Zwischen Dünkel und Katerstimmung

Strauß‘ „Fledermaus“ bietet brillante Gesellschaftssatire

Man nehme eine französische Gesellschaftskomödie und würze sie mit etwas Lokalkolorit, dazu noch Rhythmen der Tänze der Zeit und einige eingängige Melodien – voilà, da haben wir die beliebteste und meistgespielte Operette überhaupt.

Die Operette als Speerspitze des musikalischen Unterhaltungstheaters war im Wien der 1870er Jahre noch ein junges Genre. Die frisch aus Paris importierten Opéras bouffes Jacques Offenbachs bildeten das Modell für Komponisten wie Franz von Suppé, Karl Millöcker und Carl Zeller. Es war aber Johann Strauß, der die größten Hits landete. In der „Fledermaus“ hält er dem Dünkel erfüllten Großbürgertum der k. u .k.-Monarchie den Spiegel vor. Im Zentrum der Handlung steht der Rentier und Lebemann Gabriel von Eisenstein, der eine anzutretende Haftstrafe nutzt, um noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen: Ein Fest beim legendären Prinzen Orlofsky gibt ihm die Chance, seine eingerosteten Verführungskünste aufzufrischen – die ungarische Gräfin, die ihn um den Finger gewickelt hat, ist nur justament seine eigene Gattin in Verkleidung. Nichtsdestotrotz wird fröhlich getrunken und gefeiert – und der morgendliche Katzenjammer inklusive Kater zum Antritt der Gefängnisstrafe ist somit vorprogrammiert.

Vorlage für „Die Fledermaus“ war das Lustspiel „Le Réveillon“ der Offenbach-Librettisten Ludovic Halévy und Henri Meilhac, das Richard Genée für Strauß umarbeitete. Genée war aber nicht nur Librettist, sondern auch Co-Kompositeur, der wesentlich zum Erfolg der „Fledermaus“ beitrug, indem er große Teile der Partitur orchestrierte. Strauß und Genée rücken hier das Geschehen nicht in eine mythologische oder fantastische Welt – wie es Offenbach oft tat –, sondern nutzen die Gegenwart, um eine bitterböse Gesellschaftskritik zu zeigen. Im Sommer 1873 soll das Werk in gerade einmal vierzig Tagen entstanden sein. Dies mag ein Mythos sein, doch es ist bezeichnend, dass „Die Fledermaus“ direkt nach dem Beginn der ersten großen Finanzkrise entstand. Am 9. Mai 1873 platzte an der Wiener Börse eine riesige Spekulationsblase, die sich im Vorfeld der Weltausstellung gebildet hatte: 120 Firmen mussten Insolvenz anmelden, es kam zu dramatischen Kursverlusten, und die Börse musste um 13 Uhr polizeilich geschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Johann Strauß schon mit Richard Genée an dem Stoff, im Sommer wurden große Teile komponiert und in Auszügen präsentiert. Die Uraufführung der „Fledermaus“ fand am 5. April 1874 im Theater an der Wien statt.

Im Zentrum des Stücks steht das Fest beim Prinzen Orlofsky, eine große Party mit Rausch und Vergessen. Die unterkühlte und geordnete Welt der Eisensteins – das großbürgerliche Wohnzimmer – wird verlassen, und alle Figuren tauchen verkleidet und maskiert in eine andere Welt ein. Hier kann die Kammerzofe ihrem Dienstherren einmal die Meinung sagen: „Darum rate ich, nur genauer sich die Leute anzusehen!“ Hier kann zur allgemeinen Verbrüderung aufgerufen und – in einer Gesellschaft, in der das „Sie“ selbst unter Ehepartnern gebräuchlich war – das Unisono-Du angeboten werden. Der Maskenball war im 19. Jahrhundert ein Ort der demimonde, ihm haftete etwas Anrüchiges und Aufrührerisches an. Und so war der Walzer, der ja nicht nur auf dem Ball die gesamte Komposition durchzieht, noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgrund der Umarmung der Tanzpartner und der schnellen Drehung, die zu Schwindel führen konnte, verpönt.

Generalmusikdirektor Donald Runnicles übernimmt selbst am Pult die Leitung der „Königin der Operetten“. Neben Ensemblemitgliedern wie Thomas Blondelle, Markus Brück und Nicole Haslett darf man sich auf Annette Dasch freuen, die als Rosalinde auf der Bühne steht. Star-Tenor Rolando Villazón (auf dem Foto oben) kehrt nach seinem Erfolg mit Puccinis „La Rondine“ als Regisseur an die Deutsche Oper Berlin zurück. Das Komisch-Absurde, aber durchaus auch Wehmütige der „Fledermaus“ spielt dem umtriebigen Sänger, Regisseur und Autor in die Karten. Denn dass er als Regisseur ein Händchen für Komödien wie auch für die große Oper hat, konnte er in den letzten Jahren mehrmals beweisen. „Die Fledermaus ist ein absolut zeitloses Stück, das seit seiner Uraufführung, während der unsicheren Jahre Ende des 19. und durch die Umbrüche des 20. Jahrhunderts, bis in die heutige Übergangszeit und vielleicht auch in einer kybernetischen Zukunft immer seinen Platz und sein Publikum hat. In diesem Sinne: ‚Fledermaus forever‘ und ich freue mich drauf, mich mit dem Ensemble der Deutschen Oper und Donald Runnicles auf dieses Stück zu stürzen – und die Walzer und Polkas, die Überraschungen und den prickelnden Champagner mit Leben und Fantasie zu füllen!“

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08
DEZ

Adventskalender: Das 8. Fensterchen

Heute im Foyer: „Gemeinsames Adventssingen“
Mit der Blechbläsergruppe unseres Orchesters
17.00 Uhr / Parkettfoyer
Dauer: ca. 25 Minuten / Eintritt frei


Die Blechbläsergruppe des Orchesters der Deutschen Oper Berlin lädt zum Singen weihnachtlicher Lieder ins Parkettfoyer ein, wo der liebevoll in Gold geschmückte Tannenbaum erstrahlt! Vom bekannten deutschen Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ über die Klassiker „Oh Tannenbaum“ und „Oh Du Fröhliche“ bis zu „White Christmas“, erwartet Sie ein Programm zur musikalischen Einstimmung auf die Feiertage.