Kieran Carrel – Mein Seelenort: London - Deutsche Oper Berlin

Kieran Carrel – Mein Seelenort: London

Kieran Carrel ist als Sänger so vielseitig wie seine Lieblingsstadt London. Ihr verdankt er, dass er überhaupt auf der Opernbühne steht

Mein Seelenort ist London. Nicht ein Platz oder ein Viertel, sondern die ganze Stadt. Sie ist nicht nur schön, sondern vor allem dynamisch, berstend vor Kultur an jeder Ecke. Wenn ich mir London als Mensch vorstelle, sehe ich eine Person, die älter ist, aber jung wirkt. Der man das Leben und die Erfahrung ansieht, aufgeweckt und cool, vielleicht ein wenig exzentrisch. Ein toller Ort, um in die Welt geworfen zu werden.

Ich bin mit neunzehn Jahren nach London an die Royal Academy of Music gegangen. Zuvor hatte ich in Köln studiert. Ich bin halb britisch, halb deutsch, verbrachte den Großteil meiner Jugend in Deutschland. Die Zeit in Köln verlief nicht glücklich. Nach einem Semester flog ich von der Hochschule, weil ich durch eine Gehörbildungsprüfung fiel. Mein Traum, Sänger zu werden, schien geplatzt zu sein. Ich fiel in ein tiefes Loch. Aber kurz darauf bestand ich die Aufnahmeprüfung an der Royal Academy und bekam ein Stipendium.

Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl: Ich bin als Sänger wirklich gewollt. Das werde ich immer mit London verbinden. Ich genoss das Studium und die Stadt, kostete beides aus. Der Tag begann um acht Uhr morgens, um neun Uhr stand Musikgeschichte in Chinatown auf dem Plan, danach fuhr ich nach Marylebone zur Academy, hatte Kurse bis zum späten Nachmittag. Jeden Abend besuchte ich im Westend Stücke, Konzerte, Opern, lief danach durch die hippen Viertel. Müdigkeit? Gab es damals nicht für mich.

Im Studium wuchs in mir der Wunsch, mich als Sänger breit aufzustellen. Mit Konzert, Lied und Oper. Ich komme ursprünglich vom Lied, vom Oratorium, meine Opernleidenschaft erwachte spät. Mit siebzehn sah ich meine erste Oper: Rossinis LA DONNA DEL LAGO im Royal Opera House in London. Die Karten waren ein Geschenk meines Vaters. Plötzlich lernte ich das Gefühl kennen, wenn eine Opernstimme dich direkt zwischen die Augenbrauen trifft.

Meine Lehrer in London unterstützten den Wunsch, bald kam der Leiter der Vocal Studies auf mich zu, fragte: »Würdest du gern in der Wigmore Hall auftreten?« Wigmore Hall? Im Tempel der Kammermusik? Der große Pianist Graham Johnson suchte für ein Terzett Sopran und Tenor und so fand ich mich auf dieser legendären Bühne Londons wieder, in einem schlecht sitzenden Frack, den ich mir schnell gekauft hatte und sang Schuberts »Der Hochzeitsbraten« – ein ziemlich albernes Stück, wenn man ehrlich ist.

Der Deutschbrite auf den Stufen der Saint George Church, nah der Bond Street. Die Royal Academy, wo Kieran Carrel studierte, liegt zwanzig Minuten Fußweg weiter nördlich, am Regents Park © Dan Medhurst
 

Zunehmend entdeckte ich die Lust am Spiel. Bis heute will ich die Figuren, die ich verkörpere, durchdringen, herausfinden, was sie bewegt. Woher das rührt, weiß ich nicht. Wir hatten während des Studiums auch Schauspielunterricht. Aber da wurde kein Shakespeare einstudiert. Es ging um grundlegende Übungen: Jeder der sich schon mal als Farbe durch einen Raum bewegen musste, Tschechow- oder Lecoq-Methoden gelernt hat, weiß, dass das nicht so einfach ist. Aber ich bekam mehr und mehr positives Feedback. Kurz bevor ich nach Berlin ging, verkörperte ich zum Beispiel den Rinaldo in Haydns ARMIDA. Diesen Ritter, der zwischen Pflicht und Gefühl zerrissen ist – eine psychologische Herausforderung, in die ich mich richtig verbissen habe.

An der Deutschen Oper Berlin habe ich nun eine ganze Reihe von Rollen, in denen ich meine Spiellust ausleben kann. Dazu zählt der verliebte Graf Almaviva in Rossinis DER BARBIER VON SEVILLA. In Katharina Thalbachs Inszenierung ist die Rolle vor allem eine körperliche Challenge: Ich bin permanent in Bewegung, wechsle dauernd das Kostüm. Ein großer Spaß, bei dem es sofort mit dem Publikum klickt. Ich freue mich auch auf den Gesangslehrer Alfred in Johann Strauß’ DIE FLEDERMAUS, den ich gerade lerne. Ebenfalls eine komische Rolle. Genauso machen mir ernste Partien Freude. Wie Erik in Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Ein Jäger, der in einem Gefühlskarussell gefangen ist, er schaut sich selbst dabei zu, wie er die gleichen Fehler wieder und wieder begeht. Ein vielschichtiges Charakterprofil.

Ich dachte lange: Oper? Das bin nicht ich. Erst in London habe ich begriffen, was für eine tolle Kunstform das ist. Wie sich Spiel, Musik, Bühne und Kostüm zu einem kreativen Ganzen fügen. Und dass ich darin meinen Platz finden kann.

 

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