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Donald Runnicles dirigiert Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner

24.08.2018

Donald Runnicles dirigiert Bernd Alois Zimmermann und Richard Wagner

 

Das Konzert des Orchesters der Deutschen Oper Berlin im Rahmen des Musikfests Berlin stellt dem 3. Aufzug aus Richard Wagners SIEGFRIED zwei Werke von Bernd Alois Zimmermann zur Seite: Die 1970 entstandene Orchesterskizze „Stille und Umkehr“ gilt als sein Vermächtnis, das nur zwei Jahre zuvor entstandene „Photoptosis“ für großes Orchester ist eines der Meisterwerke seiner späten Schaffensphase.

Zu Gast beim Musikfest Berlin © 2017, Bettina Stöß
 

 

Alle Informationen zum Konzert am 5. September 2018 in der Berliner Philharmonie finden Sie im Spielplan

 

Dieses Konzert beim Musikfest Berlin wird vom rbb für den Hörfunk aufgezeichnet. Als Sendetermin auf rbb kulturradio ist derzeit der 29. September vorgesehen.

 

Zimmermann wäre 2018 einhundert Jahre alt geworden. Das Musikfest Berlin nimmt dies zum Anlass, den Komponisten zu würdigen, dessen Oper DIE SOLDATEN inzwischen eines der wenigen Repertoirewerke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist, dessen Orchesterwerke aber immer noch zu selten gespielt werden. Dabei stehen diese wie kaum eine andere Werkgruppe für den vielschichtigen künstlerischen Kosmos Zimmermanns. In diesem verbanden sich verschiedenste musikalische Einflüsse und Strömungen zu einer gänzlich eigenen, jedoch ständig sich neu erfindenden Musiksprache. Diese diente einer komplexen Künstlerpersönlichkeit als Medium des Ausdrucks und stand dabei immer auch im Dialog mit dem alltäglichen Erleben von Welt wie mit einer umfassenden Rezeption von Philosophie, Theologie und Kunst.

 

Mit „Stille und Umkehr“ und „Photoptosis“ erklingen im Konzert des Orchesters der Deutschen Oper Berlin zwei Werke, die eng mit Zimmermanns Auseinandersetzung mit der Zeitphilosophie von Augustinus bin hin zu der von Philosophen wie Edmund Husserl und Martin Heidegger in Verbindung steht. Unter dem Schlagwort einer „Kugelgestalt der Zeit“ ging es Zimmermann um das Phänomen eines dreifachen Erlebens von Gegenwart im Hier und Jetzt: das einer stets präsenten, sich vergegenwärtigenden Vergangenheit, das einer Erwartung von und Hoffnung auf Zukünftiges sowie die Erfahrung des unmittelbar Gegenwärtigen. Aus diesem Ansatz heraus integrierte er in seinen Werken Collagen aus Zitaten älterer, eigener wie fremder Werke – so im kunstvoll den flächigen Anfangsteil überblendenden Mittelabschnitt von „Photoptosis“. Er fand aber auch zu einer Technik sich überlagernder „Zeitschichten“ in Form unterschiedlich langer bzw. schnell pulsierender Klang- und Texturschichten.

 

In „Photoptosis“, dem griechischen Wort für „Lichteinfall“, nutzt Zimmermann diese Technik zu einer groß dimensionierten Steigerungsform, in der es – so der Komponist – eine Entwicklung „von einem Minimum an Lichteinfall bis zum Maximum desselben am Schluss des Werkes“ gibt. Diese wird in Form einer überaus farbig orchestrierten Klangfarbenmusik in Klang übersetzt. „Stille und Umkehr“ hingegen ist das „Schatten-“, aber auch „Schwesterwerk“ von „Photoptosis“: Während dort das Prinzip der Zeitschichten zusammen mit der farbigen Orchestration eine enorme Sogwirkung erzeugt, ist es in „Stille und Umkehr“ ein zunehmendes zum Stillstand-Kommen in einer karg instrumentierten „Orchesterskizze“. Das Stück entstand in einer Zeit, in der Zimmermann, von Depressionen und der Diagnose einer unheilbaren Augenkrankheit verfolgt, begann, mit dem Leben abzuschließen. „Stille und Umkehr“ ist sein vorletztes Werk vor seinem Freitod am 10. August 1970.

 

Richard Wagners SIEGFRIED steht in mehrfacher Hinsicht für einen Bruch: Hinsichtlich der Entstehungsgeschichte von DER RING DES NIBELUNGEN verläuft dieser innerhalb des zweiten Aufzugs. Nachdem Wagner den Text für seinen Zyklus zwischen 1846 und 1852 verfasst hatte und bis zum Juni 1857 die Komposition bis zur Hälfte des zweiten Aufzugs von SIEGFRIED abgeschlossen hatte, legte er die Arbeit für fast zehn Jahre nieder. Entmutigt von der vergeblichen Suche nach einer Realisierungsmöglichkeit seiner mit dem RING verbundenen Festspielidee, unter dem Eindruck der Affäre mit Mathilde Wesendonck und dem davon inspirierten TRISTAN-Projekt, für das sich zudem eine konkrete Aufführungsmöglichkeit ergab, ließ Wagner die Arbeit am RING ruhen. Diese Unterbrechung – mit der Erfahrung der Arbeit am TRISTAN sowie den MEISTERSINGERN – ist als wahrnehmbarer stilistischer Bruch innerhalb des SIEGFRIED zu hören.

 

Dem zur Seite steht aber auch dramaturgisch der Bruch zwischen Menschen- und Götterwelt: In SIEGFRIED erkennt Wotan, dass er in seinem Streben, die Prinzipien von Macht und Liebe in der Herrschaft seines Göttergeschlechts über die Welt zu vereinen, gescheitert ist. Um das Rheingold und damit die Macht über den Ring des Nibelungen zurückzugewinnen, lässt er den um seine Herkunft – als Wotans Enkel – und seine Bestimmung als reiner, naiver, angstfreier Held nicht wissenden Siegfried den Drachen Fafner töten. Doch getrieben von dem Wunsch, die schlafende Walküre Brünnhilde zur Frau zu gewinnen, widersetzt sich Siegfried im 3. Aufzug der Oper dem „Wanderer“, dem rastlos durch die Welt streifenden Gott Wotan. Er zerschlägt dessen Speer, das Symbol der Herrschaft der Götter über die Welt, um in der Vereinigung mit Brünnhilde die Utopie eines neuen Menschgeschlechts – für einen Moment – aufscheinen zu lassen.

 

Zu erleben sein wird dieser 3. Aufzug als konzertante Aufführung mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles. Es singen Simon O’Neill die Titelpartie, Michael Volle den Wanderer, Allison Oakes Brünnhilde und Judit Kutasi Erda.

 

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