitz als Odabella
Attila © Harry Croner
 

Dann aber 1971 eine Direktübertragung aus der Deutschen Oper Berlin: ATTILA von Giuseppe Verdi. Eine ganz neue Seite von Gundula Janowitz. Bis dahin kannte ich sie vor allem im deutschen Fach von Mozart bis Strauss, bzw. als Liedsängerin. Nun aber das italienische Spinto-Fach, zu dem sich bald auch eine französische Oper gesellte, die viel zu selten aufgeführt wird: LA VESTALE von Gaspare Spontini. Erst jetzt habe ich erfahren, dass an der Deutschen Oper Berlin eine Zeitlang darüber nachgedacht wurde, diese Oper 1975 mit ihr szenisch herauszubringen. Daraus wurde allerdings eine ARABELLA, die noch bis in die 80er Jahre im Repertoire blieb.

Gundula Janowitz als Rosalinde
Die Fledermaus  © Harry Croner
 

Ab 1966 sang Gundula Janowitz regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin, ihre erste Vorstellung war DER FREISCHÜTZ am 2. September. Die Inszenierung von Gustav Rudolf Sellner war noch ganz neu, die Rolle der Agathe übernahm Gundula Janowitz von Claire Watson. Im legendären RING DES NIBELUNGEN in den Bühnenbildern von Fritz Wotruba, dirigiert vom damaligen Generalmusikdirektor Lorin Maazel, sang sie die Freia. Ihre nächste Premiere war Amelia in SIMON BOCCANEGRA von Giuseppe Verdi. Auch davon gab es eine Rundfunkübertragung, allerdings nicht aus Berlin, sondern aus Wien, wo sie von 1962 bis 1987 Ensemblemitglied war. Rosalinde in der FLEDERMAUS und Donna Anna in DON GIOVANNI waren die letzten Premieren in ihrer Heimatstadt Berlin vor ARABELLA. Danach kam Gundula Janowitz weiterhin regelmäßig als Gast, bis sie 1990 die Intendanz des Opernhauses in Graz übernahm. Leonore in FIDELIO, Elisabeth im TANNHÄUSER, Primadonna/Ariadne in ARIADNE AUF NAXOS und die Marschallin in DER ROSENKAVALIER waren weitere Partien, in denen sie das Berliner Publikum begeisterte. Im DON GIOVANNI sang sie später Donna Elvira, und natürlich gab sie auch in der Deutschen Oper Berlin Liederabende, zuletzt 1986. Am 2. August 2017 feiert Gundula Janowitz ihren 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!