Vasilisa Berzhanskaya … Mein Seelenort: Das Ristorante Galleria in Mailand - Deutsche Oper Berlin

Vasilisa Berzhanskaya … Mein Seelenort: Das Ristorante Galleria in Mailand

Vasilisa Berzhanskaya über ein Restaurant nahe der Scala. Und über ihre Titelrolle in Händels GIULIO CESARE IN EGITTO

Mein Seelenort ist das Ristorante Galleria in der Galleria Vittorio Emanuele II. in Mailand, ein paar Schritte von der Scala entfernt. Machen wir uns nichts vor, die Galleria ist ein Touristenmagnet und auch das Restaurant kein Geheimtipp. Aber für mich ist es ein Zuhause auf Zeit, ein Ort, an dem sich Opernleben in seiner schönsten, menschlichsten Form bündelt.

Wir Sängerinnen und Sänger leben aus dem Koffer, kommen irgendwo an, arbeiten den ganzen Tag, stehen abends auf der Bühne, voll Adrenalin, und wenn der Vorhang gefallen ist, suchen wir einen Ort, an dem wir wieder zu uns finden. In Mailand ist das für mich das Galleria. Wenn in der Scala eine Vorstellung stattfindet, bleibt die Küche hier bis spät in die Nacht offen, für das Publikum, für die Künstler, für alle, die das Bedürfnis haben, den Abend nicht sofort enden zu lassen.

Die Wände des Restaurants erzählen davon. Sie sind bedeckt mit Fotografien großer Sängerinnen und Sänger, mit Autogrammen, mit Plakaten von Aufführungen. Ich liebe solche Orte: alt, italienisch, ein wenig kokett. Oper ist hier nicht Dekoration, sondern gelebte Leidenschaft. Wenn ich an meinem Platz in der Ecke sitze, sehe ich nun auch mein eigenes signiertes Foto an der Wand – und staune. Ich kenne das Restaurant seit fast zehn Jahren. Ich kam als Studentin aus Moskau an die Accademia Teatro alla Scala, lief durch die Stadt, sah das Lokal und dachte: Das muss etwas Besonderes sein. Es war der erste Ort, an dem ich in Mailand gegessen habe. Ich ahnte nicht, dass ich Jahre später immer wieder hierher zurückkehren und erkannt werden würde, begrüßt, umsorgt von denselben Menschen, die ich vor vielen Jahren zum ersten Mal traf.

Italien bedeutet mir viel. Meine Stimme, mein Repertoire, meine musikalische Sprache sind tief mit der italienischen Kultur verbunden. Mein internationaler Weg begann beim Rossini Opera Festival, ich fühle mich hier zu Hause, in der Sprache, der Musik und im Essen. In der Galleria bestelle ich am liebsten Ossobuco mit Risotto alla Milanese. Ich freue mich Wochen im Voraus. Gut zu essen, gut zu schlafen, das sind für mich Voraussetzungen, um singen zu können.

Kurz nach meiner Zeit in Italien wurde die Deutsche Oper Berlin mein neues Zuhause, 2017 kam ich ins Ensemble. Gerade als junge Sängerin bedeutet es alles, wenn ein Theater an dich glaubt. Deshalb wird meine Rückkehr für Händels GIULIO CESARE IN EGITTO so emotional. Es ist mein Debüt in dieser fantastischen Rolle und außerdem das letzte große Opernprojekt des langjährigen Operndirektors Christoph Seuferle – eines Menschen, der meinen Weg entscheidend geprägt hat und dem ich so vieles verdanke.

Vasilisa Berzhanskaya in der Galleria Vittorio Emanuele II., in der sich ihr Lieblingsrestaurant befindet © Isabella De Maddalena
 

Giulio Cesare ist eine Hosenrolle, für mich ungewöhnlich, denn ich stehe gern als Frau auf der Bühne, mit einer klar weiblichen Präsenz. Wenn ich eine Männerrolle singe, versuche ich gar nicht erst, einen Mann zu verkörpern. Das wäre für mich die falsche Richtung.

Ich arbeite nicht an einer männlichen Pose, sondern an der inneren Logik der Figur. Cesare ist eine historische Persönlichkeit, eine ikonische Gestalt, politisch aufgeladen, ein Herrscher, den jeder zu kennen glaubt. Gerade deshalb ist es wichtig, ihn nicht als Karikatur zu zeigen. Ich nähere mich ihm über seine Haltung, seine Energie, seine Beziehung zu den anderen Figuren. Niemand im Publikum glaubt ernsthaft, einen Mann zu sehen – meine Stimme ist weiblich. Entscheidend ist, dass die Figur glaubwürdig wird.

Im Barock entsteht Glaubwürdigkeit aus der Musik. Die Da-Capo-Arie, eine zentrale Form dieser Epoche, hat daran großen Anteil. Auf den ersten Blick wirkt sie streng und schematisch: ein erster Teil, ein kontrastierender Mittelteil, dann die Wiederholung des Anfangs. Doch in der Wiederholung liegt eine große Freiheit. Wenn der A-Teil zurückkehrt, wird er verziert, verändert, neu gedacht. Ich arbeite diese Verzierungen lange im Voraus aus, schreibe sie auf, probiere sie mit Coaches und Dirigenten, denke sie durch wie eine Komponistin. Dadurch entsteht Raum für Improvisation bei den Proben. Es ist genau diese Freiheit innerhalb einer klaren Form, die mich an der Barockmusik so fasziniert.

Und vielleicht ist es auch das, was mein Seelenort mir schenkt: das Gefühl von Verankerung und Offenheit. Die Gewissheit, dass mich eine Tradition nicht einengt, sondern trägt.

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