Willkommen

Dies ist Ihr persönlicher Bereich des Projekts „Meine Oper“. Hier aktualisieren Sie Ihre persönlichen Daten, Ihre Profileinstellungen, Ihr Passwort und/oder melden Sie sich ab.

Ihre Anwendungen im Administrations-/Redaktionsbereich

Leid? Oder Leidenschaft?

Was steckt wirklich im Zentrum der MATTHÄUS-PASSION? Regisseur Benedikt von Peter wagt die Neuentdeckung

Matthäus-Passion
Johann Sebastian Bach
Musikalische Leitung: Alessandro de Marchi; Inszenierung: Benedikt von Peter; Mit Sebastian Kohlhepp, Mané Galoyan, Annika Schlicht, Michael Kim, Thomas Lehman, Padraic Rowan, Joel Allison, Samuel Dale Johnson u. a.
25., 30. April; 2., 7., 16. Mai; 5. Juni 2021

»Passion ist zugleich das Leiden und die Leidenschaft von Jesus. Der Passionsgedanke durchzieht die ganze abendländische Kulturgeschichte und auch die der Operngeschichte, und das ist für mich durchaus ambivalent: Wieso kommen sich das Leiden und die Leidenschaft im Begriff der Passion so nahe? Welche Werte werden da gefeiert? Was bedeutet dieses Zelebrieren von Demut, Erbarmen, Schmerz?

Die Matthäus-Passion ist eine großartige epische und musiktheatrale Erzählung. Allein durch die Musik und die Abfolge der Nummern wird die Passionsgeschichte von Jesus plastisch – rein akustisch entstehen Bilder vor dem inneren Auge wie bei einem Hörspiel. Und sie entsteht im Raum, aus der Gemeinschaft heraus: In der Leipziger Thomaskirche, für die die Matthäuspassion entstand, waren zwei Chöre und zwei Orchester um die Gemeinde herum angeordnet.

Man saß mitten in der Musik und im Text und hat so das Leiden am eigenen Körper erlebt und erfahren. Diese performative Anordnung interessiert uns sehr. Wir werden das Werk quasi in den Körper der Gemeinde verlegen, mit vier Orchestern und verschiedenen Chorgruppen im Raum.

Im Zentrum befindet sich eine Gruppe von Kindern, die die Geschichte spielen. Das Kind im öffentlichen Raum ist mit Greta Thunberg ja zu einem neuen gesellschaftlichen Topos geworden. Und mit dem Spiel der Kinder entsteht dann vielleicht auch die Frage, was wir uns anhand dieser Passion in den Körper holen. Welche Werte werden da durch unseren Körper geschickt? Diese Erfahrung und diese Frage zu inszenieren – das interessiert uns.

Dafür möchten wir den rituellen Raum beleben. Viele der Choräle von Bach waren zu seiner Zeit bereits Hits. Sie sollten mitgesungen werden. Bei uns sind daher Berliner Singvereine zu Gast, das Publikum darf mitsingen. Im Musizieren und Hören wird die Passion am eigenen Körper nachvollzogen. Und dabei entsteht vielleicht so etwas wie eine soziale Plastik.«

 

Benedikt von Peter ist Regisseur und ab 2020/21 Intendant des Theater Basel. Der gebürtige Kölner widmet sich seit seinem Studium in Bonn und Berlin dem Musiktheater, von Mozart bis zu neuesten Komponisten