Heute Orchestergraben, übermorgen Damenflügel

Wer baut, muss auch mal ausziehen. Acht Wochen lang wandert die Deutsche Oper durch Berlin, zu Gast in den schönsten Spielstätten der Stadt. Der Geschäftsführende Direktor freut sich auf die Tour. Am meisten, wenn die eigenen Türen wieder öffnen.

Herr Fehrle, wie geht es Ihnen? 
Mir persönlich geht es gut. 

Und wie geht’s als Geschäftsführender Direktor? Nach mehr als zwei Jahren Corona, Änderungen, Ausfällen, Absagen? Haben Sie mittlerweile gelernt, zu jonglieren? 
(Lacht) Nein, aber zaubern! Wir haben es in dieser für alle ja wirklich schwierigen Zeit geschafft, einen neuen RING aufzuführen. Eine ELEKTRA hinzubekommen, wenn auch konzertant, mit mehr als hundert Musiker*innen auf der Bühne. Unsere Aufführungen nie verkleinert, sondern mit großer Besetzung gespielt. Wir haben das größte Haus der Stadt und fühlen uns zu dieser Größe verpflichtet. 

Und die Kolleginnen und Kollegen zogen stets mit? 
Da bin ich sehr stolz auf die Mitarbeiter*innen am Haus. Alle haben alles gegeben. Natürlich gibt es Menschen, die unterschiedlich ängstlich sind. Aber alle wollten unbedingt, dass wir proben und spielen, entsprechend groß war die Solidarität untereinander. Die Schnittstellen haben enorm viel geleistet, das künstlerische Betriebsbüro, das Chorbüro, das Orchesterbüro haben Tausende an PCR-Test durchgeführt, Auswertungen organisiert, bei positiven Testungen wurde Ersatz organisiert, stellen Sie sich den Aufwand vor. Auch die Besucherlogistik war nicht ohne. Ein Opernhaus ist darauf ausgelegt, zu proben – nicht zu testen. Aber wir hoffen ja, dass der Spuk bald vorbei ist. 

Nun steigen Sie in die nächste Spielzeit gleich etwas speziell ein, denn Sie bauen den Orchestergraben um. 
Und darin sind wir bestens geübt. Wir hatten 2021 bereits die »Umbauphase Eins« von zwölf Wochen, spielten zum Start auf dem Parkdeck. Dieses Jahr sind 14 Wochen Bauzeit geplant, daher fangen wir erneut anders an. Übrigens: Aktuell liegen wir voll im Plan, zeitlich und finanziell.

Respekt! 
Danke. Den Planern wäre es lieber gewesen, in einem Rutsch zu bauen. Dafür hätten wir eine Saison aus dem Haus ausziehen müssen. Aber wer will das schon? Wer weiß, was dann passiert wäre?

Stattdessen tingeln Sie in den ersten Wochen quer durch unterschiedliche Spielstätten Berlins. Auch schön, oder? 
Auf jeden Fall! Und wir spielen im Oman, zwei Vorstellungen von HÄNSEL UND GRETEL. In Berlin spielen wir in der Philharmonie, im Konzerthaus, im Tempodrom, im Haus der Festspiele, natürlich in der Tischlerei und starten Anfang November hier im Haus. Die größte Herausforderung nach Corona wird sein, das Publikum wieder voll zurückzugewinnen. Wir haben das schon mal durchgemacht, als wir den Wasserschaden hatten, Sie erinnern sich, als am Heiligabend 2017 die Sprinkler losgingen. In der Folge waren wir nur eingeschränkt spielfähig. 2019 lief gut, und dann kam 2020, die Pandemie.

Besitzen Sie ein Diensthandy? 
Ja, warum? 

Bleibt das während der Sommerpause angeschaltet? 
Ja, und während der ersten Woche klingelt es noch oft. Danach ist Ruhe.

Kein Stress mit den Baustellen? 
Nein. Ich muss an dieser Stelle mal ausdrücklich die Bauunternehmen loben. Vor allem aber die zuständige Abteilung in der Senatsverwaltung. 
Das klappt alles vorzüglich. 

Warum bauen Sie den Orchestergraben überhaupt um? 
Die Podien und mit ihnen die Maschinerie, mit der die beweglichen Böden hoch- und heruntergefahren werden, stammen noch aus der Erbauungszeit des Hauses. Wenn die Podien ausfallen, können wir nicht spielen, also ist die Erneuerung dringend erforderlich. 

Was planen Sie als nächstes? 
Der Damenflügel muss komplett saniert werden, der Teil des Hauses, in dem sich die Garderoben für die Künstlerinnen befinden. Elektrik, Wasserleitungen, Fenster müssen erneuert werden; hinzu kommen andere Projekte, die wir über Jahre im laufenden Spielbetrieb und in den Sommerpausen umsetzen. Im Sommer wollen wir beginnen, das Parkdeck vorzubereiten, um Container aufzustellen und dort die Räumlichkeiten des Flügels unterzubringen, damit der Spielbetrieb läuft. 

Wie lange wird das dauern? 
Bis 2027 ist das Gesamtprojekt angelegt. Mal gucken, ob ich das noch erlebe. 

Sie klingen wie ein Mix aus Hausmeister und Therapeut. 
(Lacht) Sie haben es erfasst. Ich bin seit 2011 an der Deutschen Oper Berlin. Und seitdem renovieren wir. Ab 2012 wurde die Obermaschinerie saniert, die wurde nicht so ganz fertig, aber wir konnten immerhin spielen. Der Gesamtkomplex Deutsche Oper ist ein altes Gebäude, und leider wurde in der Vergangenheit nicht ausreichend investiert. Wenn wir es nicht fortlaufend pflegen würden, wären wir nicht nur dumm – wir würden auch unverantwortlich mit den Werten umgehen, die uns anvertraut wurden. Insofern freut es mich, wenn ich tagsüber an der einen oder anderen Stelle Baulärm höre: Es zeigt, dass investiert wird. 

Gibt es eine Spielstätte, auf die Sie sich am meisten freuen? 
Freuen wäre übertrieben, aber das Haus der Berliner Festspiele liegt uns wegen seiner modernen Architektur bestimmt am nächsten. Aber ganz ehrlich – wie das so ist, wenn man umbaut und deswegen ausziehen muss – ich glaube, wir werden uns alle freuen, wenn wir wieder zuhause sind. 

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09
DEZ

Adventskalender im Foyer: Das 9. Fensterchen

Heute im Foyer: „Jenseits der Schneekönigin“
mit Alexandra Ionis, Oliver Boyd und Henriette Zahn
17.00 Uhr / Rang-Foyer rechts
Dauer: ca. 25 Minuten / Eintritt frei


Seit ihrer Uraufführung 2019 begeistert DIE SCHNEEKÖNIGIN in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin nicht nur Kinder. Auch dieses Jahr stehen zahlreiche Vorstellungen auf dem Spielplan. Umso größer ist die Freude, dass sich Alexandra Ionis und Henriette Zahn aus dem Cast der SCHNEEKÖNIGIN zusammengetan haben, um ein Türchen des Adventskalenders zu gestalten. Gemeinsam mit Oliver Boyd, Bariton im Chor der Deutschen Oper Berlin, präsentieren sie ein buntes Programm. Neben Brahms, Schönberg und Kurt Weill erklingen als besonderes Highlight auch Lieder des Komponisten der SCHNEEKÖNIGIN, Samuel Penderbayne, und seines Lehrers Moritz Eggert.

Die Berlinerin Alexandra Ionis studierte u. a. am Conservatorio di musica Giuseppe Verdi in Mailand und an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. 2016 debütierte sie in Strauss‘ DIE ÄGYPTISCHE HELENA an der Deutschen Oper Berlin. Weitere Produktionen hier am Haus waren DEATH IN VENICE, IL VIAGGIO A REIMS und IL TROVATORE. An der Staatsoper Unter den Linden sang sie in Widmanns BABYLON, Reimanns GESPENSTERSONATE, der Uraufführung von Eötvös‘ SLEEPLESS, in DER ROSENKAVALIER und zuletzt in der Neuproduktion von DER RING DES NIBELUNGEN als Schwertleite / DIE WALKÜRE.

Henriette Zahn ist Pianistin mit Schwerpunkt Kammermusik und Liedgestaltung und studierte in München, Lübeck und zuletzt in der Liedklasse von Wolfram Rieger an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Sie spielte u. a. mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, der Karajan-Akademie, dem Württembergischen Kammerorchester und dem Goldmund-Quartett. Aufführungen führten sie u. a. an die Deutsche Oper Berlin, ans Schauspielhaus Hamburg, Theater Bremen, zu den Salzburger Festspielen, in die Allerheiligen Hofkirche in München. Rege Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Komponisten Samuel Penderbayne und der Pianistin Anna Buchberger.

Oliver Boyd studierte am Queensland Conservatorium bei Gesangstrainer Gregory Massingham und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin bei Christine Schäfer. Im September 2018 sang Oliver Boyd die Hauptrolle des Reverend Calloway in Paul Deans Oper DRY RIVER RUN. 2017 debütierte er mit dem Queensland Symphony Orchestra in der Rolle des Dancairo / CARMEN konzertant. Als Solist trat er in Händels „Messias“ auf, in Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, Haydns „Nelson“- und „Paukenmesse“, Mozarts „Requiem“, „Vesper“ und „Missa Brevis“ sowie in Schuberts Messe in G-Dur. Oliver Boyd gewann zahlreiche Preise, darunter den ersten Preis beim Royal Melbourne Philharmonic Aria-Wettbewerb und den Champion der Champions im Queensland Eisteddfod. Er wurde als einer der Nachwuchskünstler des Brisbane Lord Mayor ernannt. Seit der Spielzeit 2021/22 ist Oliver Boyd Mitglied der Stimmgruppe der 1. Bässe im Chor der Deutschen Oper Berlin.